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Die Partyreihe “YouYou“ bringt die Zürcher HipHop-Polizei zum Schwitzen

In Kürze stehen unter der Tagline "Future Dancefloor Dynamite“ Gigs von Ta-ku und Kaytranada an. Wir haben mit dem YouYou-Gründer Stipe Svalina über die neue Offenheit im HipHop und Gentrifizierung im Kreis 5 gesprochen.
7.6.16
Foto: Facebook

Stipe Svalina betreibt seit zwei Jahren den Zürcher Club Exil und veranstaltet darin seit einem Jahr seine Partyreihe "YouYou". Mit progressivem Sound unter der Tagline "Future Dancefloor Dynamite" holte er bereits Acts wie Stwo, Pomo oder Mr. Carmack nach Zürich. Mit den kommenden Live-Shows von Ta-Ku und Kaytranada legt Stipe diesen Sommer nochmal einen drauf. Ich habe mit ihm über die neue Offenheit im HipHop, die Langstrasse und die Gentrifizierung im Kreis 5 gesprochen.

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Noisey: Hey Stipe! Mit "YouYou" veranstaltest du eine eher progressive Partyreihe, die der Zürcher HipHop-Polizei wohl kaum gefallen wird.
Stipe: "YouYou" ist mein Baby. Ich habe die Party gestartet, als ich hier im Club bereits ein Jahr aktiv war. Schon zuvor habe ich als externer Veranstalter vor allem Konzerte veranstaltet und promotet. Mit der Zeit hat sich dann auch mein Geschmack entwickelt. Gemeinsam mit einigen Residents hier im Club, meiner Freundin und Homies, die diesen neuen Sound auch abfeiern, entstand dann eine Crew, die dieses Projekt mitträgt. Mit der Zeit kamen immer mehr Leute auf mich zu und sagten: "Was? Solcher Sound läuft im Exil?". Solche Begegnungen habe ich mittlerweile oft—nur dass ich halt etwa zehn Jahre älter bin als die Leute, die mich darauf ansprechen.

Und was willst du uns mit dem Namen "YouYou" sagen?
Mir gefällt es extrem, dass sich der HipHop-Sound jetzt geöffnet hat. Früher verstand man unter HipHop meist ausschliesslich 95bpm-Musik. Heute ist HipHop irgendwie auch House, Trap oder Bassmusik. Du kannst problemlos Beats mit 60bpm oder 120bpm spielen, auf das kommt es nicht mehr an, es ist alles etwas mehr zusammengerückt.
Als ich einen Namen für diesen Vibe brauchte, kam meine Freundin mit der Idee "YouYou", so nennt man den Freudenschrei afrikanischer Frauen—das steht jedenfalls im Internet. Ich find's geil—einfach Freude! Überhaupt ist meine Freundin ein sehr kreativer Kopf und wir tauschen uns bei vielem aus—ausser unserer Kleidung.

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Die Party widerspiegelt also ein Stück weit auch deine persönliche Entwicklung.
Ja, sehr. Ich habe mit der Zeit auch gelernt, dass die härteren und kommerzielleren Turnup-Songs mit viel Rauch in den Videoclips ein Stück weit auch dazugehören.
Ja, Drake gehört auch zum Ganzen. Das musste ich erstmal lernen, dass dieser superkommerzielle Sound auch seinen Platz hat. Umgekehrt wenn im Plaza mal ein YouYou-affiner Track läuft, tanzen die Leute genau gleich weiter. Das freut mich, wenn ich sowas sehe. Ich denke, dass die Grenzen da fliessend sind und dass die HipHop-Puristen langsam auch entspannter werden. Ich glaube auch, die Leute checken gar nicht richtig, was das jetzt genau sein soll dieser "Future Beat" oder "Future Sound", wie auch immer man das nennen mag. Ich selbst ja manchmal auch nicht. Das macht diesen Sound eben interessant, dass er sich nicht einfach einordnen lässt. Das geht vom instrumentalen HipHop bis zu Trap, der auch mal in Richtung Turnup geht. Dieser Sound ist einfach echte Vibe-Musik.

Entspringt die Tagline "Future Dancefloor Dynamite" aus dieser Erkenntnis?
Zum Auflegen habe ich einen Musikordner, der so heisst. Ich fand einfach "Das hört sich geil an!" und habe das dann mal auf den Event-Flyer geschrieben.

Dementsprechend geht's bei euch auch mehr ab auf dem Floor als woanders?
Glückerweise haben wir eine Tänzer-Community, die gern schon um 23:30 Uhr auftaucht und lostanzt. Die sind schon eher ein Tanzpublikum als die "Ich steh cool in der Ecke und schau mich etwas um"-Leute. Tanzen hat momentan einen grossen Hype, in fast jeder TV-Werbung kommen irgendwelche Tanz-Moves vor.
Das letzte "Zürich tanzt" war ein mega Erfolg und Red Bull zieht mit BC One oder Flying Illusion auch eine grosse Show auf. Die Songs, die wir spielen, hörst du auch an solchen Events. Ich versuche, einen positiven Vibe in den Club zu bringen, die Leute soll echten Spass haben und sich nicht darüber den Kopf zerbrechen, so cool wie möglich rüberzukommen. Die Zürcher sind oft gefangen in ihrer eigenen Coolness und können sich nicht richtig gehen lassen. Wenn ich beispielsweise jemandem von einer Idee erzähle und nach ihrer Meinung frage, kommt oft nur ein gestelltes Nicken zurück, einfach weil sie sich nicht auf die Ideen anderer einlassen und konstruktiv über diese reden wollen.

Mit der Idee, Kaytranada zu buchen, hast du dir ziemlich viel vorgenommen. Ist das sowas wie dein Königsbooking?
Ja voll, aber es war ein harziges Unterfangen. Etwa zweieinhalb Jahre bin ich denen nachgerannt. Damals lag mein Angebot bei ein paar hundert Euro. Irgendwie hat das aber nie geklappt. Mittlerweile ist der Act dann doch ziemlich gross geworden und jetzt machen wir das Ganze im Kaufleuten, auch wenn ich es natürlich gerne im Exil veranstaltet hätte. Schade, dass die Show an einem Montag ist und es darum vielleicht nicht genauso berauschend zu und her geht wie bei unseren Partys an den Wochenenden. Wenn ich andererseits sehe, wie gut Trapped an einem Mittwoch im Gonzo funktioniert, freut mich das richtig und ich denke "Yes mann, wir sind eine richtig lebendige Stadt!"

Foto von Facebook

Was passiert in Zürich gerade so, was die Lebendigkeit der Stadt gefährden könnte?
Für das Exil ist die Gentrifizierung vom Kreis 5 ein grosses Problem. Dem gegenüber hat die Langstrasse Leben und mittlerweile extrem viele geile Angebote. Du kannst vom X-Tra aus die Langstrasse bis zum Plaza hinaufgehen und du findest einfach alles auf dem Weg. Klar kann man sagen, an der Hardbrücke existiert sowas wie eine Ausgangsmeile zwischen dem Hive und der Härterei, aber du hast hier kaum Leben. Viele Leute bewegen sich dann lieber im Kreis 4, da sie dort verschiedene Angebote in ein ein paar Minuten Gehdistanz haben.

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Du musst dir ohne diese Laufkundschaft also jeden Gast einzeln erarbeiten. Hast du Wünsche an die Stadt, um den Kreis 5 attraktiver zu machen?
Ja, die Leute kommen sehr gezielt hierher. Einerseits ist das geil, du weisst, jeder kommt extra wegen deinem Programm. Andererseits kämpfst du mit jeder Veranstaltung aufs Neue darum, dass die Leute in den Kreis 5 kommen. Da kann mal schnell nur schon das Wetter zum Problem werden, wenn es beispielsweise regnet und die Leute nicht aufs Velo steigen wollen.
Klar sind die Veränderungen im Kreis 5 spürbar. Mit neuen Loftwohnungen verdrängt man halt das subkulturelle Leben und den urbanen Flair des Quartiers—aber das sind nun mal die Pläne der Stadt. Ich bin ihnen in erster Linie dankbar, dass wir hier draussen auch mal Dinge wie Burgers & HipHop machen dürfen und dafür die Bewilligung für unseren Vorplatz erhalten. Zum Jammern gibt es keinen Grund, wir sind zufrieden hier in unserem erhaltenen Kosmos im Foifi.

Das Exil kann als Club aber weiterhin langfristig planen?
Ja, wir werden auch weiterhin unser Ding durchziehen und mit den Leuten die Nacht von morgen zelebrieren. Ende Juni feiern wir zum Beispiel eine Woche lang den siebten Geburtstag des Exils.

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Mehr zu YouYou findest du auf Facebook. Den Gig von Kaytranada im Kaufleuten kannst du dir hier für den 13. Juni im Kalender vormerken.

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