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Wir haben mit Drakes größtem Fan und Doppelgänger Lil Drake sein neues Album rezensiert

Erstmal mussten wir ihn überreden die geleakte Version überhaupt zu hören. Dann hat er sich aber breitschlagen lassen und das neue Drake-Album mit uns beurteilt.
20 September 2013, 3:30pm

Erst Long.Live.A$AP, dann Wolf, dann Yeezus und jetzt Nothing Was The Same—2013 wird in die Geschichtsbücher wohl als das Jahr der Albumleaks eingehen. Welche Konsequenzen das für die Zukunft der Musikindustrie hat, kann noch niemand abschätzen, aber das wollen wir an dieser Stelle auch nicht diskutieren. Fakt ist, dass mit NWTS das am meisten antizipierte Album des Jahres schon ein paar Tage früher draußen ist. Die Fans feiern es auf Twitter überschwänglich, doch die ersten Kritiken zu Drakes neuer Platte fielen eher reserviert aus.

Natürlich haben auch wir uns dem Album gewidmet und uns dafür Verstärkung geholt. Gemeinsam mit Amin, dem deutschen Drake-Double und größten Drizzy-Fan hierzulande, haben wir jeden Song einzeln angehört. Dazu müssen wir sagen, dass Lil Drake sich die Platte trotz Leaks eigentlich erst am Releasetag kaufen wollte und wir ihn überredet haben, zum allerersten Mal in NWTS reinzuhören. Amin, wir wissen es zu schätzen!

Fotos: Max Thesseling.

„Tuscan Leather“

Lil Drake: Das ist erst das Intro und der Song hat mich schon mehr überzeugt als Yeezus. Wie findest du den Song?

Noisey: Ich bin noch unentschlossen. Ich hätte erwartet, dass er entweder voll auf die Kacke haut, oder seinen weinerlichen Drake-Film fährt. Aber das ist eigentlich keines von beidem, vor allem überraschen mich die harten Drums.

Lil Drake: Er redet mit sich selber: Ey, jetzt geht es wieder los, jetzt haben die Leute wieder Gesprächsstoff. Das ist jetzt zwar kein Control-Verse von Kendrick Lamar, aber der Song ist krass.

„Furthest Thing”

Lil Drake: Wenn der Track im Club gespielt werden würde, das wäre geil. (singt mit) „fuckin‘ on the low, drinkin‘ on the low“. Der Song erinnert mich ein bisschen an „Cameras” von Take Care, aber der ist natürlich ein bisschen peppiger.

Noisey: Magst du diesen Chopped and Screwed-Effekt?

Lil Drake: An sich ist es geil, das haben ja früher auch die OGs wie Pimp C gemacht. Aber wenn A$AP das macht, mmh…

Noisey: Er übertreibt es etwas.

Lil Drake: Ja, auf jeden Fall.

Noisey: Der letzte Teil des Songs erinnert mich ein bisschen an „Touch The Sky“ von Kanye. Da dreht er dann wieder auf.

Lil Drake: Ja, er ist ein paradoxer Charakter und das feier ich so an ihm.

„Started from the Bottom”

Noisey: Den Song hast du dir gewünscht, als wir zusammen im Club waren.

Lil Drake: Stimmt, aber das war auch wegen euch. Ich glaube, die Leute verstehen Drake und den Song nicht. Du liest sowas wie „Damn, this nigga said, he started from the bottom, but he grew up in a fucking crib in Yorkville”. Damit meint er aber nur, dass er im Rapgame von Null angefangen und sich hochgearbeitet hat. Das muss nicht heißen, dass er im Ghetto aufgewachsen ist. Alter, hast du mal das Haus gesehen, in dem er aufgewachsen ist?

Noisey: Klar, aber das macht ja seinen Erfolg aus. Seine Mutter ist Jüdin und sein Vater ein Schwarzer aus Memphis. Er spricht beide Sprachen, und deswegen ist er so beliebt.

„Wu-Tang Forever”

Lil Drake: Der Song ist geil, aber er wurde auch missverstanden. Es geht da nicht um Wu-Tang.

Noisey: Das Lied kannte man ja schon vorher. Ich habe mir die Lyrics dazu durchgelesen und es geht um eine Frau, die man als Metapher für HipHop sehen kann. Deswegen auch der Titel. Warum bezieht er sich, deiner Meinung nach, ausgerechnet auf Wu-Tang und nicht, sagen wir, auf jemanden wie Tupac?

Lil Drake: Keine Ahnung, aber Tupac wäre zu krass gewesen, da würde es viel mehr Kritik geben.
Ich glaube auch, dass er sich nicht mit einer Person vergleichen wollte, aber doch HipHop huldigen wollte. Deswegen Wu-Tang.

„Own it“

Noisey: Gefällt dir so ein Song auch?

Lil Drake: Klar.

Noisey: Findest du den nicht ein bisschen cheesy? Ich meine, sowas wie „next time we fuck, I don’t wanna fuck,…“

Lil Drake: „…I wanna make love”. Er ist halt kein Gangster. Das ist halt so ein Flachlegen-Song, den du irgendeiner Ollen vorspielst. Das ist auch so ein Beat, wo kein anderer Rapper draufpasst, maximal noch The Weeknd oder J. Cole.

„Worst Behaviour“

Lil Drake: Ich finde das ist der erste Song, der aus der Reihe tanzt. Er klingt sauer.

Noisey: Ja, es geht darum, dass er sich darüber aufregt, dass die Leute ihn zu Anfang seiner Karriere keinen Respekt gegeben haben. Aber bis jetzt ist immer noch kein Feature drauf.

„From Time“ feat. Jhene Aiko

Lil Drake: Ziemlich simpel der Beat, aber es passt.

Noisey: Ihr Gesang gefällt mir, weil sie nuanciert singt, ich finde es genau richtig.

Lil Drake: Ich glaube, der Song kommt live richtig gut rüber. Das ist auch so ein Kuschelsong, muss ich sagen.

„Hold On We’re Going Home“ feat. Majid Jordan

Lil Drake: Take it back to the 80s. Ich habe ein Video gesehen, wo sie den Song zu einer Hochzeit gespielt haben. Es zeigt wieder, dass er alles kann.

Noisey: Mir gefällt der Song zwar nicht so, aber du hast schon Recht, er kann genauso mit Rick Ross und Lil Wayne auf einem Khaled-Brett flexen oder mit The Weeknd auf einem abgedreht futuristischen Beat rumheulen. Und hier drauf passt er auch. Er ist einfach stilsicher. Aber trotzdem ist mir der Song zu „throwbackig“.

„Connect”

Noisey: In dem Song geht es um eine Frau, mit der eine gefährliche On-Off-Beziehung hat, steht jedenfall bei Rapgenius, haha.

Lil Drake: Der Song ist auch nice.

Noisey: Aber ich muss sagen, dass, obwohl die Songs bis jetzt ganz cool waren, bis jetzt aber noch kein Kracher dabei war, der sofort heraussticht.

Lil Drake: Was war denn bei Take Care für dich der Kracher?

Noisey: „Headlines“, natürlich.

Lil Drake: Ich glaube, auf diesem Album ist das „Started From the Buttom“.

„The Language“

Lil Drake: Ich finde der Song sticht aus dem Konzept raus. Da könnte auch ein Wale oder Rick Ross drauf rappen. Das ist „Versace“-Flow.
Aber er haut nicht so sehr auf die Pauke, wie ich es erwartet hätte. Das ist mir schon die die ganze Zeit aufgefallen. Er sagt zwar, dass er mittlerweile ganz oben angekommen ist, aber er bellt es nicht so raus. Wahrscheinlich macht das auch mehr Sinn.

„305 to my city“ feat Detail

Lil Drake: Ich finde dieser Detail hört sich an wie Future.

Noisey: Gibt es ein Feature, das du dir gerne auf dem Album gewünscht hättest?

Lil Drake: J. Cole hätte ich mir vielleicht gewünscht. Zusammen haben die beiden nur geile Sachen gemacht. Bun B wäre auch noch cool gewesen. Nas hätte ich mir auch gewünscht.

„Too Much“ feat Sampha

Noisey: Den Song hat er ja bei Jimmy Kimmel performt. Ich finde, das ist bis jetzt der beste Song auf dem Album und dazu noch unfassbar persönlich.

Lil Drake: Ja, der Song ist Hammer. Er rappt da über seine Familie, also nicht nur über seine Mutter wie jeder Rapper, sondern auch über seinen Onkel oder seine Cousinen.

Noisey: Wie findest du Sampha?

Lil Drake: Der ist geil, der hat doch auch was mit SBTRKT gemacht?! Den Song könnte ich auch meinem Vater zeigen und der würde mir sein OK geben (lacht).

„Pound Cake/Paris Morton Music 2“ feat Jay-Z

Lil Drake: Der Beat ist genau richtig für Jay-Z, obwohl ich kein Fan von ihm bin.

Noisey: Ich finde den Beat unglaublich, vor allem mit dem Wu-Tang-Sample.

Lil Drake: Für den Song muss man sich auch hinsetzen, um ihn komplett genießen zu können.

Noisey: Findest du? Der Beat kriegt mich auch so. Vor allem hat Jay-Z wieder mal einen besseren Gastpart als jeder Verse auf Magna Carta Holy Grail.

Noisey: Was denkst du vom ganzen Album?
Lil Drake: Ich finde, es ist echt ein Meisterwerk, auch wenn ich es mir gerne gekauft und zuhause mit aufgedrehtem Bass gepumpt hätte. Nach einem mal Hören ist das schwer zu sagen, aber ich glaube, er versucht sich auf dem Album selbst zu finden. Mittlerweile hat er in Amerika den Platz neben Kanye und Jay-Z auf dem Thron eingenommen und er lernt noch damit umzugehen, und auch das beschreibt er sehr gut. Er hätte sich zum Beispiel die krassesten Features auf das Album holen können, aber stattdessen nimmt er relativ unbekannte Musiker, die aber alle gut auf die Songs passen. Das musst du dir auch erst Mal erlauben können. Es zeigt, dass Drake ein echter Künstler ist.

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