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Mein Musikjahr 2015: Antonia

Musik, die mir spontan einfällt, wenn ich an das letzte Jahr denke.

von Antonia Matschnig
15 Dezember 2015, 10:37am

Die besten Songs, die besten Alben, die besten Phänomene, die besten Momente: Noisey-Autoren blicken zurück auf das, was 2015 richtig gut war. Oder auch nicht. Heute: Antonia.

2015 war für mich das Jahr, in dem ich begonnen habe, so richtig viel aufzulegen. Das bringt mit sich, dass ich Unmengen an Tracks heruntergeladen und gehört habe. Es ist dabei unmöglich, einen Überblick zu bewahren und hier meine Lieblings-Musik 2015 aufzulisten, ohne zumindest 1.000 gute Lieder zu vergessen. Ich habe also beschlossen, über die Musik zu schreiben, die mir spontan einfällt. Das muss nicht nur die beste sein, aber zumindest die, die mir aus irgendwelchen Gründen im Gedächtnis geblieben ist.

Vocal-Grime ist (wieder) salonfähig geworden

OK, salonfähig ist übertrieben, aber Grime hat stark an Akzeptanz gewonnen. Selten habe ich dieses Jahr Leute so verrückt abgehen gesehen wie zu einem Grime-Hit, wenn er im richtigen Kontext gespielt wurde. Amerika mag jetzt auch Grime und Skepta hat mit „Shutdown“ eigentlich den Hit des Jahres gelandet. Zu meinen persönliche Lieblings-Grime-Songs 2015 gehören neben einigen Instrumental-Grime-Tracks unter anderem „2001“ von Wiley, „Know me from“ von Stormzy und „Queen's Speech Ep.4“ von Lady Leshurr.

RIP Geil&Bogen

Die Eventreihe ist gekommen und leider auch wieder gegangen. Abgesehen davon, dass Geil&Bogen so ziemlich der schlimmste Name ist, den eine Veranstaltung haben kann und ich mich immer schämen musste, wenn mich jemand gefragt habe, zu welcher Party ich heute gehe, hatte ich dort sehr viel Spaß. Die Geil&Bogen-Bookings waren genau das, was mir in Wien oft gefehlt hat: deeper, harter und eklektischer Bass. Shoutouts an Kasun an dieser Stelle. Ich war nie zuvor so gerne im Werk und ich hatte auch selten so viel Spaß am Auflegen, wie bei meinem Warmup für Addison Groove im April. Besonders gute Sets haben meiner Meinung nach Ikonika und Mickey Pearce gespielt.

Lang lebe afro-portugiesische Clubmusik

Warp hat mit den Compilations CARGAA 1, 2 und 3 den perfekten „Guide to Kuduro“ (und verwandten Genres) herausgebracht und ich habe mich sehr in diese Musik verliebt. Zu den größten musikalsichen Highlights meines Jahres gehören die Auftritte von DJ Firmeza und Nidia Minaj am Unsound Festival. Heimat der meisten Größen des Genres ist das portugiesische Label Principe Discos.

PC Music ist (so gut wie) tot

Nachdem ich bei SOPHIE im Jänner einen der lustigsten und auch musikalisch spannendsten Abende meines Jahres hatte, ist der PC Music-Hype wieder verschwunden. Das PC Music-Showcase am SXSW hat beim Zuschauen ein bisschen Schmerzen bereitet und auch der QT Energy Drink-Release ist irgendwie untergegangen. Zugegebenermaßen ist ein von Red Bull gesponserter Energy Drink auch nicht wirklich innovativ. „MSMSMSM“ von SOPHIE hat mich dann (allerdings als einziger neuer Song des Albums) doch wieder sehr begeistert und ich bin sicher, dass auch Labelboss AG Cook noch coole Sachen produzieren wird. In der Zwischenzeit finde ich aber dieses verdächtig nach SOPHIE klingende Projekt spannender:

Drake hat wie immer einige Hits gelandet

… die wir um fünf Uhr morgens mitgegrölt haben. Zum Beispiel „Know Yourself“, „Legend“ oder—wait for it—Hotline Bling. Der Song, den sich die Leute schon bei mir wünschen, bevor ich überhaupt mit einem DJ-Set beginnen kann. Mein Rekord an Hotline Bling-Anfragen während eines zweistündigen Sets liegt bei ungefähr zehn Mal. Mein Respekt gilt allerdings den Songs, die gesampelt wurden. So wie „Tinted Glass“ für „Know Yourself“ oder „Why can't we live together“ für „Hotline Bling“ herhalten musste.

Ich habe mich endlich getraut, Footwork und Juke aufzulegen

Und die Leute haben sogar dazu getanzt. OK, nicht immer, aber oft. „It's Hard To Say No“ von Darren Keen hat für mich den Begriff Disco-Footwork geprägt, obwohl ich nicht weiß, ob dieser überhaupt existiert. „Kuku“ von Flako bereitet mir nach wie vor Gänsehaut und beweist, dass Drop nicht gleich Drop ist. Auch wenn der Rest des Albums nicht nur Footwork ist: Natureboy von Flako ist auf jeden Fall eines der schönsten Alben 2015. RP Boo hat gefühlt auf jedem Festival für elektronische Musik, das Qualität hat, gespielt (zu Recht). Und Machinedrums Movin' Forward—A Tribute To DJ Rashad hat mir einige hartnäckige Ohrwürmer bereitet.

Kendrick hat uns gezeigt, dass auch Rapper erwachsen werden (dürfen)

Als ich Kendricks Meisterwerk To Pimp A Butterfly zum ersten Mal gehört habe, dachte ich erstmal nur: Wow, reif. Kendrick hat nicht nur unglaubliche Musikalität bewiesen, sondern auch gezeigt, dass Rap dieser Tage mehr Inhalt haben kann als Bitches and Money. In To Pimp A Butterfly behandelt Kendrick Rassismus von innen und außen. Selbst nach vielfachem Anhören, habe ich immer noch nicht das Gefühl, das Album komplett erfasst zu haben, da es zu sehr in die Tiefe geht. Und dazu ist es auch noch clubtauglich. Danke Kendrick, ich hoffe, dass sich einige ein Beispiel an dir nehmen.

Festivals

Dieses Jahr war ich hauptsächlich auf Festivals in Österreich. Meine Highlights: Süßi James Holden am Donaufestival, Darkstar, die mich fast zum heulen, gleichzeitig aber auch zum tanzen gebracht haben und Kero Kero Bonito am Waves, Venus X und Ghetto-Don DJ Funk am Elevate, Andreya Triana am Soundframe und einfach das komplette Lineup des Unsounds in Polen. Mehr übers Waves 2015 gibt's hier und eine Lobrede an das Unsound hier.

Sommerhits

„Just“ von Bicep ist der einzig wahre Song, um ihn am Weg ans Meer im Auto zu hören und sich dabei wie in einer schlechten ORF 2-Primetime-Romanze zu fühlen. Die Mitsing-Sommerhits haben Crack Ignaz mit Gwalla (und dem Rest von Kirsch) und Action Bronson mit „Actin Crazy“ und „Baby Blue feat. Chance the Rapper“ geliefert.

The Weeknd hat uns auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt

Zum Glück hat The Weeknd meine utopischen Gedanken von Rap, der die Welt verbessern will (siehe Kendrick) schnell wieder zerstört und gezeigt, was richtig gut ankommt: eher langweiliger Pop. Ich und vermutlich jeder andere langjährige Weeknd-Fan, war ziemlich enttäuscht von Beauty Behind The Madness. Weeknd hat sich in wiederholenden Inhalten selbst übertroffen und sich musikalisch zurückentwickelt. Was übrig geblieben ist: gut funktionierender Pop zum Mitsingen. Ich wünschte nur, ich müsste nicht auch immer mitsingen.

Was sonst noch gut war

Ich muss zugeben, dass ich dieses Jahr sehr wenig Indie gehört habe, aber „Another One“ von Mac DeMarco ist mein Indie-Favorit 2015 und war zugleich immer der letzte Song, wenn ich ein Closing gespielt habe. Wieder weiter weg von Indie gab es da noch Mike Skinners „You Better Be“, das mich immer sehr emotional stimmt und meinen favourite Cheesy-Tune „Rewind“ von Kelela. Sixtus Preiss und B.Visible haben sehr gute Arbeit geleistet und den „Österreich-Sound“ irgendwie weiter geprägt. Das Dorian Concept-Trio hat einige grandiose Live-Auftritte geliefert. Dann war da noch Lockah, die Brick Bandits, Nick Hook, Zora Jones, Jamie xx, ... Mir fällt noch viel zu viel gute Musik aus dem Jahre 2015 ein—vermutlich ein gutes Zeichen, aber es zerfetzt mich innerlich. Achja: Ich liebe DJ Florentino. Ende.

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