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Was würde ein Dislike Button auf Facebook für die Musik bedeuten?

Warum die Welt keinen Dislike-Button braucht.
16.9.15

Oh, du fröhliche: Facebook bringt endlich den Dislike-Button. Dauert es also nicht mehr lang, bis wir nicht nur unserer ungeliebten Schulfreundin, die wir heute nur noch von Facebook-Posts à la „Bin gerade im Nagelsalon. #shinynails“ kennen, sondern auch unserem ehemaligen Lieblingsmusiker, der heute seinen Arsch an den Mainstream verkauft hat, mit dem nach unten gereckten Daumen vor der Fresse herumwedeln können? Wird es endlich noch einfacher, den eigenen Welthass folgenlos im Social Web auszleben?

Nicht ganz. Den Dislike-Button, von dem heute morgen fast jedes Medium schrieb, wird es so niemals geben. Selbst wenn es, ob der vielen von einander abgeschriebenen News so klang: Was Mark Zuckerberg gestern grinsend verkündete, soll eigentlich ein Button für Mitgefühl werden. Wenn dich zum Beispiel die neueste Nachricht über ein Bombardement in Syrien mitnimmt, dann drückst du, und alle sehen, dass du ein mitfühlendes Wesen bist—oder so ähnlich.

Bezogen auf die Musik ploppen da folgende Eventualitäten auf: Rapper XY postet etwas richtig Dummes auf Facebook, sagen wir: etwas über die Weltübernahme durch Echsenmenschen (soll ja mal vorkommen)—und 3.000 Leute klicken „Like“. Aber: Gleichzeitig drücken 10.000 auf „Mitleid“. Was fängt man nun damit an? Drücken die jetzt, weil sie des Rappers Angst vor den Echsenmenschen teilen? Oder nutzen sie den Button im wörtlichen Sinne und drücken so ihr Mitleid mit der Stupidität dieses Posts aus?

So eindeutig wie der „Gefällt Mir“-Button dürfte Facebooks neuestes Feature nicht funktionieren. Auch ein einfacher Daumen runter-Button wäre eine klare Angelegenheit: Die neue Kool Savas-Shampoo-Werbung? Daumen runter. Das neue Video von Taylor Swift? Daumen runter? Money Boy lässt sich eine Olson-Tolle wachsen und singt nur noch vom Ärger mit den Random Girls? Daumen runter!

Für die privaten Interaktionen zwischen „Freunden“ auf Facebook könnte ein Dislike-Button verheerende Wirkung haben—klar. Wenn Menschen schon in depressive Phasen verfallen, wenn mal eines ihrer Foodporn-Pics nicht von genug Menschen gelikt wird, dann mag man sich gar nicht ausmalen, wie die gleichen Leute reagieren würden, würde auch nur einer ihrer Freunde auf ihr Guacamole-und-Halloumi-Frühstück mit einem Dislike reagieren. Nein, nicht gut.

Im Musik-Bereich wiederum würde ein Dislike-Button wohlmöglich langweilige Musik-Rezensionen endgültig überflüssig machen (im besten Fall würde er sämtliche Video-Rezensenten gleich mit in die Tonne kloppen). So weit, so gut.

Aber, spielen wir das mal kurz gedanklich durch: Künstler XY droppt einen neuen Song via Soundcloud auf seiner Facebook-Seite; drei Stunden später sitzt er immer noch Fingernägel kauend vor seinem Laptop und drückt auf Website aktualisieren. Eine Horror-Vorstellung, die im Nu zahlreiche Musiker, sie sind nunmal zartbesaitete Seelen, kreativ paralysieren könnte. Klar, Kommentare à la „Scheißdreck, häng dich auf du Spasst“ sind auch nicht schön, aber lassen sich dann doch ganz gut ignorieren, wenn man die fünfzig „Hater“ ins Verhältnis zu ein paar hundert Likes setzt. Würde aber irgendwann jeder Fan eines Künstlers direkt nach Hören eines Songs den Daumen heben oder senken, dann müssten sich nicht nur die Musiker ein noch dickeres Fell wachsen lassen, es würde möglicherweise auch unsere Hörgewohnheiten verändern, uns vermutlich noch schneller über Musik und Kunst urteilen lassen als ohnehin schon.

Deshalb (ausnahmsweise): gut gemacht, Mr. Zuckerberg. Einen Dislike-Button braucht die Welt nun wirklich nicht.

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