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Auf ‚Melodies for Refugees‘ fehlt ein Duett von Conchita Wurst und Andreas Gabalier

Wir haben mit Bernhard Eder über seine Compilation ‚Melodies For Refugees' gesprochen.
9.10.15

Dass die österreichische Musikszene sich sehr für Flüchtlinge einsetzt, ist bekannt. Dass sie damit auch nicht aufhört, ist gut und wichtig. Lokale positionieren sich, Musiker treten bei Benefizveranstaltungen auf und ans Aufhören wird noch lange nicht gedacht. Auch einige namhafte Musiker denken nicht ans Aufhören. Sie haben der Idee von Bernhard Eder ihre Stimme gegeben. Fijuka, Leyya, Kreisky, Catastrophe & Cure, Kommando Elefant oder Die Buben im Pelz haben neben dem Initiator selbst innerhalb weniger Tage Melodies for Refugees, eine Compilation, auf die Beine gestellt, deren Reinerlös an HELFEN.WIE.WIR geht.

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Seit heute kann man das gute Stück in Form einer CD kaufen. Wir haben mit Bernhard Eder über die Idee dahinter, die Künstler und die Wahlen gesprochen.

Noisey: In welchem Zeitraum ist Melodies for Refugees entstanden?
Bernhard Eder: Von ersten Anfragen an diverse MusikerInnen bis zum Weg ins Presswerk waren etwas mehr als drei Wochen, es sollte alles so schnell wie möglich gehen. In dieser kurzen Zeit ist enorm viel passiert, es gab ständig ups and downs. So richtig ins Rollen kam die Sache erst in den letzten zehn Tagen, als klar war, dass wir für die CD eine Förderung bekommen und sich immer mehr Menschen gefunden haben, um das Projekt unentgeltlich zu unterstüzen. Ich spreche hier—abgesehen von allen beteiligten KünstlerInnen—auch von Tonstudios, Graphik, Presswerk und allem, was zu einer Produktion dazugehört.

Wann kam dir die Idee dieses Album zu machen genau?
Erstmals kam mir die Idee Anfang August, als die Zustände in Traiskirchen immer katastrophaler wurden und ich überlegte, wie ich helfen könnte. Mal abgesehen von Kleiderschrank aussortieren und Sachen spenden. Ich dachte mir, warum denn nicht eine quasi österreichische Ausgabe von Help zu starten? Ich hab noch ein paar Mal darüber geschlafen und dann Andreas Voller von Hoanzl davon erzählt, der auch sofort begeistert war und mir seine Unterstützung zugesagt hat.

Welche Zusage der teilnehmenden Bands war die emotionalste?
Die emotionalste war wohl die von Tanz Baby!, die für das Projekt eine Reunion gestartet haben. Außerdem haben wir ihren Beitrag bei mir im Wohnzimmer aufgenommen, das war auch ein schöner Moment.

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Was ärgert dich an Österreich beziehungsweise den Politikern gerade besonders?
An Österreich ärgert mich gar nichts, es ist ein schönes Land und ich bin sehr glücklich hier zu leben. Manche Menschen glauben die Wahrheit in fragwürdigen Tageszeitungen oder am Stammtisch zu finden, oder auf einschlägigen Seiten rechter Politiker. Was mich allerdings an der Politik ärgert, ist die Tatsache, dass die Regierung ewig geschlafen hat bis sie etwas in punkto Flüchtlingspolitik unternommen hat. Passiert ist tatsächlich erst etwas, als Privatpersonen die Initiative übernommen haben und sie in Zugzwang kamen. Plötzlich stand dann zum Beispiel eine Frau Mikl-Leitner am Westbahnhof oder in Nickelsdorf und schüttelt Hände, als ob sie verantwortlich dafür wäre, dass Menschen willkommen geheißen und versorgt werden.

Wen hättest du dir noch für die Compilation gewünscht, der nicht mitgemacht hat?
Ein Duett von Conchita Wurst und Andreas Gabalier wäre schon ziemlich exklusiv gewesen, haha. Es gab ein paar Wunschkandidaten, die auch gerne dabei gewesen wären, es aber zeitlich dann doch nicht geschafft haben.

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Du machst ja generell sehr viel für Flüchtlinge uns setzt dich sehr ein. Gab es eine Situation, die du länger nicht vergessen wirst?
Ich persönlich finde eigentlich, dass ich zu wenig für Flüchtlinge mache. Da gibt es Leute aus meinem Bekanntenkreis die sich viel mehr einsetzen, die regelmäßig nach Traiskirchen fahren, an den Bahnhöfen helfen oder nach Ungarn fahren. Ich versuche zumindest, mich im Rahmen meiner Möglichkeiten einzusetzen: auf so vielen Benefizkonzerten als möglich zu spielen und eben nun die Sache mit dem Sampler. Eine Situation, die ich nicht vergessen werde, war bei einem Konzert in Mödling im Sommer. Nach dem Soundcheck haben sich plötzlich Menschen aus Syrien zu mir gesetzt und wir haben uns anschließend lange unterhalten haben. Sie haben mir erzählt wie glücklich sie sind, hier zu sein und ich sah die Hoffnung in ihren Augen—so was vergisst man nicht.

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Wie glaubst du werden die Wahlen am Sonntag ausgehen und was möchtest du Menschen sagen, die überlegen nicht hinzugehen.
Glauben…ich hoffe, dass Wien rot bleibt und auch die rot-grüne Koalition weitergeführt werden kann. Ich wünsch mir vor allem, dass so viele Menschen wie möglich zur Wahl gehen und sich mit ihrer Stimme gegen Hetze und Angstmacherei stellen.

Was würdest du gerne Menschen sagen, die Strache wählen werden?
Gute Besserung und lernen Sie erstmal Geschichte.

Was kannst du Musikern, die ähnliches machen wollen, ans Herz legen?
Einfach machen. Es war viel mehr Aufwand, als ich jemals gedacht hätte, aber ich bin sehr froh über das Resultat und hoffe, dass so viele Menschen wie möglich die Compilation kaufen. Und ich möchte nochmals allen danken, die das Ganze unterstützt haben, die ebenso Zeit und Energie investiert haben damit so etwas überhaupt entstanden ist. Die Initiative ging von mir aus, aber es waren viele Menschen beteiligt, ohne die der Sampler niemals zu dem geworden wäre, was es ist.

Melodies for Refugees ist auf Hoanzl erschienen. Hier könnt ihr die CD bestellen und hier könnt ihr euch das Ganze digital holen.

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