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Sieben Arten von Musik-Arschlöchern, die du in Parks triffst

Im Park sitzen kann so wunderbar entspannend sein. Wären da nicht andere Menschen.
7.5.15

Alle Fotos: Isabella Khom

Frühling und Sommer. Das sind zwei Jahreszeiten, die echt OK sind. Man verstaut den inneren Grantler und lässt ihn nur raus, wenn man mit der U6 fährt. Das ist die Zeit, auf die fast die gesamte Bevölkerung hinfiebert. Warum? Weil du nicht in der ranzigen Wohnung deines Kumpels vorglühen musst und stattdessen in einem ranzigen Park vorglühen kannst. Oder nachglühen. Oder einfach deine Zeit vertreiben. Dieses Jahr wirst du dir sogar noch vor August ein Gelsenspray kaufen, um auch den letzten Grant-Faktor zu beseitigen. Doch Moment—nicht so schnell, mein lieber Mitmensch. Es wäre alles wunderbar perfekt, wenn es die anderen Menschen nicht gäbe. Aber es gibt sie—wie jedes Jahr. Du hast im Winter noch gelacht und den Status geschrieben „Mein Nachbar hört gute Musik—egal ob er will oder nicht“? Gratuliere, es ist Zeit für Karma-Payback. Bevor du dich aber mit mir in Hate über die anderen suhlen kannst—sei dir gewiss, dass du auch den ein oder fünfzehn Parkgänge unternehmen wirst, in denen du anderen auf die Nerven gehst. Und sei es auch nur der Mama mit ihrem Wurf.

Die Jogginghosen-Jugendlichen mit Deutschrap am Handy

Meine persönlichen Favoriten sind Migranten der nullten bis siebten Generation wie ich. Bewaffnet mit einem iPhone und mindestens einem Kleidungsstück aus der Sportabteilung. „Paul, Bruda, machst du Farid Bang“—und ab geht deine musikalische Reise zu Farid Bang. Keine Sorge, eh nicht so, dass du den Text verstehen könntest—dafür ist der Lautsprecher des iPhones zu schwach und du zu weit weg. Du hörst nur Klänge mit Gemurmel und es geht dir binnen fünf Sekunden auf die Nerven. Garantiert. Wenn sich zu Paul-Bruda noch seine anderen Brudas dazustellen und mehr Handys mit Folgegeschrei „Warte, warte, Bruda ich hab neuen Track von Hafti-Abi oben“ zücken, hast du den Park-Revier-Kampf endgültig verloren. Es sei denn, sie warten nur bis „Bruda anruft, wegen Gras holen“. Wenn der Bruder nämlich anruft, gehen sie weg.

So könntest du dich ablenken: Spiel eins: Versuche das Alter von jedem einzelnen zu erraten. Für Fortgeschrittene gibt es noch das Bezirksspiel (Tipp: Die Antwort ist in 60% der Fälle „Transdanubien“). Spiel zwei: Versuche zu erraten, ob sie gerade die Schule schwänzen, ihre Lehrstelle vernachlässigen oder Studenten sind. Du würdest dich wundern, wie viele Uni Wien und TU-Erstsemestrige auch zu dieser Gruppe zählen.

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So wirst du sie wirklich los: Wenn du sie wirklich loswerden willst, dann gehe hin und sag ihnen, dass acht Stationen weiter ein Grasdealer für sechs Euro das Gramm links neben der Station steht. Wenn sie sagen, sie brauchen nichts, dann sagst du: „Oh! PUH, Gott sei Dank, ich hatte schon den Verdacht. Bin noch nicht lange bei der Polizei. Bitte wartet kurz, ich hole nur meinen Ausweis, dann können wir die Personenkontrolle machen.“ Entferne dich aus ihrem Sichtfeld und warte zehn Minuten. EDIT: Mir ist eingefallen, dass man das nicht darf. Polizei spielen. Also nicht machen.

Die Goa-Afterhourgruppe mit Boxen und Flowersticks

Das ist kein Phänomen, das dir nur am Vormittag begegnet. Goa-Menschen sind super und auch sehr verständnisvoll. Jedoch machen sie immer Sound. Immer. Wenn du kein Fan von 130bpm um 13 Uhr nachmittags bist, dann hast du irgendwie Pech. Wenn du dein Buch lesen willst, oder einfach deine Musik hören willst—auch dann hast du Pech. Eine Goa-Gruppe erkennst du an mindestens vier Menschen, Flowersticks und eben den erwähnten 130 bpm, die sie garantiert durch mitgebrachte Boxen spielen. Sie verlassen ihr Zuhause nicht ohne die nötigen soundtechnischen Vorkehrungen getroffen zu haben. Vorteil: Du kannst dich garantiert dazusetzen. Nachteil: Wenn du keine Lust hast, dann hast du Pech. Wenn diese Gruppe mal einen Platz gefunden hat, dann verlässt sie diesen höchstwahrscheinlich erst übermorgen.

So kannst du dich ablenken: Tanze und lerne deine neuen besten Freunde kennen.

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So wirst du sie los: Gar nicht. Alles, was helfen würde, ist viel zu gemein diesen netten Geschöpfen gegenüber. Räume einfach resigniert das Feld.

Die Hobby-Gitarristen und Sänger

Hey, kennst du „Wonderwall“ von Oasis? Ja? Nein? Egal wie deine Antwort lautet—diesen Song wirst du jetzt hassen lernen. Alternativ: „Fürstenfeld“ von STS und „Creep“ von Radiohead. Vielleicht klimpert er noch die schlechteste Akkustik-Version von „Come as you are“, die du je gehört hast. Und er ist in der Überzahl. Während du da sitzt und dir ausmalst, welche Gegenstände du nach ihm werfen könntest, sitzen um ihn herum seine Kollegen, die alle mitsingen oder einfach so tun, als würde er tatsächlich Gitarre spielen können. Es scheint, als würden sie nur eine Spontan-Demo für Menschenrechte in Weitweg aus dem Park rausholen, weil sie sich mit ihrem Slacklines und Decken sehr gemütlich eingerichtet haben.

So kannst du dich ablenken: Zähle die Fehler, die der Gitarrist macht und wie oft er beim Anfang von „Wonderwall“ ansetzen muss, bis er „ICH HAB’S“ schreit. Zähle dann, wie oft die Menschen, die eigentlich nur die eine Strophe von dem Lied können, auf der falschen Stelle anfangen zu singen.

So wirst du sie los: Gehe zu ihnen und sag, dass du dich freust, sie bei dem FPÖ/ÖVP-Sommertreff im Park begrüßen zu dürfen. Schlage ihnen vor, vor der Rede des „Chefs“ Musik für die Gäste zu machen. Wenn sie nein sagen, mache ein Foto von ihnen und sag: „ Nur für die offizielle Page. Wir lieben Unterstützer!“ Sie werden relativ bald gehen.

Die Teenager-Mädls die mitsingen

Meistens sind das Mädels namens Chantall-Maus, Laura-Bae oder Kassandra. Diese Mädels sind eher jung und hören entweder Musik durch schlechte Boxen, Kopfhörer oder Handy. Ganz egal wie diese Teenager ihre Musik hören—sie werden Mitsingen. An irgendeinem Punkt werden sie das, garantiert. Ich war selbst eine von ihnen, es fühlt sich mit 15 halt wirklich cool und sexy und nicht peinlich an. Es wird sich dabei um einen Katy Perry, Rihanna oder Lorde Song handeln und du wirst feststellen, dass du nicht der einzige Mensch ohne Gesangstalent bist.

So kannst du dich ablenken: Singe mit oder stelle deine Musik lauter.

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So wirst du dich los: NEWS FLASH—junge Mädls sind schüchtern. Gehe hin und sag, sie sollen bitte aufhören. In den meisten Fällen werden sie das. Außer sie sind Gören, die sich gerade in Peerbestärkung üben und fühlen sich cool. Das lässt sich mit leeren Drohungen aber relativ schnell zerstören.

Die Trommel- und Performancegruppe die Gefühle tanzt

Die argen Verwandten der Gitarristen. Wenn die auftauchen, wünschst du dir, du hättest den Gitarristen niemals verjagt, weil die ja eh chillig waren. Wobei es auch in dieser Gruppe verschiedenartige nerv-Stufen vorhanden sind. Grundsätzlich ist es sehr schlecht, wenn du Trommeln siehst. Die sind nicht zum Spaß da, nein, die werden noch benutzt. Das schlimme an Trommlern ist, dass sie niemals daran denken, dass sie die Anderen nerven. Sie sehen sich als die akustische Parkerleuchtung. Wird noch Bier ausgepackt, ist es nicht mal eine „Übungssstunde“, sondern ein stundenlanges angesoffenes Trommelgelage. Wenn noch dazu einen Performancegruppe anfängt, yogaartig ihre Gefühle zu tanzen, laufe weit weg.

So kannst du dich ablenken: Tanz deine Gefühle und durchsteche die Trommeln mit einem spitzen Gegenstand. Oder stelle es dir vor.

So wirst du sie los: Wenn du es herausfindest, schreibe es mir. Ich ergreife automatisch die Flucht.

Die angesoffenen Parkplatz-Heros

Diese Gruppe ist mir bisweilen nur in ländlicheren Gegenden begegnet. Das sind die Typen zwischen 18 und 25, die ihr Auto auf der Seite des Parks abstellen, ihre extra eingebauten Subwoofer aufdrehen und Musik hören. Meistens gehen sie nicht mal in den Park oder auf die Wiese—sie steht einfach mit der Hülsn, oder noch schlimmer, Eristoff Ice, beim Auto und beschallen so alle Besucher, die ihre Ruhe haben wollen. Ihr Vorglühen ist aggressiv und laut und ihr Musikgeschmack grundsätzlich schrecklich. Das einzig Gute ist, dass sie ziemlich schnell der vorbeifahrenden Polizei auffallen. Aber wenn die nicht vorbeifährt, dann bist du auf dich alleine gestellt.

So kannst du dich ablenken: Das ist aggressivste Zwangsbeschallung, gegen die man nicht ankommt.

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So wirst du sie los: Gehe mit einem Menschen vorbei und sage ganz deutlich hörbar, dass es eine geheime Gratis-Pornomesse/Automesse 70km entfernt von deinem Park gibt, du aber leider nicht hinkommst weil dein Auto kaputt ist. Nenne einen Ort, der 70km entfernt liegt.

Alle anderen

Wenn wir uns ehrlich sind, nerven alle, die nicht du und deine Freunde sind. Nur deine Musik ist die Beste. Egal ob Handy, Boxen oder Gesang—es kann alles nerven.

So kannst du dich ablenken: Versuche deine Misanthrophie zu Menschenliebe werden zu lassen. Psychoaktive Substanzen wie Alkohol, Gras und Etwaiges helfen dir dabei, aber natürlich raten wir dir ab, dieses Zeug zu nehmen. Blas lieber Seifenblasen.

So wirst du sie los: Gar nicht und das ist gut so. Mitmenschen können manchmal nerven, aber wie gesagt, du nervst garantiert auch andere. Seit I am Legend wissen wir, dass Menschenleere keinen Spaß macht.

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Fredi ist eigentlich eh nicht misanthrop: @schla_wienerin

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