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Interviews

Wir haben Tinashe die Karten gelegt und in ihre Zukunft geschaut

Damals spielte sie in Two And A Half Men nur die Freundin des kleinen, dicken Jungen. Inzwischen hat sie ein beachtliches Album veröffentlicht und trifft sich mit Taylor Swift zum Sonntagstee.

von Zora Beer
29 April 2015, 12:30pm

Tinashe ist eines dieser Mädchen, die immer ihre eigene Serie im Disney Channel haben wollten. Da sich das Disney-Castingbüro dann diversitywise doch für Jennifer Hudson und Selena Gomez entschied, fing sie bei Two And A Half Men an, wo sie die Freundin des dicken Jungen spielen durfte, der irgendwie süß war, bevor er in die Pubertät kam und pervers wurde. Ihre Rolle starb zwar keinen schicken Serientod, aber sie verließ Jake nach zwei Staffeln. So konnte Tinashe mit ihrer Teen-Pop-Group—ja, das ist scheinbar noch ein Ding in Amerika—The Stunners auf Tour gehen, um für Justin Bieber Konzerte zu eröffnen. Bei so viel hipper Teenie-Namedropperei ist es umso erstaunlicher, dass Tinashe es trotzdem schaffte, irgendwie cool zu werden und nicht als Regemschirm-prügelndes Jurymitglied bei America‘s got Talent zu enden.

Nachdem the Stunners niemanden mehr so richtig erstaunen konnten und sich auflösten, ging das Mädchen mit den beeindruckenden Brüsten in die contemporary R'n'B-Richtung, brachte ein paar Mixtapes raus, die gar nicht mal so schlecht waren, veröffentlichte letztes Jahr ihr eigenes Album und dieses Jahr ein Stück mit Iggy Azela. Zum Sonntagstee mit Taylor Swift trifft sie sich aber trotzdem. Da wir Interviews mit Mädchen wie Tinashe schon eine Million Mal gelesen haben, legten wir ihr stattdessen die Karten, als wir sie in Berlin treffen konnten.

Noisey: Eine deiner EPs heißt Blackwater und dann gibt es da noch einen Song „Wildfire“. Wie stehst du zu Game Of Thrones?
Tinashe:
Das ist ein krasser Zufall. Naja, ich schaue nicht wirklich Fernsehen—da fehlt mir die Zeit für. Vielleicht sind die einfach Fans von mir?

Wenn man sich Fotos von dir anschaut, bist du da immer dieses Fun-Upbeat-Mädchen mit den Crop-Tops und den sehr beeindruckenden Brüsten. Da würde man andere Musik erwarten als die, die man letztendlich auf deinem Album findet.
Ich habe einfach mehrere Seiten. Manchmal kann ich super quatschig sein, ein Energieflummi, und manchmal bin ich einfach lieber alleine und ja, dann werde ich sehr emotional und dunkler.

Und das packst du dann in deine Lieder?
Ja. Ich will vor allem zeigen, dass ich nicht nur eine Sache tue oder nur eine Sache bin. Auf der einen Seite will ich natürlich Songs schreiben, die im Radio und in Clubs gespielt werden. Auf der anderen Seite soll das auch Musik sein, die Emotionen und Vibes hat. Es muss ausbalanciert sein.

Dann schauen wir mal ein wenig in deine Zukunft, in deine Vergangenheit und in deine Gegenwart. Teil die Karten in vier gleiche Stapel auf. Du schreibst deine Lieder tatsächlich alle selbst?
Ja.

Und dann kam Jennifer Lopez und hat „I LUH YA PAPI“ geklaut?
(lacht) Nicht wirklich gestohlen, aber es war ursprünglich mein Song. Wir hatten den gleichen Produzenten zu der Zeit. Der spielte ihr das Demo vor und es war schon cool, dass es ihr gefiel und sie ihn haben wollte. Den Song. Na ja, im Endeffekt war es dann scheinbar nicht mein Song. Es hat nicht sein sollen.

Magst du, was sie daraus gemacht hat?
Das sage ich jetzt lieber nicht. Das Video hätte bei mir anders ausgesehen. Weniger bling bling und andere Typen. Ich weiß nicht, ob ich überhaupt Typen drin gehabt hätte.

Also diese Karte steht für deine Vergangenheit—„Drei der Stäbe“.
Wie Zauberstäbe? Als ich klein war, stand ich total auf Harry Potter.

Und als du dann den Film gesehen hast, dachtest du dir: „Das ist nicht der Typ, in den ich verliebt war“?
Absolut. Ich liebe Harry Potter und wollte ihn immer heiraten, aber die Buchversion von ihm. Daniel whatshisname ist absolut nicht das, was ich mir unter Harry vorgestellt hatte. Er ist so, keine Ahnung, normal und unmagisch.

Die Karte hier steht für deine Zukunft—„Zwei der Stäbe“. Vielleicht kommst du doch noch nach Hogwarts. Bist du eine Hexe?
Keine Ahnung. Vielleicht.

Diese Karte hier steht für deine gegenwärtige Situation—„Ritter der Kelche“. Die letzte Karte steht für die Aufgaben und Probleme, die auf dich zukommen—„Der Eremit“.
Oh, der Eremit. Dann meide ich die mal lieber.

„Der Eremit“ ist eine ziemlich geniale Karte. Sie steht für Weisheit, aber auch Krisen und Armut. Für ein asketisches Leben, Stille und Einsamkeit. Sie kann auch für Alkoholismus stehen.
Also besteht meine Aufgabe darin, meine baldige Alkoholsucht mit Einsamkeit und Askese zu bekämpfen?

Zum Beispiel. Dafür wirst du dadurch sehr weise, lange leben und die Krise überstanden haben. Jetzt bist du auf jeden Fall vorbereitet.
Vielleicht bleibe ich gleich dem Alkohol fern.

Bevor wir es so weit kommen lassen, beschäftigen wir uns erst einmal mit deiner Vergangenheit. Drei der Stäbe. Die Karte kann bedeuten, dass das Individuum sich für das Zentrum des Universums hält. War das so?
(lacht) Ja, vielleicht schon. Meine Eltern haben mich aber auch sehr gepusht und alles. Zu Castings geschickt und mich darauf getrimmt, etwas zu werden. Da fühlt man sich schnell wie der Mittelpunkt des Universums. So gibt es jetzt zumindest jede Menge Material für meinen Youtube-Channel. Von der kleinen Tinashe, wie sie sich auf ein Casting vorbereitet oder wie ich der Welt erkläre, wer ich bin.

Du wirkst dabei ein wenig wie ein Teenie mit ADHS.
Ja. Naja, jetzt würde ich das so auch nicht mehr machen, aber damals schien es zu passen. Als Teenager ist man eben komisch und überdreht. In meiner Nähe war eine Kamera und deswegen kann es jetzt die ganze Welt sehen. Ich schäme mich auch nicht dafür, sonst könnten wir es ja einfach runternehmen, aber so war ich eben und ein bisschen bin ich immer noch so.

Warst du eines der nerdigen Kids in der Schule? Ich meine, du standest auf Harry Potter.
Oh ja. Ich war definitiv ein Nerd. No shame in my game.

Dann kam die Girlgroup.
Da war ich auch der Nerd/Rebell.

Wenn man sich alte Fotos von dir aus der Zeit anschaut—das kann man jetzt nicht anders sagen—ist der erste Gedanke „nette Brüste“. Auf den neueren Fotos sind die nicht mehr so im Vordergrund. Was ist da passiert?
Da geht es wieder um die Balance. Klar muss Sexualität ab und zu dabei sein, aber nicht immer. Das ist ja nicht alles an mir und was ich bin. Ich bin nicht meine Brüste. Verstehst du was ich meine? Gut finde ich sie trotzdem. Also versuche ich immer mal das eine, mal das andere zu sein und zu präsentieren.

Du hast alle Songs des Albums zu Hause eingespielt, richtig?
Ja.

Wie sieht das so aus?
Du willst doch nur wissen, ob ich nackt aufnehme.

Und? Tust du?
(lacht) Nein, nie ganz. Nie komplett nackt, aber halbnackt schon. Hey, es ist eben warm. Ich wette, du läufst auch ab und an nackt zu Hause rum, wenn es heiß ist.

In „Bated Breath“ ist es auch ziemlich heiß, aber du bist nicht nackt. Was ist die Geschichte hinter dem Video?
In dem Song geht es für mich um das Gefühl, auf jemanden zu warten und dieses Gefühl, dass du nicht weißt, wann dieser jemand kommt und ob er überhaupt kommt. Für mich erzählt das Video die Geschichte von jemanden, der irgendwo gestrandet ist, auf dem Mars oder so. Weit weg von zu Hause und ich warte in dem Video darauf, dass jemand kommt und mich rettet. Es soll dieses Verlangen danach ausdrücken und die Einsamkeit.

Es ist also keine Anspielung auf das israelische Militär?
Oh nein.

Wenn du irgendjemand anderes sein könntest, irgendeine geschichtsträchtige Person. Wer wäre das?
Oh, warte. Amelia Earhart.

Nice. Warum genau?
Die Frau ist einfach fantastisch. Abgesehen davon wüsste ich gerne, wo sie hin ist.

Sehr wahr. Genug Vergangenheit. Schauen wir uns deine Zukunft an. „Zwei der Stäbe“. Die Karte kann für sexuelle Energien und sexuelles Erwachen stehen.
(lacht) Das ist gut. Im Moment existiert so etwas nämlich nicht. [Zu dem großen türsteherartigen Typen in der Ecke] Hey, sie sagt, sie sieht jede Menge Sex in meiner Zukunft.
Er: Gib mir die Karte. Konzentriert euch lieber auf was anderes.

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