FYI.

This story is over 5 years old.

Features

Eine Typologie von Menschen, die alleine auf Konzerte gehen

Vom armen Loner bis zur Attention-Bitch.
09 Juli 2014, 9:59am

Foto: Fady Habib | flickr.com | CC by 2.0

Kennt ihr das? Wenn ihr auf ein Konzert geht, um Spaß zu haben oder eurer Lieblingsband zu huldigen—und dann ist da auf einmal diese Person. Sie steht ganz alleine da, gehört zu niemandem und verhält sich teilweise eigenartig. Man ist sich nicht sicher, ob man Angst vor ihr haben oder ob man sich nicht einfach dazu erbarmen soll, diese Person einfach mal anzuquatschen.

Wir haben uns Gedanken darüber gemacht, wie es überhaupt soweit kommen kann. Was sind das für Menschen, die alleine auf Konzerte gehen? Eine Typologie.

Der Mensch, dessen Freund krank geworden ist

Foto: Flood G. | flickr.com | CC by 2.0

Wir alle haben doch diesen einen Freund, der einen genauso schizophrenen Musikgeschmack hat wie man selbst und den man einfach zu jedem Konzert mitschleppen kann. Wer sowas nicht hat, tut mir leid. Wenn dieser eine Freund allerdings am Konzerttag krank wird, hat man ein Problem. Wen soll man jetzt zu Haftbefehl, Florian Silbereisen oder Miley Cyrus mitnehmen? Da muss man dann wohl doch alleine durch. Weil umsonst ein Konzertticket zahlen geht mal gar nicht. Ganz egal, wie scheiße es ist und wie losermäßig man sich fühlt. Geld wächst immerhin nicht auf Bäumen, ihr Bonzen! Wer weiß, vielleicht lernt man auf dem Konzert ja jemanden kennen, dem der gleiche Mist passiert ist.

Der Workaholic

Foto: Adriano Arruguetti | flickr.com | CC by 2.0

Es gibt mehr als genug Menschen, die nicht nur zum Vergnügen auf Konzerte gehen, sondern aus beruflichen Gründen dorthin müssen. Bei diesen Leuten endet der Arbeitstag nicht um sechs, sondern erst mitten in der Nacht nachdem der Konzertbericht oder die Eventfotos online sind. So ein Job mag auf den ersten Blick beneidenswert erscheinen, ist aber harte Arbeit mit wenig Schlaf. Also alles andere als lustig. Diese Person muss sich nicht mit Selbstzweifeln plagen, wenn sie am Abend alleine weggeht. Sie kommt dazu, mit so gut wie jedem zu quatschen und Fotos zu machen. Dass da auch mal ein Ungeheuer dabei ist, das dem Aussehen und Geruch nach auf dem Dachboden lebt und mit Fischköpfen gefüttert wird, ist zwar Würgreflex begünstigend, aber da muss man dann halt einfach durch. Immerhin bekommt man Geld dafür.

Der Musikliebhaber

Foto: Gustave Deghilage | flickr.com | CC by 2.0

Unter allen Personentypen ist der Musikliebhaber wohl der Sympathischste. Er geht einzig und allein wegen der Musik auf Konzerte, richtet sich vorher nicht großartig her und geht meistens direkt nach dem Konzert auch wieder heim, wenn er es nicht schafft, die Bandmitglieder beim Merchstand mit seinem sexy Charme noch zu einem Bier zu überreden. Man muss sich für ihn weder fremdschämen, noch geht er einem auf die Nerven. Außer vielleicht, wenn er sich bei besagtem Merchstand aktiv anstellt, alle anrempelt und herumtränzt, um ja ganz schnell zu seinen Idolen zu kommen. Habt doch Mitleid, diese Menschen da hinter dem Werbemittelumschlagsplatz sind für ihn vielleicht riesige Idole und der einzige Lichtblick in seinem sonst so tristen Leben. Also lasst ihn gefälligst vor und seit keine Schweine!

Der Drogibert

Foto: Mattys Flicks | flickr.com | CC by 2.0

Besonders bei Auflegereien sieht man diesen Typ, der sich von den Eindrücken rund um ihn berieseln lässt. Er ist weder ansprechbar, noch ablenkbar, starrt scheinbar nur mit seinen hochroten, müden Augen in die Luft und ist halt physisch anwesend. Das war’s dann aber auch schon wieder. Außer ein bisschen mit dem Oberkörper herumzuschunkeln und dabei darauf zu achten, nicht umzufallen, schafft diese Person nicht recht viel mehr und ist meistens genauso harmlos wie eine kleine Spinne, vor der sich ausgewachsene Menschen auf einen Sessel flüchten. Die Abneigung der Umwelt ist ihm trotzdem sicher. Oh nein, der Typ ist auf Drogen, lasst uns lieber einen Sicherheitsabstand wie zu einem Pestkranken einhalten, sonst... Hm, was eigentlich? Also wirklich, ich bitte euch! Dieser Typ ist genauso harmlos wie die kleine Spinne, vor der ihr euch fürchtet.

Der Tanzwütige

Foto: Caesar Sebastian | flickr.com | CC by 2.0

Der verrückte Mensch, der in der ersten Reihe steht und als einziger abgeht, kann teilweise witzig anzuschauen sein, manchmal geht er einem aber auch einfach nur auf die Nerven. Sobald er nämlich anfängt wie ein tollwütiger Affe herumzuspringen und die halbe Konzertfläche für sich beansprucht, ist der Spaß aus. Da wird man fast dazu verleitet, ihn einfach in die geballte Faust hüpfen zu lassen wie ein Känguru auf Droge oder einen Schuh zu opfern und ihn damit abzuschießen. Es ist allerdings etwas anderes, wenn das tanzende Äffchen seine Freude teilt und es schafft, das langweilige Publikum–das nur ruhig dasteht, weil Tanzen angeblich uncool ist–dazu zu bringen, seine Ärsche im Kollektiv zu bewegen. Ob das dann im Takt passiert oder eher an einen epileptischen Anfall erinnert ist ein anderes Thema.

Die Attention-Bitch

Foto: Sandra Scherer | flickr.com | CC by 2.0

Ein ganz unsympathischer Stereotyp im Vergleich zu den armen, bemitleidenswerten Opfern. Die Attention-Bitch lebt noch in dem Irrglauben, dass es auf Konzerten stylingtechnisch um irgendetwas geht. Ihre aufwendige, mehrere Stunden dauernde Konzertvorbereitung startet in der Hoffnung, vom scharfen Leadsänger inmitten der Menschenmasse ausgeforscht zu werden. Während bei den meisten das Fertigmachen damit anfängt und auch wieder endet, sich zu waschen, fängt es für sie erst an. Denn ein sauberer, nicht-stinkender Körper reicht nicht aus, um hervorzustechen. Hervorstechen heißt, sich mindestens eine Tonne Make Up ins Gesicht zu spachteln und nur soviel Stoff wie nötig anzuziehen (auch bei männlichen Attention-Bitches). Abgerundet wird das Ganze mit den höchsten Schuhen, in denen man laufen kann oder auch nicht. Was die Attention-Bitch zum ungustl macht, ist nicht die Aufgetackeltheit. Versteht mich nicht falsch, jedem das Seine. Zur Antipathie kommt es dadurch, dass sie sich mit roher Gewalt nach vorne drängt, ihre Haare und Arme allen rundherum ins Gesicht schwingt um auch aufzufallen, auf die Bühne gebeten zu werden und so ihren Traumpartner kennenzulernen. Sorry Bitch, das wird einfach nie passieren. Du zeigst nur allen, wie ungut du bist.

**

Folgt Noisey bei Twitter und Facebook.


MEHR VON NOISEY

Es gibt keinen Sex auf Festivals

Festivals sind der ultimative Samenstau. Es gibt reichlich junge Menschen, reichlich Enthemmung, sogar reichlich nackte Haut. Aber Sex auf Festivals ist ein Mythos.

Welches Bundesland googlet welchen Artist?

Wir haben uns angeschaut, ob die Steirer im Netz wirklich alle ständig nach Andreas Gabalier suchen.

Die Abgründe meiner iTunes-Mediathek

Sich im Shuffle-Modus durch die eigene Mediathek hören kann weh tun. Menschen lügen, Mediatheken nicht.