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Frei.Wild covern Nazisongs

Endlich ist es raus: Frei.Wild sind gar keine Naziband, sondern eine Nazi-Coverband. Acht Dinge, die wir über den Frei.Wild-Stahlgewitter Gerichtsstreit loswerden wollen.

von Ayke Süthoff
10 Mai 2013, 11:35am

Dank der Recherche unserer geschätzten Kollegen von der Süddeutschen Zeitung wissen wir jetzt endlich, dass Frei.Wild keine Naziband sind. Sondern eine Nazi-Coverband. Die heimattreuen Südtiroler haben sich für ihr Lied „Schenkt uns Dummheit, kein Niveau“ äußerst offensichtlich bei „Auftrag Deutsches Reich“ von Stahlgewitter bedient.

Bekannt geworden ist das Plagiat, weil Stahlgewitter-Mitglied Jens H. vor dem Hamburger Landgericht wegen Urheberrechtsverletzung geklagt hat.

Eine Naziband zieht also vor Gericht, um einer verkappten Naziband ein bisschen von dem vielen Geld streitig zu machen, das sie mit ihrem Ach-so-unpolitischem Rechtsrock scheffeln. Im Grunde könnten wir darauf scheißen und die Arschlöcher sich gegenseitig fertig machen lassen. Aber ich möchte trotzdem ein paar Dinge zu dieser ganzen Angelegenheit sagen:

Erstens, ich habe die Vorwürfe überprüft und das war das erste Mal, dass ich Musik von Stahlgewitter gehört habe und leider das wiederholte Mal, dass ich Frei.Wild hören musste. Es war in beiden Fällen ziemlich widerlich und ich höre seitdem nur noch Feine Sahne Fischfilet, um meine Ohren reinzuwaschen.

Zweitens, der Diebstahl ist tatsächlich ziemlich eindeutig. Ich werde den Beweis dafür hier allerdings nicht posten, weil ich keine Videos von Stahlgewitter oder Frei.Wild auf dieser Homepage haben will. Ihr seid ja alle einigermaßen internetfähig, also, wenn ihr unbedingt einen Beweis braucht, recherchiert selbst.

Drittens, ihr könnt uns auch einfach glauben und euch, statt den Arschlöcher-Bands und den Arschlöcher-Fans, die solche Songs in ihren Youtube-Channel laden, unnötig Klicks zu verschaffen, einfach diesen Song anhören:

Viertens, Frei.Wild standen in der letzten Woche mit ihrem Album „Feinde deiner Feinde“ auf Platz eins der deutschen Albumcharts. Das geht gar nicht. Ihr vernünftigen Menschen da draußen, kauft bitte mehr Alben. Mir ist völlig egal was, aber stoßt diese Idioten dauerhaft von Thron!

Fünftens, ihr Frei.Wild-Fans, Ignoranten und latenten Faschos da draußen, hört auf diese Scheiße zu kaufen. Das ewige Argument mit der Grauzone ist dummes Gerede, Frei.Wild ist scheiße und es gibt kein Argument, diese Musik zu hören.

Sechstens, es bietet sich für Frei.Wild und deren Fans bei dieser ganzen Geschichte nur zu sehr an, zu sagen: Seht ihr, Nazis hassen uns, das ist der Beweis, dass wir keine Nazis sind. Ganz so einfach ist es aber nicht. Natürlich hasst eine bekennende Naziband wie Stahlgewitter eine „Grauzonen“-Band wie Frei.Wild, die sich auf Druck vom Management und Majorlabel immer wieder öffentlich von Faschismus distanziert (nur, um dann weiter Rechtsrock zu produzieren). Wahrscheinlich hassen sie solche „Verräter“ sogar noch mehr, als ehrliche Gegner. Das macht die ganze Heimat-Scheiße und Koketterie mit der eigenen Vergangenheit und rechtem Gedankengut von Frei.Wild keineswegs besser.

Siebtens, dieses Plagiat ist der unumstößliche Beweis, dass Frei.Wild-Sänger Philipp Burger (in den Credits als alleiniger Komponist aufgeführt) in seiner Freizeit Nazi-Musik hört. Das ist dann ebenfalls der Beweis, dass die wiederholte Distanzierung von Nationalsozialismus und Rechtsextremismus nichts als hohles Gelaber ist. Ich bin gespannt, wie Burger sich da rausreden will.

Achtens, ich zitiere die Süddeutsche Zeitung: Der SZ erklärt ein Sprecher von Frei.Wild indes, die Band kenne weder Stahlgewitter noch ihre Texte oder Lieder, vielmehr hätte Frei.Wild „bis zur Geltendmachung der bezeichneten Ansprüche keinerlei Kenntnis“ von der Existenz der Naziband gehabt. Im Übrigen sei „Schenkt uns Dummheit, kein Niveau“ eine „vollständig eigenständige geistige Schöpfung“.

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