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Booba ist der schlechteste Ryan Gosling aller Zeiten

Booba hat für sein neues Video den kompletten Film ,Drive‘ so laienhaft wie nur möglich nachgestellt. Ganz großes Kino!
03 Juni 2014, 1:54pm

Booba war in der Vergangenheit dafür bekannt, sehr gute Musik (eigentlich alles zwischen seinen Lunatic_-Zeiten und „Ouest Side") zu sehr guten Videos („Garde La Peche") zu machen, entschied sich dann aber irgendwann dafür, der Rick Ross von Paris werden zu wollen. Mit seinem Lieblingsregisseur Chris Macari kam er jetzt auf die grandiose Idee, nicht nur den Bitches aus Miami, sondern auch Hollywood zu zeigen, dass Frankreich immer noch die „Grande Nation" ist und hat für seinen neuen Song „OKLM" direkt mal _Drive nachgedreht.

Als ich Nicolas Winding Refns Meisterwerk zum ersten Mal gesehen habe, hatte ich eine Art göttliche Erleuchtung. Ryan Gosling starrt mit Blut im Gesicht in diesem Motel-Zimmer psychotisch in eine Kamera, um wenig später jemandem im Aufzug den Schädel einzutreten… Wie drücke ich es am besten aus? Ich war verliebt. Dementsprechend habe ich jede Art von Verständnis für Leute, die den Film ähnlich fantastisch fanden. Mit diesem ersten Vorboten aus seinem kommenden Album hat Booba allerdings den bisher wohl unnötigsten Versuch abgeliefert, wieder irgendeine Art von künstlerischer Tiefe zu generieren.

Die 80ies-Ästhetik ist super, Synthie-Pop ist super, absurde Anzüge und Neonfarben sind super und Drake hat das in seinem _Scarface_-Ripoff „Hold On We're Going Home" ja bereits ganz zauberhaft bewiesen. All das kommt in „OKLM" aber nicht vor. Es scheint den Herren Booba und Macari wirklich ausschließlich darum zu gehen, die komplette Handlung von „Drive" möglichst laienhaft nachzustellen.

Gestatten: Kopp Gosling. Er kommt aus einem Paralleluniversum, in dem es Kfz-Mechanikern sehr wichtig ist, möglichst viele Teile aus der neuen Ünkut-Kollektion auf einmal zu tragen.

Im Universum von Chris Macari ist es zwar möglich, fremde Filmszenen bis ins Detail nachzuspielen, wenn die ursprüngliche weibliche Hauptrolle aber zu kleine Brüste hat, ist künstlerische Freiheit der Freund des Regisseurs.

Wenn Booba weiß trägt, ist er eigentlich der freundliche, familienaffine Kopp (steckt irgendetwas Tieferes hinter diesem Namen? Ist das eine Anspielung? Ein Scherz?!), gegengeschnitten werden dann seine Gangster-Sequenzen in Schwarz. In dieser Szene hat der Erfinder der französischen Bossformation allerdings noch den Gesichtsausdruck aus dem letzten Take.

Spoiler Alert an den blutenden Typen am Boden: Wenn dein Kind mehr Vertrauen zum Nachbarn als zu dir hat, dann bumst der wahrscheinlich deine Frau.

Die originellste Szene im Video. Könnte aber auch im Bonusmaterial der _Drive_-DVD-Sammlerbox versteckt gewesen sein.

„Ich warne dich, junge Dame. Wenn du das nächste Mal versuchst, mich zu verarschen, schaue ich noch böser und denke immer daran: Der liebe Gott bestraft auch kleine Sünden sofort!"

Das Faszinierendste an „OKLM" neben der Tatsache, dass komplette Szenen samt Kameraeinstellungen einfach übernommen werden: Für Leute, die Drive nicht gesehen haben, ergibt nichts davon Sinn.

Und für alle anderen fühlt es sich an, als würde man im Kino sitzen und Lil Wayne würde aus dem Nichts einmal mit seinem Lowrider durch den Saal kurven.

Dem Zuschauer bleibt nur die Frage nach dem Warum. In diesem Sinne…

**

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