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Wie du als dicker Mensch die Tanzfläche beherrscht

Nachtleben soll nur etwas für skinny bitches sein? Weit gefehlt.
27.11.14

Solltest du in diesen Artikel reinlesen, weil du zu dem immer größer werdenden Teil der Bevölkerung mit Übergewicht gehörst, habe ich eine schlechte Nachricht für dich: Du bist dick, andere Menschen sehen das, und wirst es—selbst wenn deine Diät-Versuche erfolgreich sind—zumindest noch ein bisschen weiter sein. Es gibt aber auch gute Nachrichten: Das ist grundsätzlich kein Problem. Nur weil dir gleich Männer- und Frauenzeitschriften suggerieren, dass du nur entweder als schmächtiger Jüngling oder als muskulöser Kraftprotz erfolgreich sein kannst, stimmt das nicht.

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Es gibt für jeden dicken Menschen ein paar Situationen im Leben, bei denen er sich unsicherer fühlt als seine schlanken Mitmenschen. An der Supermarktkassa zum Beispiel kann der dürre, langhaarige Metaller so viele Tiefkühlpizzas auf das Band legen wie er will—der dicke Mensch wird sich immer gleich so vorkommen, als würden ihn alle anschauen und denken, er würde sich von nichts anderem ernähren.

Auch das Nachtleben ist für viele beleibte Menschen voller Tücken. Aber das muss es nicht. Auch mit ein paar Kilos zu viel kannst du dich problemlos und sicher durch die Clubs bewegen, der Star des Abends werden und nicht alleine nachhause gehen. Es gibt aber ein paar Dinge zu beachten.

Kommen wir zuerst zu den Basics. Wenn du deine Kilos schon dein ganzes Leben mit dir herumschleppst, hast du Taktiken entwickelt, damit umzugehen. Für gewöhnlich bist du im Grunde klüger und witziger als deine schlanken Freunde, und deine Talente sind besser entwickelt. Du bist für gewöhnlich schlagfertig und extrovertiert—ganz einfach, weil das während deiner Teenager-Zeit notwendig war, um trotzdem zu den Coolen zu gehören. Ein Überlebensmechanismus quasi.

Foto: David Bogner

Alternativ hast du die unauffällige Variante gewählt und versucht durch's Leben zu tauchen und nirgendwo anzuecken, weil jeder Konflikt die Möglichkeit beinhaltete, dass irgendein Arschloch die einfache Variante wählt und dich unsachlich wegen deiner körperlichen Unzulänglichkeiten aufzieht. Normalerweise heißt es zwar No Risk, No Fun—aber es geht hier um Menschen, und jeder muss nach seiner Facón glücklich werden.

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Zusätzlich zu dem Ganzen hast du ab einem gewissen Alter ein Outfit entwickelt, das deinen Körper am besten versteckt: Bei Männern ist das häufig ein Kapuzenpulli, ein weites T-Shirt, auch offene Hemden sind beliebt. Bei Frauen ist es oft irgendwas in Oversize über einer Leggins.

Bevor wir zu den einzelnen Tanzstilen kommen, erstmal ein paar grundsätzliche Dinge, die immer stimmen. Meist sogar auf jeden Menschen, aber ganz besonders auf jeden beleibten Tänzer.

Sei selbstbewusst

Klingt nach einer Binsenweisheit, ist aber der Kern des Ganzen. Du bist kein schlechterer Mensch oder schlechterer Tänzer, nur weil du ein paar Kilos zu viel hast. Wenn du das realisiert hast, wirst du auch die richtige Ausstrahlung und Lässigkeit mitbringen. Männer lieben selbstbewusste Frauen. Frauen lieber selbstbewusste Männer vermutlich noch viel mehr. Glaub mir: Als dicker, selbstbewusster Mensch, der sich sicher auf der Tanzfläche bewegt, wirst du schnell viele Fans haben.

Zieh dein Lieblingsoutfit an

Ich kann das gar nicht genug betonen. Du wirst dich mindestens 5 Stunden auf der Tanzfläche bewegen und dabei mindestens 2x pro Stunde das Gefühl haben, dass dich jemand anstarrt. Wenn du dich nicht mal vor dem Spiegel wohlfühlst, wie soll dass dann erst in dem voll gepackten Club sein?

Mach Sport

Du solltest sowieso Sport machen, weil sportliche, dicke Menschen immer noch gesünder leben als unsportliche schlanke. Aber beim Tanzen ist es noch mal wichtiger: Du bewegst dich sicherer, schwitzt weniger (wichtig, s.u.), und du wirkst automatisch nicht mehr nur fett, sondern auch stattlich.

photo credit: zoetnet via photopin cc

Realisiere, dass du schwitzen wirst

Je nachdem, wie heiß ein Club ist, schwitzt jeder darin. Aber du wirst aufgrund deiner Fettpolster mehr schwitzen als andere, und—jetzt kommt das wirklich Fiese daran—die Menschen um dich herum werden das bei dir nie auf die Hitze, sondern immer auf deinen Körper zurückführen und ekelhafter finden als bei deinen schlanken Freunden. Ist ungerecht, aber die Welt ist eben ungerecht. Schau, dass du den richtigen Weg findest, damit umzugehen: Benutz das richtige Deo; Ziehe mehrere Lagen an (du schwitzt mehr, aber es wird dauern bis diese durchgeschwitzt sind); Mach dich auf der Toilette frisch; auf HipHop-Partys kannst du auch problemlos mit einem Handtuch auftauchen.

Tauch mit Freunden auf

Auch hier wieder: Das Leben ist ungerecht. Ein dicker Mensch, der alleine in der Ecke steht, wird automatisch einsamer eingeschätzt als ein schlanker und/oder attraktiver. Häng deinen Freunden nicht am Rockzipfel, aber zeig den Leuten im Club, dass du beliebt bist. Eine Crew von Freunden sind wie ein Flugzeugträger oder eine Festung, in die du dich immer wieder kurz zurückziehen kannst, sollte die Lage mal brenzlig werden.

Übertreib es nicht

Ja, ich habe jetzt mehrfach gesagt, dass Selbstbewusstsein und Extrovertiertheit gut ist—man sollte allerdings auch die Grenzen des Konzepts kennen. Wenn du plötzlich anfängst, nur noch wie ein greller Gummiball herumzuspringen und herumzuschreien, sieht das auch von Weitem nach Überkompensieren aus. Und das ist Gift für dich, denn das riechen die Leute. Du willst Spaß und Lässigkeit, nicht Notwendigkeit nach außen strahlen.

Nach den Basics kommen wir noch zu einigen Dingen, die nicht auf jeden zutreffen und teilweise von der Körperform abhängen:

Du solltest immer deinen Arsch bewegen. Dein Arsch mag groß sein, aber er ist trotzdem dein bester Freund. Arschbewegungen sind Lendenbewegungen und signalisieren potentiellen Sexualpartnern, dass du zumindest theoretisch weißt, wie es geht und dass du dich im Bett nicht schüchtern zurücklehnst oder Panik bekommst. Ein Hintern in Bewegung ist ein guter Hintern.

Jetzt kommt allerdings eine Einschränkung: Auch wenn dein Arsch und dein gesamter Körper im Grunde immer in Bewegung sein sollte, solltest du darauf achten, durch deinen Tanzstil die Aufmerksamkeit von da weg zu lenken, wo du individuell die größte Problemzone hast. Bist du eher eine Birne, bei der sich die Schokoriegel in der Bauchregion ansiedeln? Beweg deine Arme. Reck sie in die Höhe, fuchtel aber nicht hektisch damit herum. Beweg den Kopf, wirf ihn herum, und dein Bauch wird schnell vergessen sein. Bist du unsicher wegen deiner kleineren Manboobs? Leg die Arme angewinkelt an den Körper, beweg sie kaum—sonst wird es ein Chicken Dance!—und lass alle Bewegung aus der Hüfte kommen. Für jede noch so erdenkliche Körperform gibt es einen Tanzstil. Finde deinen.

Ein bisschen offtopic, aber wie steht es mit dem anderen bzw. demselben Geschlecht? Wie gesagt: Sei selbstbewusst, beweg dich, sei sexy. Lass dich nicht von der Scheiße deiner Teenager-Jahre beeinflussen: Menschen werden älter, ein bisschen reifer, und die Idealmaße werden unwichtiger. In deinen 20ern hast du ganz andere Möglichkeiten, Menschen zu beeindrucken: Status, Job, Intelligenz, aber auch andere Rollenmuster. Der dicke, ungeliebte männliche Teenager kann als Bär reüssieren. Die liebe, übergewichtige, ewige Freundin der heißen Blondine kann ein wichtiger Teil der Szene werden, um das sich die Männer reißen. Klar, du wirst das Objekt deiner Begierde nie so offensiv angehen, wie es deine Freunde tun. Aber das macht nichts. Tanz, lache, sei glücklich, beweg dich sicher im Umfeld deiner Freunde, und alles wird zu dir kommen.