So baust du dir ganz einfach das Heimstudio deiner Träume
Foto via Flickr | Danny Ayers | CC BY 2.0 |
Thump

So baust du dir ganz einfach das Heimstudio deiner Träume

Die wichtigsten Zutaten: Eine Portion Elan, ein paar Euros hier und da und ein wenig Erfindergeist.
21.4.16

Auch wenn es viele Schlafzimmer-Produzenten gibt, die es inzwischen zum Superstar gebracht haben, sitzen noch immer viele Leute dem Irrtum auf, dass es zur Produktion eines Hits ein ausgeklügeltes System teurer Hightech-Geräte braucht. Und befinden sich irgendwo befinden, bloß nicht in der eigenen Bude. Versteh mich nicht falsch, all das wird deinen Chancen auf den großen Durchbruch bestimmt nicht schaden, aber du solltest auch nicht vergessen, dass „Sweet Dreams" von den Eurythmics in irgendeinem englischen Kellerstudio aufgenommen wurde und trotzdem einen Grammy abgestaubt hat. Also stell dir mal vor, was du alles in den eigenen vier Wänden fabrizieren kannst, mit Technologie, die fast allen von uns online zur Verfügung steht. Es ist gut möglich, dass das Gerät, auf dem du das hier liest, bereits das Zeug dazu hat, einen Track von annehmbarer Qualität zu produzieren.

Mit einer Portion Elan, ein paar Euros hier und da und ein wenig Erfindergeist werden die unten stehenden Tipps dich in einen Villalobos im Schlafrock verwandeln. Auf geht's:

1. Grundausstattung

Gehe sicher, dass deine Basics (Rechner, DAW, Monitore, Soundkarte, Kabel) in gutem Zustand sind und für die beste Qualität und Auflösung konfiguriert wurden. Ein kaputtes MacBook wird dich nicht sonderlich weit bringen.

Computer: Fast alle Rechner, die es heutzutage zu kaufen gibt, sind in der Lage, mit Audiodateien von guter Qualität zu arbeiten, und somit auch vernünftig klingende Tracks hervorzubringen (auch wenn dein eigenes Talent natürlich eine Rolle spielt). Trotzdem solltest du sichergehen, dass alles richtig eingerichtet ist, und überprüfen, dass du genug RAM und USB-Steckplätze hast, usw.

DAW – auch Produktionssoftware genannt: Ableton Live, Logic Audio und Cubase sind die Programme, die am häufigsten zur Produktion elektronischer Musik eingesetzt werden. Es gibt auch kompetente Programme wie Fruity Loops und Reason, die extrem nutzerfreundlich sind. Ein bestimmtes Top-Programm gibt es nicht das beste ist ganz einfach das, mit dem du dich am wohlsten fühlst.

Monitore: Es ist sehr wichtig, Studiomonitore zu haben, denn Stereo- oder Heimkino-Boxen haben je nach Marke eine eigene Entzerrung und Kompression (du kannst sie also nicht nach Belieben anpassen). Vermeide nach Möglichkeit auch DJ-Kopfhörer sie können zwar in der Booth jede Menge Sound absorbieren, aber liefern im Studio nicht die klangliche Klarheit, die du zum Produzieren brauchst.

Soundkarte: Stelle sicher, dass du eine Soundkarte hast, die für hochauflösende Aufnahmen und Wiedergabe geeignet ist. Es gibt auf dem Markt mehrere Modelle, die sich preislich wirklich sehen lassen können.

Kabel: Vielleicht hältst du das für unwichtig, aber ein paar Balanced-Kabel auch symmetrisch genannt sind die Investition eindeutig wert, um das meiste aus deinem restlichen Equipment und damit auch aus deinen Produktionen zu holen.

2. Platz

Das Heimstudio des Produzenten Gabe

Deine Tracks in Mamas und Papas Küche zu basteln, ist vielleicht nicht die beste Idee. Das Sofa lässt auch zu wünschen übrig. Es ist sehr wichtig, dass du dir einen guten Standort für das Heimstudio überlegst, denn du wirst viel Zeit dort verbringen (vermutlich sogar mehr, als du dir im Moment vorstellen kannst). Such dir einen Platz aus, wo du dich kreativ entfalten kannst, wo es so still wie möglich ist und du keinen Umgebungslärm hast. Wenn möglich solltest du ein Zimmer auswählen, das nicht komplett quadratisch ist, weil das die Akustik verkompliziert, wie ich weiter unten noch erklären werde. Und wenn du in einer Einzimmerwohnung lebst, ist das auch kein Beinbruch, wenn du den Rest der Tipps beachtest.

3. Monitoranordnung

Die Monitore und dein Kopf müssen auf derselben Höhe sein und ein gleichseitiges Dreieck bilden, also drehe die Boxen zu deinen Ohren hin und höre den Sound so direkt wie möglich. Wenn du genug Platz hast, solltest du die Monitore auch nicht direkt an eine Wand stellen. So hörst du nämlich nur den unverfälschten Direktsound und hast keine Verzerrung durch den Schall, der von den Wänden zurückgeworfen wird. Diese Reflexion von den Wänden lässt sich auch vermeiden, indem du absorbierendes Material wie Schaum zwischen den Monitoren und den Wänden positionierst. Verwende etwas Weiches, das den ganzen Bereich hinter deinem Arbeitsplatz abdeckt. Es muss auch nicht dick sein eine alte Decke sollte schon ausreichen. Du kannst auch die Entfernung zwischen den beiden Boxen anpassen, sodass das Dreieck spitzer oder stumpfer wird, bis du die perfekte Position für dich gefunden hast.

4. Akustik

Die Akustik in deinem Studio kann ein ziemlich kompliziertes Thema sein, und alles so zu gestalten wie die Profis, kann richtig teuer werden. Doch es gibt ein paar Kniffe, mit denen du in Eigenregie deine Lage etwas bessern kannst:

Möbel: Das volle Bücherregal und das Sofa hinter dir? Die können ruhig dort bleiben. Diese Objekte werden dir dabei helfen, tiefe Frequenzen abzufangen, und als Diffusoren agieren. Du kannst zwar unmöglich genau wissen, bei welchen Frequenzen sie dir eigentlich helfen, aber besser als eine kahle Wand ist es allemal.

Wände: Verkleide die Wände deines Studios mit den dicksten Vorhängen, die du finden kannst, und verteile Teppiche am Boden. Nicht nur hast du damit besseres Feng Shui, sondern der Stoff absorbiert auch etwas von deiner Lautstärke womit deine Nachbarn besser auf dich zu sprechen sein dürften.

Grundriss: Vermeide es, in einem Zimmer mit spitzen Ecken zu arbeiten. Das könnte den Sound verzerren, weil jeder Beat, der in eine Ecke geht, mit größerer Intensität reflektiert wird. Du kannst die Ecken mit Karton und Klebeband unschädlich machen. Schalldämmungsplatten können auch hilfreich sein. Wie du deine eigenen bastelst, erfährst du hier.

5. Mach dich mit deinem Equipment vertraut

Viele sind der Ansicht, dass das Studio genau so sehr ein Instrument ist wie dein 808, und hoffentlich helfen dir diese Tipps, das meiste aus deinem Heiligtum zu holen. Wenn du allerdings nicht gut mit deinem Equipment umgehen kannst, wirst du auf lange Sicht trotzdem nicht weit kommen. Lies dir die Bedienungsanleitungen deiner Geräte durch, zieh dir auf YouTube Programmiertipps von Experten rein und übe, übe, übe. Rom wurde nicht an einem Tag erbaut, und dasselbe gilt für deine Produzentenkarriere.

Viel Erfolg!

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