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Die Bosstransformation von Kollegah—Ein Selbstversuch

Kollegah hat ein eigenes Fitnessprogramm, das verspricht, dich in drei Monaten zum Boss zu transformieren. Ich probiere das mal aus.
29 September 2014, 9:30am

(Anm. d. Red.: Ihr wisst bereits, dass Kollegah der Boss ist. Aber wisst ihr auch, dass Kollegah die Art von Boss ist, der sich um seine kleinen Schäflein/Bosslein kümmert? Der Rapper teilt seine Boss-Attitüde nicht nur in seiner Musik, er hat zudem ein Fitnessprogramm entwickelt—die Bosstransformation. Natürlich wollten wir das sofort ausprobieren und so bereiten wir seit Monaten einen Selbstversuch vor. Jetzt ist es endlich soweit: Unsere Boss-Testperson Sebastian hat mit der Transformation begonnen und wird hier regelmäßig über seinen Zustand und seine Fortschritte berichten.)

Sein Name ist Felix Blume und weil sein Herz am harten Text hängt und man als Felix Blume nur knochentrockenen Minimal oder Rilke-Vertonungen verkauft, nennt er sich als Musiker Kollegah. Er macht amtlichen Rap und sein letztes Album King ging aus dem Stand auf eins, brach Streaming-Rekorde und machte ihn für eine kurze Zeit omnipräsent. Vor dem Release von King hatte sich Kollegah in einem dreimonatigen Powerprogramm einen, so sagt er, „King-Körper“ antrainiert. Muskeln, Kraft, 3D-Look.

Kollegahs Freunde sahen ihn und wollten seinen Körper—alles total #nohomo versteht sich. Daraufhin passte Kollegah zusammen mit Trainern und Ernährungsexperten das Programm so an, dass nun jeder—JEDER!—zum King-Körper kommen kann. Es heißt Bosstransformation, dauert drei Monate und kostet während der regelmäßigen Sonderaktionen 149 Euro. Go for it!

Jetzt komme ich ins Spiel: Mein Name ist Sebastian Cleemann und weil man mit diesem Namen so ziemlich alles machen kann, mache ich so ziemlich alles. Zum Beispiel in drei Bands spielen, eine für's Herz, eine für die Freude, eine für den Wahnsinn. Die für den Wahnsinn heißt UNS, dreht regelmäßig auf schlecht besuchten und enorm gefeierten Konzerten durch und macht mich unbedingt empfänglich für jede Art beknackter Idee.

Deswegen hat mein Kopf vielleicht anders funktioniert als bei anderen Leuten, als ich vor geraumer Zeit diesen Tweet las:

will irgendjemand die bosstransformation von @kollegah für @Noisey_DE machen? belohnung: boss sein.

— Viola Funk (@ville_vallo) July 9, 2014

Ich sah nicht die Low-Carb-Entbehrung, den Konditions-Offenbarungseid und die Vogelzeige meiner Freunde. Ich sah die Gruppe UNS und ihren grotesken Sänger von der Bühne aus Gegengift verabreichen, das Ende aller Existenz fordern und als blutiger Nebel einen Gruß in die Luft schreiben. Und ich sah ein D’Angelo-Video zur kommenden UNS-Powerballade, die mit den Worten „Ich mag es, wenn mich junge Leute nackt sehen“ beginnt. Ich dachte: „Wow, ist das bescheuert!“ Und ich dachte: „Ich kann es kaum erwarten.“

Ein paar Tweets und ein paar „Echt?“-„Klar!“-Gespräche mit dem VICE-Imperium später ist die Sache im Kasten: Ich halte durch, solange ich kann. Ich halte fest, was furchtbar und großartig und beides auf einmal ist. Die Lichtenberger Topkörperbude „Die Körperschmieder“ wird mich die nächsten drei Monate an die Geräte lassen, um mir den Unterschied zwischen Benchpress und Frenchpress zu erklären (Irgendwas mit Zunge und Kaffee?). Und Kollegah zwinkert mir in Erklärbär-Videos aufmunternd zu und macht schäbige Witze, die ich auf irgendeiner Meta-Ebene schon wieder lustig finde. Oder klopft da schon das Stockholm-Syndrom an?

Was ihr davon habt: im Zweifel Schadenfreude. Und, na klar, eine Produktrezension. Funktioniert’s denn? Tut’s sehr weh? Wie viel Leid und Zeit braucht es? Wie verträgt es sich mit dem Alltag des Menschen, der es schon für ziemlich bosshaft hält, nach Arbeitstag und Arbeitswoche noch Kinder, Steuererklärung, Bandprobe, Sexytimes und Business durch's Leben zu begleiten? Wo ist eigentlich die Alters- oder Beschäftigungsobergrenze für Bosstransformatoren? Und welcher fettarme Frischkäse bringt’s wirklich?

Boss to be, Tag 0

Aktueller Transformationszustand

Highlight: Erklärvideos. Minutenlange Erklärvideos zwischen megaernst und megaflach. Und wie wenn einem der Kopf juckt, wenn man von Läusen spricht, so fühl ich mich schon jetzt von Kollegah tüchtig durchtrainiert. #nixdanohomo

Lowlight: Kollegah sagt ständig Bosstrensformäischn statt BOSSTRANSFORMATION. Entschuldige bitte, aber da ist doch gleich die Luft raus. Das ist Chefchen statt BOSS, das ist „Sekündchen“ statt „I’ll be back“, das ist Farid Rummsti statt Farid Bang.

Bossfaktor: Tag 0, 7/10

Symbolvideo:

Folgt Sebastian auf Twitter—@petulapetula

Sebastian trainiert mit freundlichster Unterstützung bei Die Körperschmieder in Berlin.

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