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Noisey Blog

Der Pokémon-Go Partyguide für Wien

Pokémon GO ist viel mehr als nur ein Spiel, dass uns zu Smombies macht. Es hat sogar eher einen sozialen und biertrinkenden Charakter.

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Der Pokémon Go-Hype hat Wien hart erwischt. Neben Verkehrschaos und Völkerwanderungen in der Innenstadt hat er auch viel Gutes mit sich gebracht. Weil ich Zocken liebe und generell eine Vorliebe für Nintendo Spiele habe war ich von der ersten Stunde an dabei. Auf der Jagd nach seltenen Pokémons bin ich stundenlang durch die Stadt spaziert, in Parks gesessen, habe sehr viele neue Leute kennengelernt und über Pokémon und generell das Leben philosophiert.

So gut wie in jedem Park mit Wiese, von dem man drei Pokestops gleichzeitig erreichen kann, ist ab zirka 19:00 Uhr Partytime. Es geht mittlerweile so weit, dass sich sogar meine nicht zockenden Freunde öfters dazusetzen, um mit den Gamern zu chillen und zu feiern. Für mich ist das völlig nachvollziehbar. Man ist an der frischen Luft und es ist sehr leicht mit anderen ins Gespräch zu kommen. Die Leute sind alle so zwischen 20 und 30 und wenn man es darauf anlegt, ist ein Aufriss sicher auch im Bereich des Möglichen. Pokémon Partys sind einfach nice—das haben auch Lokale wie das Flex erkannt. Ob dass das Gleiche ist sei Mal dahingestellt.

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Stadtpark

Der Stadtpark ist ein richtiges El Dorado für Pokémon Jäger! Hier gibt es Wasserflächen, Wiesen, Denkmäler und er ist nah an der Innenstadt. Die besten Voraussetzungen um eine große Bandbreite verschiedener Pokémon zu fangen. Deshalb ist der Stadtpark auch der mit Abstand beliebteste Spot in Wien. Schon am Nachmittag versammeln sich hier unglaubliche Mengen von jungen Leuten zwischen 20 und 30. Am Abend geht’s dann so richtig ab. Ungefähr 300 Leute sitzen auf der Wiese und feiern ihr Lieblingsspiel. An allen Ecken spielt es Musik und regelmäßig fährt der "Eiswagen" vorbei, um die Zocker mit Zucker und Getränken zu versorgen.

Musiktechnisch ist hier eher die Radio-Fraktion zuhause. Aus den meisten Boxen hört man Sachen von Rihanna, David Guetta und all das mit dem uns Ö3, Kronehit und Konsorten den ganzen Tag zwangsbeglücken.

Wenn man Lust hat viele neue Leute kennenzulernen, nebenbei ein paar Pokémon zu fangen und keine Angst vor Menschenmassen hat, ist man hier eindeutig am richtigen Platz. Ein gewisser Flirtfaktor ist auch gegeben.

Burggarten

Im Burggarten geht’s schon eher gemütlicher zur Sache. Hier ist zwar am Abend auch ordentlich was los, aber es geht wesentlich gediegener zu als im Stadtpark. Die Stimmung ist wirklich sehr gut, aber ohne das ungute Gefühl, dass jederzeit eine Massenhysterie ausbrechen könnte. Musik gibt’s auch und die Versorgung durch den Würstelstand direkt vor der Tür lässt keine Wünsche offen. Das Publikum hier ist viel "alternativer" als im Stadtpark und es fühlt sich alles gemütlicher an.

Musikalisch hört man viel Techno, D'n'B, HipHop und hin und wieder etwas Indie-Rock. Die Menschen sind auch sehr gechillt. Meiner Meinung nach sollte der Burggarten jedem Pokémon-Freak eine Reise wert sein, allein schon um ein Pantimos zu fangen.

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Türkenschanzpark

Der Türkenschanzpark ist mein persönlicher Lieblingsplatz. Nicht nur um Pokémon zu spielen. Es gibt viele Gründe die den Türkenschanzpark—für mich—zum besten Pokémon-Spot in Wien machen. Es ist ein bisschen abgelegen, die Umgebung ist sehr schön, es gibt massig Evolis und hier findet man mit Sicherheit das breitgefächertste Spektrum an Spielern. Vom Bänker bis zum Boku-Hippie ist hier alles vertreten. Es wird gemeinsam getrunken, gefachsimpelt und alle zehn Minuten schreit jemand "EVOLI!".

Auch musikalisch ist eine große Bandbreite gegeben. Vom Pokémon-Song, über Jack Johnson bis hin zu Psytrance habe ich hier schon alles gehört. Jeder der eine familiäre Atmosphäre und ein bunt durchgemischtes Publikum zu schätzen weiß, sollte hier unbedingt mal vorbeischaun.

Ein gemütlicher Platz und gute Hintergrundmusik sind schon mal die besten Voraussetzungen für einen lustigen Sommerabend im Park. Vielleicht noch ein, zwei Bier und eine gepflegte Unterhaltung und der Abend ist perfekt. Jetzt stellt sich natürlich die Frage ob man auf einer Pokémon-Party auch jemanden findet, mit dem man sich auch gerne unterhalten würde. Die Antwort darauf ist ganz klar: Ja.

Pokémon Partys sind der perfekte Ort um mit Fremden ins Gespräch zu kommen. Man hat ein gemeinsames Thema und das Eis ist schnell gebrochen. Das Publikum ist sehr durchgemischt und so findet man schnell ein passendes Grüppchen zu dem man sich dazu setzen kann.

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Aber was sind das eigentlich für Leute, die sich jeden Abend auf irgendeine Wiese setzen und dabei ihr Smartphone anstarren? Meiner Meinung nach, ist es nicht möglich den typischen Pokémon-Spieler zu beschreiben. Dafür habe ich einfach zu viele, zu unterschiedliche Menschen auf meiner "Pokémon-Reise" getroffen. Es gibt allerdings ein paar "Typen" die dir bei jedem größeren Pokémon- Spot begegnen werden:

Der Pokémon-Nerd:

Der Pokémon-Nerd kommt in allen möglichen Formen daher. Meistens trägt er ein Shirt von irgendeiner Metal-Band, hat lange Haare und steht auf Animes. Ich habe aber auch schon welche in kompletter Hipster-Montur und mit Dreieckstattoo gesichtet. Generell sind Pokémon-Nerds Menschen, die in den 90ern viel Zeit mit der Serie und den ersten Pokémon-Spielen verbracht haben. Sie haben ein grenzenloses Wissen zu jedem einzelnen Monster, seinen Entwicklungen, seiner Hintergrundgeschichte und sie spielen vor allem aus Nostalgie und aus Liebe zu den kleinen Tierchen. Ihnen geht es weniger um Level und Punkte, als um die Erfahrung an ungewöhnlichen Orten, seltene Pokémons zu fangen und mit Anderen ihr Wissen zu teilen. Musikalisch ist der Pokémon-Nerd ganz klar im Metal beheimatet, der ein oder andere HipHoper war aber auch dabei.

Der Hardcore-Gamer

Der Hardcore Gamer nimmt den Slogan "Ich will der Allerbeste sein" wörtlich. Hier werden keine halben Sachen gemacht. Um 07:30 Uhr läutet der Wecker, man trifft sich mit seinen Zockerfreunden und dann gehts—mit Akkupacks bewaffnet— los um die besten Spots abzugrasen und alle Arenen im Umkreis zu besetzen. Sie kennen alle Statistiken über Multiplikatoren, Spawn-Rates und wissen, wie man am besten und schnellsten seinen Account hochlevelt oder seine Pokémons pimpen kann. Für Leute, die das Spiel nicht ganz so ambitioniert angehen, sind sie die beste Quelle für Insider Informationen.

Es ist auch aus anderen Gründen angenehm mit Hardcore-Gamern abzuchillen. Sie sind meistens sehr freundlich, man kann mit ihnen einen Ofen teilen und sich auch über Dinge abseits der Pokémon-Welt unterhalten. Vor allem aber finde ich ihren Musikgeschmack am angenehmsten. Aus ihren portablen Boxen dröhnt meistens elektronische Musik. Techno, Psytrance aber vor allem D'n'B. Für mich eine angenehme Abwechslung zu dem üblichen Radio Sound im Stadtpark.

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Der Freizeit-Zocker

Die Freizeit-Zocker sind die größte Gruppe unter den Pokémon-Spielern. Das sind einfach ganz normale Menschen, die aus verschiedensten Gründen angefangen haben Pokémon Go zu spielen. Entweder sie wurden von Freunden zu dem Spiel gebracht, spielen aus Nostalgie oder einfach aus Langeweile. Sie starten nach der Arbeit die App, nehmen einen längeren Heimweg, um ihre Chancen auf einen guten Fang zu erhöhen und setzen sich—hin und wieder—zu den anderen Zockern in irgendeinen Park.

Diese Leute sind noch wahnsinnig leicht zu begeistern und heben mit ihrer Euphorie unheimlich die Stimmung. Sie nehmen Tipps dankbar an und sind generell sehr angenehme Zeitgenossen. Den Freizeit-Zocker musikalisch einzuordnen ist unheimlich schwierig, weil es einfach zu viele zu unterschiedliche Menschen sind. Von Techno bis Lady Gaga ist hier alles vertreten.

Türkenschanzpark, Baby.

Die soziale Komponente ist eindeutig das Highlight von Pokémon Go. Ich glaube, ich habe noch nie so viel mit fremden Menschen gesprochen, wie in der letzten Woche. Ich war noch nie so viel spazieren. Und ich hatte noch nie so viele—für Außenstehende vielleicht schwer nachvollziehbare—Erfolgserlebnisse.
Ich kann beim besten Willen nichts Schlechtes daran finden. Aber manche Leute sind wohl einfach zu cool für alles. In diesem Sinne: Gotta catch'em all!