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You Need to Hear This

Ein Musiker rettete seine Karriere, indem er während seiner Hirn-OP Geige spielte

Roger Frisch musste sein Instrument spielen, während Ärzte in seinem Gehirn Kabel verlegten.
10 September 2014, 2:00pm

Albträume können unterschiedlichste Formen annehmen. Es können Dinge sein, die tatsächlich passieren—wie etwa Bastille sehen und dabei nüchtern sein. Es können aber auch Dinge sein, die nur in deinem Kopf stattfinden, während du schläfst.

Wenn du Glück hast, spielt sich ein Großteil deiner Albträume nur in deinem Kopf ab—sie bleiben dort und werden niemals Realität. Für Roger Frisch aber, einem Violinisten des Minnesota Orchestras, wurde sein schlimmster Albtraum Wirklichkeit, als er ein Zittern in seiner Hand feststellte, das ihn davon abhielt, weiter seinen Lebensunterhalt als Musiker zu bestreiten. Untersuchungen ergaben, dass ein Tremor für das Zittern in seiner Hand verantwortlich war, der es ihm unmöglich machte, weiterhin Geige zu spielen. Er kam um eine OP nicht mehr herum, die naturgemäß darin bestand, ein Loch in Rogers Kopf zu bohren und Kabel in seinem Hirn zu verlegen. Ein standardmäßiger Routineeingriff wirst du dir jetzt vielleicht denken. Was diesen Eingriff aber wirklich ungewöhnlich machte, war die Tatsache, dass Roger seine Geige spielen musste, während die Doktoren in seinem Hirn rumstocherten. Warum? Die Ärzte wollten herausfinden, wie sich die Anordnung der Kabel auf sein Geigenspiel auswirkt. Auf diese Weise konnte die Operation Roger von dem Zittern heilen, das sonst ein Aus für seine Karriere bedeutet hätte und mit ziemlicher Sicherheit auch seine lebenslange Leidenschaft zur Musik beeinträchtigt hätte.

Ich habe Roger gefragt, was genau passiert ist und wie er es geschafft hat, einen Auftritt zu überleben, der wesentlich abgefahrener war als Goldie als Dirigent eines Symphonieorchesters.

Noisey: Warum brauchtest du überhaupt eine OP?
Roger: Vor ein paar Jahren merkte ich während einer Konzertprobe, dass mein rechter Arm zitterte, während ich spielte. Wir schoben es alle auf den langen Flug, den ich da gerade erst absolviert hatte. Das Zittern ging aber nicht weg. Zwei Jahre lang bin ich von Arzt zu Arzt gegangen, die mir alle sagten, dass es sich dabei um ein Überbeanspruchungssyndrom handeln würde, das vom intensiven Geigenspiel kommt. Ein Überbeanspruchungssyndrom ist auch das, was einem Baseballspieler passiert, wenn er zu viele Fastballs wirft und damit seinen Arm ruiniert. Das Zittern blieb über zwei Jahre hinweg bestehen, bis wir dann in die Mayo Clinic gingen. Innerhalb von 20 Minuten hatten sie meine Diagnose: Essentieller Tremor. Ich hatte den Begriff zuvor noch nie gehört.

Wie hast du dich gefühlt?
Ich war definitiv panisch. Wenn ich nicht in Behandlung gegangen wäre, hätte es auf jeden Fall das Ende meiner Karriere bedeutet. Ich hatte bei einigen meiner Mitmusiker schon ähnliche Fälle mitbekommen. Sie hatten ihre Hände einfach zu sehr beansprucht.

Warum musstest du aber während der OP Geige spielen?
Der Tremor war relativ mild. Der Arzt war nicht der Meinung, dass er schlimm genug war, als dass er eine Operation rechtfertigen würde. Als ich ihm aber ein Stück auf der Geige vorspielte, sah er das Zittern sofort. Sie brauchten einfach einen konkreten Anhaltspunkt, um während der Operation messen zu können, wie sich der Tremor auf mein Spiel auswirkt.

Das klingt ziemlich unorthodox.
Haha, das kann man wohl sagen. Sie mussten den Operationsaufbau so ändern, damit meine Geige genug Platz fand, dass ich sie spielen konnte. Sie bauten auch einen Beschleunigungsmesser auf—ähnlich wie die Dinger, die für Wii-Spiele benutzt werden—um mein Spiel und die Auswirkungen des Tremors darauf zu messen.

Warst du nervös, vor Ärzten zu spielen, während sie an dir rumoperieren?
Ich war nicht nervös, weil ich spielen sollte. Ich bin immerhin ein professioneller Musiker! Als sie mir aber anboten, ein Loch in meinen Kopf zu bohren, um mein Zittern zu heilen und dazu ein Kabel in meinem Hirn zu verlegen, war ich von der Idee nicht wirklich angetan.

Hättest du auch ohne die Operation relativ beschwerdefrei leben können?
Ich habe darüber nachgedacht, aber ich war einfach nicht bereit, meine Karriere dranzugeben. Die Musik ist einfach zu wichtig für mich. Als ich dann in den Operationssaal kam, war ich nicht nervös, weil ich einfach wusste, dass ich um diesen Eingriff nicht herumkommen würde. Ich hatte außerdem genug OP-Videos von bei YouTube geschaut, um mich mit der Idee anzufreunden.

Es muss sich sehr komisch angefühlt haben.
Der Eingriff fand komplett ohne Betäubung statt, aber es war vor allem das Geräusch des Bohrers, der sich in mein Gehirn arbeitete, das einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Was Schmerzen angeht, kann ich mich aber nicht wirklich beschweren.

Das klingt sehr mutig. Mit welcher Musik hast du die Ärzte beglückt, während sie dich operierten?
Ich würde jetzt am liebsten sagen können, dass ich herzerwärmende Interpretationen von Lieblingsliedern der behandelnden Ärzte gespielt habe, aber es war alles in allem sehr improvisiert. Man muss sich dabei vor Augen halten, dass ich lag und mein Bogen nicht sehr viel Bewegungsspielraum hatte. Sagen wir es einfach so: Mein Repertoire war sehr eingeschränkt. Es half auch nicht gerade, dass mir für die Kabel ein Metallring in den Schädel geschraubt worden war. Es reichte gerade aus, dass sie die Auswirkungen des Tremors auf mein Spiel mit und ohne Kabel sehen konnten

Haben sie den Tremor denn heilen können?
Ich habe ihnen von Anfang an gesagt, dass sie so lange rumprobieren sollen, bis es wieder in Ordnung ist und ich auf einem professionellen Level Geige spielen kann. Solange ich meinen Stimulator habe, der die Kabel bedient, kann ich wieder spielen und habe mein altes Leben zurück.

Danke Roger!

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