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Deutsche Festivals und die Angst vor Anschlägen

Ein britischer Anti-Terror-Experte hat vor Anschlägen auf diesjährigen Festivals gewarnt. Wir haben beim Wacken, Highfield und Hurricane nachgefragt, wie sie mit solchen Bedenken umgehen.
31.5.16

UPDATE: Nachdem sich im bayrischen Ansbach ein 27-Jähriger mit einer Rucksackbombe selbst in die Luft gesprengt hat und dadurch 15 Menschen verletzte, haben das Out4Fame-Festival und das Wacken Open Air ihre Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Denn eigentlich wollte der Täter auf das Festivalgelände des Ansbach Open gelangen, wurde aber aufgrund eines fehlenden Tickets abgewiesen (sein Rucksack wäre gleich nach dem Einlass kontrolliert worden) woraufhin er die Bombe im Außenbereich einer Weinstube zündete.

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Das Nordrhein-Westafälische Out4Fame verkündete einen Tag später, dass die Besucher keine Rucksäcke auf das Festivalgelände bringen sollten. Da die Kontrollen verschärft werden würden, könnte das die Security entlasten. Das Wacken in Schleswig-Holstein ging noch einen Schritt weiter: Nicht nur Rucksäcke sind auf dem Veranstaltungsgelände untersagt, auch sonstige Beutel und Taschen (ausgenommen sind Bauchtaschen) müssen auf dem Zeltplatz oder Schließfächern bleiben.

Der Terroranschlag auf das Pariser Konzert der Eagles Of Death Metal ist fast sieben Monate her, das sehr mulmige Gefühl beim ersten eigenen Konzertbesuch danach längst verflogen und wir freuen uns auf die Festivalsaison. Zehntausende Menschen auf engstem Raum, der dann doch wieder zu riesig ist, um ihn flächendeckend zu kontrollieren—was kann da schon schiefgehen? Eine Menge, meint Neil Basu, britischer Anti-Terror-Experte. Deswegen seien in England alle Festivals in höchster Alarmbereitschaft versetzt worden.

Laut der Times "können sich [Terroristen] nichts besseres vorstellen, als auf möglichst viele Zivilisten zu zielen." Das scheint in der lebensfeindlichen Logik von Attentätern durchaus Sinn zu ergeben. Ein Anschlag auf einem Festival – damit rechnet doch niemand, oder? Wir haben mal bei zwei großen deutschen Festivalveranstaltern nachgefragt, wie sie nach Paris auf ihren Festivals für Sicherheit sorgen wollen.

Wacken Open Air

Laut Wacken-Veranstalter gibt es zurzeit keine expliziten Warnungen vor einem Anschlag. Jedes Jahr werde das Sicherheitskonzept geprüft und mit Blick auf die aktuelle Sicherheitslage weiterentwickelt. Man arbeite eng mit Behörden und der Polizei zusammen.

"Wir wissen auch, dass es keine hundertprozentige Sicherheit gibt", so die Wacken-Macher—gerade deswegen bereite man sich zusammen mit den Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben optimal vor und habe immer die aktuelle Sicherheitslage im Blick.

Hurricane Festival & Highfield Festival

Auch FKP Scorpio, der Veranstalter des Hurricane und Highfield, arbeitet nach Eigenaussage seit Jahren eng mit den Behörden zusammen. Das Gepäck eines jeden Besuchers wird bei Betreten des Campingplatzes kontrolliert und später wird jeder beim Gang auf das Bühnengelände einzeln abgetastet und auf verbotene Gegenstände überprüft. An allen Einlässen steht zudem Sicherheitspersonal, um schnell auf Gefahren reagieren zu können.

FKP räumt aber ein, dass all das wenig gegen "schwer bewaffnete Angreifer, die egal aus welcher Motivation heraus Veranstaltungen stürmen", ausrichten kann. Sie stellen sich trotzdem auf solche Bedrohungen ein, indem sie ein neues Sicherheitskonzept erstellt haben und eng mit der Polizei zusammenarbeiten, um so schnell wie möglich reagieren zu können.

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