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Interviews

Freunde, Familien und Freddie Gibbs sind gekommen, um den Rapper Tiny Doo zu unterstützen, der wegen seiner Musik im Gefängnis sitzt

Führende Mitglieder der schwarzen Community sowie Rap-Kollegen wie Freddie Gibbs haben sich während Tiny Doos Anhörung geäußert.
11.12.14

In den letzten Tagen sind in den USA viele Leute auf die Straße gegangen. Sie haben gegen die Entscheidung eines Geschworenengerichts in Staten Island protestiert, den Polizeibeamten, der dabei gefilmt wurde, wie er Eric Garner mit einem Würgegriff getötet hat, nicht anzuklagen. Parallel dazu haben sich dutzende Demonstranten außerhalb eines Gerichtsgebäudes im Zentrum von San Diego versammelt, um ihre Unterstützung für angeklagte Gangmitglieder zu zeigen, denen wegen krimineller Verschwörung der Prozess gemacht werden soll—unter ihnen Brandon Duncan alias Tiny Doo—dem Rapper aus San Diego droht eine 25-jährige bis lebenslange Gefängnisstrafe dafür, dass er ein Rap-Album veröffentlicht hat.

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In der Menge fand sich auch Freddie Gibbs, selbst bekannt für seine Reime über das Leben auf der Straße, der gekommen war, um seine Unterstützung für Duncan zu zeigen und mehr über den Fall zu erfahren.

„Wenn sie ihn einsperren, können sie genauso gut mich einsperren“, sagte Gibbs Noisey, während er vor dem Gerichtssaal auf Duncans Anhörung gewartet hat. „Ich ernähre meine Familie mit Rappen. Er hat versucht, dasselbe zu tun.“

Wie ich letzte Woche geschrieben habe, wird Duncan zusammen mit 14 anderen in einem Fall beschuldigt, der sich um Schießereien dreht, die laut den Anklägern von der gewalttätigen Lincoln Park Bloods Gang begangen wurden. Duncan wurde mit keiner der Schießereien in Verbindung gebracht, aber laut einem kalifornischen Gesetz, das sich gegen Gangmitglieder richtet, wird er beschuldigt, ein aktives Mitglied der Gang zu sein und ihre Verbrechen gefördert und von ihnen profitiert zu haben. Als Beweis haben die Ankläger ein Facebook-Foto von ihm selbst und jemanden seiner Mitangeklagten und—was noch kontroverser ist—sein umsonst erhältliches Mixtape, No Safety, das Anfang des Jahres erschien und eine geladene Waffe auf dem Cover hat, vorgelegt.

Tiny Doo No Safety-Cover

In der Anhörung hat der oberste Richter David M. Gill sechs Beschuldigte in diesem Fall angeklagt, die alle auf nicht schuldig plädiert haben. Einer ihrer Anwälte, Aaron Harvey, hat gesagt, dass sie die Rechtmäßigkeit der Anschuldigungen anfechten würden, während Duncan beantragt hat, dass sein Prozess auf den 23. Januar festgesetzt wird.

In einer anschließenden, separaten Anhörung haben die Verteidiger zweier anderer Beschuldigter, Darry Charles Jr. und Jawaun Jones, versucht, dass die Anklage gegen ihre Mandanten fallengelassen wird. Sie haben argumentiert, dass das kalifornische Gesetz, das die Grundlage der Anklage ist—und auch bei Duncan zur Anwendung kommt—ihre konstitutionellen Rechte verletzt, da es zu vage und zu weit gefasst ist. Nach einiger Überlegung hat Richter Gill beschlossen, dass die Prozesse der Männer weiter verfolgt werden und gesagt, dass es an den Anklägern liegt, den Beweis für ihren Fall zu erbringen.

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Der Fall, in den Duncan involviert ist, wirft—genau wie ein ähnlicher Fall von Gang-Kriminalität in San Diego, den die Zeitung U-T San Diego letztes Wochenende in einem Artikel diskutiert hat—die Frage darüber auf, inwieweit Rapmusik und Facebook-Posts vom 1. Zusatzartikel der Verfassung geschützt sind. Laut der U-T sagen die Ankläger, dass beide als Mittel für Gangmitglieder dienen, um Leute einzuschüchtern, ihre Gang zu repräsentieren und blutige Rivalitäten anzuheizen. Auf der anderen Seite haben die zahlreichen Demonstranten, die zur Anhörung am Donnerstag erschienen sind, gesagt, dass dies nur ein weiterer Weg für die Autoritäten sei, um Menschen mit dunkler Hautfarbe zu schikanieren und zu kriminalisieren; besonders die, die in vernachlässigten Gegenden leben.

Diese Woche hat das Büro des Bezirksstaatsanwalts eine Stellungnahme zu dem Fall abgegeben: „Es ist für die Gemeinschaft wichtig, zu verstehen, dass es in diesem Fall nicht darum geht, jemanden für das Rappen zu bestrafen und auch nicht um den 1. Zusatzartikel. In diesem Fall geht es darum, unsere Nachbarschaften zu schützen, indem gewalttätige Gangmitglieder von der Straße geholt und für die Verbrechen, die sie begangen haben, verantwortlich gemacht werden, mithilfe eines Gesetzes, das die Wähler verabschiedet haben und das Gericht als verfassungskonform anerkannt hat.“

Bei ihrer Zusammenkunft außerhalb des Gerichtsgebäudes haben die Demonstranten Schilder hochgehalten und sich in einer Auswahl an Gang-Farben gekleidet. Unter ihnen fanden sich Familien, Freunde und führende Mitglieder der schwarzen Community aus San Diegos Südosten und auch wenn ihre T-Shirts blau, rot und grün waren—letzteres ist eine charakteristische Farbe für die Lincoln Park Bloods—fanden sich die Worte „IT’S JUST A COLOR!“ auf den T-Shirts wieder.

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„Nur weil wir eine bestimmte Farbe tragen, die mit einer bestimmten Gang in einer bestimmten Gegend in Verbindung gebracht wird, sind wir nicht in einer Gang“, sagte Armon Harvey, dessen Bruder Aaron zusammen mit Duncan eine Anklage zu befürchten hat. Harvey, der ein rotes Basecap mit der Aufschrift „#freeaaron“ auf der Seite trug, sagte, dass junge schwarze Männer wie er durch die strengen kalifornischen Gesetze gegen die Ausbreitung von Gangs besonders angreifbar sind. Diese werden dafür genutzt, um die Verurteilung „dokumentierter“ Gang-Mitglieder, die Straftaten begehen, um ihre Gang zu fördern, voranzutreiben.

„Ich habe die Highschool abgeschlossen. Ich war auf dem College. Ich habe die Welt bereist“, sagte er. „Ich habe all das gemacht, aber trotzdem stempelt ihr mich als Gangmitglied ab. Ihr dokumentiert mich als Gangmitglied. Und alles, was ich tue, egal was es ist, kann aufgrund dieser Dokumentation jetzt verstärkt werden.“ Damit bezieht er sich darauf, dass die Gesetze die Verurteilungen „verstärken“, was bedeutet, sie schwerwiegender zu machen.

Die Beamten haben sich geweigert, die Menge mit ihren farbigen Shirts und Hüten in das Gerichtsgebäude zu lassen und haben gesagt, dass innerhalb des Gebäudes Proteste verboten wären. Einige Leute haben ihre Shirts also auf links gedreht oder sich Pullover angezogen, um reingehen und den Anhörungen beiwohnen zu können. In einem langen Flur, der zum Gerichtssaal führt, haben sie geduldig darauf gewartet, dass es anfängt, geredet und Platz gemacht, wenn irgendjemand durch musste.

Demonstranten San Diego

Demonstranten bilden außerhalb des Gerichtsgebäudes in San Diego einen Gebetskreis. Foto von Peter Holslin.

Jason Crawford, Professor an einem örtlichen Community College, der mit Nick Cannon an TeenNick-Projekten arbeitet, sagt, er findet die Anschuldigungen „irrsinnig“. Er sagt, dass er in den Monaten vor den Festnahmen in dem College, das ein paar der Beschuldigten, inklusive Duncan, besuchen, einen Multimedia-Kurs abgehalten hat, in dem sie gelernt haben, wie man Musik für das Fernsehen und Filme macht.

„Sie waren hungrig. Sie haben Musik geliebt und sie haben geliebt, was sie gemacht haben, also war es wie ein Ventil“, sagte Crawford. Er hob hervor, dass sie weit entfernt waren von Gang-Dramen. „Sie mussten sich nicht um irgendwelche Sachen in der Gegend kümmern. Es war eine sichere Umgebung. Sie waren in der Lage, ihre Arbeit zu erledigen und all das.“

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Duncans rechtlicher Situation wird viel Aufmerksamkeit seitens der Medien zuteil, besonders jetzt, da die Leute gegen die Entscheidungen der Gerichte, die Polizeibeamten, die Michael Brown bzw. Eric Garner umgebracht haben, nicht zu verurteilen, protestieren—beide waren unbewaffnete schwarze Männer. Für Gibbs unterstreicht all dies das gestörte Verhältnis, das viele zu den Obrigkeiten und der Polizei haben.

„Es ist verrückt, die Dinge, die sie uns gerade antun“, sagte er. „Wir leben wirklich in einem Polizeistaat. Diese Typen können mit uns machen, was sie wollen. Wir stehen ihnen zur freien Verfügung, wie Vieh, und das ist nicht cool.“

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