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Warum du auf Tour niemals gebumst wirst

Ein Kasten Oettinger ist kein Lottogewinn, Freunde.

Foto via Flickr | Tom Ventura | CC BY 2.0

Die Stones in den 70ern, als es noch möglich war, jede Nacht auf Tour die Laken durchzuscheuern.

Wenn du jemals auf Tour warst, hat dich mit Sicherheit schon ein halbbesoffener Onkel bei einem Weihnachtsessen zur Seite genommen, um über die „Vorzüge" des Tourlebens mit dir zu quatschen. Du kannst dir genau vorstellen, wie er dir ins Ohr flüstert:

„Also wie ist das so auf Tour? Du weißt schon … die Frauen? Ich wette, jede Nacht wird der Tourbus gut durchgeschaukelt, hab ich Recht?"

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Die kurze Antwort ist … Nein. Wird er nicht. Außer wenn du ein Rapper bist, oder ein schwuler Trinker, oder du bist in einer Band wie Zeppelin, die Roadies hat, die sich um den Scheißdreck kümmern, während die Band jede Nacht die Sau rauslässt. Ansonsten sind deine Chancen ziemlich genau gleich Null mal einen Stich zu setzen.

Ich war schon ziemlich oft auf Tour, und es mag euch geile Böcke überraschen, dass ich NIEEEEEEEEE auch nur einen einziges Bandmitglied gesehen habe, das nach der Show eine getroffen und ihn später mal reingehalten hat. Jetzt weiß ich, was ihr denkt: Ihr denkt, dass ich wahrscheinlich einfach nur hässlich bin und nur mit ekligen Hornochsen unterwegs war, die eine echte Gelegenheit nicht erkennen würden, wenn sie direkt auf ihrem Schwanz landen würde. Aber das ist nicht der Fall! Es gibt ein paar gute Gründe, warum es fast unmöglich ist, auf Tour einen Stich zu setzen. Hier sind sie:

SCHWITZEEIER

Ich entwerfe eine kleine Skizze für euch: Du wachst auf irgendeinem Fußboden auf und rollst dich buchstäblich in einen Ecoline 15-Van, wo du die nächsten 13 Stunden ohne Dusche und nur mit gelegentlichen Cheesesandwich-und-Dr.-Pepper-Stopps verbringst. Du rauchst eine billige Filterkippe nach der anderen, und dein Nachmittagsbesuch an der Raststätte um die Arschtrompete zu spielen entwickelt sich nicht im Ansatz so, wie du es dir erhofft hast. Dann kommst du zur Venue, stemmst eine paar 50 Kilo schwere Gitarren- und Bass-Verstärker, isst schlechtes Mexikanisches Essen und spielst 40 Minuten unter verbrühendem Bühnenlicht.

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Am Ende des Tages bewirken alle diese Elemente kombiniert, dass dein Genitalbereich nach Komposthaufen riecht und jede potenzielle Bewerberin, die sich dir mehr als drei Meter nähert, ein Gesicht zieht, als ob ein Baby gerade in seine erste Zitrone gebissen hat.

DU KANNST NICHT IM TOUBUS SEX HABEN

Du glaubst, es geht, aber es geht nicht. Auch wenn du irgendeine Truller überzeugst, sich auf dem dreckigen Boden auszubreiten, wäre es der größte Dickmove eines Musikers gegenüber seinen gerade Mitreisenden.

Und wenn du denkst, eine Nümmerchen schieben zu können, während die anderen Jungs weg sind, hast du falsch gedacht. Dein Bus ist voll von leeren Chipstüten und Colaflaschen, was perfekte Verstecke für das eine benutzte Kondom und die kleine Pinkelfütze sind. Am nächsten Morgen, wenn euer Sänger ein Lecktuch zwischen den Sitzen findet, wirst du sofort von allen Gruppenaktivitäten ausgeschlossen.

DU MUSST EINLADEN

Einladen ist ein echtes Problem. Es gibt diesen einen goldenen Moment, bei dem du Eindruck machen kannst und der ist direkt nachdem du von der Bühne runtergegangen bist. Dein potenzieller One Night Stand hat dich gerade gesehen und ihre Lieblings-Fumble-Core-Band hat ihre kreativen Ergüsse gerade auf der Bühne ausgeschüttet und du hast diese unwiderstehliche Sex-Aura um dich herum, sodass es unmöglich ist für sie oder ihn da nicht draufsteigen zu wollen.

Aber gerade, wenn du in Wallung kommst, presst euer neuer Bassist sein stinkendes Gesicht an das deine und erinnert dich schlagartig daran, dass wieder diese Zeit gekommen ist: Einladen.

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Jede einzelne Nacht wird das Einladen deine Chance zu Nichte machen den Basilisk in die Kammer des Schreckens zu stecken. Wenn du dich vor dem Einladen drückst, wird es nur eine Frage der Zeit sein, bis du DER Typ bist, und glaub mir, es gibt immer den einen Typen in jeder Band. Und nach dem Einladen gibt es in der Regel noch einen Drink, bevor du irgendwo hinfährst, wo du übernachtest. Willst du deine einzige Mitfahrgelegenheit verpassen? Du bist irgendwo im Nirgendwo und musst morgen früh schon wieder los. Du musst dich wohl mit einem erregten und pathetischen Blick deines potenziellen Fickpartners, einem Nummernaustausch oder einem kurzen und dreckigen Handjob im Parkplatz zufrieden geben.

DU HAST EINE FREUNDIN ODER EINEN FREUND ZUHAUSE

Jeder in einer Band hat eine Freundin oder einen Freund Zuhause. Auch die, die nicht so wirken als hätten sie was am Start … auch sie. Und sie vermissen diese Person wirklich, wirklich sehr. Wenn du die meiste Zeit im Bus verbringst und Sachen schleppst, kommt dir automatisch der Gedanke, wie du dich Zuhause mit Thai-Food und Klaus Kinski-Filmen an deine Freundin kuschelst. Ein weiterer Mythos des Rock'n'Roll gebusted: Viel mehr Musiker heulen nach der Show, als dass sie irgendwelche Groupies knallen.

WENN DU EIN MÄDCHEN BIST GEHEN DIR JUNGS AUF DEN SACK

Angenervte Frauen auf Tour zu sehen, ist das Schlimmste. Wenn du eine Frau in einer Band bist, reist du oder arbeitest du mit Männern. Die ganze Zeit. Jetzt sind Typen, die bei den Shows arbeiten, nicht gerade der Graphic-Designer-Typen in Cardigans, die wissen, wie man den perfekten Tee brüht: Sie sind schäbige Widerlinge, die mal in einer Band gespielt haben und einen Job als Soundmänner, Lightjockeys oder (am Schlimmsten) als Promoter gefunden haben.

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Am Ende der zweiten Nacht machen dich diese Typen so krank, dass du die Jungs in deiner Band für emotionale Unterstützung zu Rate ziehst, was natürlich eine schwachsinnige Idee ist. Typen sind in ihrer schlimmsten Verfassung, wenn sie auf Tour sind. Die Wochen auf der Straße lassen sie zu furzenden und rülpsenden Babys verkommen, die nur noch non-verbales Gebrabbel von sich geben. Achtzig Prozent der Unterhaltungen drehen sich um Stuhlgang und die anderen zwanzig um die Frau, die sie letzte Nacht knallen wollten, was dich wünschen lässt, dass du die Designschule beendet hättest, statt diesem unmenschlichen Beruf nachzugehen. Deswegen kaufen sich Mädels so viel Frauenmagazine auf Tour.

WERTMARKEN UND SCHEISSBIER

Auf der Tour geht es um eins: So schnell wie möglich, so besoffen wie möglich werden, um die Langeweile zu bekämpfen, die dich in einen pubertären 12-Jährigen verwandelt. Das bedeutet, dass tourende Musiker einen extrem niedrigen Standard haben, was die Qualität ihres Suffs angeht. Ein Kasten Oettinger scheint wie ein Sechser im Lotto zu wirken, aber du bist im Grunde nur einen Schritt vom Pennerdasein entfernt. Die Person mit der du schlafen willst, ist allerdings in ihrer Heimatstadt und das unter der Woche, und sie würden lieber einen Schluck aus der lokalen Kanalisation nehmen als diese Pisse zu trinken. Am Ende wirst du alle deine Wertmarken für zwei Drinks ausgeben, was dein Date nüchtern bleiben und dich fragen lässt, was jetzt zu tun ist.

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Der Autor, der auf Tour und auch auf der Arbeit keine abbekommen hat.

DU HAST NOCH EINEN ANDEREN JOB

Mir war nie bewusst, dass die meisten Musiker irgendwo als Freelancer arbeiten, während sie auf Tour sind und den Job deswegen vernachlässigen. In der Regel musst du dafür deinen Chef anlügen um als respektabler Bürger durchzugehen und nicht als umherreisender Hobo. Nach einer Show musst du also irgendwo Internetzugang finden, um einen Text für dein Freelancer-Magazin zu verschicken. Doktorspiele mit irgendwelchen betrunkenen Stadtmenschen kommt da nicht wirklich auf die Liste deiner Prioritäten. So bin ich in dieses ganze VICE-Business reingerutscht: In dem ich auf Tour keine abbekommen habe.

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