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Die Evolution von The Neptunes

Chad Hugo und Pharrell Williams haben die bahnbrechendsten Neuerungen im Pop-Business seit Motown eingeführt und sind noch immer zwei der einflussreichsten Produzenten überhaupt.
Ryan Bassil
London, GB
30 September 2013, 11:30am

Illustration von Dan Evans

Chad Hugo und Pharrell Williams haben die Karrieren so vieler Künstler beeinflusst, es wäre unmöglich, sich vorzustellen, wie Pop heutzutage ohne sie klingen würde. Ohne ihre Zauberei gäbe es kein „Like I Love You” oder „Hot In Herre” und die Entwicklung von Jay oder Britney wäre recht ärmlich ausgefallen. Sie haben so ziemlich jedes Genre umgekrempelt und die bahnbrechendsten Neuerungen im Pop-Business seit Motown eingeführt. Zeitweise konnten sie um die 150.000 Dollar pro Song verlangen.

Fast zwanzig Jahre nach dem Beginn ihrer musikalischen Reise, haben Pharrell und Chad ein paar der besten Titel produziert, die es jemals gab. Deswegen gebührt die neueste unserer Retrospektiven ihnen.

Der Embryo von The Neptunes (1991)

Von Anfang an waren die Karrieren von Pharrell Williams und Timbaland stark miteinander verflochten. Lange bevor ihre Namen hinter den Platten von großen Ikonen standen, schnitten sie als Mitglieder von Surrounded By Idiots zusammen Tracks. Die Teenager-Crew, bestehend aus Pharrell Williams, Timbaland und Magoo, war lange Zeit eine Art Mysterium für die Beat-Fans, als drei ihrer Tracks im Internet kursierten.

Rückblickend wirken die Sessions von damals wie eine Zeitschleife. Dieser Track ist einer ihrer ersten aus den 90ern und sampelt eines der besten Lieder aus den 80ern—Michael Jacksons „Human Nature”, das unglaublich viele Producer in den 00er Jahren stark beeinflusste.

Die Geburt von The Neptunes (1992 - 1994)

Eine wichtige Tür für The Neptunes öffnete sich, als Jack Swing, der Producer von Teddy Riley, ein Studio neben dem Gebäude eröffnete, in dem Pharrell und Chad studierten. Riley, der schon mit Michael Jackson gearbeitet hatte, entdeckte das Duo auf einer High-School-Talentshow und erkannte ihre Begabung sofort. Noch im selben Jahr verfasste Pharrell Rileys Part auf Wreckx-n-Effects „Rumpshaker”.

Die Partnerschaft mit Teddy Riley führte die beiden zu SWV, für die sie einen Remix zu „Right Here” aufnahmen. Der Track, der wieder Michael Jacksons „Human Nature” sampelte, schaffte es auf Platz Zwei der Billboard Charts und auf Platz Drei in Großbritannien.

Wenn ihr genau hinhört, könnt ihr auch den süßen Klang der Stimme des jungen Pharrell Williams' hören. „S...the double...the U...the V".

Wie es scheint auch durch Teddy Rileys Kontakte, bekamen The Neptunes die Möglichkeit beim Debütalbum von Blackstreet mitzuarbeiten und featureten sie mit „SWV auf Tonight’s The Night”.

Nächste Seite: Die Gründung und der Durchbruch.

Die Gründung von The Neptunes (Ende der 90er)

Auch wenn The Neptunes schon länger Teddy Riley bei der Produktion assistierten, dauerte es bis in die späten 90er Jahre, bis sie ihren eigenen Sound kreierten. Die Mischung aus Psychedelic Pop, Classic Rock und New Wave, für die The Neptunes bekannt wurden, fand ihren Anfang mit zwei Tracks aus den späten 90ern. Der erste war Ma$es „Lookin’ At Me” mit einem Feature von Puff Daddy—Platz Acht der Billboard Charts. Beim zweiten Song, Noreagas „Super Thug”, sang Kelis im Background. Beide Tracks legten den Grundstein für The Neptunes. Auch Kanye West muss ihnen damals schon zugehört haben, denn er lieh sich ein paar Jahre später in Cold” die ersten Strophe von Ma$es.

1999 produzierten The Neptunes die Debütalben von Clipse und Kelis. Auch wenn das Clipse-Album nie kommerziellen Erfolg hatte—was zur Folge hatte, dass sie vom Label ausgeschlossen wurden—war es genauso wie die Kelis-Arbeit der Beginn von sehr wichtigen Beziehungen. Dieses Jahr zeichnete das Complex Magazin Clipses „Grindin" zum besten Beat von The Neptunes überhaupt aus. Der Song ist eine wunderbare Definition des Neptunes Klangs—dünn und fein—und brachte Clipse wieder ins Rollen. Dieser Beat wurde unzählige Male kopiert und diente als Inspiration für viele andere Musiker, wie zum Beispiel J-Kwons Hit „Tipsy”.

Die Konkretisierung von The Neptunes Legacy (2000+)

Zum Gong des Milleniums, hatten Pharrell and Chad ihren guten Ruf in der HipHop-Welt etabliert und nicht nur Tracks für Diddy, Ma$e, Kelis und Clipse produziert, sondern auch für Größen wie Ol’Dirty Bastard und Q-Tip, für den sie einen Remix von Prince' „The Greatest Romance It’s Ever Been Sold” featurten (der so exklusiv war, dass er nicht mal auf YouTube ist). Ihre Arbeit der Milleniumsjahre brachte ihnen ein Vermächtnis in der HipHop-Szene und machte sie zu den Mastern der modernen Popkulur.

Der Wendepunkt kam, als Jay Z—wahrscheinlich ihr größter Name—sie bat, ein paar Knöpfe für „Just Wanna Love You” zu drücken. Pharrells langgezogene „I just wanna laaaaaaav ya!”-Passagen und die Beats der beiden brachten Jigga seinen ersten Platz Eins der HipHop/R'n'B Billboard Charts ein.

Der Song machte auch Britney Spears auf The Neptunes aufmerksam, die aus ihrer kleinen braven Pop-Blase herauswollte und das Duo bat, ihren nächsten Song zu produzieren.

Dem Time Magazin erzählte Pharrell einmal folgendes: „Taking somebody from A to B is cool, but when we produce we want to take people from A to D, to challenge their artistic natures, their image, everything.”

Genau das passierte mit Britney Spears. Die Veröffentlichung von „I’m A Slave 4U” verwandelte Britney von einer Pop-Prinzessin in eine erwachsene „Sperrt-eure-Söhne-weg"-Künstlerin. Es zeigte außerdem einem wesentlich größeren Publikum, was The Neptunes drauf haben, und verhalf ihnen zu Kooperationen mit Usher, No Doubt, Mary J Blige, Busta Rhymes und Garbage. Über die Jahre machten sie ein paar andere Songs mit Jay und Britney, außerdem Janet Jackson & Beenie Mans „Feel It Boy”, LL Cool J’s „Luv U Better” und den Pre-Solange-Song vor „Losing You”—„Crush”.

In den nächsten Jahren produzierte das Duo kommerzielle Knaller wie Nellys „Hot In Herre", Snoop Doggs „Drop It Like It's Hot“, Kelis „Milkshake“ und Gwen Stefanis „Hollaback Girl", von denen drei die Nummer Eins in den Billboard Charts knackten. Zu Recht, „Drop It Like It's Hot", ein Track, der perfekt zum bereits bekannten minimalistischen Sound von The Neptunes passte beinhaltete nur die notwendigsten Elemente—Schnalzen und Drums. Der Song markierte einen kompletten Neuanfang für Snoop.

Auch die anderen vier, gerade aufgelisteten Lieder, hatten eine makellose Qualität und haben sich in jeden Kopf eingebrannt. Versucht mal beim Kauf eines Milkshakes nicht an Kelis' „Milkshake“ zu denken! Als Nächstes hat Justin Timberlake The Neptunes beim Erwachsenwerden geholfen.

Mit Ausschnitten von Michael Jacksons Comeback-Album Invincible aus dem Jahr 2001 hat diese Platte mal wieder das Talent von The Neptunes gezeigt, ihren einzigartigen Produktionsstil sogar auf weltweite Popstars und Badass-Rappern wie Pusha T übertragen zu können. Justified hat den Neptunes einen Grammy für „Best Pop Vocal Album“ eingebracht. Zudem haben sie einen Grammy für „Producer of the Year“ erhalten, vermutlich weil sie so ziemlich alles im Jahr 2004 produziert haben, das gut war. 2002 wurden sie außerdem bei The Source und den Billboard Music Awards als bestes Produzententeam geehrt.

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Eigene Arbeiten von The Neptunes (2001-heute?)

The Neptunes bastelten aber nicht nur Tracks, die andere Leute berühmt machten, sondern veröffentlichten unter dem Namen N*E*R*D auch eigene Musik. Das Trio, bestehend aus Chad, Pharrell und Shay Hayley, brachte das Debütalbum In Search Of im Jahr 2001 raus. Das Original, das eine Geschichte erzählt, wie Shay zwei High-School-Groupies in der Umkleide trifft („Things Are Getting Better“), eine Nutte anruft („Stay Together“) und einen Porno dreht („Tape You“) ist sehr begehrt, weil die Gruppe das Album mit Spymob neu aufgenommen hat. Als Pharrell mit VIBE darüber sprach, sagte er: „The Neptunes steht für das, was wir tun. Ich und Chad produzieren, wir sind die Anlaufstelle für die Ideen und Gedanken der Menschen. N*E*R*D steht dafür, wer wir sind, unsere Leben und Erfahrungen. Wir wollen kreativer werden, gutes Zeug aus dem Ärmel schütteln und eine neue Ära einleiten.“ Demzufolge haben sie sich von dem Original-Sound von The Neptunes weiterentwickelt und die Platte mit einer rockigen Note versehen.

Die Einführung einer Live-Band baute auf die Produktionstechnik von The Neptunes auf, bei der Chad normalerweise an der Melodie arbeitet und Pharrell die Vocal-Verantwortung trägt. In Search Of bleibt ein Klassiker und hat wieder einige Preise gewonnen. Seitdem hat die Gruppe drei weitere Platten veröffentlicht.

Im Jahr 2006, drei Jahre nachdem die Single „Frontin“ erschien, veröffentlichte Pharrell Williams sein Soloalbum In My Mind. Es baute auf dem nihilistischen Rhythmus auf, den Pharrell für „Drop It Lik It's Hot“ baute. Mit der ersten Single „Can I Have It Like That“ kreierte er eine Soundlandschaft aus schonungslosem, dumpf-pulsierendem Minimalismus. Pharrell und seine damalige Band The Yessirs veröffentlichten eine Remix-Version der Platte mit dem Namen Out Of My Mind, auf der Instrumentals von Questlove und James Poyser von The Roots zu finden waren.

Die modernen Tage (2010+)

The Neptunes tauchten Ende der Nullerjahre kurz ab. Neben den üblichen Verdächtigen—Nelly, Snoop, Clipse und Jigga—produzierten The Neptunes zwar Madonnas elftes Studioalbum Hard Candy, und Pharrell legte Hand an neue Alben von sowohl Fall Out Boy als auch The Hives an, während Chad Ashlee Simpsons Album produzierte. Aber irgendwas ging verloren. Der Siegeszug von Autotune und damit einhergehend der Aufstieg von Künstlern wie Drake, Lil‘ Wayne und—zumindest was den Mainstream angeht—Jason Derulo schienen die Herrschaft von The Neptunes über das Tagesprogramm weltweiter Radiosender zu Grabe zu tragen.

Ohne Rücksicht darauf zu nehmen, machten die beiden weiter. Chad schrieb mit an „I Care“ von Beyoncés Album 4 und zusammen produzierten sie Pusha Ts und Tyler The Creators 2011er Kollabo „Trouble on My Mind“ und Alben von The Throne („Gotta Have It“), The Cool Kids und Pac p. Ihr Output klang noch immer nach The Neptunes, aber sie standen nicht mehr auf Eins in den Charts—so wie früher.

Das änderte sich alles innerhalb der letzten zwei Jahre. Während Chad ein DJ Team namens Missile Command gründete und einen Vertrag bei Fools Gold unterschrieb, scheint Pharrell ein Bohrloch in eine bis dato nicht angerührte kreative Quelle gebohrt zu haben. In den letzten zwei Jahren dominierte er die Musik wie nie zuvor. Er war auf den beiden größten Songs des Sommers—„Get Lucky“ und „Blurred Lines“—hat fünf Songs auf Miley Cyrus Bangerz produziert und drei auf Nellys neuem Album. Nebenbei taucht er immer wieder im HipHop auf, zum Beispiel produzierte er Tyler, The Creators „IFHY“, Frank Oceans „Sweet Life“ und Tracks auf Jay Zs und Mac Millers neuen Alben. Außerdem arbeitet er an einer gemeinsamen EP mit Mac Miller namens Pink Slime, die fast fertig ist.

Das heißt nicht, dass Chad nicht auch beschäftigt war. Während der Monolith Pharrell weiterhin seinen Thron besteigt, arbeitet Chad leise mit einigen Leftfield-Größen zusammen. Im letzten Jahr hat er „Dontcha” produziert, die Leadsingle des zweiten The-Internet-Albums und hat zusammen mit Christian Rich an Earl Sweatshirts Comeback-Track „Chum” gearbeitet.

The Neptunes arbeiten noch immer zusammen. Das Duo hat für Earl Sweatshirt „Burgundy” produziert, während Kendrick Lamars ‘good kid’ in weiten Teilen als ein Abriss von N*E*R*Ds viertem Studioalbum Nothing gesehen wird, auf dem er Vocals von Chad und Pharrell featuret und Produktionsarbeit von Letzterem nutzte.

Hoffentlich werden wir noch viel von The Neptunes hören.

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