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Interviews

Lee Bannon wäre gerne der „Stanley Kubrick der Musik“

Lee Bannons Ziele sind hochgesteckt. Er will wie Rick Rubin werden und eines der besten Jungle-Alben, die je produziert wurden, abliefern.

Als ich letzten Sommer eines Abends Bandcamp durchforstet habe, bin ich über Lee Bannons EP gestolpert, die er in Eigenregie veröffentlicht hat und die den Titel Caligula Theme Music 2.7.5 trägt. Sie ist voll von schneidenden Riffs, die sich langsam ihren Weg bahnen und dann explodieren. Außerdem findet man darauf eine Menge von diesen (schluck) „experimentellen HipHop“-Motiven, denen man seit Ende der Nullerjahre im Rap-Kosmos begegnet. Die düsteren Soundscapes sind zwar weiter dominant, aber vermischt mit sehr ästhetischem und eisigem East Coast-Rap (à la A$AP Mob z.B.) und dem Einfluss von experimenteller elektronischer Musik positioniert sich Caligula Theme Music 2.7.5 mit diesen Klängen in einer Weise, die sehr zu einem HipHop-Produzenten passt, der in Louisiana geboren und in Kalifornien mit Aphex Twin und Goldie aufgewachsen ist.

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Diese Einflüsse haben mittlerweile zu etwas noch Verrückterem geführt: Alternate/Endings, Bannons Debutalbum für das britische Label Ninja Tune, und eine der abgefahrensten LPs, die ich von einem HipHop-Produzenten seit langer Zeit gehört habe. Von dieser Entwicklung beeindruckt hat THUMP sich mit Bannon getroffen, um über seine Liebe zu Jungle, den Prozess, der zu Alternate/Endings geführt hat und darüber, wie er der nächste Rick Rubin werden möchte, zu sprechen.

Noisey: Was Leute, die dich als HipHop-Produzenten kennen, beim Hören von Alternate/Endings vielleicht überrascht, ist dieser verrückte Jungle Sound, der viel präsenter ist als auf Caligula Theme Music 2.7.5 oder Place/Crusher. Warum diese stilistische Veränderung?
Lee Bannon: Ja, Caligula Theme Music 2.7.5 hatte viel mehr von diesem südlichen US-Vibe und Place/Crusher mehr Ambient-Sounds, aber einiges von dem Material, was ich letztes Jahr veröffentlicht habe, ist auch eigentlich schon ein bisschen älter. Ich hatte jetzt nur endlich die Möglichkeit, es zu veröffentlichen. Das sind alles Sachen von 2011 bis 2012, die jetzt erst rauskamen.

Das macht Sinn. Es ist trotzdem faszinierend, wie sehr Alternate/Endings im Jungle verwurzelt ist. Ich habe ein Zitat von dir gelesen, dass du mir, wenn du magst, erklären könntest: „Jungle ist einfach nur ziemlich schneller HipHop.“ Was hast du damit gemeint?
Jungle und Drum & Bass waren für mich ziemlich präsent, als ich aufgewachsen bin und ich habe während ich die Produktion von instrumentalem HipHop ausgereizt habe, immer wieder darüber nachgedacht. Diese Aussage ist im Prinzip aber nichts Besonderes. Das ist so wie zu sagen „Rock ‘n‘ Roll ist einfach nur schneller Blues“, weißt du? Du brauchst aufgrund der Geschwindigkeit weder bei Jungle noch bei HipHop einen Sänger, damit es wirkt. Guck dir Leute wie Outkast an, die das bei Songs wie „Bombs over Baghdad“ bis ans Limit getrieben haben, sodass daraus am Ende im Prinzip ein Drum'n'Bass-Song wurde.

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Jungle und HipHop haben also eine besondere Art, zueinander zu finden. Es geht darum, Spannung erst zu kontrollieren und dann zu lösen.
Ja, total. Wenn du dir Leute wie Goldie oder GZA ansiehst—beide wurden so 1993 oder 1994 bekannt—bemerkst du, dass der Grat zwischen dem, was sie tun, nur sehr schmal ist. Ich denke, die Musik, die ich ab jetzt veröffentlichen werde, wird sich nicht mehr unbedingt an einem Genre orientieren. Das ist auch einer der Gründe, warum ich Place/Crusher veröffentlicht habe. Ich wollte, dass alle vorher entstandenen Vorstellungen, wie ich klingen könnte, hinfällig werden. Ich mag es auch überhaupt nicht, das elektronische Musik zu nennen, aber irgendwo muss man es ja einordnen, nicht wahr?

Dazu passt, glaube ich, auch ein anderes Zitat von dir, das ich gefunden habe: „Eine Frage, die ich mir gestellt habe ist: Bin ich in der Lage einen Sound zu erschaffen oder will ich mir einfach nur einen Sound aussuchen und das ist es dann, was ich mache?“
Ja, verstehe. Hört sich jetzt ziemlich kompliziert an. Was ich damit meine, ist: Angenommen ich würde ein Haus bauen und benutze dazu eine bestimmte Art von Holz. Wenn ich dann das nächste Haus baue, würde ich anderes Baumaterial benutzen, um sicherzustellen, dass es einzigartig ist. Es ist etwas, das ich selber erschaffe.

Wie haben sich dann das Material und der Bauprozess auf dem neuen Album geändert?
Alternate/Endings hat viel mehr Tiefe. Alles andere, was du bisher von mir gehört hast, habe ich in ungefähr drei Tagen gemacht. Caligula Theme Music 2.7.5 habe ich sogar während eines Flugs gemacht. Auf diesem Album gibt es jedoch viel mehr Musiker, die in New York und LA ins Studio gekommen sind, viel mehr Input von anderen Personen, und ich habe außerdem außerhalb meiner eigenen vier Wände daran gearbeitet. Es hat ungefähr fünf oder sechs Monate gedauert, bis es fertig war, und ich hatte 85 bis 100 Songs, die ich dann auf 11 oder 12 reduzieren musste—mit drei Bonustracks für das Japan-Release. Sie haben alle etwas, das sie vereint, einen roten Faden. Dieses Album ist nicht dafür gedacht, dass es eine Single gibt. Es ist etwas was man „ernsthaft“ am Stück hört. Ich sehe das definitiv als mein erstes, wirklich entwickeltes Album an, besonders weil ich mich bewusst dafür entschlossen habe, Drums zu benutzen.

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Das leuchtet mir ein. Ich habe das Gefühl, dass du bei deinen vorherigen Soloarbeiten mit der Abwesenheit von Drums, der Idee von Raum und Fläche gespielt hast. Alternate/Endings gibt sich den Drums regelrecht hin.
Genau, es geht mehr um Struktur. Das kann man vielleicht mit einem gregorianischen Gesang aus dem 13. Jahrhundert vergleichen. Jedes Mal wenn ich weitere Schichten zu dem Song hinzugefügt habe, hat ihm das eine ganz andere Dimension verliehen. Dieses Projekt war sehr wichtig für mich, denn wenn ich mir all meine anderen Sachen ansehe, würde ich mir fast wünschen, dass sie nicht draußen wären. Vieles davon habe ich nur gemacht, um eine Grundlage dafür zu haben, etwas wie Alternate/Endings veröffentlichen zu können. Das ist auch ein Grund, warum ich das Artwork so einfach wie möglich gehalten habe. Ich will, dass es sehr nüchtern ist und keinen Blödsinn. Einfach und direkt. Ich will, dass das einen Bezugspunkt darstellt, dass man die Platte in zehn Jahren spielen kann und das Gefühl hat, dass man sie zehn Jahre früher genauso gut hätte spielen können.

Ich wollte dich auch zu deinem Verhältnis zu Jungle befragen. Es gibt dort diese ungewöhnliche Verbindung zwischen deinen Rap-Produktionen und deinen eher Jungle-orientierten Sounds, die mich irgendwie an die Sachen von Suburban Bass erinnert.
An was?

Suburban Bass. Das ist ein britisches Label, das Mitte der 90er einen Shop in LA eröffnet hat. Sie haben ein paar coole Jungle-Songs veröffentlicht, in denen HipHop gesampelt wurde.
Oh cool, das schreibe ich mir auf.

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Es gibt auch ein paar Tracks von Remarc, die, naja, nicht so klingen wie du, aber zu denen du eine gewisse Affinität haben könntest.
Ich dachte eigentlich, dass ich eine Menge über solche Musik weiß, aber es ist trotzdem gut, auf neue Sachen aufmerksam gemacht zu werden.
Dieser Track ist von 1996.

Oh Shit, wow. Ja, das klingt wie Dr. Dre, aber mit Elementen von DJ Muggs. Das ist genau das, worüber wir geredet haben; eine Mischung aus HipHop und Jungle.

Es fühlt sich fast wie ein früher Prototyp von dem, was du machst, an, oder?
Das, was du mir da vorgespielt hast, hat mich ehrlich gesagt überrascht. Es ist sehr offensichtlich. Ich spiele in ein paar Tagen eine Show in San Francisco—wenn ich das finde, werde ich es spielen!

Ich habe auch noch an jemand anderen gedacht, Bizzy B.
Ja, von dem habe ich schon mal gehört. Der hat eher HipHop gemacht, oder?

Ja, aber es gibt einen Track, an den ich denken musste, als ich Alternate/Endings gehört habe. Der ist von 1993, also ein bisschen älter als der von Remarc. Ich spiel ihn dir vor.

Lee Bannon: Oh, wow. Diese Breaks sind verrückt! Jetzt weiß ich, was du meinst. Ich glaube, dass die Art von Musik ein guter Übergang für mich ist. Ich wurde eher in diese HipHop-Produzenten-Schublade gesteckt, denke ich, also öffnet mir das Veröffentlichen einer solchen Platte die Tür dafür, mit Leuten außerhalb des HipHops zu arbeiten.

Was ist für dich denn das ultimative Ziel?
Ohne es jetzt heraufbeschwören zu wollen, ich würde gerne mehr produzieren—so wie Hans Zimmer oder Rick Rubin. Was Rubin mit der ersten wirklich erfolgreichen Red Hot Chili Peppers-Platte gemacht hat? Abgefahren. Wenn man bedenkt, dass er vorher Sachen wie LL Cool J produziert hat, musste er so etwas machen, damit man ihn als Produzent anderer Musikstile ernstnimmt. Man weiß nicht viel über die Zeit, in der er sich von einem wirklich erfolgreichen HipHop-Produzenten zu dem, was er jetzt ist, gewandelt hat.

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Er hat auch das Jake Bugg-Album produziert. Verrückt.
Er hat dem Begriff Wandelbarkeit auf jeden Fall eine komplett neue Bedeutung gegeben.

Du scheinst ein ziemlich ambitionierter Typ zu sein. Du hast auch gesagt, dass du der „Stanley Kubrick der Musik“ werden willst.
Ha, ja, der Grund, warum ich das gesagt habe ist, dass er drei Jahre für einen Song bräuchte. Wenn du darüber nachdenkst, drei Jahre lang in irgendeinem Genre zu recherchieren, könntest du bestimmt ein verrücktes Projekt auf die Beine stellen, weißt du? Solche Produzenten drücken nicht nur irgendwelche Knöpfe. Ihre Alben basieren auf ihrem Schatz an Wissen.

Ich weiß, dass du den Film There Will Be Blood sehr magst. Hat er dich bei Alternate/Endings auch beeinflusst?
Ich habe mich nur darauf bezogen, da mein Album ernsthaft und konzentriert gehört werden muss. Es ist keine leichte Kost.

Das kann man fühlen. Es geht um diese schroffe Landschaft; keine Luft, kein Entkommen.
Ich wollte wie eine komplett dunkle Wüste klingen. Nichts wurde bereits geschaffen. Eine neue Grundlage. Ich habe auch daran gedacht—nicht, dass dies der Fall ist oder sein will—wie ein Werk Kultstatus erreichen kann.

Wie bist du eigentlich zu Jungle gekommen?
Ich bin in der vierten Klasse von Louisiana nach Kalifornien gezogen. Meine Mutter hat eine Menge unterschiedlicher Musik gehört, als sie ihre Krankenpflegerinnenausbildung gemacht hat und dabei hat sie auch eine Menge Goldie gehört. Als ich älter wurde, habe ich viel Drum'n'Bass gehört und in der achten Klasse bin ich in einen Außenbezirk von Sacramento gezogen und dort hörte jeder dieses Zeug. So habe ich auch von Ninja Tune und Blockhead gehört. Ich erinnere mich an das Source Direct-Album—auch wenn es zu der Zeit, als ich es bekam, schon vier oder fünf Jahre alt war—und zu der Zeit hörte ich auch von Produzenten wie Aphex Twin oder Venetian Snares.

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Als ich dann in die Innenstadt von Sacramento zog, gab es dort eine eigenartige Szene. Es gab einen DJ mit dem Namen DJ Whores, der eine Menge Drum'n'Bass gespielt hat. Er war deutlich älter als ich und hat mich mit vielen von diesen Klängen bekannt gemacht. Dabei muss man bedenken, dass die Szene wirklich klein war und es waren einige Leute dort involviert, die im Moment im Kommen sind. Das ist fast so wie eine abgefahrene Version der Bristol-Szene; also so Sachen wie The Wild Bunch, Massive Attack oder auch Young Echo und so weiter. Das beste Zeug aus Sacramento ist im Moment definitiv Death Grips, Chelsea Wolfe und Trash Talk.

Kannst du etwas über die US Jungle-Szene berichten?
Ich bin mir nicht sicher. Damals wusste ich nicht viel darüber, aber ein paar der Leute wie DJ Earl und Rashad aus Chicago haben so etwas gemacht. Ich habe das Gefühl, dass es in den letzten drei Jahren mehr geworden ist.

Ich glaube, die Popularität von Footwork hat da eine Rolle gespielt.
Ja, was im Prinzip ja sowieso Jungle ist—nur mit einer 909 oder 808 Bassdrum. Ich glaube in den USA ist ein Punkt erreicht, an dem die Leute davon gelangweilt sind, zu den immer gleichen shoegaze-y HipHop-Konzerten zu gehen, bei denen man nur rumsteht und nicht mal den Kopf bewegt. Bei so Zeug wie Jungle guckt niemand, was die Person auf der Bühne macht, alle gehen total ab. Klar, wahrscheinlich haben sie auch irgendwas genommen, aber sie haben enorm viel Energie für die Musik.

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Ich glaube, was ich versuche zu erörtern, ist die Frage, wo du dich am meisten zu Hause fühlst?
Das ist eine der Fragen, die ich mir gestellt habe, als ich angefangen habe, das Album zu machen. Ich sagte mir: „Mann, wenn ich das mache, muss das so glaubhaft sein wie alles andere.“ Ich denke, ich weiß, wo ich reinpassen möchte, aber ich weiß nicht, wo ich tatsächlich reinpasse. Ich würde gern in den besten fünfzig Jungle-Alben, die je gemacht wurden, auftauchen.

Nun ja, man muss Ambitionen haben.
Was meinst du denn?

Ich weiß, dass wir vielleicht unterschiedliche Ansichten haben, aber meiner Meinung nach schwebt das fast über Jungle. Das schwierigste für ein Album, das sich stark an einem Genre orientiert, ist, eine sehr historisierte Ästhetik zu behalten, dabei aber nicht nach Nachahmung zu klingen.
Glaubst du, dass man das mit Jungle schaffen kann? Oder denkst du, es gibt keinen Weg dafür?

Naja, es gibt immerhin keinen Amen-Break auf deiner Platte, nicht wahr? Das ist schon ziemlich entfernt von klassischem Jungle, wenn man den nicht benutzt.
Oh ja. Es gibt darauf Schlagzeug von Zach Hill—Zach von Death Grips—und ich nutze außerdem auch viele HipHop-Drums. Aber ich produziere alle Breaks selber. Alle sagen immer: „Jo, der Amen-Break! Mann, den lieben wir!“, aber du hast recht, es gibt keinen Amen-Break auf dem Album. Vielleicht ein paar Drumsounds, auf denen er basiert, aber ich habe den Amen-Break auch nicht weggelassen, weil er so verbreitet ist. Wenn ich mich an einem klassischen Jungle-Album orientiert hätte, dann hätte ich eigene Bestandteile mit einbringen müssen. Ich denke, das wäre im Endeffekt sehr viel schwieriger geworden.

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Genau das meine ich, wenn ich sage, dass es nicht nach Nachahmung klingt.
Ja, das ist etwas, auf das ich sehr achte. Ich habe schon an die dreißig bis vierzig Tracks für mein nächstes Album und dabei verwende ich viel mehr 303-Beats und analoges Equipment. Software ist schön und gut, aber wenn du das Ganze analog erzeugst, bekommst du viel mehr Punch. Sogar auf den ersten Jungle-Alben wurden Computer benutzt, aber sie haben trotzdem analoge Sounds gesampelt. Ich entdecke gerade analoge Technik um frische Strukturen zu erschaffen.

Was für Equipment hast du auf Alternate/Endings benutzt?
Ich habe eine SP404, Logic, Ableton, E-Gitarre und ein paar Effektpedale benutzt. Außerdem hatte ich die Hilfe von anderen Leuten. Der Bassist von Mars Volta hat bei vier oder fünf Songs mitgemacht.

Oh wow, das wusste ich nicht.
Er war Wahnsinn mit dem Bass. Er ist unglaublich.

Jetzt wo das Album draußen ist, wie findest du die Resonanz bis jetzt?
Mann, ich hasse diese Google-Suchmaschine in meinem Fall. Hast du den neuen Film von den Cohen Brüdern Inside Llewyn Davies gesehen? Es gibt dort eine Szene, in der seine Schwester eine Kiste mit alten Aufnahmen von ihm in der Hand hat und ihm sagt, er solle das Zeug wegschmeißen, da es „Unglück“ bringen würde, wenn die Leute alte Probeaufnahmen von einem hören. Das ist das Gefühl, was ich mittlerweile bezüglich meiner alten Aufnahmen habe. Du googlest danach und das meiste, was du findest, hat mit Joey Bada$$ zu tun. Sogar zu meinen Konzerten kommen Leute, die HipHop erwarten und Joey-Remixe hören wollen. Ich will, dass es nur die Musik gibt. Es gibt einen Punkt, an dem es angemessen ist, einfach zu verschwinden. Bring einfach Musik raus. Ich wünschte es gäbe mehr Geheimnisse.

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Ich kann dir da bis zu einem gewissen Punkt zustimmen. Du kannst dich zwar von Sachen wie Social Media und so weiter fernhalten, aber ich denke richtig interessant wäre es, wenn ein Produzent versuchen würde, komplett anonym zu bleiben. Das ist ein zweischneidiges Schwert.
Ich weiß nicht. Ich glaube, ab einem bestimmten Punkt ist es fast notwendig, sich geheimnisvoll zu geben. Nimm zum Beispiel das erste Album von Daft Punkt. Zu diesem Zeitpunkt haben sie noch keine Masken getragen. Alles war offensichtlich. Und sieh sie dir jetzt an. Sie sind quasi unantastbar. Sie verwischen die Linie zwischen dem, was real, und dem, was Schwindel ist. Ich meine…was denkst du?

Ich glaube, dass es ein schmaler Grat ist, zwischen Künstlern, die aktiv an ihrem eigenen Mythos arbeiten—so wie Burial, Zomby oder The Weekend—und Bands, deren Mythos durch ihre Hörer erschaffen wurde. Die Leute, die vorgeben, ein Mythos zu sein…naja, wenn du den Mythos in Gang setzt, fordern die Leute ihn regelrecht. Der Künstler wird dann immer extremer, bis er letztendlich abstürzt.
Sicher. Das ist bestimmt ein Problem. Niemand kann dem gerecht werden, was aus einem gemacht wird. Jemand wie Morrissey oder sogar Björk—das ist einfach zu viel Hype. Auch wenn ich denke, dass das eine Art Luxusproblem für jemanden ist, nicht wahr?

Wenn du auf so etwas zusteuern würdest, denkst du, dass du damit zurecht kommen würdest?
Ehrlich? Ich würde mich versteckt halten, bis ich eine unglaubliche Menge an Musik hätte, die ich veröffentlichen könnte. Aphex Twin ist das perfekte Beispiel. Er hat seit, ich weiß nicht, 2004 vielleicht, keine Musik mehr veröffentlicht. Trotzdem lässt das genügend Spielraum für deine Fantasie, um ihn zu verehren. Wenn du ein Mythos werden willst, musst du erstens alt werden und zweitens für den notwendigen Inhalt sorgen.
Als Joey und ich bei der Jimmy Fallon-Show gespielt haben, bin ich zur Toilette gegangen und Sting war in der Kabine neben mir. Wir sind ins Gespräch gekommen und er hat mir erzählt, dass er, bis er 27 war, als Lehrer oder so gearbeitet hat. Er hatte bevor er bei The Police anfing überhaupt nichts mit Musik zu tun und jetzt läuft er wie eine lebende Legende herum. Wie ein verdammtes Einhorn. Und ich bin nicht mal ein Fan von ihm! Ha. Aber er wurde zu einem Konzept. All diese Künstler—diese Mythen—sind aus Träumen entstanden. Man muss große Träume haben.

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Lee Bannons LP Alternate/Endings ist gerade auf Ninja Tune erschienen. Du kannst sie hier kaufen.

Du kannst Lauren Martin hier bei Twitter folgen: @codeinedrums

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