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Reviews

Jon Hassell—‚City: Works Of Fiction‘

Mal geil-käsige Klänge, mal Afro-Rhythms: Nach diesem Future Jazz Kraut-Rerelease ist man in Sachen Musikgeschichte wieder etwas schlauer.
10.6.14

Jon Hassell
City: Works Of Fiction
All Saints Records

Benutzt überhaupt noch jemand den MP3-Blog-Aggregator The Hype Machine zur Musikrecherche, oder wurde der schnuckelige Dienst längst von Spotify und deinem Facebook-Feed abgelöst? Entdeckst du überhaupt noch Musik? Und wenn ja, auch alte, abseitige? Eventuell sogar wegweisende, ihrer Zeit voraus gewesene? So viele Fragen, denen ich nun mit Antworten zu entgegnen versuchen möchte: Zwischen 2009 und 2012 haben sich—laut The Hype Machine—(ganze) sechs Musikblogs (kurz) mit dem amerikanischen Future Jazz Kraut-Komponisten und -Trompeter Jon Hassell auseinandergesetzt. Gut, das ist mehr als hier in unserer kleinen Musikselbsthilfegruppe, aber selbst für die weiten des Interwebs ist das wenig, gemessen an der rückbetrachteten Relevanz Hassells für die nachfolgende Musikgeschichte. Sein Label All Saints Records hat nun 24 Jahre später—Moment, hätte man das nicht zum Jubiläum machen können? Geschenkt—…, jedenfalls zwei Dekaden später die für HipHop und elektronische Musik inspirierenden, semi-improvisatorischen No-Jazz-Kompositionen des Altmeisters neu aufgelegt. Dessen 1990er Hauptwerk City: Works of Fiction liegt hier nun als ‚Box-Set‘ ausgebreitet vor mir, zur Aufmachung kann ich mich aufgrund des Plaste-Promo-CD-Schubers jedoch nicht äußern kann. Liner Notes? Wären bei solch einem Werk ja eventuell angebracht, aber was braucht die Musikkritik sie schon? Punktabzug.

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Bleiben die drei CDs. Disc 1 enthält das originale, geremasterte City: Works of Fiction-Album. 57 Minuten feinste Fusion und Abstract Jazz-Kompositionen mit teils geil-käsigen Klängen („Ba-Ya D“), teils an Leute wie Mulatu Astatke („Mombasa“) erinnernde Afro-Rhythms. Disc 2 enthält Hassells 1989er Konzert im früheren World Trade Center, Brian Eno stand damals an den Mixern und verhalf den tribalistischen Klängen von Hassells Ensemble zum bestmöglichen Sound. Das klingt auch auf CD satt und sauber, nur der frenetische Publikumsapplaus hätte etwas weiter nach vorne gemischt sein dürfen. Auf der dritten CD dann Psychogeography, ein quasi neues Album mit bisher unveröffentlichten Stücken, Sessionmaterial und einigen Neuinterpretationen von Patten, Bass Clef und 808 State. Hat man diese 203 Minuten lange Box erst einmal durch, ist man gleich wieder etwas schlauer, was die eigentlichen Wurzeln von HipHop, Ambient, allerlei dystopischer Electronica und somit großen Teilen von Musikhype angeht.

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