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Interviews

„Der Kampf gegen Rechtsextremismus ist nicht mit Linksextremismus gleichzusetzen“—Die Dockville-Macher im Interview

Die AfD hat ein Problem damit, dass linke Bands wie Slime auf dem Dockville auftreten. Wir sprachen darüber mit den Festival-Machern.

von Noisey Staff
14 September 2015, 9:10am

Die Hamburger AfD stört es, dass Feine Sahne Fischfilet, Slime und Die Goldenen Zitronen auf dem Dockville Festival aufgetreten sind. Vier ihrer Abgeordneten sprechen in einer sogenannten Kleinen Anfrage an die Hamburger Kulturbehörde von einer „roten Linie“, die hier angeblich überschritten wurde. Die Macher des Festivals sehen das anders, wie sie uns in einem kurzen Interview freimütig erklärten.

Noisey: Die AfD spricht in seiner Anfrage an die Kulturbehörde davon, dass mit den Auftritten von Feine Sahne Fischfilet, Slime und den Goldenen Zitronen auf dem Dockville Festival „eine rote Linie überschritten wurde“. Wie versteht ihr diese Aussage?
Ehrlich gesagt haben wir uns dagegen entschieden auch nur im Ansatz nachvollziehen zu wollen, was die AfD mit ihrer Aussage meinen könnte. Dies entzieht sich unserem Interesse, da wir sicherlich eine andere Auffassung von der besagten „roten Linie“ haben.

Seit wann arbeitet das Dockville Festival mit der Kulturbehörde zusammen und wie sieht diese Zusammenarbeit aus? Werdet ihr von der Kulturbehörde auch durch finanzielle Mittel unterstützt?
Das MS DOCKVILLE ist Hamburgs Festival für Musik und Kunst und es ist in den vergangenen neun Jahren extrem gewachsen und wird somit automatisch mit der Hansestadt Hamburg und der hiesigen Kulturszene in Verbindung gebracht. Dies verdanken wir auch der Zusammenarbeit mit der Kulturbehörde, die uns von Anfang an unterstützt hat. Die Form der Zusammenarbeit variiert von Jahr zu Jahr.

Hat die Kulturbehörde Hamburg einen Einfluss auf das Booking des Festivals? Sprechen sie überhaupt mit und falls ja, gab es in der Vergangenheit Fälle, in denen die Kulturbehörde Kritik an einem Booking geäußert hat?
Solche Fälle gab es bisher nicht. Wir kümmern uns seit der ersten Ausgabe des Festivals eigenständig um das Booking und alle anderen künstlerischen Belange.

Warum habt ihr die oben angesprochenen Bands gebucht?
Weil wir sie toll finden!

Teilt ihr die Einstellung der AfD, diese Bands als linksextrem einzuordnen?
Diese Einstellung teilen wir nicht. Das Festival ist gegen jegliche Form von Extremismus und duldet keinerlei Form von Intoleranz. Hätten wir diese Bands als extremistisch eingestuft, hätten wir sie nicht gebucht.

Im Duktus der AfD gesprochen: Warum haben rechtsextreme Bands auf dem Dockville nichts zu suchen, (sogenannte) „linksextreme“ aber schon?
Weil Rechtsextremismus in unseren Augen eine allgegenwärtiges Problem ist, durch das in einem immer größer werdenden Maße Hass auf Menschen befördert wird, die nicht in ein bestimmtes Muster hinein passen. Es ist ein großer Denkfehler, den Kampf gegen Rechtsextremismus mit Linksextremismus gleichzusetzen oder zu verwechseln, wie dies gerne geschieht. Dieser Kampf ist letztlich ein Entgegenstellen gegen stumpfen Hass und damit das Einsetzen für eine bessere Zivilgesellschaft. In dem Zusammenhang: Alles, was sich nur irgendwie als geistig verwandt mit Organisationen wie Pegida betrachtet, ist bei uns nicht erwünscht.

Ihr positioniert euch mit dem Dockville also explizit gegen Rechts. Übernimmt das Festival so auch eine gesellschaftspolitische Funktion?
Wir stecken jedes Jahr erneut sehr viel Energie und Herzblut in das MS DOCKVILLE. Uns ist es wichtig, eine besondere Festivalatmosphäre zu kreieren, in der sich Menschen fernab ihrer nationalen, ethischen oder sexuellen Herkunft wohlfühlen. Diese Freiräume sind uns wichtig und so kann man bestimmt auch von einer gesellschaftspolitischen Funktion sprechen. Wir haben, wie auch diverse andere Festivals, den DJ Ten Walls ausgeladen, nachdem dieser mit homophoben Kommentaren auf sich aufmerksam machte. Gegen Gewalt und Extremismus in jeder Form positionieren wir uns immer wieder aufs Neue.

Werdet ihr auf die Anfrage der AfD direkt reagieren? Welche Intention steckt aus eurer Sicht hinter ihr?
Die AfD hat sich nicht mit uns in Kontakt gesetzt, deswegen werden wir nicht direkt reagieren. Wir haben auch kein Interesse an einem direkten Kontakt. Welche Intention hinter der Anfrage steckt, möchten wir gar nicht erst vermuten.

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