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Kommando Elefant spielen für die Liebe und gegen den Akademikerball

Kommando Elefant sind eine politische Band. Deshalb spielen sie auch auf einer Kundgebung der Offensive gegen Rechts.
29.1.15

Wie ihr als informierte Menschen wisst findet morgen, Freitag dem 30. Jänner, in der Hofburg eine der fälschesten Veranstaltungen Österreichs statt: Der Wiener Akademikerball—„Ein Abend voll Glanz, Glamour und Tradition“, wie es auf der (ziemlich antiken) Website des Balles heißt. Ich würde euch übrigens empfehlen, den Link zu ignorieren—nachdem man auf der Hompage des WKR-Balles war, fühlt man sich ein bisschen so, wie man sich als Teenager nach einer Stunde surfen auf rotten.com gefühlt hat.

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Gestern wurde bekannt gegeben, dass sechs von 20 Demonstrationen von der Landespolizeidirektion untersagt wurden. Zwei davon gingen von der NoWKR aus, die anderen vier aus der rechten Ecke. Aber neben der NoWKR gibt es ja noch andere Organisationen, die euch eine Möglichkeit bieten euren Unmut aufzuzeigen. Eine dieser Möglichkeiten geht von der Offensive gegen Rechts, kurz OGR, aus. Unter dem Veranstaltungsnamen „Kein Salon dem Rechtsextremismus“ findet morgen ab 18:30 Protest gegen den Ball statt. Neben zwei Holocaust-Überlebenden und anderen Rednern werden auch drei musikalische Acts ihre Stimme gegen die berüchtigte Veranstaltung in der Hofburg erheben. Neben Yasmo und Harri Stojka treten auch Alf und Luis von Kommando Elefant auf der Bühne am Heldenplatz auf. Wir haben mit ihnen über ihre Motivation, die Wichtigkeit sich für etwas einzusetzen und „kurzsichtige Vollarschlöcher“ gesprochen.

Noisey: Wie oft habt ihr schon bei der Demo zum WKR-Ball gespielt?
Kommando Elefant: Das ist heuer das zweite Mal.

Welche Energie spürt ihr da selbst und auch vom Publikum?
Also beim ersten Mal war es ja bitterkalt, da sind quasi die Finger an der Gitarre angefroren. Und trotz dieser Kälte waren ewig viele Menschen da—sehr beeindruckend. Da kommt die Energie dann ganz von selbst.

Warum ist es wichtig da etwas zu tun?
Auf diese Frage könnte jetzt eine ewig lange Abhandlung folgen. Kurz gesagt: Es ist wichtig für das Richtige einzustehen. Gegen Egoismus, Intoleranz, Hass, Menschenverachtung, etc.

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Was können Künstler generell tun um auf dieses Thema aufmerksam zu machen?
Wir haben von Anfang an gesagt, wir wollen berühmt werden, um dann für die für uns richtigen Dinge einzustehen. Dass auch andere Leute, die uns jetzt nur von der Musik her kennen, auch mal sehen: Ah, die stehen dafür ein, da gibt’s ja auch noch mehr, das schau ich mir mal an. Naja, mit dem Berühmtsein hat es noch nicht so geklappt, aber mit dem Einstehen auf jeden Fall. Künstler und Künstlerinnen können dadurch aufmerksam machen, indem sie handeln. Entweder Sie stellen sich auf die Bühne, aber es gibt ja via Social Media viele Möglichkeiten seine Haltung zu artikulieren.

Kann Musik bzw soll Musik politisch sein?
Spannende Musik ist politische Musik. Liebe ist auch Politik. Es muss nicht jeder Song eine politwissenschaftliche Abhandlung sein, aber spannend wird es dann, wenn zwischen den Zeilen doch etwas herauszulesen ist. Auch der pure Aufruf zum Hedonismus (Party! Party!), ist ja auch eine Ansage, sich vielleicht einmal mit unserer Verschwendungsgesellschaft auseinanderzusetzen.

Seht ihr euch als politische Band?
Ja, auf jeden Fall. Auch wenn es in den Texten manchmal (zu) stark verklausuliert wird. Doch auf einer straighten Ton-Steine-Scherben-Ebene politisch zu singen, funktioniert heute halt auch nicht mehr. Aber gerade Zitatanlehnungen von Rio Reiser und den Scherben fließen bei uns öfters ein. Und dann ist da ja noch die Handlungsebene. Da haben wir schon sehr oft für den guten Zweck gespielt. Gerade letzten Dezember wieder, in der FLUC Wanne auf der Antirep-Solipartie der autonomen Antifa.

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Seid ihr auch abseits politischer Happenings aktiv? Zum Beispiel bei euren Konzerten?
Du meinst, ob wir auch bei Konzerten politisch aktiv sind? In die Ansagen zwischen den Songs fließen dann schon mal gesellschaftskritische Aussagen ein, aber nie mit dem Holzhammer.

Was würdet ihr den Leuten, die da am Freitag in der Hofburg sind, gerne in Gesicht sagen?
Dass es kurzsichtige Vollarschlöcher sind, die mit ihrem Egoismus Hass schüren und die Welt zerstören. Ob sie denn die Geschichte nichts gelehrt haben? Wie es sein kann, dass man so viel Menschenverachtung in sich trägt?

Habt ihr schon mal überlegt da rein zu gehen und die „Party“ zu zerstören?
Ja, überlegt schon, aber das würde wohl eher einen Boomerang Effekt bewirken.

Wen findet ihr im Kampf gegen den WKR Ball besonders mutig?
Alle die hingehen, aber das ist eigentlich nicht mutig, das sollte normal sein. Eigentlich sollte es den WKR Ball gar nicht geben. Mit dem Geld machen wir dann ein schönes antifaschistisches Festival am Heldenplatz. Das hätte was.

Manche Stimmen sagen ja, dass sie gegen den Ball sind aber auch gegen die Demonstrationen—weil diese zu viel Aufmerksamkeit auf den Ball lenken und das eigentlich ein Schuss nach hinten ist. Was sagt ihr dazu?
Nun, es kann einfach nicht sein dass ein paar befrackte Ewiggestrige in einem historischen Gebäude der Stadt ihre fragwürdigen Netzwerke und menschenverachtende Einstellungen pflegen. Das kann man nicht einfach ignorieren und hinnehmen. Insofern bleibt kein anderer Weg als Aufzustehen und seine Stimme zu erheben.

Angeblich wird ein Song von Casper immer wieder bei den Pegida-Demos gespielt. Müssen Musiker tatsächlich damit klarkommen, dass ihre Musik auch oft von den falschen Parteien „missbraucht“ wird?
Ich fürchte leider schon. Man kann sich nicht dagegen wehren, wenn Menschen deine Musik missdeuten und für ihre Zwecke verwenden. Man kann nur hoffen dass sie nach dem zehnten Mal anhören den Inhalt der Lieder verstehen und vielleicht ein klein wenig zum Nachdenken anfangen.

Was würdet ihr in so einem Fall tun?
Ich bin kein Jurist—keine Ahnung, ob eine Unterlassungsklage da was bringt. Auf jeden Fall würden wir immer wieder darauf hinweisen, dass das nicht in unserem Sinn ist.

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