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Das ultimative Femcee-Battle

Wer wird die Xena unter den Rap-Kriegerinnen? Iggy, Angel, Banks oder Kreayshawn?
29.12.12

Bildmontage: Julian Meinert

Normalerweise nerven ja Beefgeschichten im Rap, weil meistens unnötig und lächerlich. Doch wenn sich talentierte Musikerinnen aus demselben Genre gegenseitig digital an den Haaren ziehen, dann kann man nur amüsiert zuschauen. So geschehen bei den sogenannten „Femcees“ (ja, findet euch damit ab: Journalisten stecken Musiker gerne in Schubladen mit Doppelbart-Schlüsselschloss, sperren sie zu und verschlucken den Schlüssel). Zum Verständnis, gemeint sind: Angel Haze, Iggy Azalea, Kreayshawn und Azealia Banks. Diese jungen Rapperinnen haben einiges an weiblichen Selbstbewusstsein zurück in den HipHop gebracht — und das liegt nicht nur an ihrem verschwenderischen Gebrauch der Begriffe „Bitch“, „Pussy“ oder „Dick“, vielmehr ist ihr Talent dafür verantwortlich.

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Jedenfalls verteilen die Damen auch außerhalb des Aufnahmestudios gerne ein paar Spitzen. Insbesondere Azealia Banks beleidigt über Twitter so ziemlich alles und jeden im Rapgeschäft, inklusive Iggy Azalea und Kreayshawn, die ordentlich zurückfauchen.

Das ist natürlich eine Steilvorlage für uns sportliche Wettkampfgeister, weswegen wir uns entschieden haben, ein episches Battle anzuleiern. Wir wollen die Prinzessin der Femcee-Bewegung krönen — die Xena unter den Rap-Kriegerinnen.

Leider konnten wir den Protagonistinnen keine Frisbeeartigen Bumerangtötungswaffen geben, um das selbst untereinander zu klären, weswegen wir die Damen in verschiedenen Disziplinen gegeneinander antreten lassen. Wir haben sie jeweils nach DEM Hit, der sie großgemacht hat, ihrer Coolness, den Skills und ihrem Potenzial auf einer Skala von 1 bis 5 bewertet. Am Ende zählen wir die Punkte zusammen und präsentieren euch unsere Femceeprinzessin.

Aber genug Rumgeplänkel, die Wahrheit liegt schließlich aufm Platz. Auf der ersten Seite geht es los mit: Kreayshawn.

Kreayshawn:
Beginnen wir mit der Frau, die die Femcee-Bewegung ins Rollen gebracht hat: Kreayshawn. Die Rapperin aus Oakland hat in ein paar Videos von Lil B Regie geführt und wurde im Juni 2011 schlagartig durch ihren Song „Gucci Gucci“ bekannt.

DER Hit

In dem Song geht es darum. dass Frauen sich nicht anziehen wie Gucci- oder Prada-Schlampen, sondern ihren eigenen Style finden sollen. Ich finde das Ding ziemlich nervig und auch die Botschaft ist ziemlicher Schwachsinn. Sollen sich jetzt Frauen zwischen Prada und Hipster entscheiden oder wie? Ich kann mich über den Song aufregen, wie ich will, aber — you can‘t juke the stats! „Gucci Gucci“ hat auf Youtube über 40 Millionen Klicks, Kreay scheint da also was richtig gemacht zu haben. Wenn man es wohlwollend formuliert, hat sie den anderen Femcees den Weg bereitet. Deswegen gibt es von uns noch:
3 Punkte

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Coolness
Kreayshawn sieht sich gerne als das White Trash Girl, das ihren eigenen Style hat und gerne provoziert. Na gut, White Trash ist sie tatsächlich: Mit 16 ist sie von Zuhause ausgezogen und ohne Abschluss von der Schule geflogen, weil sie einem Mitschüler drohte, ihn mit einer Wassermelone abzuwerfen … Alles cool bis dato, doch mit der steigenden Prominenz fing sie auf ein Mal an, Leute zu dissen und Rick Ross als Fake zu bezeichnen. Kreay, wir wissen dass Rozay früher die Gitterstäbe im Knast von außen poliert hat, du musst es uns nicht mehr mitteilen, nur um im Gespräch zu bleiben. Der Typ frisst dich auf. Wie gesagt, White Trash ist sie, aber dumm rumquatschen muss sie nicht.
3 Punkte

Skills
Sagen wir mal so: Es gibt bessere. Viel Bessere. Kreayshawn kommt sicherlich nicht über die Technik. Sie profitiert extrem davon, dass in den USA gerade dieser langsame Rap a la Chief Keef und French Montana angesagt ist. Gegenüber Nicki Minaj oder Missy Elliot wirkt ihr Flow wie ein D-Zug mit Anlaufschwierigkeiten. Aber Schnelligkeit ist natürlich nicht alles (nicht wahr, Twista!?), doch leider sind auch die Texte ziemlich schwach („Groupies follow me like Twitter“). Freestylen sollte sie auch lieber ganz lassen.
2 Punkte

Potenzial
Kreayshawn möchte das böse, weiße Mädchen sein, das im Haifischbecken HipHop ein paar Leuten vor den Karren pissen will. Aber um das lange machen zu können, muss man nun Mal musikalisch was zeigen. Da sehen wir das ein oder andere Fragezeichen. Ihr Debütalbum Something about Kreay war trotz einiger erhellender Momente ein Schuss in den Ofen. Und nicht nur wir sehen das so: 3.900 verkaufte Einheiten in der ersten Woche sind bei dem Hype, den sie hatte, schon ein wenig peinlich. Deswegen:
1 Punkt

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Fazit:
Kreay, es tut uns leid, aber mehr als 9 Punkte sind nicht drin. Ein Hit reicht in dieser harten Konkurrenz nun mal nicht. Vielleicht solltest du etwas an deiner Musik arbeiten, bevor du im Femcee-Battle nochmal antrittst. Oder du lässt es einfach ganz.

Weiter geht es mit: Iggy Azalea.

Iggy Azalea

Iggy Azalea ist das perfekte Beispiel dafür, welche Entwicklung HipHop global gemacht hat. Iggy ist die erste Frau, die auf dem Cover des XXL-Magazines zu sehen war, dazu ist die Gute noch Australierin. Und wir haben sie zu einem netten Gespräch in Berlin getroffen. Grund genug, sie nochmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

DER Hit

„Pu$$Y“ wurde 2011 zum Renner auf Twitter und brachte Iggys Konzept genau auf den Punkt. Das weiße Mädchen mit dem langen blonden Pferdeschwanz auf einer Veranda in der Hood, das einen auf sexy macht, und dann versaute Texte rappt. Klar soll das schocken. Anfangs zieht man vielleicht noch die Augenbrauen hoch, doch spätestens, wenn man Iggy mit ihren Boos chillen sieht, fragt man sich, wo eigentlich jetzt das Problem liegen soll. Wir mögen den Song, aber vom Konzept sind wir nicht wirklich überzeugt.
4 Punkte

Coolness
Iggy ist schon verdammt cool. Sie ist Model für Wilhelmina und hat sich als rappendes Mädchen aus dem australischen Kaff Mullumbimby in den USA einen Namen gemacht. Außerdem versteht sie es perfekt, zwischen Püppi- und Pussy-Style zu wechseln.
4 Punkte

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Skills
Rappen kann sie. Iggy hat sogar Double-Time drauf, obwohl DT auch sehr überschätzt ist. Was sie aber noch üben muss, ist es, live zu performen. Beim Konzert in Berlin musste sie sich des Öfteren auf den Playback im Hintergrund verlassen. Außerdem sollte sie vielleicht ein bisschen mehr Abwechslung in ihre Texte bringen, als andauernd nur über irgendwelche Katzen zu rappen.
3 Punkte

Potenzial
Und das ist das Problem bei Iggy. Wenn ihre Musik ein langes Haltbarkeitsdatum vorweisen soll, dann wird das bisher Gezeigte nicht ausreichen. Ok, ein hübsches, weißes Mädchen rappt auf Dirty-South-Beats über krasse Sachen. Cool, und was kommt jetzt? Wenn sie weiter auf dieser Schiene fährt, dann wird das schnell langweilig werden. Und ehrlich gesagt, trauen wir ihr diese künstlerische Entwicklung nicht wirklich zu. Aber wir lassen uns gerne eines besseren belehren.
2 Punkte

Fazit
13 Punkte für Iggy. Wir finden, ein guter und fairer Wert. Wir hoffen, es geht in die richtige Richtung.

Blättert doch bitte weiter für den Geheimfavoriten: Angel Haze!

Angel Haze

Der Geheimtipp der Runde. Angel kam im Sommer wie aus dem nichts ins Game. Schnell stellte sich heraus, dass da eine der spannendsten Künstlerinnen der letzten Jahre heranwächst.

DER Hit

Ehrlich gesagt, hat Angel nicht den einen Hit, der ihr den Kickstart in die Karriere verschafft hat. Im Hinblick auf eine langandauernde Karriere ist dieser Umstand wohl gesünder. Ihr wahrscheinlich bekanntester Song ist „New York“, wo sie darüber rappt, wie sie die Stadt überrennt. Ein sehr, sehr guter Track, mit einem ziemlich angsteinflößenden Video, leider aber noch relativ unbekannt.
4 Punkte

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Coolness
Die Geschichte von Angel Haze ist ziemlich unglaublich. Als Kind wurde sie sexuell misshandelt. Ihre Mutter war in einer Sekte, die jegliche Art von Musik verbot. Erst mit 16 hörte sie zum ersten Mal Musik. Ihre Vergangenheit verarbeitet sie so authentisch in ihren Songs, dass es fast schon wehtut. Trotzdem, oder gerade deshalb, sollte man ihr für ihren Mut applaudieren. Sie fährt zwar äußerlich nicht auf dem Style, den die anderen Rapperinnen haben, muss sie im Gegensatz zu denen auch nicht. Ihre Musik steht mehr als für sich. Trotzdem: Bitte keine rauslukenden Boxershorts aus den Baggiepants mehr.
5 Punkte

Skills
Angels Talentpaket ist mehr als nur beeindruckend. Die Gute hat einen ziemlich kranken Flow und legt sehr viel Wut in die Stimme, ohne das es gleich zickig klingt. Gleichzeitig kann sie mit einer fast engelsgleichen Stimme singen, was einem in dieser Kombination einfach nur den Kopf verdreht.
5 Punkte

Potenzial
Angel hat eigentlich alles, um eine erfolgreiche Karriere hinzulegen. Sie kann rappen, singen, Battlerap, deepes Zeug, plus sie hat eine bewegende Vergangenheit, von der man so noch nicht im Rap gehört hat. Die Frage ist, wie das große Publikum auf eine solche Künstlerin reagiert.
4 Punkte

Fazit
Angel geht mit 18 Punkten verdient in Führung, weil sie bis dato die musikalische talentierteste Rapperin ist.

Wir haben noch eine. Die Favoritin auf den Femceethron: Azealia Banks!

Azealia Banks

Die Favoritin im epischen Kampf um den Femcee-Thron: Bei Azealia Banks einigten sich die Blogs und die Feuilletons auf den neuen Stern am HipHop-Himmel. Grund dafür ist dieser eine Song:

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DER Hit

„212" ist einer dieser wenigen Songs, die jeder gut findet. Ziemlich catchy, aber nicht so, dass es billig wirkt, viel Abwechslung und ein paar flotte Lyrics („I guess that cunt getting eaten“). Da passt einfach alles. 40 Millionen Mal wurde der Song bei Youtube geklickt, ohne dass irgendwer von dieser Azealia Banks vorher gehört hatte. Soll mal einer sagen, es gebe die Macht des Songs nicht. Wir lieben ihn selbstverständlich auch.
5 Punkte

Coolness
Wir mochten mal Azealias Style, sie war frech und hatte gleichzeitig Klasse, darauf standen wir. Aber da wussten wir noch nicht, dass sie ein kleines Miststück ist. Auf Twitter beleidigt sie ohne jeden Grund die halbe Szene (Iggy Azalea, T.I. Funkmaster Flex, Jim Jones, Kreayshawn, Lil Kim und ihr eigenes Management). Auf der Skala zwischen neckendem Girlie und Ich-verdiene-es-in-der-Hölle-zu-schmoren hat sie die Stufe „Geh uns nicht auf den Sack“ erreicht. Also Az, komm schleunigst zu uns Blümchensex-Langeweilern zurück, bevor es zu spät ist!
3 Punkte

Skills
Musikalisch hat sie das Rüstzeug um eine ganz Große zu werden: Ein lupenreiner Flow, eine Stimme die wahlweise zwischen Missy Elliott und Kelis wechselt und dazu noch der Blick fürs Visuelle. Azealia ist wirklich unfassbar talentiert.
5 Punkte

Potenzial
Umso mehr schmerzt es da, dass im Moment Mrs. Banks in erster Linie durch ihr Rumgekasper auf Twitter in aller Munde ist, statt durch ihre wirklich sehr gute Musik. Das verwundert, schließlich hatte sich schon alle Welt auf sie als das nächste große Ding eingeschossen. Ihr steht eigentlich eine große Zukunft bevor, wenn sie es sich nicht selber verbaut.
4 Punkte

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Fazit:
Wer hätte das gedacht? Azealia Banks kommt auf 17 Punkte und muss sich damit als klare Favoritin dem Geheimtipp Angel Haze geschlagen geben.

Die Krönung

Wir sind stolz und glücklich, endlich den Monate-währenden Krieg um den Rapperinnen-Thron beenden zu können, und die rechtmäßige Femcee-Prinzessin küren zu können: Angel Haze! Eine so talentierte und spannende Künstlerin hat diesen Titel mehr als verdient!

Bildmontage: Julian Meinert

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