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Das Primavera Sound Tagebuch: Tag 2

Wenn gefühlt fünf Millionen Menschen bei "Creep" oder "Karma Police" mitsingen, ist das einer der Momente, den man noch seinen Kindern erzählen wird.
4.6.16

Foto von der Autorin

Der zweite Haupttag des Primavera Sound Festivals in Barcelona ist gelaufen. Radiohead stürzen Tame Impala vom Thron des denkwürdigsten Konzerts und das spanische Bier zeigt seine ersten Nachwirkungen. Festivalhopperin Lisa lässt euch ein zweites Mal ein bisschen am Hipster-Life teilhaben.

12.15 Aufstehen. Kopfweh.

12.45 Erstes Bier des Tages? Nein, noch warten.

12.46 Erstes Bier.

Das wirklich Schöne am Primavera ist ja, dass man den Citytrip mit Festivalbesuch kombinieren kann. Man muss sich keine lahme Ausrede suchen, wieso man nicht campen "kann". Man muss halt einfach nicht. Find natürlich ur, ur schade.

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16.30 Natürlich muss man sich outfittechnisch vor jedem Festival einiges überlegen. Tagsüber heiß, abends kalt. Ganz super. Am Weg zum Gelände in die schwarze Jean gedrechselt habe ich beschlossen, sitzen ist nicht so cool. Thrombose?

Foto von der Autorin mit der Autorin

18.00 Darwinistische Festival-Lehre: Survival of the fittest. Noch glaube ich, minütlich an einem Hitzeschlag sterben zu können, aber schon in ein paar Stunden, wenn die Sonne weg und der arschkalte Wind da ist, hilft den Mädels in extrakurzen Jeansshorts auch niemand mehr weiter. Die Blumenkränze kann man sich immerhin auch nicht als Nierenschoner wärmend unter die Croptops schnüren.

20.00 Savages liefern so richtig ab. So oft, wie Fronfrau Jehnny Beth sich in den Schritt greift, kann ich gar nicht mitzählen. Der Sonnenuntergang, der parallel stattfindet, ist wiedermal viel zu lieblich für die düstere Noiserock-Krautshow, die da stattfindet. Jehnny wirft sich noch dazu immer wieder Hals über Kopf ins Publikum. Finden alle super. Nur die Securities sind supersauer. Irgendwer muss ja nachlaufen, mit dem Kabel und so.

Savages mit Jenny im Publikum. Foto von Patrick Steiner

21.10 Eine der wenigen Ausnahmen, bei denen sich Blasinstrumente für mich ausgehen, sind Beirut.

22.00 Mittelgroße Völkerwanderung.

22.05 Ah, schnell noch ein Bier holen, bevor es zu spät ist.

22.10 Richtig, Radiohead sind die nächsten. Es herrscht epische "Herr der Ringe - Das ist die letzte Schlacht"-Stimmung.

Wenn man genau hinsieht, erkennt man Thom Yorkes Weltschmerz. Foto von Patrick Steiner

22.45 Am Sound hätte man vielleicht noch das ein oder andere drehen können. Aber sonst ist das wahrscheinlich so einer der Momente, von dem man seinen Kindern erzählt. Wenn gefühlte fünf Millionen Menschen bei Karma Police oder Creep mitbrüllen, als ginge es um ihr Leben. Radiohead kratzen schwer am Thron von Tame Impala von vorgestern, wenn es um den besten Auftritt hier geht.

00.15 Meine klaustrophobische Hälfte unterdrücke ich am Weg zu den Dixies. Es war noch nie so viel los, wie heute vor, während und nach dem Radiohead-Konzert.

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01.15 Man munkelt, dass Alex Turner ein ziemliches Arschloch sein soll. Man kann auch drüber streiten, ob er gemeinsam mit Miles Kane, wie es in vielen Kritiken nach dem neuen Album hieß, den Rock’n’Roll gerettet hat. Either way: Live sind die Last Shadow Puppets schon ziemlich gut.

Foto von Patrick Steiner

01.45 Noch ein bisschen zu „´"Floridada" von Animal Collective tänzeln. Bin mittlerweile aber leider so müde, ich glaube, dass ich bald sterben muss.

02.30 Habe überlebt und es zum Night Bus geschafft. Wie gut oder schlecht das ist, weiß ich noch nicht. Verfluche das spanische Verkehrssystem. Will ins Bett.

03.30 Lisa over and out.

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