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Die besten Lokale Wiens, in denen du performen kannst – Teil 1

Es gibt viele tolle Lokale in Wien, die du dir mit deiner Band ansehen solltest. Welche das sind, siehst du hier.
3.9.15

Wenn du deinen Proberaum schon satt hast und dich fragst, wo du in Wien am besten gehört wirst, bist du hier genau richtig. Schließlich sollst du deine Musik mit dem passenden Flair performen und das geeignete Publikum an Land ziehen. Da es in Wien jede Menge großartige Pätze mit den unterschiedlichsten Zielgruppen gibt, hat Noisey die leiwandsten Live-Locations für deine Band herausgesucht.

Die Gürtelbogen Venues

Sculpture im B72 | Foto von Joanna Pianka

Das Chelsea, das B72 und das Rhiz sind vom Flair her eindeutig miteinander verwandt. Dafür sorgt das unverkennbare Gürtel-Image: dunkle Seitengassen, grelle Fensterbeleuchtungen, und undefinierbare Ziegelsteinfarben. Im Grunde kommst du zu allen Lokalen gut hin, kannst sorgenfrei dein Zeug abladen und Treppen bleiben dir auch erspart.

B72

Das B72 hat im Gegensatz zu seinen Gürtel-Homies ein zweites Stockwerk, auf dem man die Bands von oben sehen kannst. Im Hochsommer ist diese Idee jedenfalls nicht die beste – die Physik lehrt uns, dass warme Luft aufsteigt – das spürt man – es kann richtig heiß und stickig werden. Also, liebe Bands, hier ist der Deal: Der Tontechniker stresst nicht und wirkt während des Setups ziemlich entspannt. Von der Atmosphäre passen dort viele Genres hin, trotzdem könnte man das B72 am besten noch als Indie-Schuppen bezeichnen. Selbst Musik der harten Sorte geht problemlos durch. Der Backstage-Raum befindet sich hinter der Bar auf der anderen Seite (Dort findest du auch das Bier). Der Raum ist zwar gemütlich, wirkt aber sehr winzig. Zwei Sofas und ein kleiner Tisch gehen sich gerade noch aus – dort willst du nicht abhängen. Am besten chillst du draußen und genießt das Flair, bei frischer Gürtel-Luft, mit deinen Freunden oder dem Rest der Band. Ganz nebenei: Im B72 kann man auch als kleinere Band auftreten.

Chelsea

Das Chelsea ist nur ein paar Gehminuten vom B72 entfernt. Die Konzerthalle und die Bühne sind eine Spur größer, der Sound ein wenig definierter. Obwohl du dort auch alles mögliche runterspielen kannst, passen Metal/Rock/Punk-Bands besonders gut rein, zumindest fühlt es sich so an. Vielleicht liegt es auch einfach an der Deko – die ist dunkler und wirkt dadurch etwas räudiger. Die DJ-Events sind jedenfalls ganz unterschiedlich, von Electronic bis Chillout-Musik wird alles gespielt. Der Tontechniker ist extrem erfahren und bisschen teurer als in den Nachbarlokalen, aber die Wahl des Venues ist schließlich reine Geschmacksache. Schau einfach, wer den passenden Slot hat, so groß sind die Unterschiede wirklich nicht.

Rhiz

Das Rhiz ist klein aber – jetzt kommt´s – fein. Konzerte fangen immer spät an und selbst wenn dich keiner kennt, hast du auch unter der Woche genügend Leute, die zufällig reinschauen. Am besten passen dort Electronic und Low-Fi-Künstler rein, dafür sorgt auch die richtige Anlage. Das hat auch bisschen was mit der Geschichte des Rhiz zu tun: For etwa 10 Jahren war es das Zentrum der aufkeimenden Elektronikszene Wiens – vor allem Experimentelles hat dort ein neues Zuhause gefunden. Heute findest du dort noch Artists, die ihren Laptop and die Soundanlage anhängen und schräges Avantgarde-Zeug auflegen. Natürlich ist dort jede Art von Musik erwünscht – aber mit unkonventionellem Zeug kommst du dort sicher am besten an. Für manche ist das Rhiz deshalb der beste Ort der Welt. Kleiner Tipp für Besucher: Es ist schon sehr oft vorgekommen, dass dort Bands auftreten, die noch niemand kennt, die aber ein Jahr später big im Business sind.

Café Carina

Das Café Carina ist ein Ort, an dem du um drei oder vier Uhr morgens, beim Fortgehen, die merkwürdigsten Leute triffst. Zwischen dem alteingesessenen Wiener und dem introvertierten Goth-Nerd ist alles dabei. Vielleicht liegt es daran, dass es genau bei der U-Bahn-Station Josefstätter Straße liegt und quasi ein Versammlungsort für alle Gestalten ist. Folglich ist dort immer was los, auch Konzerte finden fast täglich statt. Das Programm ist durch das Prinzip der Selbstveranstaltung extrem verschieden. Besonders Blues und Rock-Bands spielen dort gerne. Es ist auch der perfekte Platz, wenn du alleine mit deiner Gitarre auftrittst und willst, dass dir endlich jemand zuhört. Du bist zeitlich nicht gebunden, manche Bands haben schon dreistündige Gigs gespielt – da hätte ich mir mal fast die Kugel gegeben. Seit dem Umbau ist (leider) dieses ehemalige Absteige-Bild verschwunden: die Bühne ist rundherum mit Ketten abgezäunt und wirkt deshalb ein wenig schräg. Man zahlt keine Miete und bekommt keine Fixgagae – durch die Weitergabe des Huts wird auf großzügige Spenden gehofft – wie in guten, alten Zeiten.

Replugged

Terra Toma | Foto von Manuela Melichar

Von außen wirkt das Replugged bescheiden, aber das ändert sich, sobald du reinkommst. Wenn du es mit deinem Zeug die Treppen runterschaffst, stößt du auf eine beachtliche Konzerthalle. Dazu kriegt man einen realtiv großen Backstage-Raum, der garantiert jede lokale Band zufrieden stellt. Auf Kuscheln kann man verzichten – die Stage bietet genug Platz und eine fünfköpfige Band fühlt sich dort auch noch wohl. Der Tontechniker hat bis jetzt immer Ruhe bewahrt und hat vor allem mit Anfängern einen geduldigen Umgang. Obwohl der Sound super ist, überzeugt das Replugged vor allem mit der Licht-Show. Die ist wirklich großartig. So großartig, dass sie von all deinen fürchterlichen Fehlern, die dir auf der Bühne passieren, garantiert ablenken kann. Unter der Woche solltest du mindestens 50 Leute hinkriegen, um nicht zusätzlich blechen zu müssen. Fürs Wochenende müssen 100 deiner treuesten Freunde antanzen. Wichtiger Tipp: Schau, dass sie sich unten, in der Konzertbar, ansaufen – warum das so ist, müssen wir jetzt nicht erwähnen. Es ist auf jeden Fall nicht das einfachste Venue. Vor dem Lokal sollte man Ruhe bewahren, da hier sehr viel wert auf die Anrainer gelegt wird. Eh verständlich. Wenn man mit all dem umgehen kann, ist das ein echt cooles Venue. Ich spreche aus Erfahrung.

Escape

Foto von Jörg Varga

Das Escape ist zweifelsohne die metalligste Live-Location Wiens. Eigentlich ist es eine Metal-Bar, die im Keller mit einem Konzertraum ausgestattet ist. Da passen auch gute – oder in dem Fall – böse 150 Leute rein. Außer hartem Zeug hat dort echt nichts anderes etwas verloren – das schuldet man so einem treuen Platz. Das Escape investiert auch fortlaufend Geld in die Location und hält den Laden damit auch am Leben. Heute treten noch beachtliche Bands der Underground-Szene auf. Der Backstage-Bereich ist eigentlich eine Küche mit einer Sitzecke und wirkt ziemlich bequem. Es ist immer etwas zu essen und zu saufen dort – mehr braucht man vor einem Gig auch nicht. Die Stage ist nicht die größte, aber für die klassische Metal-Besetzung (zu viert oder zu fünft) geht es sich problemlos aus. Besonders cool ist, dass man durch einen separaten Gang direkt auf die Bühne kommt, der von einer fetten Tür getrennt wird. Vor der Live-Show kannst du hinter dieser das dumpfe Geschrei des Publikums durchhören – da kannst du mit deiner Band, bevor ihr die Stage betretet, noch „diesen" Moment genießen, der euch zusammenschweist und den nötigen Adrenalinschub verpasst. Der Sound ist amtlich, Licht ist auch OK. Nach dem Gig kannst du mit einer Menge Metalheads oben in der Bar feiern und reichlich Lob für deine Performance kassieren.

V99

It's The Lipstick On Your Teeth | Foto von Jörg Varga

Das Venster gehört zu den echtesten Orten Wiens. Es ist so echt, dass es zu einzigartig ist, um in die typischen Gürtel-Lokal-Kategorie zu fallen. Der Underground-Spirit ist so spürbar wie nirgendwo sonst. Dafür sorgt ein konstantes Publikum, billiger Alkohol und ein Grind-Level, der sogar über den typsichen Gürtel-Grind hinausgeht. Aber das ist gut so. Es wird sogar bei einem Plenum – eine Veransammlung möglichst aller Mitgleider – entschieden, ob du dort auftreten kannst. Auch hier deuten die vollgesprayten Ziegelwände die bestimmende Musik an. Je räudiger, desto besser. Wenn der Spirit deiner Band mit dem Venster fusioniert, kannst du intensive Konzerte abziehen. Sound-Nerd solltest du keiner sein – der Klang haut dich wirklich nicht um. Aber darum gehts nicht. Beim Venster wird gespielt, weil du dort Menschen triffst, die so echt sind wie deine Musik.

Szene Wien

Harmanic | Foto von Jörg Varga

Die Szene Wien vereinfacht den Transport mit einer eigenen Ladezone. Aber das kann dir ja egal sein – wenn du in der Szene spielst, kreuzt du sicher schon mit eigenen Roadies auf. Spaß bei Seite, die Szene Wien liegt eindeutig in der oberen Liga der Veranstaltungsorte. Was bedeutet das? Hier geht es um Business. Das zeigt auch die Ausstattung: Für einen Auftritt stehen dir ein Monitor-, ein FOH (front of house)- und ein Licht-Techniker zu Verfügung. Dass Licht und Sound hervorragend sind, versteht sich also von selbst – die Shows sollen eben so professionell wie möglich ablaufen. Die Szene sucht für Headliner auch lokale Supports und gibt damit No Name-Bands eine Wahnsinns-Auftrittsöglichkeit (Normalsterbliche können von so einer riesigen Stage nur träumen). Der Backststage-Raum bietet extrem viel Platz und ist mit einer Minibar ausgestattet. Sogar die Support-Band kriegt einen völlig eigenen Raum. Dieser Luxus hat aber einen Preis. Hier geht es um ein klassiches pay to play-Prinzip: Du gibst das Geld des Ticket-Kontingens direkt an die Szene weiter. Ein paar können sich jetzt fragen, warum sie sich das antun sollen – schließlich gibt viele Venues, die gar nichts vom Support verlangen. Aber es ist nicht so einfach, an einen Support-Slot zu gelangen, in der Szene hingegen bekommst du ziemlich schnell einen. Es zahlt sich aus, einmal die Erfahrung zu machen, auf so einer großen Stage zu performen. Da mischst du bei den ganz Großen mit. Wer weiß, vielleicht gehörst du da schon hin.

Viper Room

Foto via Flickr | Alexander Forst Rakoczy | CC BY 2.0

Der Viper Room fällt mit der riesigen knallgelben Schlangenkopf-Deko ziemlich schnell ins Auge. Soundmäßig kannst du dort alles abziehen, das Flair geht mit der schwarzen Konzerthalle aber deutlich in die Metal-, Goth-Richtung – das merkt man auch an den dort stattfindenden Veranstaltungen. Du kommst leicht hin und kannst stressfrei vor der Einfahrt dein Zeug abladen. Der Raum füllt locker 200 Leute – also ist die Stage auch groß genug, für eine fünfköpfige Band. Dort kannst du dich auch austoben und hast genug Platz für alle möglichen Gitarren-Posen, auch internationale Acts schauen regelmäßig vorbei. Zahlreiche Events ermöglichen es, dass kleinere Bands dort auftreten und nicht in die Tasche greifen müssen. Fairerweise sollten die Bands dafür genügend Leute hinzwingen – diese Veranstaltungen kosten schließlich etwas und hey, vielleicht bleibt noch bisschen Geld für die Proberaum-Miete übrig. Der Sound des Raums hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert, du wirst hervorragend abgemischt und hörst alles laut und deutlich, vor allem laut. Was nicht so leiwand ist, sind die Treppen. Bevor du dort einen Gig buchst solltest du wissen, ob deine Bandmitglieder hilfsbereit sind – du musst ziemlich viel schleppen, um dein Zeug auf die Stage zu bringen. Insgesamt musst du zwei Stockwerke runter – die musst du ja auch wieder raufmarschieren. Der Backstage-Raum erinnert mehr an einen Lagerraum, chillen solltest du woanders. Nach dem Gig musst du auch dein Equipment durch die Halle tragen und dich irgendwie durchs Publkum schlängeln, was nervig sein kann. Da es in der Halle gar keinen Empfang gibt, bist du auch nicht erreichbar – das kann die Organisation etwas erschweren. Trotz der paar Kleinigkeiten sind die Veranstalter zuverlässig und gut drauf. Ein toller Ort, um deine Gigs zu spielen.

Down Under

Foto von Down Under

Es ist relativ neu, dass man im Down Under Konzerte gibt. Die Bühne befindet sich im 600 Jahre jungen Partykeller, der mit seinen modernden Ziegelsteinen die richtige Atmosphäre für Gigs schafft. Die Backline ist komplett neu und außerdem steht dort ein neues Schlagzeug zu Verfügung: das haben die wenigsten Locations – damit erspart man einiges an Organisation – der Drummer kann zur Abwechslung etwas Nützliches tun und dem Rest der Band helfen. Die Konditionen sind super – es wird keine Miete verlangt. Nur der Tontechniker braucht etwas Geld zum Leben, er liegt aber im leistbaren Bereich. Leistbar sind vor allem die Getränke: Ein Bier bekommst du dort um weniger als drei Euro. Die Bühne ist nicht besonders groß, zu viert passt es – alles, was darüber hinaus geht, wird eng. Die günstigen Konditionen geben dir die Möglichkeit längere Sets zu spielen und beispielsweise CD-Release-Partys zu veranstalten. Es passen etwa 100 Leute rein – genug um Party zu machen.

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