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Interviews

Wir haben salute gefragt, wie es ihm in UK so geht

So viel können wir verraten: Es tut sich sehr viel bei dem jungen Producer.
19.2.15

Foto: Markus Christ

Spätestens seit Anfang 2014, als sein Remix des Sam Smith-Songs „Money On My Mind“ herauskam, ist salute einer der vielversprechendsten Nachwuchs-Produzenten Österreichs. Wobei „Österreichs“ seit Sommer nicht mehr so wirklich stimmt. salute, der übrigens auch einen sehr talentierten kleinen Bruder hat, ist vor einigen Monaten nach Brighton gezogen. Am Samstag kommt er zum dritten Geburtstag von Beat Science im Cafe Leopold zu seinem ersten Gig nach Österreich zurück. Wir haben ihm ein paar Fragen über den Kanal geschickt, um zu erfahren, wie es ihm seit unserem letzten Treffen so ergangen ist.

Noisey: Wie hast du dich in Brighton eingelebt? Wie ist England so?
salute: Hab mich ziemlich gut einleben können. Brighton ist eine echt schöne Stadt, die auch viel zu bieten hat. Man kann hier wirklich gut fortgehen—für eine kleine Küstenstadt mit nicht einmal 300,000 Einwohnern passiert hier echt viel. Nächste Woche darf ich mir zum Beispiel bei zwei verschiedenen Events Mr Carmack und Ryan Hemsworth geben. Letzte Woche hab ich Elijah & Skilliam, Novelist & DJ Q gesehen. Da kann man sich echt nicht beschweren. Hier gibt es überall irrsinnig viele talentierte Produzenten & DJs—Ich hab zufällig vor ein paar Wochen in einem Club einen Typen kennengelernt, der mir einen noch unveröffentlichten Track gezeigt hat, der im April auf einem Major rauskommt. Der Release von dem Lied wird denk ich alles andere in die Luft sprengen, so gut ist er. Solche Leute lern ich einfach die ganze Zeit kennen, ziemlich witzig. Und damit ich auch etwas Negatives gesagt hab: Ich beschwer mich schon seit Jahren drüber, dass Engländer ihr Essen einfach nicht salzen. Ich will dieses Phänomen aber gar nicht hinterfragen.

Wie ist gerade das Verhältnis Uni/Musik machen bei dir?
Der Kurs, den ich mache, befasst sich zu 80% mit Musik machen (die restlichen 20 haben mit Film & Medien zu tun), also findet sich da mehr als genug Zeit. Da der Kurs auch sehr projektbezogen ist, hab ich nur eine Hand voll Vorlesungen/Seminare pro Woche. Ich fahr manchmal an meinen freien Tagen nach London, um mit Vocalists, Produzenten und Songwritern Sessions zu halten. Ich produziere grad für 3 SängerInnen Singles, das ist überhaupt ganz was Neues.

Ist der Zugang zu Musik in England anders als in Österreich?
Ja, komplett. Ich fahr eben in diese hochmodernen Studios, sitz mit einem Ingenieur, einer Sängerin und einem Songwriter in einem Raum und alle stressen, weil X dorthin fahren muss oder weil Y später noch dort eine andere Session hat. Ich will das Wort „professionell“ gar nicht in den Mund nehmen, weil es so unglaublich trocken klingt, aber ich hab jetzt nicht mehr so dieses Bedroom-Producer Gefühl mehr. Ob das gut oder schlecht ist kann ich nicht wirklich sagen. Es ist halt anders. Ich spiele im März mit einem ur tollen Typen namens Mura Masa in London. Ich hab ihn hier am Campus kennengelernt, er studiert aber gar nicht Musik oder so. Jedenfalls bekommen mein Management und ich für die Show an die 20 Gästelistenplätze, damit wir Industriemenschen einladen können. Agenten, A&Rs, Labelmenschen und so weiter. So wird alles eben viel persönlicher, weil sowas sonst immer nur via E-Mail passiert ist. Im echten Leben sind diese Menschen alle eigentlich ganz ok. Hier kommt die persönliche Ebene ins Spiel.

London und seine Musikindustrie ist ja jetzt nicht weit. Wirst du jetzt die ganze Zeit bestürmt?
Ich nicht, mein Manager aber immer mehr und mehr. Er leitet einfach alles an mich weiter und wir versuchen uns an die guten Sachen zu schmeißen. Teilweise bekomm ich E-Mails weitergeleitet, die ich 10-mal durchlesen muss, um überhaupt zu checken, wie arg sie sind. Arg im Sinne von ich-darf-endlich-diese-Person-kennenlernen oder wow-es-gibt-echt-Menschen-die-meine-Musik-mögen arg.

In England schreiben sie oft „the british producer“, hier ist das natürlich anders. Als was siehst du dich?
Ich seh mich gar nicht als „british producer", weil ich keiner bin. Ich bin trotz allem Wiener, ich bin ja nur hierher gezogen. Ich seh mich ja eigentlich nur als guy who makes music on his laptop for shits and giggles. Ich denke, dass hier in England oder generell in GB einfach alles gleich in die UK-Producer Hülle kommt, egal wo man herkommt. Sobald man hier lebt ist man für jeden „errr, yeah, he's foreign but he lives here so he's basically one of us anyway".

Wie fühlt es sich an, jetzt wieder für einen Gig nach Wien zurückzukommen? Anders als früher?
Es fühlt sich natürlich gut an, aber nicht unbedingt anders. Ich freu mich wie immer drauf, neue Sachen zu spielen und meine Pals wieder zu sehen. Meine Sets haben sich im letzten halben Jahr sehr verändert. Ich riskiere ein bisschen mehr. Riskant, weil viele typische UK-Sachen meiner Erfahrung nach in meinen Sets in Wien nie gut angekommen sind. Vielleicht liegt das nur an mir, I dunno. Jetzt hör und spiel ich aber viele ziemlich weirde Sachen von Leuten wie SOPHIE oder Lil Silva. Mal sehen wie es dann im Leopold ankommt.

Was kannst du mir zu deiner EP erzählen?
Die EP hat eigentlich mehr Tracks als jetzt dann in Wahrheit rauskommen. Wegen komplett unnötigen legal issues muss ich die EP aber ganz anders rausbringen, was irgendwie das Konzept zerstört. Naja. „Silver Tides“ ist meiner Meinung der beste Track auf der EP, weswegen ich das ganze Projekt so genannt hab. Ich denke, man hört in dem Track alles, was mich zu salute macht, so blöd das vielleicht klingen mag. „Real Cool“ ist recht schnell zustande gekommen, die Instrumentalversion ist aber schon im April gemacht worden. Ich musste ewig lang warten, um die Songs online stellen zu dürfen. Für „Silver Tides“ gibt es ein komplett verrücktes Video. Ich arbeite gerade mit meinem Management und anderen Leuten an einem visuellen Konzept für die gesamte EP, das sollte ziemlich cool werden. Silver Tides erzählt keine Geschichte und soll auch nichts Großartiges darstellen. Mir ging es bei der EP nur darum, ziemlich intensive Gefühle zu beschreiben, jeder darf's anders interpretieren. Meine nächste EP wird jedenfalls komplett anders, glaub ich. Man merkt immer dann, wenn man ein Projekt fertiggemacht hat, was man bei seinem nächsten anders oder neu machen will. Zumindest ist das bei mir bisher immer der Fall gewesen.

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