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Thump

Safer Clubbing: Wie du auf dich, deine Freunde und deine Sachen im Club achtgibst

Wir haben aus unseren Fehlern gelernt und mit Experten die besten Lektionen zusammengetragen.
28.4.16

Foto: Imago/Christian Schroth

Die Definition von Wahnsinn ist, nach Albert Einstein, immer wieder dasselbe zu tun und ein anderes Ergebnis zu erwarten. Wenn du ehrlich zu dir bist, hast du dich demzufolge schon oft wie ein Wahnsinniger verhalten. Immer wieder die gleichen Fehler, jedes Wochenende. Zu viel von allem, dazu noch diverse Wertsachen verloren. Dein Smartphone fährt wieder mal Taxi ohne dich. Obwohl du es eigentlich besser weißt, klar. Von deinen Freunden ganz zu schweigen. Safer Clubbing nennen wir das, wenn du allerdings aus deinen Fehlern lernst.

Viele Konzepte aus dem Bereich Safer Clubbing sind Lektionen aus ebensolchen Fehlern, die in der Vergangenheit bei Raves gemacht wurden und leider immer noch gemacht werden. Damit du dem Wahnsinn entfliehen kannst, haben wir mit Experten gesprochen und die Erfahrungen von Freunden unserer Freunde zusammengetragen, um dir alle Tipps und Tricks zusammenzustellen, wie du auf dich und deine Freunde aufpassen kannst, was sehr, sehr wichtig ist. Und ein paar Vorschläge, um deine Wertsachen vor Verlust und Diebstahl zu schützen. Auch wenn das sekundär ist im Verhältnis. Klar, es ist auch cool, spontan in einen Club zu gehen. Dabei kommen am Ende häufig bessere Partys raus als bei den von langer Hand geplanten. Wenn du jedoch einen Abend mit Emma verbringen willst, lohnt sich eine gewisse Planung.

Iss was Vernünftiges!

Ja, das klingt jetzt nach deiner Oma oder Mutter. Aber es ist eine der wenigen Weisheiten dieser Personen, die stimmen. Ideal sind Bananen, denn sie enthalten viel Kalium, 420 mg pro Stück. Der Mensch braucht ungefähr 2 g Kalium pro Tag. Es schafft die Voraussetzungen dafür, dass Informationen von Zelle zu Zelle weitergeleitet und Organe wie das Herz, das Nervensystem, die Muskulatur, dein Verdauungstrakt und auch die Haut gesteuert werden können und ihre Funktion erfüllen. Ein Mangel an Kalium kann zu einer chronischen Nierenerkrankung, Durchfall und Erbrechen führen. Wenn du ausgehst, ist ein ausgeglichener Kaliumhaushalt daher von Vorteil. Bei viel Bewegung ist auch eine ausreichende Hydration hilfreich. Der letzte Schrei bei den Hipstern dieser Welt ist Kokoswasser, da es viele Mineralstoffe enthält und kalorienarm ist. So wie, Überraschung: Mineralwasser.

Genug von dem gesunden Kram. Auch geilere Gerichte können eine gute Grundlage sein. Zum Beispiele Käse, zum Beispiel Parmesan und Emmentaler. Nicht nur weil sie den Magen füllen, sondern weil sie Tryptophan enthalten, aus dem der Körper Serotonin bildet. Das heißt: Pasta mit Parmesan geht klar. Vielleicht nicht direkt bevor du losgehst, sonst bist du zu träge. Fett macht ja auch müde. Zwei Stunden vor dem Rave sollte genügen.

Nimm keine unnötigen Sachen mit!

Du musst immer davon ausgehen, alle Wertsachen verlieren zu können. Jaja, so wichtig sind sie nicht. Trotzdem nervt es, alle Ausweisdokumente neu zu beantragen. Und costa auch viel. Deshalb nimm nur das Nötigste mit. Lass deinen Führerschein zu Hause. Auf dem Foto siehst du sowieso whack aus und für Drive Now etc. wirst du eh wenn nicht zu betrunken, dann auf jeden Fall zu müde sein. Und deine ganzen Bonus-Karten vom Döner-Laden um die Ecke.

Jacke und Rucksack abgeben! I Foto: Imago/Christian Schroth

Gib (nicht nur) deine Jacke an der Garderobe ab!

Garderoben kosten Geld und bei vielen ist Geld knapp. Aber in Relation zu den Kosten, die entstehen, wenn deine Sachen geklaut werden oder (was sogar wahrscheinlicher ist) du sie verlierst, weil du irgendwo in der Ecke einschläfst und irgendwas aus der Hose rutscht, sofern du noch eine an hast. Daher solltest du das Geld ausgeben und lieber auf ein Bier verzichten. Und gib am besten gleich alles ab, auch deine Schlüssel und vielleicht auch dein Smartphone, das solltest du sowieso nicht benutzen, wenn du einen guten Abend hast.

Wenn du zu denen gehörst, die einen Rucksack tragen: Gib ihn bitte auch ab. Nicht primär wegen der Verlustgefahr, du gehst damit einfach allen auf die Nerven wenn du mitten auf dem Floor deine Standard-Dance-Moves machst (ganzer Körper nach rechts, dann nach links und wieder von vorne, WHUUU!). Leider gilt gleiches auch für Handtaschen. Und Jute-Beutel, egal welcher ach so lustige Spruch auch drauf steht.

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Wenn es keine Garderobe gibt, stellt sich das Problem natürlich ganz anders da. Deine Jacke liegt irgendwo in der Ecke und du bist die ganze Zeit unruhig. Auf jeden Fall solltest du unter solchen Umständen keine Wertsachen darin lassen und möglicherweise eine nicht so wichtige mitnehmen. Manchmal finden sich auch gute Verstecke unter Heizungen oder Bänken, wo keiner die Jacke sieht. Den DJ solltest du definitiv nicht damit nerven, ob er die 3.000 Sachen von dir und deinen Freunden hinter dem Pult verstauen kann.

Merk dir deine Markennummer!

Falls du auf dein Smartphone nicht verzichten kannst, solltest du zumindest ein Foto deiner Garderobenmarke machen. Und auch unabhängig davon vielleicht die Nummer auf deine Hand malen. Wenn du sie in deiner Geldbörse aufbewahren willst, dann auf jeden Fall nicht dort, wo das Bargeld oder die EC-Karte ist. Du ziehst die Marke beim Bezahlen dann nur unabsichtlich mit aus dem Portemonnaie und weg ist sie. Deshalb ist die Hosentasche auch nicht der geeignete Ort. Am besten nimmst du ein Fach mit Reißverschluss, in dem sonst nichts drin ist, oder die kleine Innentasche deiner Jeans, also da, wo die Goldgräber früher ihre Taschenuhren reingesteckt haben.

Manche Clubs verteilend Bändern mit Garderoben-Chips, die man sich umhängen kann. Aber auch die wurden schon verloren. Was in dem Fall schlau ist: Binde sie an die Gürtelschlaufe deiner Hose, sofern du eine anhast und nicht planst, sie auszuziehen.

Nimm einen Brustbeutel mit!

Ok, ok. Brustbeutel sind wirklich peinlich. Diese Moment, wenn du an der Bar stehst, deinen Drink bezahlen willst und dann den Beutel umständlich unter deinem T-Shirt hervorwurschteln musst, sofern du noch eins an hast. Andererseits kann es auch sein, dass du angesprochen wirst auf deine coole Geldbörse, weil du aus der Masse der Geldbörsen-am-Gesäß-Träger herausstichst. Ein Brustteil sagt: Ich scheiß auf eure Konventionen, ihr sagt mir nicht, wo ich mein Geld hinzutun habe! Oder meine Garderobenmarke!

Die Berliner Polizei verweist auf Anfrage übrigens auf ihren Flyer "Schlauer gegen Klauer", in dem dazu geraten wird auf Groß-Veranstaltungen die Wertsachen am Körper zu tragen und besonders auf sie zu achten. Allerhand! Der Präventionsbeauftragte der Stadt Berlin, Michael Ambros, empfiehlt im Gespräch mit THUMP etwa für das berüchtigte RAW-Gelände, Distanz zu anderen Menschen zu halten, da Kriminelle hier in Kleingruppen durch Antanzen versuchen können, Körpernähe zu den potenziellen Opfern herzustellen, um sie dann zu beklauen. Und Brustbeutel sind da unbedingt zu empfehlen: "Wenn man sie verdeckt trägt, wird es für den Täter auch bei Körperkontakt schwierig, an die Geldbörse des vermeintlichen Opfers zu kommen."

Es gibt natürlich solche und solche Brustbeutel. Foto: imago/Karo

Schütz dein Gehör!

Der Reiz einer Club-Nacht besteht natürlich auch in der lauten Musik, die keine Gespräche zulässt. Der Berufsverband Discjockey e.V. empfiehlt, Musik in Clubs unter 100 Dezibel laufen zu lassen. Das entspricht ungefähr der Lautstärke eines Presslufthammers. Und die Menschen, die solche Geräte bedienen, tragen sogenannte "Mickey Mäuse", also besonders dicke Ohrenschützer. Ab 85 Dezibel spricht man arbeitsrechtlich von einem Lärmarbeitsplatz. An einem solchen darf man sich nur 8 Stunden aufhalten, danach sind zwölf Stunden Pause verordnet. Um deine Ohren zu schützen, empfehlen sich daher Ohrenstöpsel. Die verhindern nicht nur langfristig einen Hörschaden, sondern auch, dass du am nächsten Tag mit einem Piepen im Ohr wach wirst, nicht mehr schlafen kannst und die Angst verdrängen musst, dass du jetzt wirklich einen Tinintus haben könntest, der fast immer irreversibel ist.

Falls du immer noch überzeugt bist: Viele deiner Lieblings-DJs tragen auch Ohrenstöpsel, obwohl sie meistens nur ihren Monitor-Boxen im DJ Booth ausgesetzt sind. Du musst auch keine Angst davor haben, dass der Sound schlechter wird. Professioneller Gehörschutz verzerrt die Musik nicht, sondern senkt Höhen, Mitten und Tiefen gleichmäßig ab.

Drogen: Informier dich!

Natürlich sollte man keine illegalen Substanzen konsumieren, klar. Auch die legalen nur in Maßen. Wenn du es entgegen dieses Rats der Bundesregierung dennoch tust, lohnt sich eine vorherige Recherche. Auf Seiten wie Saferparty.ch findest du die meisten Pillen finden, die grad im Umlauf sind. Als schweizer Verein können sie die Substanzen durch ein Labor testen lassen, wodurch du genau weißt, was in ihnen enthalten ist. Klar, es ist spannender, wenn man es nicht weiß und es dann richtig ballert. Ein gewisses Maß an Education ist jedoch von Vorteil, um sich nicht Rattengift reinzuziehen.

Es wäre natürlich auch einfacher, wenn es bei uns die Möglichkeit gäbe, Substanzen genauer untersuchen zu lassen. Doch trotz erfolgreicher Modellprojekte in den Niederlanden und der Schweiz sowie dem Rat von Experten, wehrt man sich noch dagegen. Die schwarz-grüne Koalition in Hessen hat zwar vor zwei Jahren Pilot-Projekte zum Drug-Checking zugelassen, allerdings ist seitdem noch nichts weiter passiert. Laut Astrid Leicht vom Fixpunkt e.V. wären Drogentests ein Anknüpfungspunkt für Konsumenten-Aufklärung. "Selbst mit jahrelanger Erfahrung ist es schwer zu sagen, welche Substanz der Konsument uns im Gespräch zeigt. Zumal sich der Markt sehr schnell verändert und immer neue Substanzen verkauft werden", wie sie uns erzählt. Sie sieht ideologische Gründe für die Renitenz der Politik gegenüber Drug-Checking. Man glaube, den Eskapismus und damit auch den Konsum illegaler Mittel noch mehr zu fördern, wenn man erlaubt, dass bestimmte Vereine Labor-Tests von Drogen machen bzw. veranlassen dürfen.

Vorsicht beim Mischkonsum!

Candy Flip. Hippie Flip. Emma mit LSD, Emma mit Magic Mushrooms. Das sind bekannte Formen des Mischkonums. Die sind natürlich auch risikobehaftet. Häufiger mischen Leute aber irgendeine Droge mit Alkohol. Laut Fixpunkt e.V. ist Alkohol der beliebteste Bestandteil bei verschiedensten Formen des Mischkonsums. Nimmst du Amphetamine und trinkst dazu Alkohol, verzögert sich die Wirkung des Letzteren. Du merkst nichts und trinkst weiter—das ist der Fehler. Auf einmal bist du hacke dicht, kannst vielleicht sogar nicht mehr stehen oder schläfst in irgendeiner Ecke ein—und verlierst dabei eventuell deine Wertsachen, wenn du auch unsere anderen Tipps ignoriert hast. Daher solltest du eine Regel beachten: Bleib bei einer Substanz! Und nimm davon am Anfang kleine Dosen, damit du nicht zu einem der First-Time-Druffis wirst.

Pack Magnesium und Vitamine ein!

Egal ob Emma nun mitkommt oder nicht—manchmal versteckt sie sich ja auch und taucht erst gegen Ende der Party wieder auf—, für den Fall, dass es dir oder einem deiner Freunde mal nicht gut gehen sollte, sind ein paar Snacks immer hilfreich. Am besten ist natürlich der Raver-Shake. Falls du den entgegen unserem Rat nicht mitgenommen hast, kannst du auch auf Magnesium und Vitamine zurückgreifen. Letzteres natürlich auch in Saft-Form. Müsliriegel erfüllen ihren Zweck ebenfalls. Und generell solltest du natürlich—einer der bekanntesten Regeln—genug nicht-alkoholische Flüssigkeit zu dir nehmen.

Foto via Flickr | dave.see | CC BY 2.0

Achte auf deinen Drink!

Es passiert regelmäßig, dass Männer Frauen "gefügig machen". Das reicht vom Abfüllen mit Alkohol bis hin zu GHB, der Vergewaltigungsdroge, die mittlerweile auch zur Party-Droge geworden ist. Nicht jeder Typ, der dich oder eine deiner Freundinnen aus eurer Feier-Crew auf ein Getränk einlädt, ist automatisch ein solcher Macker. Dennoch solltest du darauf achten, mit zur Bar zu kommen wenn dir jemand was ausgibt und nicht einfach aus Gläsern trinken, die dir irgendwer auf der Tanzfläche anbietet. Auf Nummer sicher gehst du mit Shots. Und umgekehrt: Sei nicht böse, wenn du jemandem was von deinem Drink anbietest und die Person es ablehnt, besonders wenn diese Person weiblich ist.

Sei sensibel für den Zustand deiner Freunde!

Du musst dich gegenüber deinen Freunden nicht wie ihre überfürsorglichen Eltern verhalten, aber du solltest schon darauf achten, wie ihre Gesichtsfarbe ist und ob sie unbedingt noch mal mit Emma und ihren Freunden auf Toilette verschwinden sollten. Wenn es ihnen schlecht geht und sie in einem Loch sind, ist es deine Pflicht, dich (nicht nur um sie) zu kümmern und eventuell unseren letzten Tipp zu befolgen. Ob du mit Leuten, die ihre Grenzen wieder und wieder überschreiten und so auch dir die Nacht versauen, weiterhin ausgehen willst ,solltest du dir hingegen besser erst am nächsten Tag überlegen.

Wenn es nicht mehr geht, geh(t) nach Hause!

Mal von der Realität abzuschalten, vom Job, dem Projekt oder der Uni, ist verständlich. Dabei richtig durch den Tisch zu treten, auch. Wenn du aber merkst, dass deine Kräfte schwinden, und die Party eigentlich nicht mehr so geil ist oder es eigentlich die ganze Zeit nicht war, geh nach Hause. Gleiches gilt für deine Freunde. Die ganze Eskalation wird die Realität nicht ändern, der Weg in eine bessere Gesellschaft führt nicht über den Eskapismus.

Trotz dieser gesammelten Safer-Clubbing-Ratschläge solltest du den Abend nicht in permanenter Angst vor den Worst Cases verbringen. Die Tipps sollen im Gegenteil dazu führen, dass du dich darauf konzentrierst, wirklich Spaß zu haben und keine allzu verheerenden Konsequenzen davonzutragen. Und lass dein Smartphone im Taxi in der Tasche! Du lässt es eh nur liegen.

Dieser Artikel ist vorab auf THUMP erschienen.

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