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Interviews

Guten Tag, Herr Dr. Barat, ich habe Indierock und es geht nicht weg

Ich hab's nicht so mit Reunions. Ich lasse mich aber gerne vom Gegenteil überzeugen.
6.2.15

Bevor sich jemand beschwert: Ich habe keine Ahnung, wie man diesen blöden dreieckigen Haken über das -rat von Carl Barats Namen macht. Wenn ihr Wert auf diesen Haken legt, kopiert den Text in ein Worddokument und fügt den selbst ein, bevor ihr das Interview lest. Ich mach euch dann auch einen Stempel ins Muttiheft, dankeschön, bitteschön, gern geschehen.

Carl Barat hat nach den Dirty Pretty Things eine neue Band. Sie heißt Carl Barat and The Jackals (Bandnamen nach dem Schema „berühmter Typ, der mit einer ganz anderen Band bekannt geworden ist und hofft das sein Name zieht“ + „Substantiv im Plural, das verdeutlich, dass er noch ein paar Leute dabei hat, die keiner kennt und nie jemand kennen wird“ sind immer gefährlich) und das Album dazu Let It Reign. Seien wir ehrlich, ich bin mit den Libertines aufgewachsen. Die verzweifelt-genialische Dahingerotztheit des letzten Albums (nicht zuletzt des Hidden Tracks!) ist meiner Ansicht nach deutlich epochaler als dieser ganze Oasis-Mist vom Ende der Neunziger, um den so ein Kult gemacht wurde, aber seit diesem Reunion-Klimbim habe ich mich nicht mit ihnen beschäftigt. Ich hab's nicht so mit Reunions. Ich lasse mich aber gerne vom Gegenteil überzeugen.

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Erinnert sich noch jemand an den Client Song, bei dem Carl Barat sowas wie Backgroundvocals singt? Er leitet dieses Interview ziemlich perfekt ein:

Noisey: Hallo hallo, ich hab diese Promo-Biographie bekommen und dachte, ich halte mich da mal dran. Du hast deine neue Band im Internet zusammengecastet?
Ja, ich hab getweetet, „Hey, wer wäre gern mit mir in einer Band?“ Es war großartig, eine Menge Leute haben sich gemeldet.

Wie viele?
1000. Es gab 500 ernst gemeinte, einige haben nur verrückten Scheiß geschickt, Nacktfotos und so…

Gute Nacktfotos?
Ja, es gab ein Mädchen, das schielt, die war heiß. Jedenfalls war 1000 unpraktisch, also hab ich es auf 100 runtergebrochen und die dann in einem Pub in London vorspielen lassen. Dann waren wir bei sechs. Dann sind wir einen trinken gegangen, da waren es noch drei.

Du hast dich also danach entschieden, mit wem du saufen kannst?
Ja. Man weiß nie, einige Leute drehen total durch.

Was sind die drei Dinge, an die du am häufigsten denkst?
Oh, meine Kinder, ehrlich gesagt. Meine Familie. Und dann, nun, es ist unterschiedlich. Ich tue sehr viele verschiedene Sachen und ich bin immer vollkommen absorbiert von dem, was ich gerade tue, also denke ich zum Beispiel heute nur an meine Band und dieses verrückte, surreale Presseding. 1. Meine Familie, 2. The Libertines, 3. The Jackals. Meine Filter funktionieren nicht so gut, ich tendiere dazu, alles gleichzeitig wahrzunehmen.

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Nervt es dich, immer nach Pete Doherty gefragt zu werden?
Wenn mich DAS nerven würde, wäre ich vor langer Zeit wahnsinnig geworden…

(Eine Dame in einer getigerten Hose und einem Leopardenoberteil setzt sich zwei Meter von uns auf eine Couch, Barat mustert sie latent verstört.)

… entschuldige, ich war gerade kurz abgelenkt. Ich habe versucht herauszufinden, was für ein Tier sie sein will. Hast du ne Idee? (Starrt die gemusterte Lady an) …

Du hast die Frage vergessen, oder?
Ja… nein … alles, was passiert ist, ist Teil meiner Reise. Die Leute tendieren dazu, sich auf diesen Aspekt zu konzentrieren.

Okay. Mein Promo-Zettel hier sagt außerdem, dass das Studio, in dem du aufgenommen hast, gegenüber von einer Arztpraxis für Pornostars war?
Ja. Es war nicht sehr glamourös, es war ein Gesundheitszentrum, wo gecheckt wurden, ob sie Geschlechtskrankheiten haben.

Schaust du überhaupt Pornos?
Du meinst da? Im Allgemeinen… ja, klar, aber ich habe niemanden der Patienten erkannt, wenn du das meinst.

Was ist dein Lieblingsporno?
Ich weiß nicht… fragst du das jeden?

Hey, was hast du erwartet, bei der Vorlage?
Okay, klar. (Denkt ernsthaft und konzentriert nach) Ich muss darüber nachdenken. Was ist dein Lieblingsporno?

Ich schaue keine Pornos.
Alles klar. Ich fühle mich derzeit ziemlich schizophren, was in Ordnung ist, denn wenn ich Pläne mache, versau ich’s für gewöhnlich. Gerade habe ich zwei Bands, zwei Alben, zwei Tourneen. Zwei Kinder.

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Ich hab die Libertines und das ganze Indiezeug vor so zehn Jahren gehört, was ist in der Zwischenzeit so passiert? Irgendwas?
Es war eine ziemlich leere Zeit. Die Welt verändert sich so schnell, es ist, als ob man sich in einer Art Vakuum befindet. Früher gab es mehr Szenen, also, sogar die Hipsterszene jetzt, kommt mir vor wie so ein Internetding, man sieht in LA 6000 Bärte auf 5000 Personen …

Wie sieht dein typischer Fan aus?
Ein Freund von mir sagte mal, der Unterschied zwischen unseren Fans und denen von „richtigen“ Rockbands ist, dass unsere eher Gedichte als Titten vorzuweisen haben. Aber das ist okay, ich mag Gedichte.

Ich liebe ja die Kommentare unter deinen Youtube-Videos. Eine Menge Leute scheinen sich eine Romanze zwischen dir und Pete Doherty zu wünschen.
Ja, es gibt viele Anhänger dieser Idee. Sie machen uns Männer einfach zu Objekten… nein, also, es ist schon echt merkwürdig.

Gibt es Fanfiction über euch?
Ja, wollte ich gerade sagen, es gibt da ein paar ziemlich eindeutige Geschichten.

Sitzt ihr manchmal da, bei Kerzenlicht, und lest die euch vor? Während ihr langsam näher rückt?
Ja, bei einer Flasche Wein … nein, nicht wirklich.

Wir müssen noch über etwas Ernsthafteres reden, so geht das nicht. Hast du einen Doktor oder sowas?
Ja, habe ich. Ich habe einen Ehrendoktor bekommen.

Oh stimmt, du bist Doktor. Doktor Carl Barat. Du hast dich vermutlich schon ne Weile nicht mehr für nen Job bewerben müssen?
Ja und nein, aber ich habe eine Menge Scheißjobs gehabt. Ich war mal ein professioneller Werfer, englisch „Tosser“. Du weißt, was „Tossing“ heißt? Sich einen runterholen. Ich war also ein professioneller Wichser.

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Was?
Nein, es klingt nur lustig. Ich habe in einer Salatfabrik gearbeitet. Mein Job da war, die Blätter in die Luft zu werfen und zu schauen, ob Spinnen drin sind. Oder Motten. Und wenn ich welche gefunden hab, tat ich sie in einen kleinen Beutel, damit sie sterben. Das war mein Job, ein paar Sommer lang.

Haha, oh Gott.
Einmal haben Pete und ich für eine Firma gearbeitet, die Fenster verkaufte. Wir riefen Leute an, Namen, aus dem Telefonbuch, und immer, wenn der Boss aus dem Raum ging, rief ich einen der Kunden an und sagte, „Hey, ich habe in der Wohnung mal gewohnt, du kennst diese Stelle hinter dem Herd? Da sind zweitausend Dollar versteckt. Sie sind dein.“ Ich hab das so oft gemacht, ich fühl mich jetzt schrecklich deswegen, die Leute haben ihre Küchen auseinander gebaut, und ich, am Telefon „Ich kann nicht lange sprechen, ich rufe vom Gefängnis aus an, zwei Millionen, in der Wand im Erker. Ich muss los.“ Ich frag mich, ob sie wirklich ihre Wohnungen zerstört haben.

Ich glaube, ich habe genug gehört …
Und ich denke immer noch die ganze Zeit nach, was mein Lieblingsporno ist. Danke auch.

Let It Reign erscheint am 13. Februar 2015 bei Cooking Vinyl (Indigo). Holt es euch bei Amazon oder iTunes.

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