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Noisey Blog

Deathwish Inc. setzt neue Maßstäbe in Sachen vertonter Wut

Deathwish, du hast einfach immer abgeliefert. Daher ist es Zeit, einfach mal Danke zu sagen.
07 Juli 2014, 2:30pm

Foto: Flickr | CC BY 2.0 | Jesus Martinez

Ende Juni berichteten US-Medien über einen ziemlich widerlichen Vorfall in einem Pub in Ashville, North Carolina. Das LAB, zu welchem auch eine hauseigene Brauerei gehört, musste aufgrund von Hygienebedenken kurzzeitig geschlossen werden und die Gesundheitsbehörde prüfte, ob mehrere Liter Schweineblut das Restaurant kontaminiert hätten. Woher zum Teufel so viel Schweineblut kommt? Nun, den Abend zuvor hatte die Band Young and in the Way in dem Laden eine Show gegeben und in echter Black Metal-Manier das besagte Blut in die Massen gespritzt. Die anschließende Säuberung überließen sie dem Pub-Personal. Unkorrekte Aktion, aber sie wird den Hype um Young And In The Way nur noch mehr befeuern, den sie durch ihr neues Album When Life Comes To Death ohnehin schon ausgelöst haben. Die Jungs sind der neueste Zögling des legendären Labels Deathwish Inc. und beweisen einmal mehr, dass das Label seit 13 Jahren ein verdammt sicheres Händchen bei der Auswahl ihrer Musiker hat.

Wenn du dich auch nur ansatzweise in dem dunklen Keller auskennst, aus dem immer Metal und Hardcore dröhnt, bist du früher oder später über die Band Converge gestolpert. Wobei stolpern der falsche Ausdruck ist. Vielmehr bist du kindlich vergnügt dem auf die Straße rollenden Pop Punk-Ball nachgejagt, als dich ein mit Bäumen beladener Laster in voller Fahrt erfasste und die Amygdala deines Gehirns auf dem Asphalt verteilte. Seit 1990 kanalisieren die Jungs aus Salem (kein Scheiß!) ihre unbändig rasende Wut in die Musik und haben dabei spätestens seit der absoluten Hassplatte Jane Doe neue Maßstäbe in Sachen vertonter Tobsucht gesetzt. 2001 veröffentlichten Converge jedoch nicht nur dieses, sie von nun an prägende Album, sondern auch einen Split mit der japanischen Band Hellchild. Der Split war das erste Release auf dem von Converge-Sänger Jacob Bannon und Tre McCarthy gegründeten Independent-Label und somit Grundstein eines infernalen Horts erstklassiger Extrem-Musik.

Zurzeit zählen 32 Bands zur Deathwish-Familie, die fleißig um die Welt touren und Fans härterer Musik um sich schlagend ausrasten lassen. Bannon und sein Team behaupten sich noch immer als Indielabel, weil sie über das verdammt seltene Talent verfügen, genau die Bands zu signen und zu unterstützen, die klare musikalischen Vorstellungen haben und eine treue Fanbase um sich scharen. In den ersten Jahren des jungen Labels brachten neben Converge damals noch recht unbekannte Bands wie A Life Once Lost, Ringworm, Cursed und Reach the Sky Alben auf dem Deathwish raus. Spätestens seit Modern Life Is War’s 2005 erschienenen Melodic Hardcore-Meisterwerk Witness (bis heute DIE Blaupause für jede Band, die solche Musik auch nur im entferntesten spielt), Integrity’s sie rehabilitierende Platte To Die For und dem Debüt von Blacklisted hatte Deathwish sich einen Namen in der Szene gemacht. Immer mehr Bands wollten von der Deathwish-Familie adoptiert werden. So veröffentlichten Ceremony, Doomriders, Rise and Fall, Pulling Teeth, Life Long Tragedy, Trap Them, Shipwreck A.D. und The Hope Conspiracy munter Alben, die du auch noch in zehn Jahren auf deinem Player haben wirst. Eigentlich musst du mittlerweile deinen von dieser einen neuen Band schwärmenden Kumpel nur fragen, ob die Band auf Deathwish ist. Klingt pathetisch, darf es auch.

Das gute Händchen bei der Bandauswahl zieht sich tatsächlich wie ein roter Faden bis in die heutige Zeit. Die wenigsten Indie-Label können das von sich behaupten. Haben wir nicht Recht, Epitaph, Drive-Thru und Victory Records? Bei wem steht das Duo Deafheaven unter Vertrag, die mit ihren beiden Alben mal eben den modernen Black Metal definiert haben? Wem haben die damals 18-jährigen Code Orange Kids zu verdanken, dass sie Europa erobert haben und nun Leute auf ihren Shows kollektiv ausrasten, die bei Madball nur noch müde mit den Schultern zucken? Welcher Labelname prangte auf den letzten beiden Alben von Touché Amoré, Teil der Sperrspitze des Modern Hardcore? Richtig, Deathwish. Das alles ist möglich, ohne an den lenkenden Fäden der Majors zu hängen. Verdammt, Deathwish ist so Indie, dass sie ihre komplette Diskographie bei Bandcamp zum kostenlosen Streamen hochgestellt haben. Für all das ist es endlich mal an der Zeit, sich zu bedanken. Danke Deathwish, dass wir uns immer auf dich verlassen können. Jetzt schick Young and in the Way endlich auch nach Deutschland!

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