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So wählt ihr „unser Lied" aus, ohne eure Beziehung zu riskieren

Es ist eigentlich keine große Sache, aber wenn ihr es versaut, werdet ihr wahrscheinlich nie wieder Sex miteinander haben.
3.12.14

Foto von Tom Johnson

Solltet ihr folgende Situation nicht schon aus eigener Erfahrung kennen, so wird sie euch doch zumindest aus einem unterdurchschnittlichen Schmachtfetzen mit wahlweise Anne Hathaway oder Channing Tatum bekannt sein: „Das ist unser Lied", seufzt jemand, während er/sie sehnsüchtig in die Augen seines/ihres Schatzes starrt und derartig angestrengt versucht, besonders gerührt dreinzublicken, dass sich einem die Fußnägel hochrollen.

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So muss es aber nicht sein. „Unser Lied" kann auch #cool, #sexy, #lustig und unzählige andere Dinge sein, die nicht direkt einen Würgereflex auslösen. Das Konzept muss einfach nur etwas überdacht werden.

Natürlich tickt jeder von uns anders. Es gibt irgendwo da draußen bestimmt Menschen, die „Grenade" von Bruno Mars für den einfühlsamsten Popsong halten, der jemals geschrieben wurde, und das ist vollkommen OK—ich wünsche diesen Menschen viele glückliche Jahre, voller Uli-Stein-Grußkarten und heftiger Beziehungsstreitereien auf IKEA-Parkplätzen.

Für diejenigen unter uns allerdings, deren Romantikvorstellungen gerne auch etwas näher an der Realität sein dürfen, ist die Songauswahl ungemein vielfältiger. Es folgen nun ein paar grobe Wegweiser, anhand derer ihr ein halbwegs passendes Pärchenlied aussuchen könnt, das auch wirklich die infantile, einfältige und lächerliche Natur eurer Liebe reflektiert.

DO: Sucht etwas aus, zu dem ihr auch Sex haben könnt

Abgesehen davon, gemeinsam so zu tun, als wäre man reich genug, um in schicken Restaurants essen zu gehen, und Lachanfällen, die einem Bauchschmerzen bereiten, ist regelmäßiger Sex noch immer einer der schönsten Aspekte des Beziehungsdaseins. „Unser Lied" wird meistens als etwas verstanden, das an einen bestimmten gemeinsamen Moment erinnert—und das muss nicht unbedingt der nervige Song sein, der bei eurem ersten Date über die Anlage des SB-Bäckers lief. Wählt also ruhig das Lied, welches auch immer gerade bei SoundCloud lief, als ihr das erste Mal gleichzeitig gekommen seid.

In vernünftigen Beziehungen geht es nicht einfach nur darum, sich gegenseitig in der kalten Jahreszeit die Füße warm zu halten, oder eine Begleitung für anstrengende Familienveranstaltungen zu haben. In vernünftigen Beziehungen geht es auch darum, seinen Partner in ein Fantasiereich ungekannter Gefühlsregungen zu führen. Sexmusik verfügt über ihr eigenes Regelwerk, aber, egal wie eure Vorlieben aussehen, es geht immer darum, bestimmte Sinneserfahrungen zu verstärken. Die Erinnerung an einen „sexuellen Meilenstein" ist immer noch einer der besten Gründe, um irgendeinem Song den Titel „unser Lied" zu verleihen. Zögert also nicht, „Aquemini" als eure persönliche Hymne zu ernennen, nur weil es euch in Erinnerungen an Schweiß und Baby-Öl schwelgen lässt.

DON'T: Einen #Hype-Track aussuchen

Foto von Jamie Lee Curtis Taete

Wenn man bedenkt, dass die Snapchat-Generation schon ihre Probleme hat, länger als zwei Stunden beim gleichen Modewort zu bleiben, so erscheint die Auswahl eines Songs, der über einen längeren Zeitraum Bestand haben soll, als eine Aufgabe geradezu monolithischer Größe—übrigens: herzlichen Glückwunsch, dass ihr es überhaupt so weit geschafft habt. Jetzt bedenkt bitte, dass ihr diesen Song bis ans Ende eures Lebens hören wollt—oder wenigstens so lange bis ihr beide auf verschieden Unis geht / es satt habt, euch gegenseitig in die Retina zu glotzen. Es ist also Vorsicht geboten. Zuerst einmal ist es wichtig, den Kram, den ihr tatsächlich mögt, von dem zu trennen, was wahrscheinlich nur für eine Handvoll Tweets Relevanz hat, bis es dann als ausgeblichener und leicht verdächtig aussehender Fleck am Hosenbein der Popkultur endet.

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Es empfiehlt sich hier immer, einen Blick in die musikalische Vergangenheit zu werfen und etwas zu wählen, was sich als mehr als eine flüchtige Modeerscheinung bewiesen hat. Hypes aus der Vergangenheit sind OK. „Hit Me With Your Best Shot" wird immer Konfettifetzen der Freude in jede Beziehung feuern, „Heaven" von DJ Sammy ist sogar irgendwie süß und, seien wir mal ehrlich, von „Steal my Sunshine" kann eigentlich niemand genug bekommen. Zu vermeiden sind allerdings Tracks, die erst dieses Jahr rausgekommen sind—es sei denn, ihr wollt eure Beziehung von Anfang an mit einem Haltbarkeitsdatum versehen. Es gibt eigentlich nichts Schlimmeres als die Vorstellung, dass sich 2014 irgendwelche Menschen irgendwo gegenseitig zu „Yonkers" im Schritt streicheln und/oder schöne Erinnerungen austauschen.

DO: Wählt etwas, das euch beiden gefällt

Foto von Igor Baranchuk

Wenn ich von Sex and the City zwei Dinge gelernt habe, dann dass es eine schlechte Idee ist, in einem Perlentanga mehrere Treppenabsätze hoch zu rennen, und dass Kompromisse der Schlüssel zu jeder funktionierenden Beziehung sind. Ob ihr euch jetzt beide zusammen hinsetzt und durch abertausende MP3s hört, bis ihr auf einen Track stoßt, der euch beiden gefällt, oder ob ihr einfach aus irgendeinem hormonell gesteuerten Algorithmus heraus sagt, dass „I've Got A Feeling" der Track ist, der am besten eure Liebe und die gegenseitige Anziehung zueinander repräsentiert; stellt einfach sicher, dass ihr der gleichen Meinung seid. Es ist wirklich davon abzuraten, jemals an den Punkt zu kommen, an dem sich, jedes Mal wenn Miguel im Radio läuft, das Gesicht deines Partners zu einer freudigen Grimasse verzieht und du angestrengt versuchst, das gezwungene Lächeln und den Ausdruck von Reue mit einem leidenschaftlichen Zungenkuss zu lösen.

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Selbst wenn du Paolo Nutinis Deep Cuts liebst und die Lieblingsband deiner besseren Hälfte Cannibal Corpse ist, wird es irgendwo dazwischen etwas geben, was ihr beide mögt. Beziehungen brauchen ein gutes Fundament, hier sollten keine Mühen gescheut werden. Wenn ihr was gefunden habt, dann vergewissert euch, dass es nicht etwas ist, das ihr euer ganzes Leben schon geliebt habt und nicht gewillt seid, als Kollateralschaden der Gefühle zu opfern. Es soll etwas Schönes sein.

DO: Wählt etwas Lustiges

Foto von Tom Johnson

Wie man es auch dreht und wendet, das „unser Lied"-Konzept gehört zu dem unschönen Beifang von Paarbeziehungen, der Romantikvorstellungen aus Disney Filmen am Leben hält, unglaublich überteuerte Hotelzimmer rechtfertigt und Kuschelrock Vol. 1 bis 1.000 hervorgebracht hat. Frag doch einfach irgendein Pärchen, warum „ihr Song" ihr Song geworden ist. In der Regel endet die Geschichte dann mit etwas in der Art von, „… und da wusste ich (die Geschichte mit dem Mädchen auf Ibiza ein paar Wochen davor hatte ich ja wieder bequem verdrängt), dass ich sie liebe" oder „unsere Augen trafen sich im Raum und zum ersten Mal in meinem Leben ergab eine Textzeile von Ed Sheeran wirklich Sinn." Niemals wirst du hören, „und dann, als es zwischen uns funkte, tranken wir noch einen Sambuca und kotzten in den Mülleimer" oder „zu dem Song habe ich ihm ins Gesicht gespritzt." Aber warum eigentlich nicht? Was ist mit den ganzen Menschen, deren Leben nicht wie ein Richard Curtis-Film aussieht?

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Auch wenn überall was anderes behauptet wird, muss „unser Lied" nicht mit Hundewelpen oder Brautmodengeschäften kompatibel sein. Es kann einfach nur ein lustiges, süßes, kleines Etwas zwischen dir und der/den Person/en sein, die du so gerne magst, dass du ihr/ihnen ein paar Nächte die Woche das weichere Kopfkissen überlässt.

DON'T: R. Kelly wählen

Oder irgendjemand anderen, der schon als Sexualstraftäter angeklagt worden ist oder es wahrscheinlich wird.

DO: Beyoncé wählen

Wenn es etwas gibt, das Menschen in Paarbeziehungen ganz fantastisch können, dann ist es, der kaputten Welt da draußen ihr eigenes Glück unter die Nase zu reiben und soziale Netzwerke mit ihre selbstgefälligem gute Laune-Bekundungen zu überschwämmen. Wenn ihr also nach dem klanglichen Äquivalent zu einem Pärchenselfie (resp. Couplie) im Bett mit einer Bildunterschrift wie „Sonntage mit XY <3" sucht, dann seid ihr mit „Drunk in love" bestens bedient. Dieser Track wird von einer Frau gesungen, die eine riesige Karriere auf dem Gefühl des Scheiterns errichtet hat, das einen ereilt, wenn man den Blick auf ihre Oberschenkel wirft.

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