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Wenn gewaltgeile Securitys Konzerte versauen

Als sie mitansehen mussten, wie während ihres Auftritts Fans gewürgt und geschlagen wurden, haben Nortlane ihr Set unterbrochen.
12.10.15

Kennst du das Gefühl, wenn du dich eigentlich völlig auf den Moment einlassen, unkontrolliert tanzen und mitsingen willst, aber das unangenehme Gefühl hast, dass dich jemand, der monoton sein Kaugummi im Mund bearbeitet, mit ausdruckslosem Blick anstarrt? Falls nicht, warst du noch nie auf einem Konzert größerer Rangordnung.

Wenn du in unmittelbarer Nähe der Bühne stehen willst, um deinen Lieblingen so nah wie möglich zu sein, bist du zwangsweise auch einem ganz anderen Schlag Menschen sehr nahe: den Securitys. Während hinter ihren Rücken die Band alles gibt, konzentrieren sie sich völlig auf die wilde Meute, die gegen den Sicherheitszaun brandet und ihnen immer wieder Crowdsurfer entgegenwirft, die sie dann mit schnellen Griffen auf den Boden befördern und wegschicken. Durch den Zaun werden liebesbedürftige Fans daran gehindert, auf die Bühne zu klettern und—im schlimmsten Fall—die Show zu stören. Die Securitys sind eine weiterer Puffer, die wiederum ohne den Zaun wohl kaum lange ihre Position halten könnten. Da ist es nur höflich, dass sie Menschen davor bewahren, über den Zaun mit voller Wucht auf den harten Boden der Sicherheitszone zu landen.

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So zumindest die Theorie, in der Realität gelangen natürlich immer wieder Fans auf die Bühne, um Selfies zu schießen oder anderen Scheiß abzuziehen und die Securitys packen auch gerne mal unverhältnismäßig hart an. Doch selten artet das Letztere dann so auch wie auf einem Konzert der australischen Progressiv-Metalcore-Band Northlane in Southhampton, England. Als ein Fan in Richtung Security crowdsurfte, packte ihn der Chef des Sec-Teams an der Kehle und seinem T-Shirt und drückte ihn gegen eine Wand. Als Gitarrist Josh Smith das sah, hörte er auf zu spielen und ging dazwischen, nur um sich die Drohung vom überambitionierten Security anhören zu müssen, die Show komplett abzubrechen.

Die Band setzte ihre Show fort, bekam aber nach ihrem Auftritt mit, dass es noch zu anderen Zwischenfällen gekommen war. Viele Besucher wurden mit Schlägen bedroht und einem Fan so heftig ins Gesicht geschlagen, dass seine Nase blutete. Doch damit nicht genug, selbst gegen die Bands wurden die Securitys verbal handgreiflich. „Die Security hat uns eingeschüchtert, bedroht und beleidigt […] Sie haben versucht, eine physische Auseinandersetzung mit Gus von Volumes [Support-Band] zu starten“, so Josh später auf der Northlane-Facebook-Seite.

Unter dem Post haben sich mittlerweile auch einige Leute gemeldet, die selbst Securitys sind oder mal waren. Sie sind angewidert vom Verhalten ihres Kollegen und betonen, dass er eine Schande für ihren Berufsstand sei. Ein Ex-Security erläutert, wann Gewalt zu entschuldigen sei: „Ich habe manchmal Gewalt anwenden müssen, aber dafür gibt es eine simple Regel: Gewalt sollte nur minimal angewendet werden, um die Sicherheit der Besucher und der Crew zu gewährleisten.“

Also nur ein schwarzes Schaf einer ansonsten liebevoll kuschligen Herde? Leider gibt es immer wieder Berichte über Sicherheitsleute, die eigentlich nur eine Sicherheit im Kopf haben: ihre eigene. Was natürlich nicht alle Securitys zu gewaltgeilen Arschlöchern macht. Es genügend Leute, die ihren Job richtig machen. Wie das aber leider so ist mit der Theorie und Realität, scheißen manche auf Regeln und versauen dir den Abend.

Northlane kannst du diesen Donnerstag (14.12.2017) live sehen. Tickets gibt es hier.

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