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Thump

Es geht weiter—Soundcloud lässt jetzt für Inhalte bezahlen

Die Streamingplattform verkauft jetzt selbst Plays, Likes und Follower und reitet immer weiter ins Verderben.
8.10.15

Foto via Flickr | Thomas Bonte | CC BY 2.0

„Looking for buy Soundcloud Play? We deliver quality Soundcloud Plays for cheapprice. Deliver in 24 hrs. Get thousands of plays in 24 hrs." Wer ist noch nie über eine Anzeige dieser Art gestolpert und hat sich gefragt, wer überhaupt all diese digitale Anerkennung kauft? Likes, Plays, Shares, Follower, Retweets, Kommentare, Abonnenten, Geld. SoundCloud, das erst dieses Jahr eine regelrechte Sperrwelle entfachte, entwickelte als Gegenstrategie jetzt eine Expertise, die auffällig an die von Facebook-Seiten erinnert: Sie verkaufen selbst Plays.

Na ja, sie verkaufen nicht direkt Plays, sondern bieten ihren SoundCloud Premium-Partnern für Geld an, dass einzelne Tracks promotet werden. Diese Promoted Songs tauchen dann in den Feeds der Nutzern auf und generieren so größere Zahlen für die Künstler und Labels.

Bild: help.soundcloud.com

Normalsterbliche, die aus den Augen Soundclouds derzeit noch zu wenig Geld haben, dürfen aber noch kein Geld für ihre Promotion ausgeben. Stattdessen bekommen sie diese einfachen Tipps: „Deine Tracks zu Gruppen hinzufügen, Leuten zu folgen, deren Musik du magst und aufrichtige Kommentare zu hinterlassen, hilft dir dabei eine starke Community mit tiefen Verbindungen zu anderen Usern auf der Seite aufzubauen." Das ist allerdings nicht ansatzweise etwas anderes, als das, was du auf Soundcloud ohnehin machst. Bisher hat der Bekanntheitsgrad einiger Künstler auf Soundcloud auch ausschließlich damit zu tun gehabt—und natürlich die Qualität ihrer Musik.

Dass die soziale Interaktion, echtes Feedback und der Austausch neuer Stilrichtungen nur für bereits bekanntere Künstler durch Geld ergänzt werden, ist jetzt eine Verabschiedung an die Chancengleichheit. Und das sollte nicht unterschätzt werden.

Unser einst geliebtes Soundcloud verwandelt sich immer mehr von einer Plattform für Musikliebhaber zu einem kühl kalkulierenden Business, das—wie andere große Plattformen—jetzt auch Geld durch mehr Werbung verdienen möchte. Das Problem für Künstler und Musikinteressierte dabei: Es gibt keine vernünftigen Alternativen. Wann sieht die Streaming-Plattform endlich ein, dass sie so ihre Nutzer vergrault und andere Möglichkeiten suchen muss, um sich weiterhin zu finanzieren?

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