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3 Jahre Beat Science—wir gratulieren

Am Samstag feiert die Partyreihe, die seit jeher junge, aufstrebende Bassmusik nach Wien bringt, Geburtstag. Wir haben den Machern ein paar Fragen gestellt.
21.2.15

Die Partyreihe Beat Science steht für gehobene Bass-Unterhaltung. Seit mittlerweile drei Jahren holen die Macher junge, aufstrebende Acts nach Wien ins Cafe Leopold. Am Samstag feiert Beat Science Geburtstag—unter anderem mit salute, den wir vor ein paar Tagen interviewt haben. Wir haben Jeru, dem Kopf dahinter, ein paar Fragen über seine Erfahrungen mit dem Veranstalten in Wien gestellt.

Noisey: Hast du eine Lieblingsstory aus drei Jahren Beat Science?
Jeru: Es gab viele interessante Erlebnisse, vielleicht könnte man aber die Geschichte rund um GANZ etwas hervorheben. Wir haben Ihn damals als völlig Unbekannten nach Wien geholt. Ich glaube er hatte gerade mal um die 3000 Facebook-Fans. Sein erster Auftritt außerhalb seiner Heimatstadt Amsterdam war in Wien. Es beschreibt sehr schön wie die Beat Science Bookings entstehen. Die Initialzündung ist eigentlich meist die ausufernde Sucht nach Musik. Stundenlanges Suchen in den zahlreichen Kanälen des unendlichen Webs, bis man etwas findet, das einen umhaut. Wenn‘s dann gelingt, irgendwie Kontakt herzustellen—von Artistmanagement ist in dem Stadium oft noch keine Rede—geht’s meist relativ schnell. Mittlerweile haben wir auf diese Art und Weise bereits einige Künstler frühzeitig nach Wien geholt, die in weiterer Folge weltweit nicht unbeträchtlich Resonanz erzeugt haben. Neben GANZ könnte man hier auch beispielsweise die Artists von Soulection, Mr. Carmack, Esta oder Joe Kay hervorheben. Von einigen anderen wird man mit Sicherheit in Zukunft noch das ein oder andere hören.

Was waren die wirklich guten Momente? Gab es auch große Enttäuschungen?
Mir ist beispielsweise der Abend mit ONRA in Erinnerung geblieben. Abgesehen davon dass es eines der bestbesuchten Events überhaupt im Leopold war, kann ich mich an einen, bei der Ankunft noch ziemlich schlecht gelaunten ONRA erinnern. Er hatte bereits am Vorabend irgendwo gespielt, ist direkt von dort nach Wien geflogen und es wäre bei uns ein streng limitiertes Set von einer Stunde vorgesehen gewesen. Die Booking Agency hatte das noch mehrmals betont. Am Ende war er dann so begeistert vom Wiener Publikum dass er von 02:00 bis 06:00 durchgespielt hat. Enttäuschungen im eigentlichen Sinn gab es eigentlich wenige. Allerdings tut‘s teilweise etwas weh zu sehen, dass wirklich tolle Künstler, wie etwa letzten Dezember Sivey aus London in Wien gerade noch genug Leute ziehen, um eine verlustfreie Veranstaltung gewährleisten zu können.

Man hat ja schon das Gefühl, dass „Bassmusik“ in den letzten Jahren einen Aufwind erlebt hat. Hast du davon profitiert?
Ehrlich gesagt hat mich die Entwicklung etwas überrascht. Nachdem ich mittlerweile fast 19 Jahre auflege und mich bisher immer in Bereichen bewegt hatte, die weit davon entfernt waren, größere Massen anzusprechen, hat sich das in letzter Zeit erstmals etwas geändert. Ich habe mich nie wirklich nach irgendwelchen Trends gerichtet und plötzlich wird das was man eigentlich immer als Underground betrachtet hat populär, Bookinganfragen häufen sich und man bekommt eine Interviewanfrage von Noisey. Die Kehrseite ist sicherlich, dass steigende Popularität auf Dauer meistens eher schädlich für ein Genre ist. Wenn ich an Dubstep denke das, nachdem es fast ein Jahrzehnt eher ein Nischendasein fristete, plötzlich innerhalb kurzer Zeit förmlich explodiert ist und die Schnelligkeit mit der es wieder aus den Clubs verschwand, macht mich das eher pessimistisch. Eine Zeit lang wird es aber bestimmt noch spannend bleiben, bis dann wieder andere Impulse von welcher Richtung auch immer gesetzt werden.

Auch wenn heute immer alle Acts alles „zerstören“, „zerlegen“ oder „killen“—welcher Act in drei Jahren Beat Science hat tatsächlich alles zerlegt?
Ich bin mal in der Hektik von der Leopold Bühne hinunter geflogen, habs aber glücklicherweise heil überstanden. Die Soulection Label Night war auch unvergesslich. Man konnte die positiven Vibes aus LA förmlich in der Luft fühlen. Lefto war auch beeindruckend. Er gehört nach wie vor zu meinen absoluten Lieblings DJs und hat die damals noch unveröffentlichten Hudson Mohawke Banger gespielt und die Stimmung zum Kochen gebracht.

Geht es sich finanziell aus, oder ist das schon eher ein Liebhaberprojekt?
Es ging sich zumindest bisher aus. Wir haben in Summe gesehen keine Verluste gemacht, reich wurden wir aber auch nicht. Das wäre aber auch nicht die Intention gewesen. Ich kann schwer einschätzen wie es sich, durch die steigende Popularität der Musik die wir featuren, in Zukunft verhalten wird. Es wird aber jedenfalls nie unser vorrangiges Ziel sein, damit viel Geld zu verdienen. Insofern kann man es schon Liebhaberprojekt nennen.

Was magst du an der Wiener Clubkultur, und über was kannst du dich immer noch aufregen?
Das was ich auch an Wien mag. Es geht uns gut und wir haben alle Möglichkeiten die wir uns wünschen könnten. Man sollte sich viel öfters vor Augen führen, dass wir in unserem ständigen granteln und nörgeln oft vergessen, dass es anderswo weit größere Probleme gibt als die Frage, ob ich heute in die Grelle Forelle, die Pratersauna oder ins Cafe Leopold gehe. Weniger gefällt mir der starke Fokus auf House und Techno, auch medial gesehen. Gerade die Vielfalt macht es doch erst interessant. Aussagen wie HipHop sollte heutzutage nicht mehr in den Clubs gespielt werden, weils old school ist und bleiben sollte, stoßen bei mir auf Unverständnis. Die spannendsten DJ-Sets sind meiner Meinung nach die die Altes und Neues zusammenführen. Und auch dieses strikte Genredenken ist tatsächlich etwas das eher in den 90er Jahren verbleiben sollte.

Was würdest du dir von den anderen Wiener Veranstaltern für die nächsten drei Jahre wünschen?
Eigentlich gibt es da nicht viel. Glücklicherweise hat sich in den letzten Jahren ein ganz gutes Netzwerk, zumindest in dem Genre in dem sich Beat Science bewegt, gebildet. Die Leute unterstützen sich und vermeiden ähnliche Veranstaltungen am selben Tag. Ich bin teilweise sogar verblüfft, dass es praktisch zu fast keinen Terminkollisionen kommt. Natürlich kann sich das auch wieder ändern, wenn neue motivierte Veranstalter dazukommen.

Was würdest du dir vom Wiener Publikum wünschen?
Ich würde das nicht nur auf Veranstaltungen beziehen sondern generell auf das Thema Musik. Es wäre schön, wenn sich die Leute weniger vom Marketing blenden ließen und auch mal Artists genauer anhören und supporten würden, die bisher wenige Facebook likes sammeln konnten, oder durch teure Werbekampagnen popularisiert wurden. Und natürlich sollten österreichische Künstler so gut wie möglich unterstützt werden. Gerade im Bereich der Produzenten hat Österreich sehr viel zu bieten und muss sich keinesfalls international verstecken.

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