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Ich war eine Woche lang jeden Tag auf einer Weihnachtsfeier

Weihnachtsfeiern sind eine Art Schwanzvergleich der Firmen. Außerdem machen sie fett. Aber ich liebe sie trotzdem.

von Fredi Ferkova
21 Dezember 2015, 11:45am

Nach dieser Woche habe ich sicher drei oder fünf Kilo zugenommen. Es ist mir egal, da ich keinen Cent dafür bezahlt habe. Fotos von der Autorin.

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich liebe Weihnachtsfeiern. Also außer die mit der Familie. Die werden ab einer gewissen Uhrzeit immer sehr seltsam. Aber die Job-Weichnachtsfeiern liebe ich. Das hat zwei Gründe. Erstens habe ich in meiner Studienzeit als Soziologin echt nie erwartet, so etwas eines Tages mitzuerleben – Stichwort Jobchancen. Zweitens habe ich Soziologie studiert und ergo nie tolle Lokale und tolles Essen in Aussicht gehabt. Stichwort Gehaltschancen. Weihnachtsfeiern sind a Schnorrer's paradise. Und ich bin ein Bilderbuch-Schnorrer. Ich habe das Schnorren sogar so perfektioniert, dass niemand vermutet, dass ich einer bin.

Während die sonstige arbeitende Bevölkerung bei Weihnachtsfeier-Einladungen nur gelangweilt abwinkt, erstrahlen meine Augen hell und bekommen Sternchen. Ich bin dann die, die voller Respekt fragt, ob es schlimm ist wenn man betrunken ist. Oder die nachfragt, was man jetzt anziehen soll. Ich bin das kleine, naive, nervige Kind am Weihnachtstisch, das sich über alles und jeden freut. Hauptsache Weihnachtsfeier. Letzte Woche hatte ich durch erzwungene Zufälle die Möglichkeit jeden Tag Weihnachtsfeiern zu besuchen. Jeden Tag. Montag bis Freitag. Habe ich natürlich gemacht.

Nach meiner U4-Woche war es auch an der Zeit, mir selbst etwas Gutes zu tun. Und mal drei Kilo zuzunehmen, ohne dass ich selbst dafür etwas zahle. Es ist ein wundervolles Gefühl zuzunehmen und zu wissen, dass man sich das nicht selbst finanziert hat. Ich war übrigens die gesamte Woche nicht einkaufen. Und nach der Woche weiß ich eines: Weihnachtsfeiern sind der Schwanzvergleich der Firmen.

Montag – hausgemacht-Weihnachtsstammtisch

Wo: Ein Vereinsraum
Wie viele Menschen: Ca. 20

Gut, die einzige Weihnachtsfeier, die ich organisiert habe. Deshalb gab es auch absolut kein Essen. Aber Punsch mit einer Flasche Gin versetzt. Und es hat Mariah Carey gespielt. Eigentlich habe ich es ziemlich schleifen lassen, merke ich gerade. Aber egal. Die wichtigsten Menschen des Kollektivs waren da. Und wir waren besoffen. Vielleicht habe ich die Weihnachtsfeier einfach kosteneffizient gemeistert. Vielleicht ist mein Geschäftssinn stärker als mein Schwanzvergleich-Reflex. Es war sehr nett und ich war eine halbe Stunde zu spät. Meine Kollegin war so lieb und hat den Punsch gekocht. Mehr gibt es da eigentlich auch nicht zu erzählen. Da es meine Weihnachtsfeier war, war sie etwas unspektakulär und es gab – wie erwähnt – keine Mahlzeiten. Nicht einmal Kekse. Auch keine Deko. Es gab eigentlich absolut nichts außer diesen Gin-Punsch. Und mein Handy mit Mariah Carey. Der Punsch war dafür ordentlich lecker. Glaube ich. Aber um fair zu sein: Von allen Weihnachtsfeiern, habe ich die lahmste geschmissen.

Dienstag – Weihnachtsfeier eines Museums

Wo: Glacis Beisl
Wie viele Menschen: Ca. 30

Ich liebe Lokale, die ich nicht aussprechen kann. Die haben meistens Essen, dessen Qualität die von zwei Tage alten Mäci-Pommes neben meinem Bett übersteigt. Ich bin ein großer Fan von Essen. Vor allem, wenn es warm ist. In dem besagten Museum habe ich bis Anfang November gearbeitet. Verabschiedet habe ich mich mit den Worten: "Aber ladet mich zur Weihnachtsfeier ein! Ich würde mich gerne von allen verabschieden!” Netterweise wurde ich auch eingeladen. Gesessen bin ich neben der obersten Chef-Etage – weil ich zu spät war und ich es auch irgendwie lustig fand, da zu sitzen. Wenn man bereits nicht mehr bei einer Arbeitsstelle arbeitet, dann sind die peinlichen Bsuff-Gespräche auch irgendwie wurscht.

Es gab ur viel Wein und alles, was man zum Trinken wollte. Außerdem wurde die Hauptspeise – ich glaube es war Tafelspitz – so angeschrieben: "Gemischtes Gekochtes vom Rind mit Schnittlauchsauce, Apfelkren und Rösti.” Das fand ich ur lustig und hab es mit der Chefetage geteilt. Die fanden das gar nicht so außergewöhnlich. Überhaupt habe ich ziemlich viel mit ihnen geteilt – meine Kollegin, die sich zu mir gesetzt hat, hatte ab und zu peinlich berührte Blicke für mich übrig. Die habe ich gekonnt ignoriert. Ich hatte sehr viel Spaß, ein fucking edles Drei-Gänge-Menü und einen leichten Damenspitz. Bin zufrieden.

Mittwoch – Weihnachtsfeier einer Redaktion

Ich weiß schon, warum mir niemand auf Instagram folgt. Ich bin zu unbegabt.

Wo: Café Berfin

Wie viele: Ca. 40 Menschen

Ich schreibe ja ab und zu frei. Eine dieser Redaktionen hat mich am Mittwoch eingeladen gehabt – ins Café Berfin. Menschen, die schreiben können auch saufen. Unabhängig welche Redaktion. Seitdem ich in dieser "Szene" bin, kann ich mit Sicherheit sagen, dass ich nicht die abgestürzte Ausnahme bin. Ich bin nur die einzige, die darüber schreibt. Die Tage davor waren eher nicht betrunken – ich musste bis Mittwoch arbeiten. Hier aber waren viele Slawen, wenig Essen und wenig Platz. Relativ schnell habe ich den Vorspeisen-Teller gegen Raki ausgetauscht. Und relativ schnell ist mein effizienter Geist zu Tage getreten und hat statt einem weißen Spritzer jedes Mal zwei weiße Spritzer bestellt.

Es hieß, es gäbe ein Budget. Bis zu dieser unbekannten Grenze darf konsumiert werden. Das ist genau die Art von Feier, die meinem hastigen und trinkwütigen Geist entspricht. Was soll ich sagen? Ich hatte es wirklich lustig. Fast ein bisschen zu lustig. Ich habe verschiedene spannende Gespräche geführt, an die meisten Gesprächsthemen erinnere ich mich nur dunkel. Ich glaube, ich habe fleißig mitgelästert, obwohl ich keine Ahnung von den betreffenden Personen hatte. Ist aber OK für mich.

Gegen 22 Uhr hat mich meine beste Freundin abgeholt. Und am Heimweg gefilmt. Dieses Video ist eine Frechheit und mein Zustand am Mittwoch um 22 Uhr auch. Je älter ich werde, desto mehr halte ich einen Filmriss für die psychologische Reaktion des Gehirns. Gewisse Dinge muss man vergessen, weil die eigene fragile Psyche sie nicht aushalten würde. Ob ich also jemals wieder für diese Redaktion schreiben darf, wird sich noch zeigen. Ich bin noch zu beschämt um nachzufragen.

Donnerstag – Weihnachtsfeier von ???

Auch diese Speise hat besser geschmeckt als es das Foto vermuten lässt.

Wo: Liebstöckl

Wie viele: Ca 8 Menschen. Ernsthaft.

OK. Das war die erste Weihnachtsfeier, auf der ich so richtig gar nichts verloren hatte. Die zwei davor waren schon echt grenzwertig, aber diese Weihnachtsfeier hatte mit meiner Person nichts zu tun. Mein progressives und exzentrisches Wesen hat darüber aber hinweg gesehen – ein Kollege hat mich mitgenommen. Erwartet habe ich eine Feier wie die der letzten Tage – eine wo ich untergehe. Wo man nicht mal Small Talk mit mir führt, weil es genug andere Leute gibt, die man kennt und es jedem unangenehm ist zu fragen, wer ich bin.

Zusätzlich kommt dazu, dass ich extrem fertig vom Mittwoch war. Ich habe mich also komplett verkatert an den einen Tisch zu den anderen acht Menschen gesetzt. Dann habe ich mich vorgestellt und ein bisschen meine Teilnahme gerechtfertigt. Ist mir nicht so gelungen – war aber irgendwie allen egal. Das angebotene Menü wurde noch mit der Aufforderung, wir können eh auch a lá carte bestellen, getoppt. Obwohl der Nährboden für einen beschämten Abend gegeben war, war es mit Abstand wohl die netteste und entspannenste Weihnachtsfeier. Ich habe mich blendend unterhalten, habe hervorragend gegessen und zum Schluss gab es im Garten ein Lagerfeuer mit Maroni und Punsch. Leider bin ich nicht länger geblieben – ich hatte das Freitags-Finale vor mir.

Freitag – Weihnachtsfeier der VICE Austria-Redaktion

Sichtlich angeschlagen, aber doch motiviert. Foto von Isabella Khom.

Wo: Club Dual

Wie viele Menschen: Ur viele.

Unsere Redaktion hat eine offene Party für alle, die es interessiert, geschmissen – im Club Dual mit Georg aus Wien. Vorher haben wir uns getroffen und Pizza bestellt und vorgeglüht. Es war ur nett. Verena Bogner hatte die beste Playlist am Start, ich nach der ersten halben Stunde mein drittes Bier intus. Wir hatten einen netten Abend und haben uns versichert, dass wir rechtzeitig im Club Dual sind. Waren wir nicht. Auch habe ich versichert, dass ich keinen polnischen Abgang mache und ohne mich zu verabschieden einfach verschwinde. Auch das habe ich nicht geschafft. Aber es war egal, irgendwie war es ein guter Abschluss meines Weihnachtsfeier-Marathons. Ich habe einige DJs und Freunde meines Kollektivs eingeladen. Das es eventuell eine Scheiß-Idee ist, meine Sturz-Partie mit meiner richtigen Arbeitsstelle zu mischen, ist mir irgendwie erst nachher gekommen.

Nach Georg aus Wien hat mein Chef Jonas ziemlich leiwanden HipHop aufgelegt. Nur war es dann echt voll. Also so voll, dass ich mich in meinem Rausch unwohl gefühlt habe. Ich weiß nicht, wann ich wohin gegangen bin, jedenfalls war ich am Sonntagabend noch tot im Bett. Heute, geht es mir schon ein bisschen besser. Das liegt nur ein bisschen an dem vierten Red Bull. Ich bleibe Weihnachtsfeiern-Fan. Ladet mich ein. Ernsthaft. Die von heuer werden es vielleicht nicht mehr tun.

Fredi lässt sich auf alle Weihnachtsfeiern einladen: @schla_wienerin

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