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Ein Interview mit dem Sänger von Österreichs erster Punkband

"Die Spielmöglichkeiten in Wien und ganz Österreich waren so begrenzt, dass man sich lieber geholfen hat als sich gegenseitig zu behindern."
24.11.14
Foto: Daniel Göschl. Alle Archivaufnahmen wurden uns von Robert Wolf zur Verfügung gestellt

1977 war in vielerlei Hinsicht gesehen ein interessantes Jahr. Der Deutsche Herbst erreichte mit der Ermordung Hanns Martin Schleyers durch die RAF und der Landshut-Entführung ihren Höhepunkt, in Prag wurde die Charta 77 gegründet, am Wiener Schwarzenbergplatz eröffnete die erste McDonald's-Filiale Österreichs und in New York entstand das legendäre Studio 54. Während in England die Sex Pistols die „Anarchy in the UK" ausriefen und mit ihrer eigenen Version von „God Save the Queen" provozierten, standen in Österreich noch von Boney M., Smokey oder Donna Summer in den Charts ganz oben. Auch Klaus & Ferdl waren mit ihrem Album Heidi, wart, wir jodeln z'erscht gut dabei.

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1977 entstand mit Chuzpe allerdings auch die erste Punkband Wiens. Im Verlauf der nächsten Jahre spielten sie eine tragende Rolle in der österreichischen Undergroundszene und stiegen zu einer der wichtigsten Punk- und New Wave-Bands Österreichs auf. Das zeigt sich auch an ihren Beiträgen zum 1979 erschienenen Wiener Blutrausch-Sampler. Mit ihrer Coverversion von Joy Divisions „Love Will Tear Us Apart" schafften Chuzpe es 1980 sogar in die Ö3-Hitparade.

Im selben Jahr erschien auch ihre erste LP 1000 Takte Tanz. 32 Jahre danach veröffentlichten Robert Wolf, Andi Kolm und Stephan Wildner heuer im Cabaret Fledermaus das Anschlussalbum Vor 100.000 Jahren war alles ganz anders und ließen die Räumlichkeiten kollabieren. Auch beim nächsten Konzert im Roten Bogen war das Lokal gesteckt voll, zahlreiche Leute mussten draußen bleiben. Ich habe mit Robert Wolf über Kopfschüssler, Elektro-Chuzpe und den Geist von Punk gesprochen.

Noisey: Ich habe gelesen, dass die Halluzination Company bei einem früheren Auftritt im jetzigen Metropol ziemlich ausgepfiffen wurde. Euer späterer Bassist Christian Brandl sei dann auf einen Sessel gesprungen und hätte begonnen das Publikum zu beschimpfen, weil endlich was los war in Wien und es keiner gemerkt hat. War Wien damals wirklich so fad?
Robert: Man war wirklich froh, wenn sich irgendetwas in Wien getan hat, so wie eben die Halluzination Company. Die war zwar überhaupt nicht unser Ding, aber sie war immerhin etwas. Das waren Menschen, die sich bemüht haben etwas auf die Beine zu stellen. Aber das Wiener Publikum damals war so was von blasiert. Damals war das Jazz-Rock, Folk und so etwas. Alles, was ein bisschen schräg war, ist kritisch beäugt worden. Und wir haben uns gedacht: Diese Arschlöcher, anstatt, dass sie sich freuen, dass sich etwas Aufregendes tut… Ich selber kann mich an den Vorfall nicht erinnern, aber das ist typisch Christian.

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Nervt das Klischee vom morbiden Wien nicht auch schon?
Mittlerweile ja. Heute stimmt es auch nicht mehr, damals war das aber schon so. Das war auch in der Musik spürbar und auf den Plattencovern. Man braucht sich nur die ersten Ambros-LPs anschauen. So war Wien und so ist es empfunden worden. Ältliche Frauen mit dicken Mäntel, Hüten und Hunderl am Friedhof. Der Herr Karl vom Qualtinger, das hat immer noch herüber gewirkt, alles schwarz-weiß, Farbfernseher sind ja auch erst relativ spät nach Österreich gekommen. Aber heute geht mir das Klischee auf die Nerven. Mit Sachen, die versuchen das hochzuhalten, kann ich nix anfangen.

Wie kam es zur Bandgründung. War es in erster Linie die Musik oder habt ihr einen politischen Anspruch gehabt?
Politischen Anspruch haben wir eigentlich überhaupt nicht gehabt. Wir haben immer gesagt wir sind die „Radikale Mitte", wir wollen weder links noch rechts sein. Wir haben uns auch nicht als Künstler gesehen, sondern waren einfach Musikfans und wollten immer Musik machen. Am Anfang haben wir zum Beispiel eine Coverversionen von Bob Dylans Maggie´s Farm als rumpelige Version gemacht und Sachen von Leuten wie Brian Eno gespielt—also eher Außergewöhnliches. Und da hat sich schon der Nukleus von Chuzpe geformt. Irgendwie war die Idee da, irgendwas in diese Richtung zu machen. So wie Velvet Underground, aber mit Dialekttexten. Dann sind Patti Smith und die Ramones gekommen und alles war anders.

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Und Ereignisse, wie die Arena-Besetzung? War das wichtig für euch?
Wir waren zwar dort, haben damit aber nicht wirklich etwas zu tun gehabt. Weil die Arena einer der wenigen Orte war, an dem man mit unserer Musik auftreten konnte, standen wir dort öfters auf der Bühne. Natürlich war es eine große Sache, aber zu den Besetzern haben wir nicht gehört.

Ihr habt in Österreich mit dem Punk ja erst angefangen. Hat es davor gar nichts gegeben?
Gar nichts in diese Richtung. Viele bezeichnen Novaks Kapelle als die erste Punk-Band, aber die waren halt noch sehr in den 60ern und 70ern verhaftet-auch mit Gitarrensoli. Aber bei so richtig rumpeligen Punk, da waren wir sicherlich die ersten.

Wie seid ihr dazu gekommen?
Indem wir musikbegeistert waren, Platten gesammelt und Musikzeitschriften gelesen haben. Beim Morawa hat man damals schon den NME und Melody Maker bekommen, auch das deutsche Sounds war sehr wichtig. In diesen Zeitschriften ist das erste Mal über diese Musik geschrieben worden. Allerdings haben wir damals noch gar nicht gewusst, wie diese Musik klingt, sondern uns eben unsere Vorstellungen gemacht und anhand dessen eine eigen Art von Punk entwickelt. Mit dem Nicht-Spielen können und nur 3 Akkorden. Als wir dann 1977 The Clash gesehen haben, waren wir ganz von den Socken. Was die für eine Dynamik gehabt haben und wie gut die spielen konnten! Das war das erste internationale Punk Konzert bei uns.

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Lemmy von Motörhead hat einmal geschrieben, dass er daran gescheitert sei, Sid Vicious das Bass-Spielen beizubringen. Später hätte er Sid gesagt, dass er immer noch nicht spielen könnte, worauf Sid meinte: „Ich weiß. Ist das nicht cool?"
Ja, das war bei den Sex Pistole so und auch bei uns am Anfang. Da ist das Image eigentlich vor dem Können gekommen. Unser damaliger Bassist hat eigentlich nur bei uns mitgespielt, weil er eine Lederjacke gehabt hat, was damals ja noch nicht jeder gehabt hat.

Deine „Kopfschüssler"-Comics—sind sie in engen Zusammenhang mit Chuzpe entstanden?
Der Christian und ich waren neben unserer Musikliebhaberei auch Comicfreaks. In Amerika hat es die sogenannten „War-Comics" gegeben—„War Nazis", mit Hakenkreuzen und solchen Sachen. Bei uns war so etwas undenkbar. Mir ist natürlich klar, dass bei unserer Geschichte so etwas schwierig ist. Aber wie die Amerikaner damit umgegangen sind—diese Lockerheit—war interessant. Das zweite Textheft, das ich gemacht habe, war so einem War Comic nachempfunden. Natürlich haben wir damit auch provoziert. Unser Bandlogo war ein Davidstern mit einem Hakenkreuz.

Der Davidstern mit Hakenkreuz ist ja auch im Sinne des Punk. Immer ein bisschen provokant.
Lustigerweise hat in England ein 17-jähriger ein kleines Buch geschrieben—„Der Punk"—und die Titelfigur hat einen Ohrring mit einem Davidstern, wo ein Hakenkreuz drinnen ist. Das ist parallel zu uns geschehen. Diese Form von Provokation ist also anscheinend in der Luft gelegen.

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Wie waren in den 80ern die Kontakte zu anderen österreichischen Punkbands? Zum Beispiel zu Willi Warma aus Linz?
Der Kontakt zu Willi Warma war extrem gut, weil der Gary von den Vogue mich quasi in die Linzer Szene eingeführt hat. In Linz hat es schon ein Lokal gegeben, in dem unsere erste Single in der Jukebox war. Zwischen uns hat ein großer, gegenseitiger Respekt bestanden, und die waren ja wirklich eine tolle Band. Ich war damals bei denen im Proberaum. Und auch da wieder: Ich hab nicht fassen können, wie gut die waren—sowohl spieltechnisch als auch dynamisch. Das erste Willi Warma Konzert in Wien haben wir veranstaltet und wir wiederum haben im Café Landgraf in Linz gespielt. Die Spielmöglichkeiten in Wien und ganz Österreich waren so begrenzt, dass man sich lieber geholfen hat als sich gegenseitig zu behindern.
Die einzige Konkurrenz, die wir wirklich gehabt haben war zu der Mordbuben AG, wo ich mich mit dem Gitarristen auch geprügelt hab. Das war aber weniger Konkurrenz, dass war fast schon Hass. Man hat sich halt überhaupt nicht riechen können.

Zwischen den Bands hat es ja immer wieder Begegnungen und Berührungspunkte gegeben, auch wenn die Entwicklungen oft sehr unterschiedlich waren. Falco—damals noch bei Drahdiwaberl—hat 1982 „Der Kommissar" herausgebracht. Wie seid ihr dieser Art von Musik gegenübergestanden?
Einzelhaft finde ich eine der besten Platten, die jemals in Österreich erschienen sind. Wir waren da ja auch nicht ganz unbeteiligt, weil das alles mit den Einnahmen, die GiG Records mit „Love will tear us apart" bekommen hat, geschehen ist, das ist dann wieder in „Bilgeri" investiert worden. Und „Bilgeri" war ein Hit, von dem wiederum Falco und Drahdiwaberl produziert wurden. Das hat so eine Eigendynamik bekommen. Was den Falco betrifft, der ist in die Geschichte eingegangen und wurde ein richtiger internationaler Star.

Und sein geschlecktes Auftreten?
Falco als Kunstfigur hat mir schon gut gefallen.

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Eure Coverversion von „Love will tear us apart" war in der österreichischen Hitparade. Und zwar bevor das Original überhaupt noch erhältlich war.
Damals war ja noch nix mit Internet. Ich war in England und hab wie immer einen Haufen Platten mitgebracht. Und da war auch die Single von Joy Division dabei. Der Christian ist gleich darauf angesprungen, auch auf die ganze Geschichte um Ian Curtis, der war damals schon tot. Eigentlich wollten wir eine deutsche Version davon machen. Die Genehmigung dazu ist vom Verlag jedoch abgelehnt worden, deswegen haben wir eben den Originaltext genommen, es glattestens produziert und es zu einer Fußnote in der österreichischen Chartgeschichte werden lassen.

Ihr habt auch viele internationale Leute getroffen. Etwa als Vorgruppe von Lene Lovich, Blondie, New Order und vielen weiteren.
Damals war das noch möglich, da hat man auch noch Geld fürs Auftreten bekommen. Heute muss man ja oft dafür zahlen. Das hat damals allerdings schon angefangen. Als Nena damals in der Stadthalle aufgetreten ist, hätten wir Zehntausend Schilling zahlen müssen um als Vorgruppe spielen zu dürfen.

Und wie war das mit Kiss?
Mit Kiss waren wir auf einer Rennbahn Express Party. Wir haben den Preis für die besten Newcomer bekommen und Kiss haben auch irgendeinen Preis entgegengenommen. Da bin ich neben Gene Simmons gestanden, der in seiner vollen Ausrüstung gefühlte drei Meter groß war. Das war schon ein Erlebnis.

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Hörst du diese Musik auch noch? Blondie etwa?
Was ich noch immer gerne höre ist Patti Smith, da ist jedes neue Album einfach gut. Aber ich höre mehr österreichische Musik, weil da einfach soviel Spannendes passiert. Absolute Lieblingsgruppe derzeit ist Elektro Guzzi, weil ich es faszinierend finde, wie die den Spieß einfach umdrehen und Technomusik mit herkömmlicher verbinden. In Triobesetzung, wie Cream.

Hat es bei euch einmal den Wunsch gegeben, ganz von der Musik zu leben?
Zur Zeit von „Love will tear us apart", wäre es schon möglich gewesen sich ein Jahr karenzieren zu lassen. Allerdings hatten wir einen drogensüchtigen Bassisten, einen psychisch labilen Schlagzeuger und weder die Gabe noch die Lust gehabt, auf Zwang weitere Hits zu schreiben. „Love will tear us apart" ist uns ja passiert und war für die weitere Bandgeschichte nicht unbedingt hilfreich, weil wir in eine ganz andere Richtung wollten.

Und neben den ganzen Punk Sachen? Braucht man da einen konservativen Job als Ausgleich?
Nein, eher umgekehrt. Zum konservativen Job brauchte man eher die Punk-Sache. Obwohl man sagen muss: Briefträger sein war zu dieser Zeit auch noch anders. Ich will jetzt nicht sagen ein Desperado-Job, es war schon ein Beamtenjob, aber ich hab mir die Zeit relativ frei einteilen können und es war noch nicht so ein Knochenjob wie heute. Es war zwar schlecht bezahlt, aber ein super Job mit Tagesfreizeit.

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Waren solche typischen Rock-Geschichten wie etwa Groupies wichtig beim Punk? Hat es so etwas gegeben oder hat sich der Punk gegen solche alten Rocker-Träume eher gewehrt?
In der Punk Szene war das eher zweitrangig. Von diesem alten Rockdingern der 70er wollten wir ja eigentlich weg. Das war überhaupt kein Thema und das hat es auch nicht gespielt.

Vor ein paar Jahren bin ich in einem Plattengeschäft in Florenz gelandet und steh plötzlich vor lauter Chuzpe Platten. Das war noch vor eurem neuen Album. Die sind da noch immer relativ drauf ausgeflippt. Hast du gewusst, dass ihr in Italien so populär seid?
Ich hab das auch erst vor ein paar Jahren erfahren, als ein italienisches Label alte Kassettenaufnahmen von uns veröffentlicht hat. Da hab ich gemerkt es gibt Interesse und hab auf verschieden Websites nachgeschaut—das war unglaublich. Zu jeder unserer Platten gibt es Abbildungen, Beschreibungen und wo sie gerade auf eBay erhältlich sind. Ich bin zwar nicht unbedingt der Typ, der sich selbst googelt, aber es war schon auch spannend zu sehen, dass zum Beispiel in Neuseeland unsere Platten angeboten werden. Ich will das jetzt aber auch nicht überbewerten.

Plant ihr schon eure neue Platte?
Ja natürlich, plant man immer. Das neue Album verkauft sich recht respektabel und eigentlich besser als wir erwartet haben. Da kommt schon der Gedanke, ob wir zum Beispiel ein Live-Album machen oder so. Aber der Schwerpunk liegt jetzt einmal beim Konzert am 28. November.

Wie wird das ausschauen?
Wir werden das neue Album spielen, aber auch viel älteres Material.

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Und die Zusammenarbeit mit jüngeren Künstlern und Bands?
Das auf jeden Fall. Da muss man halt schauen wie groß die Bereitschaft von denen ist. Eine Band wie Elektro Guzzi arbeitet ja mittlerweile schon international. Aber das ist eine Band, bei der ich mir vorstellen könnte, dass man etwas gemeinsam macht. Da bin ich mir auch nicht zu blöd an die heranzutreten und mir eine Abfuhr zu holen. Aber Elektro-Chuzpe wäre doch ein schönes Projekt. Sie könnten mit uns unsere Nummern spielen und wir über ihre Instrumentalnummern irgendwelche Slogans legen. Stell ich mir spannend vor, aber vielleicht bin ich da zu idealistisch.

Braucht man „Tausend Tolle Töne" oder reichen auch einfach 3 Akkorde?
Die neuen Nummern sind, außer wenigen Ausnahmen, sehr einfach gehalten. „Superschalter" zum Beispiel basiert auf einem Akkord mit einer Akkordverschiebung und „Was vom Punkrock übrig blieb"—eine Nummer, die durch die Keyboards sehr komplex klingt—basiert auch nur auf drei, vier Akkorden. Mit zunehmendem Alter versucht man nichts mehr zu beweisen, sondern geht auf Nummern zurück, die man auch auf einer Wanderklampfen spielen kann. Auch wenn sie elektronisch ausgearbeitet sind und vom Arrangement her super—die besten Nummern sind noch immer die, die man auch auf der akkustischen spielen kann.

Euer neuestes Album heißt „vor 100.000 Jahren war alles ganz anders". Ein Sidekick auf das ewige „gestern war alles besser"?
Meiner Meinung nach war es früher nicht besser, sondern einfach anders. Man ist für Auftritte zwar noch bezahlt worden und hat von den Plattenfirmen Vorschüsse bekommen, dafür gibt es jetzt ganz neue Kanäle um seine Musik zu verbreiten. Was wir uns vom Punk herüber gerettet haben war, nach Möglichkeit alles selber zu machen und sich von niemanden etwas dreinreden zu lassen. Von der Platte über die Grafik des Konzertplakates, das Mastern: einfach Selber-Machen. Insofern hat uns diese Verschiebung in der Musiklandschaft nicht wirklich tangiert. Wir waren, auch wenn wir einen Hit gehabt haben, nie eine Ö3-Band. Drum sind wir auch nie in das Lamento und die Raunzerei „Ö3 spielt keine Österreichische Musik", „Österreichische Musik wird boykottiert" usw. eingestimmt. Für uns war das sowieso nie ein Thema. Es ist schön, dass es FM4 gibt, die spielen uns und das reicht. Sonst hat man eh auch die Möglichkeit sich übers Internet sich sein eigenes Musikprogramm zusammen zustellen.

Wenn Österreichische Musik gut ist, wird sie gespielt?
Dann wird sie gespielt. Nicht auf Ö3, aber sie wird gespielt. Heutzutage ist man ja zum Glück nicht mehr vom Formatradio abhängig. Wenn eine Band gut ist, trägt sich das von selbst. Da gibt es Mundpropaganda und dann verkaufen sich die CDs, auch wenn sie nicht auf Ö3 gespielt werden. Der Nino aus Wien hat nie ein Power-Play, aber er ist einfach gut und das spricht sich herum. Das geht viel über Konzerte und übers Internet. Man kann auf YouTube seine Videos veröffentlichen und braucht nicht das Fernsehen dazu.

Ein Lied auf eurem neuen Album heißt „Was vom Punkrock übrigblieb". Was ist übergeblieben?
Eben dieses „Do It Yourself" durchzuziehen, eine kleine autonome Szene und viel gute Musik. Die Punk-Musikszene hat sich irrsinnig aufgesplittert, aber der Geist von Punk ist nicht totzukriegen. Dieses Einfach machen und sich dabei nichts reinreden zu lassen.

Ein Bekannter hat mir vor kurzem erzählt, dass er vor ein paar Jahren mit einer Band bei einem Punkfest im EKH gespielt hat. Dort wurde der „dreckigste" Punk gespielt, sie haben dann angefangen nur irgendwelchen Soul/Funk oder was auch immer zu spielen, sind ausgepfiffen und beworfen worden, haben es aber trotzdem durchgezogen. Das war wahrscheinlich die punkigste Band auf dem Punkfest.
Genau, die Band von der man redet, ist die, die die Soullieder gespielt hat. Von den anderen redet kein Mensch mehr. Sowas find ich toll. Wenn man eine Veranstaltung so bricht, dass ist schon mutig und gut.

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