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Zu Besuch auf Pete Dohertys Kunstausstellung

Nachdem mich Pete Doherty kürzlich in seinem Laden eingesperrt hatte, bekam ich nun eine Einladung zu seiner Kunstausstellung.
2.9.13

Es sind zwei Wochen vergangen, seit Pete Doherty und ich in seinem Laden abgehangen, Reggae in der Stille genossen, und Unterhaltungen über die Libertines geführt hatten. Als er mich irgendwann höflich bat, das Treffen zu beenden, ging ich vom Ende unserer kurzen Liaison aus. Doch eine Woche später flatterte bei Noisey eine Einladung zu seiner Galerie-Eröffnung ins Haus. Ich konnte mir die Gelegenheit, seine aktuellen künstlerischen Bemühungen zu bewundern, nicht entgehen lassen. Außerdem gab es ein DJ-Set von Babyshamble-Gitarrist Mik Whitnall. Also stieg ich am Dienstagabend in die Northern Line, stöpselte meine Fake-Beat-Kopfhörer ein, lud meine unvollständige Babyshambles-Playlist und begann darüber nachzudenken, was ich von Doherty als Künstler erwarten könne. Musste ich mit geschwärztem Eigenblut aus früheren Abenteuern rechnen oder würde Pete auf andere Techniken zurückgreifen? Hautschuppen? Wundflüssigkeit? Wachsmalstifte?

Als ich die Camden Gallery erreichte, wurde ich mit Gin in Teetassen und Cupcakes empfangen. Die Obsession der Babyshambles für diese Bill Sykes Version der britischen Kultur verwirrte mich, und die Atmosphäre hier fühlte sich eher an, wie auf der Eröffnungsnacht einer viktorianischen Burlesque-Show, als auf der Kunst-Ausstellung eines Junkies. Die Kunst ließ mich jedoch schnell wieder spüren, dass es sich um letzteres handelte. Semi-professionelle Bilder, verziert mit wahllos aneinandergereihten Schriften und Formen, die darüber gesprüht waren, erinnerten mich an die Zeit, als meine kleine Schwester den kompletten Umschlag meines Mittelstufen-Kunstbuchs vollgekritzelt hatte, und ich dann so tat, als ob das meine zukünftige künstlerische Richtung wäre. Petes Kunst-Verunglimpfung war großzügigerweise auf winzigen DIN A-5 Kärtchen abgedruckt, damit Jeder eines mit nach Hause nehmen konnte. Ein nützlicher Hinweis am Rand klärte darüber auf, dass die Bilder nicht der Originalgröße entsprächen, nur für den Fall, dass du denkst, die Bilder an der Galerie-Wand seien massiv vergrößerte Leinwanddrucke, und du hättest die Originale mitgenommen.

Dieses Werk ist eines meiner Lieblingsstücke. Teilweise orientalisch abstrakt, teilweise dem Niveau von „I've Met The Met" -Aufklebern entsprechend.

Inmitten von all den Meisterwerken stand ein Tisch mit einem Schild, auf dem „Petes Collection“ zu lesen war. Auf dem Tisch waren neben dem Bild einer chinesischen Frau noch seine Tabakdosen und ein Haufen Löffel ausgelegt. Das erschien wie eine Popup-Version des Ladens, den ich besucht hatte. Pete transformierte gefundene Objekte in Kunst und fordert damit möglicherweise unser Selbstverständnis von Talent und Umsetzung heraus. Höhepunkt des Abends sollte das Erscheinen von Doherty selbst sein. Der semi-stimmsichere Musiker und gescheiterte Geisterjäger hatte angekündigt, uns seine Arbeiten zu erläutern. Daher war der Andrang beängstigend, als die Mitbesitzerin von Peters Rag N Bone Laden und gleichzeitig mein größter Fan, jeden um Aufmerksamkeit bat: „Lasst uns alle bedenken, dass Pete in erster Linie ein Künstler ist, und als solches Individuum jemand, der nicht nach normalen Zeitplänen arbeiten kann.“ So eine Aussage habe ich schon mal gehört. Ziemlich sicher, dass das die Art ist, wie die Bildhauerin Rachel Whiteread aus jeder Risiko-Bewertung rauskommt.

Niemand sonst schien sich über das Nicht-Erscheinen aufzuregen. Vielleicht weil sie ihre Ahnung über Pete und Pünktlichkeit an der Garderobe mit abgegeben hatten. Als erwähnte Suzi die Sprache auf Pete als „Künstler“ brachte, und ungefähr viermal wiederholte, dass er „gerade sehr hart arbeite“, wurde ein Whiteboard aufgestellt, um „special messages“ für unseren abwesenden Gastgeber zu hinterlassen. Ich schrieb meine eigene Nachricht an Pete, in der ich ihn dazu aufrief, glücklich zu sein. Andere enthielten wörtliche Zitate aus Texten der Libertines und trockenem Witz wie: „Petey, kauf dir eine Uhr“. Ich hatte die vage Erwartung, dass er plötzlich wie ein Schachtelteufel in den Raum springen würde, um alle Anwesenden mit einem improvisierten Song zu überraschen, aber das passierte nicht. Enttäuscht über seine Abwesenheit und schockiert darüber, dass der Gratis-Gin nicht gleichzeitig unbegrenzter Gin war, begab ich mich auf die Straße, um herauszufinden warum sich die Menschen immer noch mit Pete beschäftigen.

Ich erblickte eine ältere Frau, von der ich schon in der Galerie angenommen hatte, dass sie eine Verwandte von Doherty sei. Also lief ich ihr auf der Camden High Street nach, um mich mit ihr zu unterhalten. Es stellte sich heraus, dass sie ein typischer Doherty-Fan war, und sie klärte mich darüber auf, warum sie ihn trotz der anhaltenden Phase ohne Auftritte nach wie vor bewunderte. Noisey: Hast du die Ausstellung genossen?
Margret: Naja, er ist nicht gekommen.

Geht du morgen wieder hin?
Ja, wenn er auch dort ist.

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Hast du ihn schon mal getroffen?
Ich habe aufgehört zu zählen wie oft. Ich gehe zu all den kleinen Auftritten, die er gibt, wie zum Beispiel die im Tap N'T Club.

Also bist du ein Fan?
Ein riesengroßer Fan.

Warum?
Ich liebe seine Musik. Ich finde, er hat eine wirklich gute Stimme. Seit 2006 nutze ich jede Möglichkeit ihn zu sehen, und er haut mich um, wenn er da ist. Aber wenn er einen schlechten Tag hat, ist er richtig mies.

Nach dem Gespräch mit Margret, wollte ich die Sache aus der Perspektive von einigen der Teenager betrachten, die vor der Galerie herumlungerten. Man muss berücksichtigen, dass die vielleicht gerade mal elf Jahre alt waren, als Pete seine Hochphase (und damit meine ich natürlich den Einbruch in die Bude seines Bandkollegen und seine schwere Heroinabhängigkeit) hatte. Ich wollte herausfinden warum er noch immer so eine Faszination auf sie ausübt.

Ich traf Jack und seine Clique, die mehr als erfreut darüber waren, mir zu erzählen, warum sie über alle Enttäuschungen hinweg, noch immer loyal hinter Pete standen.

Noisey: Was mögt ihr so sehr an Pete?
Jack: Seinen Geruch. Er riecht wundervoll. Wie eine alte, rostige Tabakdose, das ist so toll.
David: …und Mahagoni.
Niamh: Gin und Teetassen!

Habt ihr ihm Nachrichten hinterlassen?
Jack: Ich habe geschrieben: „Petey, kauf dir eine Uhr, love Jack!“

Bist du traurig, dass er nicht gekommen ist?
Jack: Er wird noch auftauchen, glaube ich. Nur eben verspätet.

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Warum denkst du, dass er verspätet noch auftaucht?
Jack: Es kann sein, muss aber nicht.
Niamh: Er muss sich nicht um seinen Ruf kümmern, der ist schon kaputt.

Wann war euer erster Kontakt mit Pete?
Jack: Bei mir ist es vier Jahre her.
Chloe: Ich habe sogar einen Pete-Altar.

In diesem Moment gerieten im Hintergrund zwei der Barangestellten der Galerie aneinander. Ich glaube, dass der Auslöser des Streits ein Gebot auf Petes rostige Löffelsammlung war. Niamh: Das passiert, wenn Pete zu spät kommt.

Fühlt ihr euch angezogen von Petes verrücktem Lebensstil?
Chloe: Ich denke schon. Es ist das Badboy-Image.

Wenn Pete gerade hier wäre, was würdet ihr tun?
Jack: Ich würde zum Laden um die Ecke gehen, eine Packung Buntstifte kaufen, und sie ihm schenken.

Mmh, warum?
Jack: Nur um ihn glücklich zu machen. Wer freut sich nicht über eine Packung Stifte?
David: Ich würde mich bemühen, nicht den Mega-Fan raushängen zu lassen, und einfach versuchen, sein Freund zu sein.
Chloe: Ich weiß nicht, ob ich da cool bleiben könnte.

Carl zu treffen wäre nur die zweitbeste Wahl, oder?
David: Absolut.
Jack: Carl ist einfacher anzusprechen. Er ist ein normaler Kerl.

Denkt ihr, dass Pete viel schlechte Presse abkriegt?
Niamh: Mich kotzt es an, das er vier Jahre lang als der drogenabhängige Freund von Kate Moss dargestellt wurde.

Wenn ihr Pete wärt, was würdet ihr mit eurem Leben anstellen?
Niamh: Ich würde es leben, einfach Pete sein.
David: Ich würde mit der Tatsache glücklich sein, dass ich ein sehr talentierter Poet wäre und gleich mal einen Hit schreiben.
Niamh: Ich würde einfach nur nach Camden kommen und meine Fans treffen.
Jack: Weil die gerade hier warten.

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Habt ihr irgendwas gekauft?
David: Ich habe seinen Aschenbecher für 20 Pfund gekauft. Es war aber ein sehr schöner Aschenbecher.

Welche anderen Bands mögt ihr Jungs sonst noch?
Jack: Da gibt es Bands wie The Libertines, Babyshambles… Dirty Pretty Things. Ich kenne nicht wirklich viele andere Bands.

Nach diesem Schlusswort machte ich mir die Taschen mit übriggebliebenen Gratis-Cupcakes voll und rannte hinaus in die Nacht. Aber nicht ohne vorher meine Babyshambles-Playlist geladen und Pete eine letzte betrunkene Nachricht hinterlassen zu haben.

Lies, wie ich Pete tatsächlich getroffen habe:

Pete Doherty hat mich in seinem Laden eingesperrt

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