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Will Smith beraubt uns mit seinem Musik-Comeback eines Kindheits-Idols

Big Will heute Rappen zu sehen ist ungefähr so angenehm wie dem eigenen Vater bei Karaoke zuzuschauen.
7.10.15

Ach, Will. Eigentlich wäre ich allzu gerne dazu bereit, ihm wirklich alles zu verzeihen. Seine angebliche Verbundenheit zu Scientology? Konnte man relativ easy wegignorieren. Dass er schon seit Jahren in keinem wirklich guten Popcorn-Film mehr mitgespielt hast? Auch das sei ihm verziehen. Immerhin hat der Mann meine frühe Jugend geprägt, als Schauspieler (Bad Boys, Independence Day, Men in Black, Wild Wild West—Big Will war der ideale Schauspieler für diese Filme, auf die man als 10-Jähriger in den Neunzigern eben so stand) und auch als Musiker. „Men in Black“ war 1997 auf jeden Fall eine von meinen ersten Rap-Singles und ohne seine Rolle als Fresh Prince of Bel-Air hätte ich sicher erst viel später erfahren, wer Malcom X war.

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Will heißen: Ich bin Will Smith eigentlich auf ewig zu Dank verpflichtet, weil ich ohne ihn vermutlich ein anderer geworden wäre; auf jeden Fall aber nicht so früh HipHop (und alles, was dazu gehört) für mich entdeckt hätte. Aus dieser Perspektive ist sogar „Miami“ bis heute ein irgendwie akzeptabler Song und auch, als ich irgendwann um das Jahr 2000 rum erkennen musste (danke Eminem), dass WIll Smith eigentlich schon immer ein HipHop-Clown gewesen ist, behielt ich meinen Respekt für den freshen Prinz bei. Sein Remix zur Bomba Estereo-Single „Fiesta“ und sein neues Interview auf Beats 1 stellen meine uneingeschränkte Hochachtung allerdings vor eine harte Probe.

Zunächst einmal dieser Song, auf dem er sich auf das Niveau von Flo Rida und Pitbull begibt und den niveaulosen EDM-Rapper gibt. Da ist schon nach der ersten Zeile alles aus: „Hola Mamacita, go get me a beer-a!“—„Come on, das geht doch klüger!“, denkt man direkt und erkennt gleichzeitig, dass Will Smith-Raps eigentlich schon immer in erster Linie aus dümmsten Billo-Reimen bestanden.

Noch schlimmer ist nur Big Wills Gastspiel in Zane Lows Radio-Sendung auf Apples Beats 1. Nicht nur, dass kein Interviewer aufgesetzter und somit unerträglicher rumpalavert als Zane Lowe, auch die „Performance“ von Will weckt vor allem am Anfang eher Fremdschamgefühle. Er kommt, wenn er davon spricht, dass er nach zehn Jahren endlich wieder bereit dafür ist, Musik zu machen, rüber, wie ein gealterter Musikmanager, der auf Teufel komm' raus immer noch cool sein möchte. Oder eben wie dein Vater, der im Radio ein paar Rap-Songs gehört hat und seitdem versucht, ein wenig Jugendsprache in seinen Alltag einfließen zu lassen.

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„You know, I am at the beginning of this process. Shaking the dust off, knocking the rust off.“ Aha. Als Willie ein paar Minuten später darüber spricht, wie er gerade an neuer Musik (mutmaßlich unter anderem mit Kanye West) arbeitet, wird es nicht unbedingt besser. Es ist natürlich keine Überraschung, dass Will Smith Ghostwriter hat (hatte er garantiert schon immer), aber wie er erklärt, dass er Hilfe braucht, um seine Ideen auf Papier und im Anschluss in die Booth zu bringen, bringt mich dazu, vor dem Rechner das Gesicht zu verziehen. Angeblich arbeitet Will nämlich nicht nur mit anderen Künstlern, sondern auch mit „jungen Philosophen“, die ihm dabei helfen sollen, seine Ideen aufs Papier zu bringen. Habt ihr schon mal von einem Rapper gehört, der für seine Haus-Maus-Reime die Hilfe von „Philosophen“ benötigt? Mal abgesehen davon, dass diese Typen eigentlich nur Betrüger sein können, wenn sie als „Philosophen“ einem wie Will bei seinen lyrischen Ergüssen helfen.

Tatsächlich interessant und nicht mehr nur unangenehm ist das Gespräch der beiden erst, als Zane und Will über dessen Kinder sprechen. Ich schätze, das spricht Bände darüber, wie dringend die Welt neue Musik von Will Smith braucht. Ich für meinen Teil werde jedenfalls gekonnt ignorieren, was da in den nächsten Monaten noch kommen möge. Sich komplett demontieren, das sollen andere tun, aber bitte nicht Will Smith. Zumindest nicht vor meinen Augen.

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