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Pomeranze wird zwei Jahre alt und wir haben uns mit den Veranstaltern unterhalten

„Ich würde mir wünschen, dass Wiener bereit wären, mehr als nur drei Stationen zu einer Location zu fahren...auch von mir“.

von Noisey Staff
24 April 2015, 6:00am

Als die drei jungen Männer sich hinsetzen und mich vorwarnen, dass sie recht unterschiedliche Ansichten und Meinungen haben, weiß ich noch gar nicht wie sie Recht behalten werden. Phil, Carlo und Christian widersprechen sich bei vielen Fragen, doch überschneidet sich ihre Meinung in den ausschlaggebenden Momenten. Sie diskutieren während des Interviews miteinander und nehmen stets andere Blickwinkel ein. Vielleicht ist ja genau dieser Umstand, das Erfolgsgeheimnis von Pomeranze. Das Kollektiv wird zwei, was in Veranstalterjahren uralt ist. Am 25.04 feiern sie zusammen mit ihren Resident-DJs, Gästen und Künstlern in der Pratersauna ihren Geburtstag. Vorab trafen wir uns, um über die Wiener Clubkultur, das Veranstalten und Pomeranze zu unterhalten. Daraus hat sich mehr eine Diskussion als ein Interview entwickelt, weshalb wir versucht haben den Konsens der Jungs als „Pomeranze“ zu bündeln.

Noisey: Wie habt ihr begonnen und was hat sich in den letzten 2 Jahren verändert?
Pomeranze: Um unseren befreundeten Musikern und Künstlern eine Plattform zu bieten, entwickelten wir die DISCO CITRUS VULGARIS. Eine Ausstellung, ein Konzert und DJs vereint in einer Nacht. Leider entstand nicht immer eine Symbiose zwischen Ausstellung und Party. Daher suchen wir derzeit nach neuen Wegen Kunst besser in die Nacht zu integrieren. Wie transmediale Arbeiten, die sich aktiv mit Raum auseinander setzen oder Performance. Zusätzlich planen wir vermehrt kleine Konzerte oder konzentrieren uns bei CVRTISANE auf elektronische Musik. Insgesamt ist alles ein wenig internationaler geworden.

Wie wichtig ist Social Media für euch?
Wir nutzen Facebook für unsere Events, deren Bewerbung, sowie als Plattform für Musiker und Künstler, die wir im Auge behalten und weiter unterstützen möchten. Relativ neu ist unsere Podcast-Serie auf SoundCloud. Social Media ermöglicht uns, abseits von den Veranstaltungen, eine Marke oder ein Image aufzubauen. Neben dem Digitalen ist es aber auch noch schön Flyer in der Hand halten zu können. Bei unserem aktuellen Flyer kann man wieder die Informationen entziffern, definitiv ein Fortschritt.

Wie seht ihr eure Konkurrenz?
Die liebste Konkurrenz sind andere Veranstalter mit einem ähnlichen Grundverständnis von Nachtleben, Kultur und Musik. Trotz unglücklicher Überschneidungen, sehen wir das als Bereicherung. Ab und zu schnappt man sich sogar einen Act weg, da beißt man sich kurz auf die Lippe und freut sich wieder, dass der Act nun endlich nach Wien kommt.

Als Veranstalter schärft sich der Blick auf die Klubszene—wie entwickelt sich Wien?
Wie lange wohl noch Facebook so ausschlaggebend für den Erfolg oder Misserfolg von Veranstaltungen in Wien verantwortlich sein wird? Gerade gibt es ja einen Zusagen-Exzess. Nur ein Club mit Stammpublikum kann dem entgehen, wie im celeste zum Beispiel. Als Veranstalter stehen wir auf der anderen Seite, schließlich ist Werbung für uns notwendig, da sich keine zeitliche oder örtliche Regelmäßigkeit einstellt. Im Englischen spricht man direkt vom Promotor. Wien sehen wir aber auf einem guten Weg. Freude bereiten uns Ascending Waves in der Grellen Forelle oder die Verkehrte Welt der Pratersauna. Da wir irgendwie auch Kinder des Technorevival 2009 sind, fragen wir uns mitunter, welche Szene uns einmal ablösen wird.

Was ist euch wichtig? Was weniger?
Unsere Anforderungen und Ambitionen sind mit der Zeit gewachsen. Wir arbeiten mittlerweile schon etwas subtiler und planen akribisch den Ablauf und das Booking. Jede Party besitzt eine eigene Dramaturgie auf welche wir versuchen Einfluss zu nehmen. Wesentlich ist für uns die Weiterentwicklung von Pomeranze als Plattform und Basis für neue Formate.

Ist man nach zwei Jahren noch immer nervös? Was ändert sich?
Puh, wir sind immer noch tierisch nervös, es ist schon ein riesen Unterfangen und ein gewisses Risiko. Man sollte sich nie zu sicher sein. Obwohl wir immer professioneller werden, geht uns auch noch manches schief. Wir würden gerne als ein Verein arbeiten. Langsam entwickelt sich ein Netzwerk über die Grenzen Wiens hinaus, das ist großartig und ein echtes Privileg!

Wunschwelt: Was wünscht ihr euch von Wiens Nachtleben und dessen Fortgeh-Publikum?
Eine Szene lebt von seinem Publikum. Wir wünschen uns mehr Leidenschaft, wie auch einmal an Wiens Grenzen zu fahren oder nicht immer den Preis entscheiden zu lassen. Mehr Mut für Offlocations—für Partys der heilige Gral. Da kann man sicher noch was von der Freetekk-Szene lernen. Leider nicht ganz unser Geschmack. Man sollte sich aber immer an der eigenen Nase fassen. Kurzgesagt: mehr Raum und Initiative!

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