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So reißt du dir die Musiker auf, die du nur aus dem Fernsehen kennst

Du willst Amore mit jemandem der Fame hat? Hier entlang bitte.

von Rosalie Weirer
17 November 2015, 6:00am

Alle Fotos von Isabella Khom

Mit 20 Jahren war ich eine brave Studentin, führte ein Leben zwischen Labor und Physiologievorlesungen und traf meine FreundInnen zum Brunch. Eines Abends änderte sich mein Leben dann schlagartig. Plötzlich stolperte ich direkt aus Hotelsuiten in den Hörsaal, schlief über der Petrischale ein und brach mein Studium irgendwann ganz ab, weil ich lieber mit meinen Lieblingsbands auf Tour ging. Und das kam so: Eines Abends fuhr ich mit der U-Bahn nach Hause und verpasste in Gedanken versunken den Halt an meiner Station. Die Türen schlossen sich, ich fluchte. Meine Verfluchungen mündeten in einem Kanon mit einem Mann, dem das Gleiche passiert ist.

Wir bemerkten unseren gemeinsamen Fail, lachten und gingen beim nächten Stop auf ein Bier. Ich kannte den Typen nicht, er war groß, witzig und irgendwie cool. Diese Bekanntschaft brachte mich eines Mittags in seine zweistöckige Dachgeschoss Wohnung zur Essenseinladung. Als meine Blase zu bersten drohte, fand ich mich in seinem WC wieder. Auf dem Spühlkasten standen zwei Romys—der österreichische Film- und Fernsehpreis. Mir dämmerte. Der Mann, der gerade Schafskäse im Speckmatel brutzelte, war ein wichtiger Mensch in der TV-Landschaft. OK. Calm down. Breath in, breathe out.

Fuck noch eins, Ich wusste ja, dass mir dieses Gesicht und seine Stimme bekannt ist. Mit der Situation ein wenig überfordert, wusste ich sofort, was zu tun war: „Verhalten im Brandfall“. Ruhe bewahren, Brand nicht melden, in Sicherheit bringen, keine Löschversuche unternehmen. Ich spielte weiter die Unwissende, bis ich eines Weihnachtsabends mit Personen, die du nur aus dem Fernsehen kennst, an einer Tafel saß und unschuldig meinem Freund ins Ohr flüsterte „Du. Sag mal. Wer bist du eigentlich?“ Du kannst dir nicht vorstellen, wie Augen leuchten können.

Das Ding mit dem Musiker-Fuck oder gelinde formuliert, mit dem „sich berühmte Musiker angeln“ kam dann so: Bei einem Pago gespritzt auf 0,5 Liter im Museumsquartier kam die Frage, ob ich mit auf das Konzert einer sehr berühmten deutschen Band kommen möchte. „Name der Band? Ja, mag ich recht gern. Die hab ich früher öfter gehört, machen ganz gute Stücke Musik, klar.“ Ein paar Wochen später saß ich mit der Band und Helden meiner Jugend im Café Bendl und stritt mich um den nächsten Jukebox-Song.

Dass ich schon immer ein großer Fan der Band war und ich mir in Wahrheit meinen linken kleinen Finger hätte abschneiden lassen, um mit dem Sänger einen zu heben, hat weder mein Verbindungs-Vehikel noch der Meister selbst je zu spüren bekommen. Meiner Coolness gegenüber dieser Leute hatte ich es zu verdanken, dass ich in der darauf folgenden Zeit bei Konzerten eingeladen wurde, dort hinter die Bühne kam, noch woanders weiter feierte oder richtig heftig mit auf Tour ging. Ich verstand, dass man aufgrund einer höflichen, lockeren Art und genau richtig dosierter Freundlichkeit und Nahbarkeit sehr gut an zurecht angesehene Musiker und Genre-Konsorten rankommt. Und das fand ich geil.

Versteh das nicht falsch, ich musste kein irrer Groupie sein, in diesen Jahren entstanden echte Freundschaften und nahezu familiäre Verhältnisse zu von mir bewunderten Personen, die bis heute und noch weiter bestehen. Ich sammelte Erfahrungen wie andere Kupfermünzen, hatte Erlebnisse, die mit Geld nicht aufzuwiegen wären. Damit vielleicht auch du in den Genuss kommst, interessante Gespräche und oder auch Sex mit von dir angehimmelten Künstlern zu haben, bin ich bin mal kurz in mich gegangen und verpacke meine Erfahrungen in eine Anleitung zur Annäherung. Schließlich ist nicht jeder zu dumm, um aus der U-Bahn zu steigen und trifft dann auch noch den Zufall. Hier also die goldenen Regeln, um dir bei einem Konzert den Künstler deiner Sehnsucht zu angeln:

Im Grunde genommen hast du drei bis vier Möglichkeiten es anzugehen. Schaff es Backstage, finde heraus, wo es nach dem Konzert hingeht (am Hintereingang lauern, kann dabei nicht schaden), verschaff dir Hotelauskunft oder kenne jemanden, der jemanden kennt.

Connecte dich

Freunde dich vorsorglich mit der Belegschaft verschiedener Locations an. Dein Eintritt zu Konzerten und anderen Veranstaltungen ist dir hiermit schon gesichert. Du kennst den Tourleiter oder die Tourmanagerin? Dann muss ich dir hier nichts erzählen. Recherchiere früh, welche Agentur das Konzert präsentiert, schreib eine Mail, in der du erzählst, dass du Fotograf oder Journalist bist und gerne eine Akkreditierung hättest. Du wirst überrascht sein, wie easy das oft funktioniert.

Tell me where did you sleep last night

Musiker und Schauspieler steigen oft in der selben Handvoll Hotels ab, hör dich ein wenig um, dann weißt du auch, an welcher Hotelbar du an deinem Longdrink schlürfen musst, bis irgendwann deine erhoffte Gesellschaft eintrifft.

Sei die Blume vom Gemeindebau

Ohne Selbstvertrauen kommst du nicht weit. Weder im Leben noch auf deinem Weg in Pete Dohertys Bett. Bist du schüchtern, wirkst du unglaubwürdig. Sei von dir überzeugt, dann überzeugst du auch die pseudoautoritären Securitys oder andere Wichtigtuer, die sich dir in den Weg stellen könnten.

Don´t try too hard

Lass dein kleines, inneres Kind, das unbedingt einen Lolli will, vor der Türe toben. Scheiterst du kläglich, macht das nichts. Du hast schließlich nichts zu verlieren. Außer dein Gesicht. Und wer will schon ein Hausverbot als Erinnerung.

Halte den Schluckspecht in dir im Häuschen

Alkohol ist super. Seine angstlösende und enthemmende Wirkung ist dein bester Freund, wenn es darum geht, vermeintliche Vehikel zu bezirzen, um dir den Weg in die Welt hinter der Absperrung zu bahnen. Hast du es tatsächlich backstage geschafft, stürze dich keinesfalls sofort auf den gratis Wein. Betrunken bekommst du einen Arschtritt in Richtung Ausgang. So schnell kannst du gar nicht „Prost!“ sagen und schon riechst du das Buffett nur mehr aus der Ferne.

Dir darf nichts peinlich sein

Stell dich gut, aber auch nicht besser dar, als du bist. Dir ist mal was Peinliches passiert und die Story passt zum Gesprächsthema? Raus damit. Du kennst ein Wort nicht, das gefallen ist? Frag nach. Wir sind alle nur Menschen, auch die, die du bewunderst.

Bleib cool

Girl, spar dir deine Anhimmelei. Echt jetzt, spar´s dir.

Sei keinesfalls zu touchy

Leg deinen hysterisch verknallten Grapschehänden Handschellen an und unterdrücke deinen ständigen Drang, das Subjekt deiner Begierde auf den Arm zu fassen oder während deinem—bestimmt unangebrachten—Lachanfall auf den Oberschenkel zu klappsen, wenn etwas (für dich scheinbar) verrückt Lustiges gesagt wird. Eine „unabsichtliche” Streifberührung kannst du früher oder später aber gerne initiieren und den unfreiwilligen Körperkontakt sofort à la „Ach E N T S C H U L D I G E bitte.“ vertretbar zu machen. Ein sympathisches Lächeln oder ein kleiner Witz („Ja es wird an allen Ecken und Kanten gespart, sogar die Backstage-Räumlichkeiten werden immer kleiner...“) schadet auch nicht. So machst du unschuldig auf deine Präsenz aufmerksam und brichst die Berührungshemmschwelle ein wenig auf.

Sei nicht zu laut

Drossle deine Aufregung auf ein Minimum und versuche ruhig und in einer angemessenen Lautstärke zu sprechen. Dein zu schnelles und vor allem lautes Gerede wirkt unreif und verstellt dir deine Chance, mit jemandem in ein längeres, gehaltvolles Gespräch zu kommen.

Besser den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach

Versuche vorerst auch mit Personen außerhalb der Band oder mit irgendeinem Bandkollegen, egal ob mit dem Schlagzeuger oder dem Typ, der den Triangel schlägt, in einen Talk, der über die Smalltalk-Länge hinausgeht zu kommen, bevor du voll auf Angriff gehst und versuchst, dir deinen Hero zu schnappen.

Wenn du nicht der Burner bist, mach dich interessant

Du arbeitest im Fast Food-Laden, bringst deinen Eltern abends Burger und Pommes mit, weil du schließlich ein dankbarer Schmarotzer bist, der sich mietfrei im Hotel Mama suhlt? Better don´t mention this. Mach besser dein Hobby zum Beruf und erzähle, dass du deine eigenen Rezepte entwickelst und bald ein Kochbuch rausbringst, an deiner ersten Kollektion arbeitest oder gerade ein Haus planst, weil du Architektur studierst. Wenn dir gar nichts einfällt, kommst du gerade aus einem Auslandsaufenthalt zurück und musst dich erst mal wieder einleben. Nachfragen beantwortest du aus dem Fundus deiner letzten Urlaubserfahrungen und fügst Sätze wie „bin noch immer nicht ganz angekommen, war eine überwältigende Erfahrung“ oder „da hab ich so viel erlebt, das muss ich erstmal alles verarbeiten“ hinzu. Dann schneller Themawechsel à la „Warst du schon mal in...“ oder „Reist du gerne?“. Die meisten Musiker sprechen gerne über sich selbst und Orte oder Sachen, die sie ganz toll finden.

Apropos Gesprächsthemen

Interessiere dich einfach ganz normal für ihn. Frag ihn nach seinen Anfängen: „Und wann hast du gecheckt, dass du im Freundschaftsbuch deiner Volkschulfreunde ehrlich warst, wirklich mal ‚Popstar‘ werden wolltest und das auch geschafft hast?“, „Wann hast du zum ersten Mal Gitarre/Schlagzeug etc gespielt/bewusst schön gesungen/Songs geschrieben/deinem Papa gesagt, dass du doch kein Anwalt werden willst.“ Oder „Gefällt dir die Location, die Stadt, wo würdest du gerne mal auftreten, was war die bescheuertste Show, die du abgeliefert hast.“ Da fällt dir bestimmt noch mehr ein.

Wenn er angebissen hat, beiss zurück

Das erste Anzeichen an Interesse musst du sofort registrieren und ihm zeigen, dass du nicht nur interessant, sondern auch anziehend bist.

Wenn du es wirklich (weit) treiben willst…

Du findest, ihr habt genug geredet und willst es darauf ankommen lassen? Dann verschaffe dir mit der Frage „Zu dir oder zu mir?“ sofortige Gewissheit. Diese Frage ist die vernageltste von hier bis Kotzebue, das weißt du genauso gut wie ich, aber sie ist eine probate, um ohne viel Tamtam zum (Höhe-)Punkt zu kommen. Reagiert er verstört und abweisend, dann verpacke deine Frage retrospektiv als Scherz. Leg im Zweifelsfall noch eins nach, indem du sagst „War doch ernst gemeint.” Wenn er es dann wieder serious nimmt, wendet sich das Blatt schlagartig und er ist der kleine Trottel. Erhältst du allerdings eine Antwort aus der Auswahl, dann mach dich schon mal vor Ort frisch, denn kurz vorher nochmal „für kleine Rockstars” gehen zu müssen ist eher ein no no.

Was tun, wenn der Dude echt schräge Sachen von dir will?!

Run. Run, Forest, run! Sobald du dich mit einem Teddybär im Arm und nur mit einer Windel bekleidet in einem Gitterbett wiederfindest, nimm deine Beine in die Hand und lauf um dein Leben.

Und wie ist das mit dem Morgen danach?

Sei classy. Check dir aus, ob er Kaffee mag, ob er feste Nahrung frühstückt, oder ob er sich morgens meistens erstmal gepflegt einen von der Palme wedelt. Sei smart und witzig. Frag ihn direkt und mit einem Augenzwinkern im Gesicht, ob er sein neugewonnenes Groupie lieber gleich aus den Augen, aus dem Sinn haben möchte oder Lust auf ein gemeinsames Bad hat. Nachdem du ihm ein paar Stunden zuvor sowieso seine Monatsladung an Spermien aus dem Leib gesaugt hast, wird er dich mit Gewissheit noch bei sich haben wollen, also don't you worry. Erwähne auch, dass du eh nur bis kurz nach Mittag Zeit hast, dann gehst du gewissenhaft mit deiner Schwester Essen, bevor du zu einem Termin mit deinem Steuerberater musst. Somit wäre die Frage danach, wie lange ihr noch zusammen seid, vorab beantwortet. Natürlich hast du nichts vor. Weshalb du auch „Ihm zuliebe und weil ihr so viel Spaß miteinander habt“ auch gerne alles nach hinten verschieben kannst. Dafür wird er dich lieben. Diese Männer haben oft ein furzkleines Ego.

Wie ist das mit Kontakt austauschen oder—im ärgsten Fall—Kontakt halten?

Wenn er dich nicht fragt, schreib ihm deine Nummer auf. Mit den Worten „Hier ist deine Kummernummer!” verabschiedest du dich mit einem festen, oxymoronisch süß-sexy Kuss in die untere Mitte seines Gesichtes und schwebst elfengleich und mördergeil davon.

Verlieb dich!

Die Musikbombe findet dich auch Bombe und du merkst das? Dann schwelge in den Wogen deiner Selbstbestätigung und gönn dir ein paar Tage Liebe und Hoffnung auf eine oder mehrere Wiederholungen des I wanna sex you up.

Verlieb dich! N I C H T.

Als emotional intelligentes Mädchen, weißt du doch, woran du bist. Der Kerl wollte dich für eine Nacht? Dann lass die Dinge auf sich ruhen. Binde deinem Herzen einen Maulkorb um und tu für dich so, als wäre alles nie passiert. Das erspart die einiges an Herzschmerz und Schmach.

Prahlen oder Geheimnis wahren

Deine Mission war erfolgreich? Be proud. Be proud as hell. Trällere Lobgesänge auf dich. Erzähl's gleich deiner Mama, deinem Geschwisterchen, deinen Freunden, der Billakassiererin deines Vertrauens. Nur: Erwähne bloß keine expliziten Namen! (Was mir in dieser Niederschrift öfter passiert ist, aber es gibt für solche Fälle Aufpasser vom Fach, die eine Panikattacke bezüglich Klagen der Künstler bekamen und die Namen sofort löschten. Gäbe es ein Löschpapier für Laptops, sie hätten es an den Bildschirm gepresst.) Namen nennen kann so nach hinten losgehen. Du hast ja keine Ahnung.

Klar, das gesamte Prozedere ist vielleicht unechtes Getue, manipulativ und moralisch fraglich. Dir geht es aber um Spaß und Erfahrung fernab deines paralysierenden Alltags und nicht darum, hinter der Bühne deine wahre Liebe zu finden. Außerdem hat ein bisschen Platz an der Sonne noch niemanden geschadet.

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