Features

Warum Iron Maiden noch immer eine Macht sind und Heavy Metal niemals sterben wird

Sie waren eine der ersten Heavy Metal-Bands und sind immer noch eine der besten überhaupt.

von Kim Kelly
22 Juni 2015, 8:20am

Letzte Woche haben Iron Maiden etwas angekündigt, das das Metal-Netz in einen Rausch der Aufregung versetzt hat. Die britischen Heavy Metal-Götter werden demnächst nicht nur eine neue Platte veröffentlichen (am 4. September, um genau zu sein), sie werden auch einen Meilenstein in ihrer langen Karriere setzen, indem sie ihr erstes Doppel-Studio-Album veröffentlichen. Auf einer Länge von 92 Minuten wird The Book of Souls elf Songs bieten, inklusive eines 18-minütigen Schluss-Epos namens „Empire of the Clouds.“

Das ist ganz schön viel Maiden und die Fans sind aus dem Häuschen. Als der legendäre Sänger Bruce Dickinson Anfang des Jahres bekanntgegeben hat, dass er sich einer Krebs-Behandlung unterzieht, schien die Zukunft der Band ungewiss zu sein, aber diese neue Ankündigung verdeutlicht, dass Bruce sich nicht so leicht unterkriegen lässt. Seine Ärzte haben ihm grünes Licht gegeben und auf der offiziellen Homepage der Band wird erklärt: „Aufgrund von Bruces Krankheit musste die Band Tourpläne nach hinten verschieben, aber wir versprechen, Anfang nächsten Jahres wieder unterwegs zu sein und geben Bruce Zeit, sich körperlich wieder vollständig zu erholen, um für die Anstrengungen der Maiden-Liveauftritte bereit zu sein.“

Die Aussicht auf ein neues Maiden-Album hat unter den vielen Fans auf der Welt großen Anklang gefunden. Selbst bei etablierten Veteranen wie Black Sabbath, Slayer und King Diamond wird die Ankündigung eines neuen Albums seitens vieler Fans, die eher skeptisch sind (oder denen klar geworden ist, dass manche Bands es einfach nicht mehr bringen) für gewöhnlich von Zweifeln begleitet. So ist die Tatsache, dass diesem neuen Album so viel Vorfreude entgegengebracht wird, wirklich herzerfrischend. Es ist schon beeindruckend: Als das erste Maiden-Album 1980 erschien—also vor ganzen 35 Jahren—hatten die Mitglieder schon weit mehr als die Hälfte ihres Lebens hinter sich. Diese Veröffentlichung jetzt wird das sechzehnte Studioalbum ihrer Karriere sein. Sie sprengen keine Grenzen mehr (ich meine, sie haben die verdammten Grundlagen geschaffen); sie sind nicht extrem oder nihilistisch oder brutal und ganz bestimmt nicht „hip“ (egal wie oft man Miley Cyrus mit einem ihrer Shirts sieht). Sie spielen die gleiche Musik, die sie schon immer gespielt haben, und abgesehen von Bruce Dickinsons temporärer Abwesenheit zwischen 1993 und 1999 und dem Hin und Her zwischen den Gitarristen Adrian Smith und Janick Gers, haben sie seit den 80ern auch ein recht stabiles Line-up. Warum freuen sich die Leute immer noch so sehr auf dieses Album? Warum interessiert das die Leute noch?

Weil es Iron fucking Maiden sind, deshalb.

Einfach gesagt, Iron Maiden sind eine Macht. Sie waren eine der ersten Heavy Metal-Bands und sind immer noch eine der besten überhaupt. Sie waren die Hauptakteure der New Wave of British Heavy Metal, die die galoppierenden Gitarren und kräftigen Schreie in die gierigen Ohren unzähliger wütender, verlorener Kids auf der ganzen Welt gebracht hat; eine Metal-Band für nachdenkliche Menschen, die ihre mitreißenden Epen mit wirklich gebildeten Texten und bombastischer Theatralität gewürzt hat; die beste verdammte Liveband, die du jemals sehen wirst und die Leute, die das beste Maskottchen überhaupt zum Leben erweckt haben: Eddie. Sie schienen immer überlebensgroß zu sein und ihr Katalog ist unglaublich reichhaltig, variantenreich und zeitlos. Selbst ihre etwas farbloseren späten Alben haben die Ambitionen und die Energie, die ihre frühen Klassiker so fesselnd gemacht haben, noch aufrechterhalten. Es gibt keinen Grund, warum The Book of Souls dem nachstehen sollte. Wird es besser als The Number of the Beast oder Powerslave? Wahrscheinlich nicht, aber es wird immer noch gut sein, denn Iron Maiden ist nicht die Art von Band, die es sich erlauben würde, irgendwas anderes als ein solides Album zu veröffentlichen—und ein solides Album von Iron Maiden ist immer noch um mehrere Klassen besser als das, was die meisten jüngeren Bands sich zu ihren besten Zeiten erträumen können.

undefined

Heavy Metal misst seiner Vergangenheit immer noch ziemlich viel Bedeutung zu. Teilweise, weil es noch ein relativ junges Genre ist. Es ist nicht wie Blues oder elektronische Musik oder sogar Rock’n’Roll, deren Geschichte genau das ist—Geschichte. Die ersten Metal-Bands sind immer noch aktiv, noch immer munter und zur Hölle, Black Sabbath—die weitgehend als die erste Metal-Band überhaupt angesehen werden—waren erst vor Kurzem auf Tour und arbeiten an einem neuen Album. Unsere Geschichte geht immer noch jeden Abend auf die Bühne und schnappt sich das Mikro. Die alte Garde ist noch immer am Leben, auch wenn die Ausschweifungen der Vergangenheit ihre Opfer fordern. Unsere Kriegsgötter fangen an, die Risse in ihrem Panzer zu zeigen, ihre Sterblichkeit wird weniger Vorstellung und mehr Realität. Einige Helden haben uns bereits verlassen, wie Ronnie James Dio, Cliff Burton, Jeff Hanneman oder Darrell „Dimebag“ Abbott und es scheint nicht, als sollte diese Entwicklung aufhören.

Die Doku bei VICE: Black Sabbath und die Geburt von Heavy Metal

Wenn wir die ersten Töne von Black Sabbath 1968 als Geburtsstunde nehmen, dann wird Heavy Metal selbst dieses Jahr 47 Jahre alt. Wenn man bedenkt, dass die meisten Leute ihre ersten Bands als Teenager oder in den frühen 20ern gründen—Tony Iommi war 1968 20 Jahre alt—ist es alles andere als schockierend, dass es in den letzten Jahren immer mehr Pressemitteilungen über die medizinischen Probleme gibt, die unsere alten Helden plagen. Judas Priests Fliegeralarm von einem Sänger, Rob Halford, musste sich mehreren Operationen an Rücken und Hüfte unterziehen. Motörhead mussten aufgrund von Lemmys gesundheitlichen Problemen eine Menge Dates canceln, die sich immer noch hartnäckig halten, obwohl er den geliebten weißen Lines und dem Jack Daniels abgeschworen hat. Iommi, der Iron Man himself, wurde 2012 von einem malignen Lymphom zugesetzt und obwohl er wieder zurück in Aktion ist, ist seine Prognose nicht so rosig, wie man es sich wünscht. 2011 hat King Diamond sich nach einer Reihe ernster Herzattacken einer dreifachen Bypass-OP am offenen Herzen unterzogen; auch er ist wieder zurück, aber diese und andere Geschichten unterstreichen die gnadenlose Realität, dass unsere Helden alt werden. Trotz des Wagemuts und der Kraft und der puren Gewalt, die Heavy Metal mit sich bringt, sind dies Männer aus Fleisch, nicht aus Stahl, und da ihre Körper anfangen, sie im Stich zu lassen, klammern wir uns noch stärker an ihre Mythen. Sie haben ihr Leben wortwörtlich dem Heavy Metal geopfert und eines Tages werden sie dafür sterben.

Es wird traurig sein und wir werden trauern, aber weißt du, was für immer leben wird? „Run to the Hills“ wird für immer leben. „Sweet Leaf“ und „Raining Blood“ und „Rainbow in the Dark“ und „Cemetary Gates“ und so viele mehr werden nie vergessen werden. Ein Klassiker ist ein Klassiker, ob man ihn nun zum ersten Mal oder zum fünftausendsten hört. Iron Maiden werden nie sterben und Heavy Metal auch nicht, also her mit dem neuen Album. Her mit der neuen Tour. Her mit dem neuen Eddie-Shirtdesign, neuen Videos und mehr Fotos von Bruce, der in seinem verdammten Flugzeug fliegt. Her mit dem Metal.

Up the irons, heute, morgen, bis zur letzten Note.

**

Folgt Noisey bei Facebook und Twitter.