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Mehr schlimme Dinge, die mir im Rausch passiert sind

Wer noch nie aus einem fahrenden Taxi gekotzt hat, der hat was verpasst.

von Verena Bogner
24 April 2015, 7:03am

Alle Fotos von der Autorin

Meine Kollegin Isabella, die unangefochtene Meisterin des polnischen Abganges, hat letztens schon hier gestanden, in welche Hundehaufen sie sich im Rausch schon gesetzt hat und was ihr sonst Schlimmes passiert ist, als sie besoffen war. Weil in diesen Geschichten für meinen Geschmack aber viel zu wenig Blut und Kotze geflossen sind und ich finde, dass ihr wissen solltet, was euch auf den zukünftigen Partys eures Lebens noch Grauenvolles erwarten kann, hier meine besten und furchtbarsten Rausch-Erlebnisse. Und ja, ihr dürft mich ruhig auslachen.

Wie ich in der Arena einen Schuh für immer verloren habe

Vor ungefähr drei Jahren war ich mit Freundinnen und meinem damaligen Freund auf einem Electro-Dubstep-Something-Konzert in der Arena, vor dem aus Gründen natürlich angemessen vorgeglüht wurde. Irgendwann zwischen dem ersten und zwanzigsten gleichklingenden Song ist mir ein besoffener Typ hinten auf den Schuh gestiegen (der Teil eines Paares war, das ich ein paar Wochen vorher in New York gekauft hatte und heiß liebte), und ich bin aus Versehen rausgeschlüpft _ natürlich war der Schuh eine Sekunde später im Moshpit-ähnlichen Limbus der Arena verschwunden und er ward nie mehr gesehen. Kurz habe ich überlegt, ob ich einfach nach Hause gehen und auf die Party scheißen sollte, oder den Schuh einfach als Kollateralschaden verbuchen, noch sechs Stunden barfuß in der Arena bleiben und einen kaputten, toten, zertrampelten Fuß riskieren sollte. Natürlich entschied ich mich in meiner grenzenlosen Weisheit für zweitere Variante und blieb bis zum Morgen in der Arena und bin in der Früh mit der U-Bahn, einem einsamen Schuh und einem verdammt schwarzen Fuß nach Hause gefahren. Mein damaliger Freund ist übrigens vorzeitig nach Hause gegangen, weil er es verantwortungslos fand, barfuß auf einem Konzert bleiben zu wollen und deswegen böse auf mich war. Nach diesem Abend waren wir nicht mehr lange zusammen. Du hast mich auf den richtigen Weg geführt, Schuh. R.I.P.

Wie ich aus einem fahrenden Taxi gekotzt habe

Als ich noch ein wildes Teenie-Mädchen war, war die Flasche schwarzer Taiga-Vodka eigentlich ein Wochenend-Fixpunkt. Auf allen Partyfotos aus meiner Jugend habe ich verdächtig schwarz-blaue Lippen und bin bleich wie ein Geist, was wahrscheinlich daran liegt, dass das Kotzen ebenso ein Fixpunkt war, wie die Wasserleichen-Lippen. Als ich also noch nicht wusste, dass Vodka mich prinzipiell völlig außer Gefecht setzt, habe ich es des Öfteren ein bisschen zu sehr übertrieben. Das eine Mal, als wir bei einem Freund vorgeglüht haben, der ungefähr hundert Meter von meinem damaligen Schlafplatz entfernt gewohnt hat, musste ich frühzeitig Heim gebracht werden, weil ich nicht mehr konnte. Und mit "nicht mehr können" meine ich, dass mein Freund für den kürzesten Weg der Welt extra ein Taxi rufen musste, weil ich nicht einmal mehr zu den wenigen geraden Schritten fähig war, die für den Heimweg nötig gewesen wären. Jedenfalls ist das Taxi die paar Meter extra vorsichtig gerollt, was mich aber nicht daran gehindert hat, mich beim Überqueren eines "schlafenden Polizisten" aus dem offenen Fenster zu hängen, wie ein Hund, der den Fahrtwind genießt, und meinem Mageninhalt freien Lauf zu lassen. Leider kotzen Menschen, die aus einem Auto kotzen, nicht wie im Film in Form einer Fontäne, sondern direkt an der Autotür runter, was auch der Grund war, warum ich aus diesem Taxi verbannt wurde und die letzten 30 Meter von meinem Freund geschleppt werden musste.

Wie ich mein Handy im Klo versenkt habe

Ich war schon immer gut in Zerstören und auch Verlieren (an dieser Stelle noch einmal: R.I.P. Schuh) von Dingen, wenn ich besoffen bin. Wie viele meiner Jacken schon in Clubs liegen geblieben oder wie viel von meiner Ehre ich schon in diversen Clubs zurückgelassen habe, weiß ich mittlerweile nicht einmal mehr.

Als ich letztes Jahr einmal bei meinen Freunden im Studentenheim zum Vorglühen war, habe ich den Fehler gemacht, mein Handy mit auf das ziemlich ekelhafte Gemeinschaftsklo am Gang zu nehmen, in das es letztendlich einen kleinen Tauchgang unternommen hat. Das Handy ist mir aus der Hand geflutscht und einfach schnurstracks in die Schüssel gefallen. Nach ein paar Sekunden der Schockstarre, in denn ich einfach nur traurig und ratlos ins Klo gestarrt habe, habe ich mein Handy aus dem Wasser gefischt _ keine Sorge, das Ganze ist passiert, bevor ich dort meine Bier-Blase entleert habe. Danach war ich so angepisst (no pun intended), dass ich sofort Heim gegangen bin und halb besoffen und halb traurig mein Handy in eine Tupperdose mit Reis gelegt habe, weil mir das Internet verraten hat, dass das helfen würde. Danke für nichts, Internet. Dein nutzloser Life Hack hat mein Handy nicht ansatzweise gerettet, sondern lediglich dafür gesorgt, dass ich besoffen überall in meiner Wohnung Reiskörner verteilt habe, von denen ich noch heute manchmal eines in meinem Langhaar-Teppich finde.

Wie ich mir in jedem Rausch mindestens eine Verletzung zuziehe

Ich bin begabt dafür, mir auf jeder Party und bei jedem Clubbesuch mindestens einmal weh zu tun. Egal, wo es einen Spalt gibt, ich werde rein fallen und mir die Wade prellen. Gibt es Stufen in einem Club? Cool, ich frier schon mal den Eisbeutel ein. Einmal bin ich auf einer Treppe so beschissen ausgerutscht, dass ich mir das Steißbein geprellt habe und im Büro zwei Wochen lang ausgelacht wurde, weil ich mich nur noch gebückt fortbewegen konnte.

Einmal hat jemand neben mir im Club ein Glas fallen lassen und anscheinend wurde dabei der eine oder andere Glassplitter durch die Luft und direkt gegen meine Beine katapultiert, ohne dass ich es gemerkt habe. Als ich mich ein paar Stunden später kurz hinsetzen wollte, habe ich gesehen, dass meine Waden wie aus dem Nichts blutüberströmt waren, was mich aber nicht weiter störte. Das Einzige, das bleibt, sind Fotos, auf denen ich mit blutigen Waden vor einem Club auf Ibiza sitze und grinse, als wäre es der glücklichste Moment meines Lebens.

Wie auf meiner Party jeder einzelne Raum vollgekotzt wurde

Anlässlich meines Geburtstages habe ich in meiner alten WG vor ein paar Jahren eine Party geschmissen, auf der es überwiegend Vodka Schnee zu trinken hab. Bei Vodka Schnee handelt es sich grundsätzlich um einen Vodka-Shot, nachdem man in eine in Staubzucker gewälzte Limette beißt. Das heißt, Vodka Schnee ist das wahrscheinlich beste Getränk der Welt und im selben Maße, wie es geil schmeckt, ist es auch tödlich. Im Laufe des Abends (von dem ich nicht mehr allzu viel weiß, von dem es aber Fotos gibt, die meinen kontinuierlichen Verfall dokumentieren), haben diverse Partygäste in jedes einzelne Zimmer unserer Wohnung gekotzt und ich habe dem Ganzen mit einem Kotz-Ausflug ins Stiegenhaus dann noch die Krone aufgesetzt. Am liebsten hätte ich die Wohnung nach dieser Party einfach in Flammen gesetzt oder zumindest ausgeräuchert. Ein Freund von mir hat mir am nächsten Tag folgendes geschrieben: "Ich hab gestern eine halb verdaute Tomate von deiner Treppe entfernt. Du schuldest mir was."

Dieser Abend hat mich zumindest eines gelehrt: Ein Tag, an dem du mit einem Mistkübel in deinen Armen aufwachst, ist kein guter Tag. Viel mehr habe ich daraus nicht gelernt, denn im darauffolgenden Jahr hat sich das gesamte Szenario wiederholt. Mit dem Alter wird man offenbar doch nicht klüger.

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