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Die esoterische Welt des Ry X

Wir haben die beiden größten Hippies in Berlin aufeinander losgelassen und sie über die großen Dinge des Lebens sprechen lassen.
14.8.13

Als wir das Angebot bekommen haben, den Australier Ry X zu interviewen, waren wir sofort dabei. Ry machte letztes Jahr durch seine Kollaboration Howling mit dem Berliner Frank Wiedemann auf sich aufmerksam und wir sind quasi Fans der ersten Stunde. Da wir bei Ry schon vermuteten, dass dieses Interview würde etwas Besonderes werden würde, haben wir unsere freie Autorin Romy angerufen, die nicht nur genau wie Ry Australier ist, sondern auch genauso spirituell unterwegs ist wie er. Es wurde wie erhofft eine Zusammenkunft der beiden größten Exil-Hippies, die Berlin zu bieten hat.

Sie traf ihn frischgeduscht und dank Yoga tiefenentspannt in seiner Wohnung in Neukölln, um mit ihm über die großen Dinge des Lebens zu sprechen—Meditieren, Zeitreisen, rückläufige Planeten und „dieses verrückte Internet". Cuming muss sich noch daran gewöhnen, in Deutschland als Hippie abgestempelt zu werden. In LA hingegen, wo er wohnt, gelte erst als integriertes menschliches Wesen, wer Meditation und Yoga betreibe und einen bewussten Lebensstil pflege.

Noisey: Was ist das Inspirierendste, das du jemals gehört, gelesen oder sonstwie erfahren hast?
Ry X: Das tibetische Buch vom Leben und vom Sterben von Sogyal Rinpoche.

Hast du jemals verschreibungspflichtige Medikamente genommen, um klarzukommen?
Nein, ich lehne diese ganze Industrie ab. Ich glaube, man arbeitet Dinge auf, indem man Zusammenhänge versteht, bescheiden ist und bewusst lebt. Alles ist vergänglich, wir müssen lernen, miteinander zu reden.

Was ist dein größtes Laster?
Musik, das Meer, Sinnesfreuden, Sex…

Deine Stärken?
Ehrlich gesagt hat es eine Weile gedauert, bis ich an diesen Punkt gekommen bin. Ich musste erst lernen, ehrlich mit mir selbst zu sein, und zu anderen—aber: Liebe.

Warum Musik?
Warum alles andere? Keine Ahnung, ob man da überhaupt eine Wahl hat. Aber seit ich klein war, hat Musik mich immer begleitet.

Haben deine Eltern eine kreative Ader?
Total. Meine Mutter ist Yogalehrerin und auf eine gewisse Art eine absolute Künstlerin, und mein Vater ist ein Mann der See, ein Poet. Also ich denke, das liegt uns im Blut. Meine Mutter ist eine Kriegerin, eine Nachfahrin der Maori, und ich sehe sie inzwischen nicht mehr nur als meine Mutter, sondern als eine Mutter der Gemeinschaft, als eine Stammesälteste.

Hattest du jemals eine Lebenskrise und wie bist du damit umgegangen?
Meditieren. Hattest du jemals eine Krise? Wir alle haben irgendwann unsere Krisen, es kommt nur darauf an, wie nah wir sie an unsere Seele heranlassen.

Deine Lebensmaxime?
Die ändert sich andauernd, jeden Tag schwingt da etwas anderes mit. Meine Mutter hat mir eine Art Mantra beigebracht, als ich ein Kind war. Das sage ich mir immer dann vor, wenn ich mal in Schwierigkeiten gerate. Und ich gerate offenbar häufig in alle möglichen Schwierigkeiten. Om mane padme hum. Es bedeutet nichts, sondern ist nur Meditation.

Das Beste und das Schlimmste an deiner Heimatstadt?
Das Beste: Es ist ein Naturparadies, das Meer, der Strand. Das Schlimmste: eine Einwohnerzahl von 200 Menschen. Wobei das Vor- und Nachteil zugleich ist. (lacht)

Bist du religiös?
Nein, ich glaube nicht an organisierte Religionen. Ich bin aber sehr spirituell.

Die besten Orte, an denen du jemals gelebt hast oder die du besucht hast?
Byron Bay, da ist mein Herz. Indonesien, Berlin, LA.

Das schönste Kompliment, das du je bekommen hast?
Durch Musik öffnen sich dir Menschen viel mehr und sagen dir Sachen, die sie normalerweise nicht sagen würden. Neulich hat mir jemand nach einer Show in London gesagt, ich sei ein Engel.

Deine größte Liebe bisher?
Ist die größte Liebe nicht immer die aktuelle? Einhörner, diese einzigartigen Mädchen, von denen es nicht viele gibt.

Irgendwas, das du gerade liest?
Tantra Yoga.

Du hast vorhin erwähnt, dass Merkur rückläufig ist. Glaubst du an Astrologie?
Ich lese zwar keine Horoskope, aber wie können die Sterne uns nicht beeinflussen? Ich meine, ich werde bei Vollmond zum verdammten Tier. Wenn der Mond die Gezeiten bestimmt, wie kann es dann sein, dass die Planeten uns nicht beeinflussen?

Wann hast du das erste Mal die Bedeutung echten menschlichen Verlusts begriffen?
Ich glaube, zum ersten Mal begriffen habe ich das bei der Trennung meiner Eltern. Ich war damals elf und habe diesen Verlust auf einer neuen, fundamentalen Ebene erlebt. Du verlierst eine Vaterfigur und etwas, von dem du gedacht hast, dass es ewig halten würde. Du musst lernen, Scheiße nicht zu nah an dich heranzulassen, sonst kommst du nicht weit. Es geht viel darum, im Hier und Jetzt zu leben und die Unbeständigkeit zu akzeptieren. Es ist kein Verlust, wenn du es loslässt.

Zeitreisen? Wohin würdest du reisen und wann?
Das weiß ich ehrlich gesagt nicht. Ich habe gerade eine spitzenmäßige Zeit. Wir haben jetzt diese wundervollen, verrückten Dinge, wir haben Meinungsfreiheit, Verhaltensfreiheit, Herzensfreiheit, und wir haben dieses verrückte Internet, kriegen es aber trotzdem noch hin, uns als menschliche Wesen zu vernetzen. Eigenveröffentlichungen und Selbstgestaltung sind heute möglicher als jemals zuvor, du kannst Geld bekommen, zum Beispiel durch Crowdfunding-Plattformen, alles wird viel egalitärer. Wir müssen nur unsere Kräfte weg von Politik und Firmen lenken und wieder mehr auf den menschlichen Kontext und den kreativen Prozess konzentrieren.

Was machst du, wenn du keine Musik machst?
Yoga, Fotografieren, Surfen. Wenn Musik nicht mein Ding wäre, würde ich mich mehr mit Fotografie beschäftigen. Ich habe Tausende Fotos und fotografiere mit 35mm analog, aber im Moment habe ich einfach keine Zeit dafür.

Wer oder was inspiriert dich?
Jeff Buckley. Und im Moment all die abgefahrenen Leute, die ich jeden Tag treffe, Charaktere meines Privatlebens.

Lieblingskünstler?
Eliot Lee Hazel, ein Fotograf aus LA, er ist ein Freund von mir und ich glaube, wenn man eine Person und ihren persönlichen Zusammenhang kennt, schafft das einen besonderen Zugang zu deren Kunst.

Beende den Satz: Liebe ist …
Alles.

Seltsamste Begegnung mit einem Fan?
Oh, ich hatte viele seltsame Begegnungen. Das ist wirklich schön, Menschen sind bewegt und öffnen sich und geben dir etwas, das sie niemand anderem gegeben haben… zum Beispiel Ornamente aus ihrem Leben, ihrer Kindheit, Kristalle und so, und Fotos. Fotos sind eigenartig, ich weiß nie, was ich damit anstellen soll.

Etwas, das du wirklich bedauerst?
Alles bringt dich dahin, wo du gerade bist, oder? Du kannst die guten Erfahrungen nicht zu schätzen wissen, wenn du keine beschissenen erlebt hast.

Was würdest du deinem 18-jährigen Ich sagen?
Schere dich nicht um kommerziellen Scheiß, folge deinem Herzen und kreiere Kunst, lass dich nicht auf Major Labels und Major Scheiß im Allgemeinen ein.

Was ist das größte Rätsel hinsichtlich Frauen?
Ich würde behaupten, Frauen sehr gut zu kennen, ich meine, Frauen sind viel offener, was ich wirklich liebe und schätze, gleichzeitig können sie aber auch absolut verrückt sein, sie sind esotherische Geschöpfe, Göttinnen.

Hat dir jemals jemand davon abgeraten, etwas mit Kunst zu machen?
So jemanden gibt es immer. Hör nicht auf ihn! Meine Eltern haben mich glücklicherweise unterstützt.

Wenn du einen deiner Sinne abgeben müsstest, welcher wäre es und warum?
Ich würde sagen der Geruchssinn, er ist der Unwichtigste. Andererseits ist er mit dem Geschmack verbunden, und ich liebe Essen! Ich könnte nicht auf das Sehen, Hören oder den Tastsinn verzichten—ich bin ein sehr kinästhetischer Mensch, deshalb sind die drei sehr wichtig für mich.

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