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Ein Blick auf die neue David Bowie-Ausstellung in Berlin

Ausgebrannt und drogenabhängig ist Bowie von L.A. nach Berlin geflüchtet. In der neuen Ausstellung gibt es eine Retrospektive auf die Stadt, die ihn wieder zum Leben erweckt hat.

Alle Fotos—Copyright: STUDIOCANAL Films Ltd / Victoria and Albert Museum

Ab nächster Woche erstrahlt Ziggy Stardust in der David Bowie-Ausstellung, die ihren Weg von London nach Berlin gefunden hat—genau wie Bowie damals—und die in der Stadt, die Bowie so inspiriert hat, um eine Menge Sachen erweitert wurde.

Sie eröffnet am 20. Mai im Martin-Gropius-Bau und zeigt vorher nie gesehene Postkarten aus dem Jahr 1978, die Bowie und Marlene Dietrich sich geschrieben haben, originale Gemälde vom deutschen Expressionisten Erich Heckel, geheime Stasi-Akten zu den Aufständen rund um Bowies Auftritt in Berlin und einiges mehr.

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Einige von Bowies besten Sachen sind in Berlin entstanden. Das scheint daran gelegen zu haben, dass er in Berlin einen Zufluchtsort gefunden hat, wo er nicht von Fans belästigt wurde (so wie in L.A.). Er tauchte in der Hauptstadt unter und hat an Alben gearbeitet, die besser als die Berlin-Trilogie bekannt sind, aus Low (1977), Heroes (1977) und Lodger (1979) besteht und zu großen Teilen in Berlin geschrieben und aufgenommen wurde.

Während dieser Zeit in Berlin hat sich Bowies avantgardistische Seite durch den deutschen Minimalismus, die fantastische Auswahl an Museen und durch alles andere, was zu der Zeit dort los war, entwickelt—auch durch eine beeindruckende Ansammlung von Freunden und Künstlern. Die Ausstellung ist mit über 300 Exponaten aus Bowies Archiv bestückt, inklusive handgeschriebenen Texten, Zeitungsausschnitten, Fotos und Unmengen an Modellpuppen, die originale Bowie-Kostüme tragen (manchmal fühlst du dich, als wärst du in einem riesigen, begehbaren Kleiderschrank). Es gibt den Ziggy Stardust-Overall von Freddie Burretti, den gestreiften Anzug von Kansai Yamamoto, den er 1973 auf der Aladdin Sane-Tour getragen hat (und der sehr nach einem Gemälde von Frank Stella aussieht), und den Union Jack-Mantel von Alexander McQueen vom Cover von Earthling, nur um ein paar zu nennen. Die Ausstellung ist sehr Style-fokussiert und zeichnet die Karriere einer Legende nach, umfasst aber auch Set-Designs, Liveaufnahmen, Albumcover und natürlich Instrumente.

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Wo also anfangen? Wir haben mit der Kuratorin des Martin-Gropius-Bau, Christine Heidemann, gesprochen, die uns von Bowie, Berlin und der größten Herausforderung daran, eine Ausstellung wie diese zusammenzustellen, erzählt hat. Ein Abzug von Bowie, etwa aus der Heroes-Zeit.

Bowie und William Burroughs.

Noisey: Es gibt eine extra Abteilung zu Bowie und Berlin, was ist neu bei der Ausstellung?
Christine Heidemann: Als klar war, dass die Ausstellung nach Berlin kommen würde, haben sie entschieden, den Teil der Ausstellung über Bowies Jahre in Berlin zu erweitern, da diese so wichtig für ihn waren. Sie haben mich gefragt, diese Erweiterung zu kuratieren. Es gab bereits eine Sektion über Bowies Jahre in Berlin, aber die hat sich jetzt vergrößert. Es gibt also neue Sachen in der Ausstellung.

Was werden wir zu sehen bekommen?
Die Ausstellung im Victoria and Albert-Museum in London hat sich auf die drei Berlin-Alben von Bowie konzentriert—Low, Lodger und Heroes. Ich dachte, es wäre interessant zu sehen, ob du mehr Bezug zur Stadt hast, wenn du dir die Ausstellung in Berlin ansiehst. Der Martin-Gropius-Bau am Potsdamer Platz befindet sich in der Näher der Hansa-Studios, in denen Bowie einige seiner Sachen aufgenommen hat, und zu seiner Zeit sah das alles komplett anders aus. Ich habe versucht, mich darauf zu fokussieren und auf die Motivation und Inspiration, die ihn hierher gebracht hat, genau wie die Orte, die für ihn wichtig waren, als er in Berlin war.

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Der deutsche Expressionismus war ausschlaggebend für seine Entscheidung, nach Berlin zu kommen und wir sind sehr stolz, zwei Werke vom Brücke-Museum hier in Berlin zeigen zu können. Das ist ein echtes Highlight. Bowie ist viel in das Brücke-Museum gegangen. Er hat gemalt und gezeichnet, während er in Berlin war. Es gibt viele Bilder und Zeichnungen, die von Bowie inspiriert sind, genau wie Spuren davon auf seinem Heroes-Cover. Wir zeigen auch einen Holzschnitt von Erich Heckel mit dem Namen Portrait of a Man. All diese Zusammenhänge werden klar, wenn du das Gemälde zusammen mit den Albumcovern siehst.

Bowies Lyrics

Bowie war mit Marlene Dietrich befreundet, wird auch etwas über ihre Freundschaft ausgestellt?
Bowie und Dietrich haben beide in einem Film mitgespielt, Just a Gigolo, der 1978 in Berlin und in Paris gedreht wurde. Es ist schade, dass sie sich nie wirklich am Set getroffen haben. Bowie war in Berlin, Dietrich in Paris. Sie haben sich Postkarten geschrieben und einige davon zeigen wir in der Ausstellung. Sie wurden noch nie zuvor gezeigt.

Welche Fotos werden ausgestellt?
Wir zeigen eine große Zusammenstellung von Fotos, die aus dem David Bowie-Archiv stammen und die von Freunden wie Coco Schwab aufgenommen wurden, als sie hier waren. Sie zeigen David Bowie in Berlin und die Plätze, die ihm wichtige waren, es ist wie eine Art Mind Map. Das macht es einfach, sich mit den Plätzen zu identifizieren, die man auf diesen Fotos sieht. Die Besucher können sie auch entdecken, wenn sie außerhalb des Museums in der Stadt unterwegs sind.

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Was war es an Berlin, das seine Avantgarde-Persönlichkeit zum Vorschein gebracht hat?
Bowie hat in L.A. gelebt, bevor er nach Berlin gezogen ist. Er hatte eine harte Zeit. Er war erschöpft und hat zu der Zeit viele Drogen genommen. Das ist kein Schwerpunkt in der Ausstellung, aber es war schwer für ihn. Er brauchte einen Ort zum Entspannen und das war Berlin. Er hatte eine Verbindung zum deutschen Expressionismus der Goldenen 20er. Er war an Berlin und seiner sehr speziellen historischen und politischen Situation nach dem Krieg interessiert. Er stellte sich West-Berlin als stille Insel vor, auf der er entspannen und ein bisschen versteckter leben konnte, nicht als Superstar wie in L.A.

Was ist ein wirklich denkwürdiger Moment von Bowies Aufenthalt in Berlin?
Es wird einen Fokus auf ein Konzert von 1987 geben, ein großes Konzert vor dem Reichstag mit verschiedenen Bands wie Genesis und David Bowie, der „Heroes“ sang. Auch die Leute auf der anderen Seite der Mauer haben zugehört. Es war ein wirklich riesiges Konzert. Es fand anlässlich des 750. Geburtstags von Berlin statt, der hauptsächlich in West-Berlin gefeiert wurde, aber viele Leute sind von der anderen Seite, aus Ost-Berlin, zum Brandenburger Tor gekommen. Es gab ein paar Ausschreitungen auf der Ostseite und es zeigt, wie wichtig Berlin für Bowie geblieben ist, obwohl er hier zu der Zeit nicht mehr gelebt hat. Das war eine beeindruckende Veranstaltung in der Berliner Geschichte. Es wird auch Material von der Stasi geben. Es handelt nicht direkt von Bowie, aber von all den Dingen, die während des Konzerts auf der Ostseite der Mauer passiert sind, von TV-Berichten über das Konzert und solchen Sachen. Das bringt das Ganze ein wenig weg von den 1970ern.

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Bowie hatte schon immer Verbindungen zur Mode. Was ist es, das ihn zur Ikone gemacht hat?
Es gibt viele Kostüme, wie seinen Anzug von Thin White Duke und andere Sachen. Der Fokus liegt sehr auf Mode und David Bowie als Charakter und Figur, die sich ständig verändert.

Für die von uns, die die Ausstellung noch nicht kennen, wo liegt das Hauptaugenmerk?
Im Mittelpunkt stehen die 1970er und 1980er. Es ist eine sehr spezielle Ausstellung, besonders wenn es ums Hören geht. Du läufst mit Kopfhörern durch das Museum. Du hörst Interviews, Erklärungen von bestimmten Dingen, du hörst Songs, Filme und es gibt den Film Where Are We Now?. Es geht also nicht nur um die Vergangenheit. (lacht) Das ist aber das Hauptaugenmerk.

Was war die größte Herausforderung bei der Zusammenstellung dieser Ausstellung?
Für mich war die größte Herausforderung nicht einfach etwas hinzuzufügen, sondern etwas hinzuzufügen, was zu dem passt, was schon da ist. Es ist eine Erweiterung, aber mehr Berlin-spezifisch, also ist die Stadt ein wichtiger Aspekt. Die Ausstellung im Allgemeinen betrachtet eher Bowie als Person in seinen hunderten von Erscheinungsformen, aber ich wollte, dass die Umgebung etwas sichtbarer wird und es ermöglichen, dass man mehr Bezug zu der Stadt hat.

Die Stasi-Akten sind unglaublich!
Eigentlich sind sie total langweilig, sehr bürokratisch. Aber das war nur zwei Jahre vor dem Mauerfall. Bowies Konzert war eine Woche bevor Ronald Reagan zu Gorbatschow gesagt hat: „Mr. Gorbatschow, take down this Wall“. Es war eine Zeit, in der sich viel bewegt hat.

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Die David Bowie-Ausstellung läuft vom 20. Mai bis 10. August im Berliner Martin-Gropius-Bau. Tickets gibt es hier. Danach wird sie 2015 in Chicago und Paris gezeigt. Ein Modell der Bühne für die Diamond Dogs-Tour 1974.

Nadja ist bei Twitter und du solltest ihr wirklich folgen—@nadjasayej

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