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Ten Walls bereut seine homophoben Äußerungen und entschuldigt sich

Der Litauer wirkt außerdem in einer Oper gegen Homophobie mit.
29 September 2015, 3:33pm

Im vergangenen Juni schockierte der litauische Produzent Ten Walls aka Marijus Adomaitis mit einer homophoben Facebook-Statusmeldung seine Fans und die Musikszene, indem er Homosexuelle mit Tieren verglich und ihnen unterstellte, dass sie kleine Jungs vergewaltigen. Innerhalb kürzester Zeit wurde er daraufhin von vielen Festivals und Veranstaltungen ausgeladen und vom Line-up gestrichen. Eine Woche darauf entschuldigte sich Marijus Adomaitis sehr knapp auf Facebook und kündigte—anscheinend nicht ganz freiwillig—eine Pause vom Musikbusiness an.

Jetzt, 3 Monate später, hat er ein längeres Statement zu dem Vorfall herausgegeben, in dem er sich ausdrücklich entschuldigt. Er schreibt, dass er „bei [seiner] Aktion komplett neben [sich] stand und diese zu einer besonders anstrengenden Zeit in [seinem] Leben stattgefunden hat." Außerdem fügt er hinzu, dass „der Inhalt [seines] Posts keine wahre Reflektion [seiner] Gefühle darstellt." Es ist allerdings schwer vorstellbar, dass man wegen Stress plötzlich so direkt und spezifisch gegen Homosexuelle hetzt.

Obwohl Ten Walls im mittlerweile gelöschten Facebook-Post auch schrieb, dass er sich nicht das Gehirn waschen lassen möchte, um nicht mehr so konservativ und intolerant zu sein, scheint genau das nun der Fall zu sein. Wieso sonst sollte er plötzlich bei einer elektronischen Oper namens Carmen mitwirken, die gegen Homophobie stark macht? Vielleicht ist das aber auch nur der letzte Strohhalm, an der er sich klammert, um nicht komplett von der Bildfläche zu verschwinden.

Hier die Übersetzung des kompletten Statements:

„Ich bin Marijus Adomaitis aka Ten Walls. Vor einiger Zeit habe ich Kommentare auf meiner Facebook-Seite gepostet, die ich schwer bereue. Mein Post hatte mit Homophobie zu tun und war sehr verletzend. Ich schäme mich dafür, dass ich so viele Leute verletzt habe: Meine Familie, mein Land, meine Kollegen, meine Freunde, die LGBT-Community und viele mehr. Seitdem habe ich mir eine Auszeit genommen um zu reflektieren, was ich getan habe und um eine Entschuldigung zu suchen, die ausdrückt, wie leid es mir tut.

Mein eigenes Verhalten und der Einfluss meiner Aktionen auf andere macht mich sehr traurig. Ich habe viele Leute verletzt, war der Grund für schreckliche Diskussionen, habe mein eigenes Selbstvertrauen und das von anderen zerstört und die Pläne vieler Leute, mit denen ich gearbeitet habe ruiniert. Verständlicherweise wurde ich homophob genannt und habe mich nie selbst so gesehen. Ich muss euch sagen, dass ich bei meiner Aktion komplett neben mir stand und diese zu einer besonders anstrengenden Zeit in meinem Leben stattgefunden hat. Das ist keine Entschuldigung, aber ich will, dass ihr wisst, dass der Inhalt meines Posts keine wahre Reflektion meiner Gefühle darstellt. Viele Jahre habe ich glücklich mit Leuten aus verschiedenen Kulturen, Religionen und mit verschiedenen sexuellen Vorlieben gearbeitet. Ich habe immer alle respektiert.

Mein Post hat keinen Sinn ergeben, nicht einmal für mich. Ich bin Musiker. Meine Musik ist für jeden auf dieser Welt. Ich versuche immer, Leute zu vereinen um Respekt, Gleichheit, Toleranz, Liebe und Frieden zu fördern. Das ist meine Priorität als Musikschaffender, in der Musik gibt es keinen Platz für Diskriminierung. Es ist meine Absicht, etwas in meinem Heimatland Litauen zu tun, das LGBT-Gruppierungen unterstützt und andere über Akzeptanz und Toleranz aufklärt. Ich bin jetzt Teil einer Gruppe von Leuten, die zu diesem Thema eine elektronische Oper namens ‚Carmen' mit einer starken Botschaft geschaffen haben. Ich hoffe, dass meine Beteiligung an diesem Projekt der erste Schritt sein wird, um andere Leute in meinem Heimatland wissen zu lassen, dass Homophobie einfach nicht akzeptabel ist und dass jeder die Freiheit haben sollte, so zu leben, wie er es möchte.

Was ich getan habe, tut mir leid. Es tut mir leid, dass ich mich selber habe hängen lassen. Ich hoffe, dass ihr mir verzeihen könnt und dass ich eines Tages durch meine Aktionen und mein zukünftiges Verhalten wieder für meine Musik akzeptiert werde.

Von ganzem Herzen
euer

Marijus / Ten Walls"

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Dieser Artikel erschien zuerst bei unseren Kollegen von THUMB.