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Wir haben die besten Rapper-Jahrgänge seit 2008 analysiert

Das XXL Mag veröffentlicht jedes Jahr eine Liste von Newcomern. Wer wurde zum Superstar und wer war nur eine Niete?
25.9.14
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Kennt irgendwer noch die Serie Disneys Große Pause? Wenn nicht, dann solltet ihr euch diese brillante Kinderserie anschauen (kein Witz!), denn da lernt ihr, dass das amerikanische Schulsystem ein Stück weit wie ein autokratischer Staat aufgebaut ist. Jeder hat dort Titel und Rollen inne, innerhalb derer er sich bewegen darf.

Zum Beispiel gibt es die Freshmen, die Neulinge. Zur Erklärung: Schüler in ihrem ersten Jahr an der High-School bzw. Studenten in ihren ersten beiden College-Semestern haben die ganz offizielle Bezeichnung „Freshman“ inne. Wenn du ein Freshman bist, dann hast du erst ein Mal gar nichts zu sagen, es sei denn, du hast schon mehr drauf als deine gleichaltrigen Kollegen, dann darfst du auch mal mit den Großen abhängen.

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Das XXL-Mag, eines der großen HipHop-Magazine in den USA, bringt jedes Jahr ein Cover mit den vielversprechendsten Neulingen im Rapgeschäft heraus: Die XXL Freshman-List. Für die Jungspunde ist es ein großer Referenzpunkt in ihrer Karriere, wenn sie auf dieser renommierten Liste auftauchen. Ihr könnt euch vorstellen, dass diese Liste über die Jahre hinweg für viele Diskussionen sorgte.

Das XXL-Mag wird diesen Monat seine letzte gedruckte Ausgabe veröffentlichen, danach macht die Redaktion nur noch online weiter. Wir wissen also nicht, ob es noch mal eine Liste mit vielversprechenden Jünglingen geben wird. Aus diesem Grund haben wir uns jede Klasse seit 2008 angeschaut und analysiert, wer zum Superstar geworden ist, wer der Reinfall gewesen ist und wer auf der Liste fehlt.

Hier könnt ihr euch übrigens jedes Cover ansehen.

2008

Der Jahrgang: Saigon, Plies, Rich Boy, Gorilla Zoe, Joell Ortiz, Lupe Fiasco, Lil Boosie, Crooked I, Papoose, Young Dro

Natürlich war es denkbar ungünstig, die erste Freshman-Liste in einem Jahr zu bringen, in dem mal so gar nichts ging. Die Herren auf dem Cover sehen aus wie etwas, das wir heute als Dipset-Parodie deklarieren würden. Zwar waren einige von ihnen wie Crooked I sehr talentiert, doch in einer Zeit von rapide sinkenden Verkaufszahlen und noch vor der großen Internet-Vermarktung standen die Chancen denkbar schlecht.

Der Superstar: Lupe Fiasco
Lupe galt nach seinem großartigen Debütalbum Food and Liquor als nächstes großes Ding aus Chicago. Er hatte die Skills und die musikalische Weitsicht, die damals nur wenige im Rapgeschäft hatten. Allerdings verzettelte er sich im Laufe seiner Karriere zwischen politischen Kommentaren und Pop-Fantasien.

Die Niete: Rich Boy
Rich Boy war ein Überbleibsel der Dirty South-Bewegung, der mit „Throw Some D’s“ zwar einen Hit dafür aber kaum Talent hatte. Damals reichte allerdings ein guter Song aus, um für Furore zu sorgen.

Wer fehlt: Nicki Minaj

2009

Foto: Asher Roth | Wikimedia | CC BY 3.0

Der Jahrgang: Wale, B.o.B, Charles Hamilton, Asher Roth, Cory Gunz, Blu, Mickey Factz, Ace Hood, Curren$y, Kid Cudi

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Im Vergleich zu dem Jahrgang davor versprach diese Klasse sehr viel. Asher Roth, B.o.B. und Kid Cudi hatten das Zeug, Rap und Pop noch weiter zusammenzuführen. Allerdings scheiterten sie im Gegensatz zu einem Künstler, der in diesem Jahr aus unerfindlichen Gründen nicht auf die Liste geschafft hat: Drake.

Der Superstar: Kid Cudi
Eigentlich müsste Kid Cudi längst ein Superstar sein, einer der die Brücke zwischen HipHop und alternativen Einflüssen gekonnt legt. Leider scheiterten zu häufig Anspruch und Wirklichkeit bei dem ultra-talentierten Scott Mescudi. Dennoch sollte man sich sicher sein, dass im Repertoire Kid Cudis noch ein Klassiker steckt. Satellite Flight: The Journey to Mother Moon war jedenfalls schon ein gutes Omen.

Die Niete: Charles Hamilton
Charles Hamilton ist noch so einer, der wegen eines Songs den Weg auf diese Liste fand. „Brooklyn Girls“ war so eine ungefährliche Pop-Nummer, die es sogar in die dritte Staffel von Entourage schaffte. Eigentlich sollte sein Debütalbum auf Interscope erscheinen, allerdings wurde er vom Label fallen gelassen, weil er fälschlicherweise J Dilla als Executive Producer auf dem Artwork seines Albums angab. Das war es dann mit der großen Karriere.

Wer fehlt: Drake

2010

Foto: Bill Ebbesen | Wikimedia | CC BY-SA 3.0

Der Jahrgang: J. Cole, Pill, Nipsey Hussle, Freddie Gibbs, Big Sean, Wiz Khalifa, OJ da Juiceman, Jay Rock, Fashawn, Donnis

Der 2010er-Jahrgang ist wie ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite sind veritable Rap-Künstler wie Wiz Khalifa, Big Sean, Freddie Gibs oder J. Cole daraus erwachsen, die auch heute noch höchst erfolgreich sind. Andererseits gab es auch einige Schnellschüsse seitens der XXL-Redaktion, die du so heute keinem mehr erzählen kannst.

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Superstar: J. Cole
Eigentlich müsste, was die weltweite Reichweite angeht, Wiz Khalifa hier stehen. Aber ich mache diese Liste und der ganz klar beste Künstler war in diesem Jahrgang J. Cole. Warum? Weil J.Cole ein kompletter Künstler ist, der produzieren, live spielen und ein korrektes Album machen kann. Was davon kann alles Wiz?

Die Niete: Donnis
Wie bescheuert hört sich eigentlich der Künstlername Donnis an? Eine kurze Internetrecherche führte uns zu dem Song „Gone“, der sich nach Bro-Rap für College-Freshmen anhört. Passt ja. Aber leider gehen die ersten beiden Semester schnell vorbei. So wie Donnis’ Karriere.

Wer fehlt: Theophilus London

2011

Foto: Merlijn Hoek | Wikimedia | CC BY 3.0

Der Jahrgang: Meek Mill, Big K.R.I.T., Cyhi The Prynce, Lil Twist, Yelawolf, Fred the Godson, Mac Miller, YG, Lil B, Kendrick Lamar, Diggy Simmons

An der 2011er Klasse lässt sich gut erkennen, wie facettenreich amerikanischer HipHop Anfang der 2010er Jahre geworden ist. Künftige Superstars (Kendrick Lamar, Mac Miller, YG) geben sich neben Reimakkrobaten (Meek Mill, Big K.R.I.T.) und richtig jungen Jungspunden (Lil Twist, Diggy Simmons) die Klinke in die Hand.

Superstar: Kendrick Lamar
Kendrick Lamar hat uns viel versprochen. Nicht nötig zu erwähnen, dass er alles eingehalten hat.

Die Niete: Fred the Godson
Fred the Godson—was ein Name. Klingt auf deutsch wie „Hannes, das Patenkind“. Wir wissen nicht, wer oder was dieser Typ ist, aber auf Rapgenius steht folgende objektive Bewertung seiner Kunst: „Mit seinen listigen Reimen und seinem smoothen Flow hat Fred New Yorker Rap-Enthusiasten wieder Glauben eingehaucht. Gepriesen als der „nächste Große“ und mit der Bronx in seinem Rücken, ist unerschütterlich bei der Wiederherstellung des Genres, wo es vor Jahrzehnten begonnen hat.“ Prost.

Wer fehlt: Tyler, the Creator

2012

Foto: San Francisco Foghorn | Wikimedia | CC BY 2.0

Der Jahrgang: Future, Kid Ink, Danny Brown, French Montana, Macklemore, Don Trip, Machine Gun Kelly, Hopsin, Iggy Azalea, Roscoe Dash

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Es ist schwierig zu sagen, welche Entwicklung diese Gruppe machen wird. Wahrscheinlich erleben einige Künstler wie French Montana, Macklemore oder Iggy Azalea gerade ihren Höhepunkt. Die Chance ist jedenfalls groß, dass wir in zehn Jahren zurückdenken und uns fragen: Was zur Hölle haben wir uns mit French Montana gedacht?

Superstar: Macklemore
Das Gleiche könnten wir uns übrigens von Macklemore auch denken. Andererseits bleiben Grammys für die Ewigkeit, meine Damen und Herren. Drei an der Zahl hat der Gute zu Hause stehen. Drei mehr als Kendrick.

Die Niete: Don Trip
Es ist ein Rätsel, wie jemand wie Don Trip diese Liste erklimmen konnte. „Lawyer“ war vielleicht ein kleiner Hit, aber bestimmt nicht der große Knall. Es gibt noch eine Eigenschaft, die man bei Musikern nicht unterschätzen sollte: Charisma.

Wer fehlt: A$AP Rocky

2013

Foto: Mikel Galicia | Wikimedia | CC BY 2.0

Der Jahrgang: Schoolboy Q, Trinidad James, Joey Bada$$, Ab-Soul, Logic, Action Bronson, Kirko Bangz, Travi$ Scott, Dizzy Wright, Angel Haze, Chief Keef

Auf dem Cover der Ausgabe steht „Best Ever?“. Ich verstehe dies eher als überhöhtes Pamphlet um Auflage zu machen. Sicherlich sind bei diesem Jahrgang ein paar Kracher wie Q, Action Bronson oder Joey Bada$$ dabei, die sicherlich ihren Weg gehen werden, doch ein wirklicher Superstar ist nicht dabei.

Superstar: Schoolboy Q
Ich bin ein großer Schoolboy Q-Fan, aber Oxymoron war trotzdem nicht die große Offenbarung, wie sie zum Beispiel sein Mixtape Habits & Contradictions für mich war. Doch das passt alles schon soweit. Q wird weiter seinen Weg machen. Dafür viel Stoff für den Phrasen-Blunt.

Die Niete: Trinidad James
Ja, ich weiß, Trini kennt man, Trini hat bisher eine beachtliche Karriere hingelegt. Aber Trini ist auch einfach kacke. Der Typ kann weder rappen, noch live auftreten, noch Songs schreiben. Aber was soll’s? Gold glitzert eben. Und man muss zugeben, dass „Females Welcomed“ ein verdammt guter Song war.

Wer fehlt: A$AP Ferg

2014

Foto: CZR-E | Wikimedia | CC BY 2.0

Der Jahrgang: Chance The Rapper, Rich Homie Quan, Isaiah Rashad, Ty Dolla $ign, Lil Durk, Kevin Gates, Troy Ave, Vic Mensa, Lil Bibby, Jon Connor, Jarren Benton, August Alsina

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Ein Jahrgang, der sehr von Chicago geprägt wird. Gleich vier Künstler kommen aus Chicago und mit Lil Herb fehlt sogar noch einer auf der Liste, aber wahrscheinlich war es der XXL-Redaktion zu viel der Lils. Viel kann man noch nicht zu dem Jahrgang sagen, außer, dass vielleicht jeder der Künstler einen sehr musikalischen Anspruch an seine Kunst hat. Hier scheint keiner dabei zu sein, der in HipHop anno 2014 nochmal den kurzen Reibach machen will, bzw. kann. Und das ist schon mal ein gutes Zeichen.

Der Superstar: Chance The Rapper
Natürlich ist Chance The Rapper noch kein gestandener Musiker, weil er bis jetzt erst zwei Mixtapes herausgebracht hat. Andererseits kann man das auch so sehen: Chance The Rapper hat bis jetzt zwei Mixtapes herausgebracht und hat darin schon sein ganzes musikalisches Talent gezeigt. Bleibt zu hoffen, dass die Erwartungen nicht zu hoch gesteckt sind.

Die Niete: Jarren Benton
Natürlich, man ist nur so jung, wie man sich fühlt, und irgendwo muss der Jugendwahn mal aufhören. Jarren Benton ist 32 und das größte, was der Hopsin-Partner in seiner Karriere bisher geschafft hat, ist die Nominierung für das XXL-Cover.

Wer fehlt: Young Thug

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