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Lehnt euch zurück! Wir haben den Eurovision Songcontest 2015 bereits für euch angeschaut

Damit ihr euch am Samstag nicht der stundenlangen ESC-Qual aussetzen müsst, gibt es hier unseren Live-Ticker schon vorab.
22 Mai 2015, 3:25pm

Foto: Andres Putting/EBU

Es ist wieder soweit: die Grand Dame der europäischen Musikkultur lädt ein, die verschiedensten Künstler beim Singen, Tanzen und Scheitern zu bewundern. Der Eurovision Song Contest ist für viele DAS Highlight des Jahres. In Sachen Fremdscham und kollektivem Kopfschütteln. Nachdem letztes Jahr Conchita Wurst als Sieger aus dem absurden Wettbewerb hervorging, messen sich heuer 27 Musiker in Wien. Weil wir das ganze Jahr fleißig Illuminaten-Musiker wie Kanye West, Drake und Rihanna gepusht haben, dürfen wir den Countdown und den Contest exklusiv vor allen anderen schauen. Heißt: Ihr könnt schon jetzt, einen Tag vor der öffentlichen Ausstrahlung, unseren Live-Ticker mitverfolgen! Viel Freude.

20:15Es geht los! Also der Countdown zum Event. Wilde Mutmaßungen darüber, wer heute wohl das skandalöseste Kleid tragen wird. Es wird sich auf Bojana Stamenov (Serbien) geeinigt.

20:55 Kurze Pinkelpause.

21:00 Yeah, ESC! ESC! ESC!

21:01 Puh… wie lange geht das jetzt noch?

21:04 Die Gänsehaut-erheischenden Aufnahmen vom letzten Jahr feiern Conchita Wurst. Ist unserer Gänsehaut… egal.

21:06 Wir werden nochmal nett darauf hingewiesen, dass Deutschlands Vertreterin Ann Sophie (ja eh, laut Heute „Die Zicke“) ja doch nur die Zweitbesetzung ist. Kurz ist der ebenfalls anwesende, allerdings im Publikum sitzende (eigentliche) Sieger Andreas Kümmert zu sehen. Er starrt ins Leere.

21:12 Jetzt werden für alle Ewiggestrigen nochmal die Regeln erklärt. Wir starren ins Leere.

21:14 Los geht’s mit Maraaya aus Slowenien und schon beginnen die ersten Fragen: Was sollen die Kopfhörer? Warum sind sie nicht von Beats? Hört sie während ihres Auftritts Adele? Finden Slowenen Luft-Violinisten gut?

21:20 Puh, schon beim zweiten Song wird der ESC-eigene Pathos-Regler auf Anschlag gedreht. Lisa Angell aus Frankreich gibt sich redlich Mühe, uns zu berühren. Genervt schlagen wir ihre Hand weg.

21:25 Der „Golden Boy“ Nadav Guedj aus Israel schmeißt mit Zeilen wie „I’m the king of fun, let me show you how we do it“ um sich. Keine Pointe.

21:29 Ergreifend: Das Duo Elina Born & Stig Rästa aus Estland schaut sich bei seinem Duett tief in die leeren Augen.

21:34 Electro Velvet aus Großbritannien erklären in drei Minuten, wie man „Beliebigkeit“ singt und dabei noch den Affenkönig aus dem Dschungelbuch vergewaltigt: „Still in Love With You“

21:38 Jetzt wird’s politisch. Das armenische Mittelalter-Sextett Genealogy erinnert in ihrem Song „Face The Shadow“ an das Armenienmassaker von vor 100 Jahren.

21:42 Monika Linkytė & Vaidas Baumila aus Litauen legen ein flottes Duett auf’s Parkett und sorgen mit ihrem Drei-Pärchen-Knutscher für offene Münder.

Foto: Elena Volotova/EBU

21:46 Bojana Stemnov aus Serbien singt, dass Schönheit niemals lügt. Sie lügt.

21:49 Noch ein sich anschmachtendes Duett. Die Norweger Mørland & Debrah Scarlett liefern den Soundtrack zur Pinkelpause.

21:53 Der Auftritt vom Schweden Måns Zelmerlöw ist Budenzauber auf ESC-Niveau.

Foto: Thomas Hansen/EBU

21:57 Giannis Karagiannis aus Zypern gibt sich gastronomisch. Im Kellner-Outfit singt er „One Thing I should Have Done“, während wir laut schmatzend unsere Pizza verschlingen.

22:01 Erste Stunde ist rum. Es wird viel geredet und in die unterschiedlichen Länder geschaltet. Bisheriges Fazit: Alles waren ü-ber-ra-g-end!

22:03 Im ARD-Studio wird Lena Meyer-Landrut, die sich als Ellie Goulding verkleidet hat, befragt, wie sie denn die Leistung ihrer Erbin findet. Sie ignoriert die Frage energisch und beharrt darauf, dass sie bitte nur noch Lena genannt werden möchte.

22:07 Live-Schaltung zu der Backstage-Reporterin Arabella Kiesbauer. Ganz in ihre alte Rolle verfallen, versucht sie, zwischen den Streithennen Maria Elena Kiriakou (Griechenland) und Edurne (Spanien) zu vermitteln. Sie beschuldigen sich gegenseitig, ihre Promo-Pose nachgemacht zu haben. Arabella „Mh’t“ verständnisvoll.

22:10 Dieses Jahr liegt ja Australien in Europa. Deswegen darf Guy Sebastian seine flotte Bruno Mars-Imitation auch zum Besten geben.

22:14 Noch völlig im Endorphinrausch gefangen nehmen wir den dünnen blassen Jungen namens Loïc Nottet aus Belgien nur verschwommen war. Was singt der da? „We’re gonna rappraprapp tonight?“ Ach, Belgien… schwieriges Thema.

22:17 Endlich ist Zeit für unsere Vertreter, die auch noch über den besten Künstlernamen des Abends verfügen: die Makemakes aus Österreich. „Aus Österreich kam einfach noch nie was Schlechtes“, wie unsere Berliner Kollegen immer zu sagen pflegen.

Foto: Elena Volotova/EBU

22:21 Weiter geht’s mit Cher aus Griechenland. Tapfer trotzt sie dem Ventilator.

22:25 Kurz und knackig: Knez. Aus Montenegro. Die Stimmung im Saal ist zu Recht verhalten. Kann aber auch sein, dass viele Respekt vor seinem aggressiven Sexappeal haben.

22:30 Len..., äh Ann Sophie singt. Großartig, Groß-artig! Endlich mal keine billig blondierten Haare, dieser schlichte schwarze Jumpsuit, dieses liebenswürdige Understatement in dieser übertrieben pompösen Show. So etwas muss endlich auch mal gewürdigt werden, liebes Europa! Deutschland ist wieder wer.

22:34 ...es folgt Monika Kuszyńska aus Polen. Haut hier niemanden um.

22:38 Aminata Savadogo aus Lettland. Auch hier gilt wieder die Regel: Wenn alle von dir sagen, du bist „die lettische FKA Twigs“, dann bist du wahrscheinlich insgesamt noch ein gutes Stück von FKA Twigs entfernt.

22:43 Nach geschlagenen drei Stunden wird es endlich mal absurd. Voltaj aus Rumänien quälen sich euphorisch durch ihre Rock-Ballade und spielen Luftgitarre auf echten Gitarren.

22:47 Edurne aus Spanien setzt auf hochdramatische Posen und einen überraschenden Kleiderwechsel: aus dem Rotkäppchen wird ein Goldkehlchen. Wen das von der Couch haut, nascht beim ESC-Gucken Glööckler-Pralinöös.

22:51 So langsam haben wir genug davon, ständig zerbrechlich vor sich hinstarrende Sängerinnen zu sehen, die im Verlauf ihres emotionalen Auftritts immer mehr aus sich herausbrechen und in einem mitreißendem Finale enden. Hat Boggie aus Ungarn zum Glück gar nicht nötig, sie verzichtet auf ein Finale. Und Emotionen.

Foto: Andres Putting/EBU

22:55 Nina Sublatti aus Georgien outet sich mit „Warrior“ als schwarze Krähe. And now her watch has ended.

22:59 Elnur Hüseynov aus Aserbaidschan greift sich bei seiner Performance die ganze Zeit ans Herz. Wir hoffen, dass das eher der gefühlvollen Darbietung dienen soll und nichts mit verstopften Arterien zu tun hat.

23:03 Polina Gagarina liebt größenwahnsinnige Hyperbeln und singt für Russland deshalb mit „A Million Voices“.

Foto: Andres Putting/EBU

23:07 Elhaida Dani aus Albanien performt ihren Song „I’m Alive“ ziemlich leblos. Badum-tss.

23:11 Danke Il Volo, noch nie hat ein Schnaps so köstlich nach Verzweiflung geschmeckt.

23:15 Alle Teilnehmer sind durch! Unsere Erinnerung ist bereits jetzt so ausgeblichen wie Michael Jackson 2005. Glücklicherweise werden nochmal alle Auftritte kurz eingeblendet.

23:20 Kurze Auflockerung in dieser nervenzerreißenden Phase. Zur Abwechslung wird's mal musikalisch: Rapper Nazar rappt neben einem Hologramm von Falco ihren gemeinsamen Track „Zwischen Zeit & Raum“.

23:24 Nochmal alle bisherigen Teilnehmer im Schnelldurchlauf. Spätestens jetzt sind die Getränke in allen Wohnzimmern aus.

23:29 Ein kleines Kind erzählt von seinem Lebenstraum, auch mal hier auf der Bühne zu stehen und fängt an, lauthals zu singen. Spätestens jetzt wollen alle Getränke wieder raus.

23:33 Anrufen! Noch ein Durchlauf des Abends. Anrufen! Genervt nehmen wir unser Handy in die Hand und surfen auf rotten.com rum.

23:40 Aus, vorbei, keine Anrufe mehr, jetzt werden Stimmen gezählt!

00:14 Nach dem unendlichen Aufbauschen künstlicher Spannung steht der Gewinner fest: herzlichen Glückwunsch, Schweden! Verdient, verdient. Verdient. Wirklich. Sehr verdient. Wir können die Entscheidung fast genauso unterschreiben. Prinzipiell. Teilweise sogar zu 100%.

00:20 Dem überglücklichen Måns wird nochmal das Mikrofon in die Hand gedrückt. Finden wir übertrieben.

00:24 Verstörende Szenen von verlaufender Schminke und menschlichen Elends: die Verlierer (sprich, die Loser) werden gefragt, woran es lag. Hatten sie etwa keine Lust oder was lief da schief? Wir lachen gackernd.

00:33 Das war er also, der ESC 2015 ist vorbei.

OK, das war der Spaß. Einen richtigen Live-Ticker gibt es natürlich morgen auch noch.

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