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Alles, was wir an Wanda lieben. Alles, was wir an Wanda hassen

Bussi, Babys.
1.10.15

Alle Fotos: Florian Senekowitsch

Freunde des Beisl-Gesangs, am Freitag ist es so weit. Bussi, das zweite Album von Wanda, erscheint. Wir sagen dazu so viel: Wenn ihr für Amore gestanden habt oder noch immer steht, dann wird euch auch das kommende Werk gefallen.

Während sich Ende letzten Jahres irgendwie alle auf Wanda einigen konnten, wird die Band heute viel kontroverser gesehen. Viel mehr Leute finden sie großartig, aber auch viel mehr Leute sind genervt. Wir haben uns hingesetzt und zusammengetragen, was an den Lederjacken so richtig nervt. Und was an ihnen wunderbar ist.

Alles, was wir an Wanda lieben

Die einfachen Wahrheiten

Auseinandergehen ist schwer. Sterben wirst du in Wien, weil du dort hingehörst. Das alles sind einfache Wahrheiten, die man auch erstmal so gelassen aussprechen können muss, dass es nicht bescheuert wirkt. Wanda schaffen es mit simplen Worten, in Bauch und Kopf des Hörers Bilder zu konstruieren. Und stellen damit einen Anspruch auf Universalität, wie es länger keine deutschsprachige Band mehr getan hat. Manche raunen sich das schon das Wort Schlager zu. Aber selbst wenn—das wäre ja keine Beleidigung.

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Ihr Rotzigkeit

Natürlich weiß jeder, dass Wanda ein erdachtes Projekt und die dahinter stehenden Personen ziemlich smart sind. Und trotzdem schaffen sie es, die notwendige Leichtigkeit zu transportieren. Die Band umgibt eine vergilbte Aura aus Analogem, bei der es letztlich völlig egal ist, wie sorgsam diese gepflegt wird. Als wäre ihnen alles wurscht. Diese Scheiß-Drauf-Attitüde ist natürlich eines der großen Motive des Rockmusik, weshalb manche Wanda halt auch die letzte große Rock'n'Roll-Band unserer Generation nennen. Soweit würden wir nicht gehen. Aber Wanda verkörpern das Versprechen der Popmusik: Du musst nicht arbeiten, du musst nur etwas sein.

Ihre Live-Performance

Kombiniere den Kaisermühlen Blues mit Musik und kreischenden Mädchen, schon hast du ein Konzert von Wanda. Auf der Bühne stehen Jungs, denen du die Arschloch-Attitüde plötzlich nicht mehr ansiehst, die ihre Instrumente beherrschen und die das Publikum unterhalten wollen. Wenn es sowas wie Animationstanz auf cool gibt, dann bei Wanda. Dass ihr Releasekonzert blitzartig restlos ausverkauft war, sagt wahrscheinlich eh mehr über ihr Live-Talent aus, als wir jetzt schreiben könnten. Als nächstes gehen sie die Stadthalle an. Selbst Leute, die der Band sonst nichts abgewinnen können, haben sich während ihres Auftritts schon mit ihnen versöhnt.

Wanda funktionieren

Du kannst haten, wie du willst—wenn du betrunken bist und Wanda läuft, wirst du zumindest mitwippen. Denn es ist Musik, die funktioniert. Und es natürlich auch irgendwie funktionale Musik. Amore war ein rundes Ding. Bussi ist sogar noch runder. Daran kann man versuchen herunterzureden. Muss man aber nicht.

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Come on, es ist schon irgendwie einfach geil

Da sitzen fünf Typen in Lederjacke, mit auch du gerne mal saufen würdest. Die sich den deutschsprachigen Raum innerhalb kürzester Zeit Untertan gemacht haben. Die belesen sind, feiern können und noch dazu die Wiener Codes zitieren, dass es nicht peinlich ist. Das ist schon irgendwie einfach cool.

Alles, was wir an Wanda hassen

Die Interviews

Wanda zu interviewen war in der Anfangszeit schwierig. Mittlerweile hat sich da aber eine Sache eingespielt, die ein bisschen nach einem Schema F ausschaut: Marco gibt ein Interview und baut einen Tiefschlag-Sager ein. Gegen österreichische Bands. Gegen männliches Publikum auf deutschen Festivals. Gegen die Kritiker. Kontroverse Aussagen sind natürlich grundsätzlich gut. Das Problem ist halt: Je öfter und erwartbarer sie kommen, desto weniger kontrovers sind sie dann wirklich. Und sie werden dann etwas, das sie auch wirklich auf keinen Fall sein dürfen: langweilig. Denn nichts ist schlimmer als eine Kampfansage, die in der Luft hängen bleibt. Aktuell tun die Menschen Wanda oft noch den Gefallen sich zu empören. Aber ewig geht das nicht.

„Damit haben wir doch nichts zu tun“

Die Band kann noch 1000 Mal behaupten, hinter dem Auftritt von Ronja von Rönne hätte kein Hintergedanke gestanden. Aber das ist natürlich Blödsinn. Über das Spiel mit dem Feuer und den Codes haben wir hier schon einmal geschrieben. Aber es geht sich eben nicht aus. Man kann nicht nicht kommunizieren, wie der Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick es einmal formuliert hat. Natürlich kann man von Rönne in sein Video packen. Und dann dazu stehen. Aber so tun, als hätte man sich nichts dabei gedacht—das ist eher Dings.

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Ihre Allgegenwärtigkeit

Dafür kann die Band natürlich nichts. Aber wenn du als Aushängeschild einer „neuen Austropop-Bewegung“ giltst, immer nur im gleichen Atemzug mit Bilderbuch (der anderen „neuen Austropop-Band“) genannt wirst und überall bist (damit meinen wir nicht nur medial. Wanda haben im letzten Jahr zumindest in Wien sehr viel live gespielt), dann erzeugt das natürlich Gegenreaktionen. Wir sind ja auch nur Menschen.

Come on. Das soll cool sein?

Die bemühte Thekenphilosophen-Attitüde. Die aufgesetzte Arroganz. Das Image, das eigentlich ja nur aus Zitaten von Zitaten besteht. Ein paar Buben, die gerne Bukowski wären, aber oft genug dann doch nur ein bisschen der eine Typ sind, der im Rhiz immer bis zum Schluß an der Bar sitzt und deine Freundin angräbt. Das ist die letzte große Rock'n'Roll-Band?

So, das musste mal raus. Beides. Wanda, wir mögen euch ja. Bussi, Babys.

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