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Die Black Lips in der vierten Dimension

Die Black Lips machen primitive Musik, denn Musik ist wie Sex: je primitiver, desto besser. Vielleicht spielen sie auch deshalb regelmäßig mit dem Penis Gitarre.
25.3.14

Auf meinem ersten Black-Lips-Konzert wurde ich von Cole Alexander fast angepinkelt, nachdem er erst mit seinem Penis Gitarre spielte und danach auf die Balustrade des Festsaals in Berlin–Kreuzberg kletterte, um von dort aus das Publikum zu bewässern. Auf meinem zweiten Black-Lips-Konzert stürmten die kompletten drei ersten Reihen im Publikum (mich eingeschlossen) die Bühne, so dass die Jungs keinen Platz mehr zum Spielen hatten und schon nach der ersten Zugabe aufgeben mussten.

Merke: Auf den Vorstellungen unserer Lieblings-Flower-Punks passiert immer etwas, mit dem du nicht gerechnet hast. Neuester Clou: Auf der anstehenden Tour wird das Publikum die vierte Dimension der Black Lips erfahren. Nach hören, sehen und fühlen, könnt ihr das Quartett auf einer der zahlreichen Tourneestationen demnächst auch riechen. Doch was werden eure Nasen dort wohl wahrnehmen? Die lieblichen Duftnoten von Suff, Schweiß und Pisse? Zum Glück nicht, die Black Lips werden euch mit eigens dafür angefertigten Maschinen und den Düften des Ozeans, des Monds oder Denims beweihräuchern. Und wenn sie euch bei der nächsten Stage-Invasion dann doch von der Bühne bekommen wollen, gibt’s zur Not auch die Variante Sperma, wenn man(n) eine Woche lang nur frische Pflaumen gegessen hat.

Noisey: Ich habe auf eurer Facebook-Seite gesehen, dass ihr euer neues Album Underneath The Rainbow über Burger Records als duftende Kassette veröffentlichen wollt. Wie seid ihr denn auf diese Idee gekommen?
Jared Swilley: Der Bruder meiner Ex-Freundin verkauft Gerüche an Firmen. Also er geht zum Beispiel in eine Fleischfirma und verkauft denen den Geruch von Schinken, so dass die Leute vor dem Laden Lust auf Schinken bekommen und diesen dort kaufen wollen. Das US-Militär nutzt beispielsweise auch bestimmte Gerüche, um Leute zu beruhigen. In großen Kaufhäusern nutzen sie so etwas ebenfalls, um die Leute zum Kaufen anzuregen und sie mit etwas vertraut zu machen. Ich habe mir gedacht wir sollten so etwas auch machen, dann gibt es einen Geruch und du denkst an die Black Lips.

Ihr wollt also, dass die Leute euch auch noch riechen?
Ja, genau. Ich meine es gibt Klänge, es gibt Visuelles—ich will einfach alle Sinne ansprechen. Jetzt geht es nur noch darum, dass die Leute uns auch noch schmecken können.

Ihr wollt diese Gerüche dann auch während der Konzerte versprühen. Wie kann ich mir das vorstellen, wollt ihr zwischen den Songs die Parfümflaschen zücken und ins Publikum spritzen?
Nein, nein, wir haben in den letzten zwei Jahren Maschinen entwickelt. Wir haben in Paris diesen Typen kennengelernt, der diese Maschinen herstellt und dazu auch gleich die Düfte. Wir haben es jetzt perfektioniert und werden in ein paar Tagen die Lieferung bekommen.

Werdet ihr die Dinger dann auf der ganzen Tour mitschleppen?
Ja, sie werden auf jedem Konzert dabei sein.

200 Million Thousand war eines der dreckigsten Black Lips-Alben, der Nachfolger Arabia Mountain euer bis dato glattestes Werk. Was können wir von klanglich von Underneath The Rainbow erwarten?
Es ist so ein bisschen eine Fortsetzung von Arabia Mountain, weil es das erste Album war, auf dem wir einen Produzenten hatten und jetzt haben wir wieder einen. Aber ehrlich gesagt, haben wir schon deutlich dreckigere Alben als 200 Million Thousand gemacht. Unser zweites Album wurde auf einer Art Kassettenrekorder aufgenommen, das Ding klingt wie Scheiße!

Ihr habt das Album zusammen mit Patrick Carney von The Black Keys aufgenommen. Aber eigentlich wolltet ihr mit Phil Spector als Produzenten zusammenarbeiten. War Patrick also nur ein Trostpflaster oder konnte er ihn gut ersetzen?
Also, naja [lacht]… Patrick war auf jeden Fall viel besser als jede Idee mit Phil Spector. Wir haben ein Festival mit den Black Keys in Mexiko gespielt. Alle waren ziemlich betrunken und auf einmal hat Patrick gesagt: „Ja, ich würde eure Platte produzieren“. Und dann wurde es wahr. Aber die Sache mit Phil Spector wäre wahrscheinlich ein Albtraum geworden. Er steckt halt im Gefängnis, also hätten wir alles über Telefon machen müssen. Als Insasse darf er wahrscheinlich auch nur so 20 Minuten am Tag mit anderen Leuten sprechen. Das hätte wahrscheinlich ewig gedauert. Aber ich liebe Phil Spector, er ist mein absoluter Lieblingsproduzent. Wenn wir aber jetzt mit ihm zusammenarbeiten würden, dann wäre das wahrscheinlich ziemlich geschmacklos gewesen. Es ist immer noch dieser Phil Spector, der eine Frau umgebracht hat. Das hätte wahrscheinlich nicht so gut ausgesehen.

Auf dem Song „Dandelion Dust“ kann man den Black-Keys-Einschlag kaum überhören. Habt ihr euch da Dan Auerbachs Gitarreneffektpedale ausgeborgt?
Nein, Dan war nicht im Studio, wir haben ihn nie gesehen. Aber Patrick hat tatsächlich viel mit diesem Song zu tun. Es gab einige Songs, die er so gut wie gar nicht berührt hat, an wiederum anderen hat er mehr gearbeitet. Auf diesen hatte er auf jeden Fall mehr Einfluss.

Was ist dein Lieblingssong von der neuen Platte?
Mein Favorit ist „Smiling“, der zweite Song auf dem Album. Ich habe ihn geschrieben. Ich hatte echt ein hartes Jahr mit einigen rechtlichen Problemen, musste in den Knast, habe Leute da getroffen. Aber jetzt ist wieder alles in Ordnung, deshalb heißt er „Smiling“, weil ich jetzt wieder glücklich bin und alles vorbei ist.

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Beitrag von The Black Lips.

Ihr habt gerade eine Jeansjacken-Kollaboration mit der französischen Firma April 77 an den Start gebracht. Werden wir jetzt immer öfter was von den Black Lips außerhalb der musikalischen Sphäre finden?
Ich will alles machen. Das ist nur mein erster Ausflug in die Modewelt. Naja, auf jeden Fall finde ich, dass die Jacke cool aussieht. Ich habe einen Song über diese Motorradjacke geschrieben, also über eine fiktionale Motorradgang namens The Pink Angels. Sie sind einfach die härteste Motorradgang auf der Welt und sie werden dich verdammt nochmal umbringen. Sie sind alle schwul. Ich habe auch ein Musikvideo darüber gedreht. Wenn du dir die Jacke kaufst, dann bekommst du noch die 7“-Single und das Video.

Im Filmbusiness seid ihr ja nun mittlerweile auch. Ich habe gehört, dass ihr einen Film mit Terrence Malick gedreht habt. Worum geht es denn da?
Das wissen wir gar nicht. Es gab kein Script. Wir haben ein paar Wochen gedreht, aber er hat uns nie gesagt, worum es überhaupt geht. Er hat einfach nur gesagt: „Tu dies nicht, tu das nicht“. Es war ein wenig surreal für uns, weil wir ein Haufen Szenen mit Val Kilmer, Ryan Gosling oder Rooney Mara gedreht haben. Ich habe aber echt überhaupt keine Ahnung, ich weiß nicht mal wie es mit dem Film jetzt überhaupt vorangeht. Es wird sich wohl irgendwie um Musik drehen.

Mit den Black Lips hast du bisher sieben Alben veröffentlicht und hast auf allen Kontinenten außer der Antarktis Konzerte gespielt. An welchem Punkt deiner Karriere siehst du dich gerade?
Oh Mann, wir fangen gerade erst an.

Was wird dann der nächste große Schritt sein?
Weißt du, was ich wirklich machen will? Südamerika! Wir sind gerade erst aus Kolumbien zurückgekommen und ich will zurück nach Mexiko. Ich mag Nordamerika und ich mag Europa, aber ich glaube die Zukunft heißt Lateinamerika. Wir bekommen zurzeit auch ganz viele Emails aus Ländern wie Malaysia oder Indonesien, deshalb will ich auch die ganzen südostasiatischen und muslimischen Länder mitnehmen. Aber weißt du, was die Sowjetunion und die Berliner Mauer wirklich zum Einstürzen gebracht hat? Das war nicht die US-amerikanische Außenpolitik, das waren Rock’n’Roll und Blue Jeans! Ehrlich gesagt will ich Rock’n’Roll-Kolonialismus betreiben.

Du willst also Missionieren?
Naja, eine bessere Form von Kolonialismus.

Die Swilley-Familie hat in der Tat noch mehr musikalischen Output als nur dich. Unter dem Namen The Swilley Family tourten einige deiner Angehörigen als christliche Gospel-Band durch Amerika…
Ich kann’s gar nicht fassen, dass du etwas über die Swilley Family weißt.

Was halten sie von deiner Musik?
Sie leben sie. Ich bin zwar der einzige Mann in meiner Familie, der kein Prediger ist, aber in Wahrheit machen wir genau das gleiche. Ich bin auf der Bühne aufgewachsen, sie stehen auch dort und singen—wir machen einfach das gleiche Ding. Eigentlich ist der Süden der USA ja ziemlich konservativ, aber meine Familie ist immer in all die schwarzen Kirchen gegangen. Mein Vater ist schwul und er ist trotzdem Prediger, sogar Bischof. Aber sie freuen sich wirklich sehr darüber. Wir spielen demnächst in Atlanta und ein Großteil meiner Familie wird sogar vor Ort sein.

Was haltet ihr von euch selbst als Musiker? Es ist ziemlich eindeutig, dass ihr keine Band seid, der es darum geht die schnellsten Gitarrensoli und vertracktesten Songs zu schreiben. Denkt ihr man muss ein guter Musiker sein, um gute Musik zu machen?
Nein, ganz im Gegenteil. Wir sind auf jeden Fall keine guten Musiker, wir sind Amateure. Ich weiß nicht mal, ob wir uns selbst als Musiker bezeichnen würden. Wir sind Entertainer. Musiker sind die Typen, die dir Gitarrensaiten im Musikladen verkaufen. Aber wir wollen eine Show machen, die Leute unterhält. Meiner Meinung nach sollte Musik primitiv sein. Sex ist primitiv, wir wurden alle nackt geboren. Ich will einfach nur einen guten Beat und so etwas wie eine eingängige Hook. Das ist alles. Ich hasse gute Gitarristen. Naja, ich hasse sie nicht, sie sind okay. Aber wenn sie sich einen auf ihr Solo abwichsen, das ist einfach scheiße.

Das neue Black Lips-Album Underneath The Rainbow bekommst du als CD, Vinyl und MP3.

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