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Vor 10 Jahren: Als die Chart-Rapper von heute noch echte Gangster waren

„Ticke Kilos ohne Grimasse, geh nie los ohne die Waffe“—Casper
2.8.16

Wer sich für die Vergangenheit von deutschem Rap interessiert, wird früher oder später über das Battle-Format Feuer über Deutschland stolpern. Heute denkt man bei Rap-Battles an Rap am Mittwoch und Don't let the Label label you, aber die zwischen 2006 und 2008 erschienene dreiteilige DVD-Reihe hat heute den Status einer deutschen Battle-Bibel. Als historisches Dokument geben die bei YouTube gehorteten Feuer über Deutschland-Videos einen Einblick in diese Zeit mit ihren voluminösen Baggy-Pants, Pausenhofwitzen und Haus-Maus-Reimen. Besonders anschaulich zeigen die Battles allerdings, wie klein die deutsche Szene damals doch war. Denn neben schon damals relativ etablierten Künstlern wie Olli Banjo, Morlockk Dilemma oder Manuellsen, waren auch heute sehr erfolgreiche Rapper dabei, die man sich heute beim besten Willen nicht mehr mit Ecko-Pullover und verkehrt herum aufgesetzter Cap vorstellen kann. Da allerdings nicht jeder Zeit hat, sich stundenlang durch Mutterwitz-Punchlines und Texthänger zu skippen, haben wir euch die Arbeit abgenommen und präsentieren euch hier die größten FÜD-Perlen, die ihr auf jeden Fall mal gesehen haben müsst.

Marteria

2006 kam Marsimotos Debüt-Album Halloziehnation raus, mit dem er sich erfolgreich als deutscher Kiffer-Quasimoto brandete. PR-mäßig war es noch ein weiter Weg bis Zum Glück in die Zukunft und sein semi-missglückter Feuer über Deutschland-Gig aus demselben Jahr lässt blicken, dass sich auch generell noch ein bisschen was tun musste. Übrigens auch mit dabei: der ewige Untergrund-Hype Mädness, den man heute aus dem Umfeld von Audio88 & Yassin kennt.

Legendäre Retro-Line aus dem Web 1.0: Du hast nur einen echten Freund, es ist Tom von Myspace.

Tua

Auch Tua bekleckerte sich bei Feuer über Deutschland noch nicht unbedingt mit Ruhm: Als Teil des Bassquiat-Teams muss ihm regelmäßig das Textblatt gereicht werden. Allerdings hat der spätere Orson hier einige smarte Lines auf Lager, die leider wegen der teils verkackten Performance untergehen. Glücklicherweise hat er sich nicht entmutigen lassen.

Legendäre Retro-Line aus Windows 98: Unter meinen Hoes sind mehr Bomben als bei Minesweeper.

257ers

Die Jungs mit dem Faible für Holland-Urlaube sind bereits länger im Game, als man denkt. 2008 legen sie unter den Augen von Ringrichter Staiger ein echt solides Battle gegen den unglücklich-umständlich benannten "Du kuckst Klan" hin. Klar, auch hier sind flache Witze und simple Reime Programm, aber verglichen mit der kontemporären Konkurrenz, machen sich die Jungs schon ganz gut. Wer wirklich etwas zu lachen haben möchte, sollte sich dagegen aber lieber ihr Selfmade-Bewerbungsvideo mit Camcorder im Kinderzimmer anschauen.

Legendäre politisch unkorrekte Proto-Moneyboy-Line: Ihr smellt nach Fisch wie ein Japse der zu viel Sushi gesnackt hat.

Fard

Es gibt nicht viele Rapper, die den Sprung vom erfolgreichen Battlerapper zum erfolgreichen Studio-Rapper schaffen. Fard hat es definitiv geschafft. Als einer der wenigen Freestyle-begabten dominierte er Feuer Über Deutschland, auch weil er über eine gehörige Portion Charisma verfügt, die anderen MCs fehlt. Selbst der altehrwürdige Gregpipe muss sich hier geschlagen geben.

Legendäre 90er-Diddl-Maus-Line: Er dreht durch und holt seinen Schniedel raus, sein Lieblingstier ist die Diddl-Maus.

Casper

Die größte Überraschung in der Out4Fame-Schatzkiste ist wohl Casper, der damals Team Bielefeld mit Gangster-Lines repräsentierte. Im stilechten XL-Dipset-Outfit erzählt Deutschraps deepster Romantiker, er "ticke Kilos ohne Grimasse, geh nie los ohne die Waffe." Außerdem gibt es Drogengeständnisse und Anspielungen auf Making the Band (!?).

Legendäre Line aus der Geburtsstunde des Modems: Pay meine Dues in 'nem Tag, nenn mich Pac und L, meine Jungs sind online so wie AOL.

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